The Handmaid's Tale 2x02

© ie Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Kolonien sind unmenschlich. (c) Hulu
Die erste Staffel von The Handmaid's Tale konzentrierte sich größtenteils darauf, das Schicksal von June (Elisabeth Moss) auszuleuchten. Weil die Geschichte der Romanvorlage von Margaret Atwood jedoch ungefähr mit dem Staffelende abschließt, konnte das Autorenteam rund um Bruce Miller gar nicht anders, als in der zweiten Staffel den Fokus zu erweitern. Nach zwei Episoden kann man bereits konstatieren, dass das sehr gut gelungen ist. Der tollen Episode June folgt mit Unwomen eine ebenso tolle.
Welcome to the fight
Dabei gilt natürlich auch, dass diese zweite Folge ähnlich schwer zu ertragen ist wie der Auftakt. Im Mittelpunkt steht nun nicht nur June, sondern auch die nach ihrer Amokfahrt in die Kolonien verbannte Emily (Alexis Bledel). Wenn ich mich nicht irre, erfahren wir hier zum ersten Mal von ihrer Vorgeschichte. Sie promoviert in Zellbiologie, als das Unglück seinen Lauf nimmt. Weil sie mit einer Frau verheiratet ist, gibt es an der Universität bereits Bestrebungen, ihre Rolle so wenig exponiert wie möglich zu halten. Ist ja klar, dass eine theokratische Diktatur von gleichgeschlechtlichen Ehen nichts hält.
In diesem Handlungsbogen lassen sich denn auch noch mehr Parallelen zur heutigen Welt finden als in der vorherigen Episode. Die Radikalisierung der Anti-Homosexuellenlobby erfolgt schleichend. Zunächst heißt es, dass sich Emily auf ihre Forschung konzentrieren und die Lehre vernachlässigen soll. Ihr Chef Dan (John Carroll Lynch) will ihr das als „Chance“ verkaufen, aber sie erkennt sofort den wahren, homophoben Kern der Maßnahme. Dabei ist Dan selbst schwul und befindet sich gerade in einem richtungsweisenden Streit mit seinem Partner, weil der ihn als systemkonformen Duckmäuser brandmarkt.
Noch schlimmer kommt es ein paar Wochen später, als sich der Schwulenhass der Mächtigen voll Bahn bricht. An Dan wird ein grausames Exempel statuiert, was Emily endgültig dazu animiert, das Land zu verlassen. Allerdings ist es da schon zu spät. Am Flughafen wird ihr und ihrer Familie schlichtweg mitgeteilt, dass ihre Ehe seit kurzem keine Gültigkeit mehr habe und sie deshalb nicht ausreisen dürfe. Immerhin kann sich ihre Ehefrau Sylvia (Clea Duvall) dank kanadischer Staatsbürgerschaft mit dem gemeinsamen Sohn nach Kanada retten.

Die dazugehörigen Szenen am Flughafen sind nicht nur herzzerreißend, sondern dank der rassistischen Trump'schen Einwanderungspolitik gerade furchtbar realistisch. Es wäre keine Überraschung, hätte sich Regisseur Mike Barker für die Umsetzung an den Nachrichtenbildern orientiert, die nach Erlass des anti-muslimischen travel ban in den USA entstanden. Für Homosexuelle gibt es indes eine noch größere Horrorvorstellung als Trump - dessen Vizepräsident Mike Pence nämlich, der unter anderem glaubt, dass Homosexualität „geheilt“ werden könne. Wehret den Anfängen, kann man da nur immer und immer wieder betonen.
Nowhere to go
Andernfalls wäre es natürlich nicht unvorstellbar, dass eines Tages solche Kolonien entstehen wie in dieser Episode. Die Lebensbedingungen dort sind schlichtweg unmenschlich. Tagsüber muss auf Feldern geschuftet werden. Wer sich nicht völlig verausgabt, wird mit Stromstößen traktiert. Pause darf nur gemacht werden, um zu beten. Wer vor Ansicht dieser Serie noch kein Atheist war, der könnte es währenddessen glatt werden. Dank ihrer Fachkenntnis in Biologie hat sich Emily eine gehobene Stellung in den Baracken der Gefolterten erarbeitet. Sie verarztet Blasen und Wunden oder schneidet zu lang gewordene Fingernägel.
Ein Neuankömmling bekommt von ihr allerdings eine überraschende Sonderbehandlung. Nachdem Mrs. O'Conner (Marisa Tomei) davon berichtet hat, warum sie in das Lager verfrachtet wurde, greift Emily kurzerhand zur Giftspritze und tötet die untreue Ehefrau eines Kommandanten. Das System Gilead ist ihr offensichtlich so verhasst, dass sie mit jedem, der auch nur in den Verdacht kommt, damit paktiert zu haben, kurzen Prozess macht. Das überrascht angesichts ihres Amoklaufs in der letzten Staffel nicht unbedingt, dafür jedoch bezüglich des wohl nur einmaligen Auftritts eines bekannten Film- und Fernsehstars wie Marisa Tomei.
June sieht sich unterdessen größtenteils zum Nichtstun gezwungen. Sie wird zu Beginn der Episode von einem Schleuser in ihr Versteck gebracht, das sich erst ganz am Ende als ehemaliges Gebäude der Tageszeitung The Boston Globe herausstellt. Ist ja klar, dass an einem Horrorort wie Gilead keine freie Presse mehr erlaubt ist (auch das droht übrigens gerade in den USA). Mit Schrecken muss sie feststellen, dass die Druckfabrik zum Schlachthaus umfunktioniert wurde. Wahrscheinlich wurde die Zeitungsbelegschaft dort standrechtlich erschossen beziehungsweise erhängt.
Unterhaltung findet June nur im Besuch von Nick (Max Minghella), was in ausdauerndem Sex mündet, nachdem sich June doch anders entschieden und nicht völlig kopflos mit Waffe und Auto losgezogen ist, um Hannah zu suchen und mit ihr nach Kanada zu fliehen. Außerdem findet sie eine alte Friends-DVD, die sie sich nicht besonders aufmerksam zu Gemüte führt. Am interessantesten an ihrer Freizeitgestaltung ist aber die Umwandlung der Schießmauer in eine Gedenkwand, die June mit einem Gebet abschließt. Daraus ergibt sich das grandiose, wenn auch ziemlich überraschende Schlussbild der abermals sehr gelungenen Episode Unwomen.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 8. Mai 2018(The Handmaid's Tale 2x02)
Schauspieler in der Episode The Handmaid's Tale 2x02
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