The Handmaid's Tale 2x01

© une (Elisabeth Moss) schreckt auch vor SelbstverstĂŒmmelung nicht zurĂŒck. (c) Hulu
Willkommen zur nur ganz leicht verspĂ€teten Review-Coverage der SERIENJUNKIES.DE zur zweiten Staffel der emmyprĂ€mierten Hulu-Serie The Handmaid's Tale. Das Format startete vor knapp zwei Wochen mit der Episode June, die direkt dort anknĂŒpft, wo uns der Cliffhanger der ersten Staffel entlassen hatte. June aka Offred (Elisabeth Moss) wurde nach ihrer Verweigerung, Janine (Madeline Brewer) zu Tode zu steinigen, in einen schwarzen Van gesperrt und abtransportiert.
Standing in defiance
Die erste von vielen brutalen UmerziehungsmaĂnahmen fĂŒr die renitenten Handmaids lĂ€sst nicht lange auf sich warten. Regisseur Mike Barker setzt diese Sequenz brillant um, unterlegt ist sie mit dem grandiosen Kate-Bush-Song âThis Woman's Workâ. Darin wird eine mock execution an den AufstĂ€ndischen durchgefĂŒhrt, im Fenway Park, wo in unserer Welt die Boston Red Sox Baseball spielen, in der Dystopie des Magdreports allerdings schon lange keine sportliche Unterhaltung mehr geboten wird. Das alles geschieht - natĂŒrlich - auf Anweisung der dauerprĂ€senten Aunt Lydia (Ann Dowd), dem wiedergeborenen Bösen.
Sie ist es auch, die sich in der Folge vornehmlich darum kĂŒmmert, aus June ein âgutes MĂ€dchenâ zu machen, wie sie es im typisch infantilisierenden Duktus autoritĂ€rer MĂ€chte ausdrĂŒckt. WĂ€hrend Teil zwei des Foltermarathons hat Lydia allerdings erfahren, dass June schwanger ist, was einerseits ein groĂer Grund zur Freude ist, andererseits aber die Foltermöglichkeiten deutlich einschrĂ€nkt, was Lydia offensichtlich stark missfĂ€llt. Beim LĂ€uten der EmpfĂ€ngnisglocke gibt sie trotzdem alles, wobei es nicht ganz leicht ist, aus ihrem Gesicht abzulesen, welche Emotion sie gerade fĂŒhlt - ist es Freude, Ekstase, oder lĂ€sst sich da auch ein bisschen Verzweiflung erkennen?
June soll jedenfalls in trockene Klamotten gesteckt werden, nachdem sie mit ihren Leidensgenossinnen im Regen ausharren und einen Stein in die Luft heben musste. Nun wird ihr warme Suppe gereicht, die sie aber verweigert. Also schreitet Lydia zur nĂ€chsten MaĂnahme im unerschöpflichen Katalog des FrauenbĂ€ndigens. Sie stellt June nicht nur eine ebenfalls schwangere Magd vor, die sich Ă€hnlich widerborstig gezeigt hat und deswegen ihre Zeit bis zur Niederkunft in angeketteter Isolation verbringen muss, sondern lĂ€sst auch diejenigen, die sich Junes Protest angeschlossen haben, mittels Feuer aus dem Gasherd foltern.

Das alles ist genauso dĂŒster, wie es sich liest, hat aber trotzdem ziemlich groĂen Unterhaltungswert. Zum einen liegt das an der hervorragenden visuellen Umsetzung, zum anderen an den kurzen Momenten der Erholung, die zum Beispiel Junes eingĂ€ngliches Voice-over bietet, nachdem sie beinahe exekutiert worden wĂ€re: „Seriously? What the actual fuck?“ AuĂerdem liefert der in der bitteren Gegenwart spielende Handlungsbogen schnell einen Hoffnungsschimmer: Aus dem Krankenhaus kann sich June dank Mithilfe eines anonymen SchlĂŒsselspenders befreien.
Risking nothing
Per Schlachttransport geht es in den Bostoner Stadtteil Back Bay, was June aber erst nach ihrer Ankunft erfĂ€hrt. Dort wartet Nick (Max Minghella) auf sie, was ihr zum ersten Mal in dieser Episode ein ehrliches LĂ€cheln entlockt - welchen Grund hĂ€tte sie auch sonst dazu? Viel Zeit fĂŒr WiedersehensgesprĂ€che haben die beiden allerdings nicht, ihre Flucht muss schnell fortgesetzt werden. Dazu soll June ihre Tracht verbrennen und ihre Haare abschneiden. Sie geht jedoch noch einen Ă€uĂerst schmerzhaften Schritt weiter und schneidet sich das OhrlĂ€ppchen ab, an dem sie einst als Besitz von Fred (Joseph Fiennes) und Serena (Yvonne Strahovski) markiert worden war.
NatĂŒrlich dauert es nicht lange, bis der Commander alles daran setzt, sein heiliges Eigentum zurĂŒckzuholen. ZunĂ€chst darf June aber mit einem weiteren Voice-over glĂ€nzen, das mit folgenden simplen, aber unendlich mĂ€chtigen Worten endet: „I am free.“ Wie sie in die Unfreiheit der Handmaid-Horrorwelt geriet, erzĂ€hlen indes wie gewohnt die RĂŒckblenden in die Zeit vor der patriarchalischen Terrorherrschaft. Die Entwicklung zur theokratischen Diktatur verlĂ€uft - wie es im echten Leben eben so ist - schleichend. Es fĂ€ngt mit kleinen Ungewöhnlichkeiten an, gegen die man sich vielleicht nicht auflehnt, weil man gerade zu busy dafĂŒr ist.
Zum Beispiel muss June ihr Rezept fĂŒr die Antibabypille von ihrem Ehemann Luke (O-T Fagbenle) unterschreiben lassen. DarĂŒber macht sie sich aber keine allzu groĂen Gedanken, weil sie und Luke sowieso gerade beschlossen haben, ein zweites Kind bekommen zu wollen. Misstrauischer stimmt da schon der Vorgang um ihre kranke Tochter Hannah (Jordana Blake). Weil June nicht rechtzeitig ans Handy gegangen ist, wurde sie kurzerhand ins Krankenhaus gebracht, obwohl sie nur ein wenig Fieber hat. Dort werden June ebenso unangenehme wie unangemessene Fragen gestellt, die bereits erahnen lassen, dass der Staat ein Nachwuchsproblem hat.
Die zweite Staffel von The Handmaid's Tale startet mit einer Episode, die sĂ€mtliche StĂ€rken der Serie vorfĂŒhrt: Herausragendes Schauspiel, tolle Bilder, glĂ€nzende Musikauswahl, geradlinige Handlung. FĂŒr schwache Nerven ist das hier allerdings nichts.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 8. Mai 2018The Handmaid's Tale 2x01 Trailer
(The Handmaid's Tale 2x01)
Schauspieler in der Episode The Handmaid's Tale 2x01
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