The Handmaid's Tale 2x05

The Handmaid's Tale 2x05

June bekommt dank ihres widerstandsfähigen Babys in der The Handmaid's Tale-Episode Seeds ihren Kampfgeist zurück. In den Kolonien geht es derweil noch viel düsterer zu, aber immerhin können sich Emily und Janine auf unterschiedliche Weise gegenseitig Mut zusprechen.

So creepy war selbst „The Handmaid's Tale“ nur selten. (c) Hulu
So creepy war selbst „The Handmaid's Tale“ nur selten. (c) Hulu
© o creepy war selbst „The Handmaid's Tale“ nur selten. (c) Hulu

Allen, die glauben, ein sogenannter starker Führer sei die Lösung für ihre Misere, sei die Episode Seeds von The Handmaid's Tale vorgeführt. Sie zeigt wie wenige vor ihnen, welch schier unaushaltbare Stimmung in einem autoritären Staat wie Gilead herrscht. Hier tobt nicht nur ein Krieg der Männer gegen die Frauen beziehungsweise der reichen gegen die armen Klassen, sondern jeder gegen jeden. Die Unterdrückungsstrukturen sind so omnipräsent, aber auch so fragil, dass jeder gegen jeden aufgehetzt wird, jeder ermutigt wird, den oder die anderen schon beim kleinsten Verstoß zu verpfeifen.

Weibliche Mittäterschaft

Wenngleich die Männer diese Schreckensherrschaft errichtet haben, fällt den Frauen in Machtpositionen kaum weniger Schuld bei ihrer Aufrechterhaltung zu. Auch das verdeutlicht diese Episode in emotional grausamem Detail. June (Elisabeth Moss) wird zu Beginn von Aunt Lydia (Ann Dowd) vermessen, wobei eine Art Kleinkrieg zwischen ihr und Serena Joy (Yvonne Strahovski) ausbricht. Nun, da sich June wieder im Waterford'schen Haushalt befindet, wäre es Serena lieber, Lydia würde sich aus ihren Angelegenheiten heraushalten. Aber das lässt sich die Obererzieherin nicht so leicht gefallen.

June muss erst wieder von Neuem lernen, wie man sich der übermächtigen Staatsgewalt widersetzt. Die Gehirnwäsche durch Aunt Lydia in der letzten Episode war so effektiv, dass sie nur noch wie eine Art Zombie durch die Gegend läuft, womit sie Serena beinahe zur Weißglut treibt. Vielleicht ist das ja in dem Moment die einzige Widerstandsform, die sie noch aufbringen kann. Überhaupt ist Serena ja nur ein bisschen netter als sonst zu ihr, weil sie Lydia ein Schnippchen schlagen will. Als sie jedoch Wind davon bekommt, dass es zwischen June und Nick (Max Minghella) eine besondere Art der Anziehung gibt, verwandelt sie sich sofort wieder in ihr altes, grausames Selbst.

Was folgt, gehört zum Furchteinflößendsten, was die Serie bisang hervorgebracht hat, obwohl dabei kein Blut fließt. Weil Serena nicht ertragen kann, was zwischen June und Nick besteht, gibt sie Fred (Joseph Fiennes) einen kaum verhüllten Hinweis darauf. Der schreitet sofort zur Tat und lässt Nick in einer beängstigenden Zeremonie zwangsverheiraten. Dessen Angetraute ist blutjung, wurde aber von ihrer Mutter lange darauf vorbereitet, in die Sexsklaverei veräußert zu werden. Auch das ist natürlich eine Form weiblicher Unterdrückung, die die Gilead'schen Machtstrukturen reproduziert.

Willkommen bei den McCreepysons!
Willkommen bei den McCreepysons! - © Hulu

Über den gesamten Verlauf der Episode erleidet June in zunehmendem Maße Blutungen, die sie allerdings geheimhält. Eigentlich müsste sie ja alles dafür tun, dass das Baby gesund bleibt, weil der Sprössling momentan ihre einzige Chance ist, am Leben zu bleiben. Vielleicht ist das nun also ihre Art des Protests, vielleicht hofft sie gar, mit dem Kind zu sterben. Auch diese Szenen bringen einige beklemmende Bilder mit sich, zum Beispiel, als June in der Badewanne in einem See aus ihrem eigenen Blut liegt, oder als sie von Nick gefunden wird, wie sie im strömenden Regen auf dem kalten, matschigen Erdboden kauert.

Zurück auf die Barrikaden

Am Ende der Episode findet sie dank ihres widerstandsfähigen Kindes ihren alten Kampfgeist wieder. Ihr innerer Monolog macht das unmissverständlich klar: „Now you listen to me, okay? I will not let you grow up in this place. I won't do it. Do you hear me? They do not own you. And they do not own what you will become. Do you hear me? I'm gonna get you out of here. I'm gonna get us outta here. I promise you.“ Für den Fortlauf der zweiten Staffel kann das nur Positives bedeuten. Eine gehirngewaschene June wäre jedenfalls aus dramaturgischer Sicht nicht besonders ergiebig gewesen.

Ein interessanter Konflikt spielt sich auch in den Kolonien ab. Dort sind Emily (Alexis Bledel) und Janine (Madeline Brewer) wiedervereint. Letztgenannte hält sich ideologisch immer noch an dem fest, was sie von Aunt Lydia eingetrichtert bekommen hat. Sie glaubt, von Gott beschützt zu sein, obwohl alles um sie herum darauf hindeutet, dass das Gegenteil der Fall ist. Emily spricht denn auch von diesem Ort als Hölle, wo es nur diesen einen Dreiklang gebe: „We come here, we work, we die.“ Wie die beiden Frauen mit dieser niederschmetternden Erkenntnis umgehen, ist ein seltener Fall weiblichen Schulterschlusses.

Zunächst scheint es unüberbrückbare Differenzen zwischen ihren Philosophien zu geben. Emily will sich unbedingt ihren Ärger über die unmenschliche Unterdrückung in den Kolonien bewahren, da sie glaubt, andernfalls sich selbst aufzugeben. Die gläubige Janine wählt eine diametral unterschiedliche Herangehensweise: Sie träumt sich in eine bessere Welt und entscheidet sich, die Grausamkeiten des Diesseits zu ignorieren. Am Ende ist sie es, die Emily von ihrer Weltsicht überzeugt, und nicht umgekehrt. Anlass ist die Hochzeit von Fiona (Soo Garay) und der sterbenden Kit (Novie Edwards), die kurze Zeit später zu Grabe getragen wird.

Emily gelingt es dabei, die Linderung zu erkennen, die eine solche Hochzeitszeremonie inmitten all des Elends zumindest für einige Minuten bringen kann. Sie wollte davor ständig wütend sein, und das kann sie ja immer noch. Aber es schadet ihr auch nicht, wenn sie sich täglich für ein paar kurze Augenblicke eine Verschnaufpause gönnt. Für uns Zuschauer ist das ebenso wichtig. Es gibt keine Serie, die auch nur annähernd so düster ist wie The Handmaid's Tale. Ohne die rar gesäten Lichtblicke wäre sie kaum auszuhalten.

Trailer zu Episode 2x06: 'First Blood'

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 17. Mai 2018

The Handmaid's Tale 2x05 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 5
(The Handmaid's Tale 2x05)
Deutscher Titel der Episode
Saat
Titel der Episode im Original
Seeds
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 16. Mai 2018 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 16. August 2018
Regisseur
Mike Barker

Schauspieler in der Episode The Handmaid's Tale 2x05

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