The Good Wife 7x16

Das passiert in der The Good Wife-Episode Hearing:
Alicia (Julianna Margulies) und Jason (Jeffrey Dean Morgan) verbringen ein entspanntes Wochenende miteinander: Sex, zwischendurch mal Filme gucken, Eis essen und quatschen, dann wieder Sex. Das Handy klingelt, doch sie lassen sich von nichts stören. Das ändert sich erst, als Alicias Mutter Veronica (Stockard Channing) vor der Tür steht und Sturm läutet. Alicia bleibt nichts anderes übrig, als ihr zu öffnen. Sie versucht noch zu verhindern, dass ihre Mutter etwas von ihrer Affäre mit Jason mitbekommt. Das geht jedoch gründlich schief.
Statt eines ruhigen Sonntags mit Jason hat Alicia auf einmal die Wohnung voller Leute. Veronica hat nämlich noch Owen (Dallas Roberts) im Gepäck. Plötzlich tauchen auch Eli (Alan Cumming) und Mike Tascioni (Will Patton) - samt Hund Tom - auf. Und als ein Gerichtsbote Alicia eine Vorladung überreicht und Veronica ihn spontan zum Bagel essen einlädt, da kommt es auf einen mehr oder weniger auch nicht mehr an.
Was wollen nun all diese Menschen von Alicia? Veronica ist am Boden zerstört, weil sie auf einen Anlagebetrüger hereingefallen ist - und dadurch 100.000 Dollar verloren hat. Alicia kann da jedoch auch nicht mehr tun, als sie an David Lee (Zach Grenier) zu verweisen. Außerdem übernimmt Jason, von dem Veronica und Owen sehr angetan sind, die Ermittlungen, um herauszubekommen, ob noch etwas von dem Geld zu retten ist.
Eli und Mike wiederum kommen zu Alicia, um sie um Unterstützung zu bitten. Sie soll zu der Grand-Jury-Anhörung kommen, um gegenüber den Geschworenen ihren Rückhalt für Peter (Chris Noth) zu demonstrieren. Was alle miteinander verrückt macht, ist die Tatsache, dass sie immer noch nicht wirklich wissen, warum das FBI überhaupt gegen Peter ermittelt. Connor Fox (Matthew Morrison, Glee), der die Anklage gegen Peter vertritt, verliert darüber im Vorfeld kein Sterbenswörtchen.
Alicia macht jedoch auf dem Behinderten-WC die Entdeckung, dass man durch den Belüftungsschacht die Anhörung im benachbarten Gerichtssaal belauschen kann. Da sie selbst vorgeladen ist, kann und darf sie unmöglich selbst zuhören. Sie dirigiert jedoch Eli in die richtige Richtung, so dass er seinerseits das Spionieren übernehmen und so zumindest fragmentartig einige Hinweise aufschnappen kann, worum es in dem Verfahren überhaupt geht. Mit diesen Hinweisen bewaffnet gelingt es Mike sogar, dem FBI-Agenten Hlavin (John Magaro) einige unbedachte Äußerungen zu entlocken.
David Lee und Cary (Matt Czuchry) pflegen unterdessen weiterhin ihre Paranoia, dass Diane (Christine Baranski) eine Anwaltskanzlei unter rein weiblicher Führung plant. Im Gespräch mit Alicia offenbart sie, dass sie diesen Plan aufgegeben hat. Tatsächlich aber denkt sie darüber nach, Cary, der in ihren Augen nicht genug Format als Nachfolger von Will besitzt, aus der Kanzlei zu drängen und durch Alicia zu ersetzen ...
Den Abschied so schwer wie möglich machen...
Das nenne ich mal ein richtiges Bonbon zum Jubiläum: Hearing ist die 150. Folge von The Good Wife - und die erste Folge der siebten Staffel, die ohne jede Frage fünf Sterne verdient hat. Anschaulicher hätten die Produzenten kaum demonstrieren können, was die Serie so großartig macht und warum wir sie ab Mai schmerzlich vermissen werden.
Lauschangriff
Fangen wir mal bei Gericht an: Einen Fall der Woche im engeren Sinne gibt es diesmal nicht. Stattdessen dreht sich der juristische Teil der Folge um die Grand-Jury-Anhörung gegen Peter. Was The Good Wife seit sieben Jahren auszeichnet und für mich zu den Alleinstellungsmerkmalen der Serie gehört, ist die Art und Weise, wie die Autoren immer wieder Wege finden, die aus unzähligen Anwaltsserien bekannten Prozeduren vor Gericht in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. Sei es dadurch, dass sie Verfahrensbestandteile thematisieren, die außerhalb des Gerichtssaals liegen. Sei es dadurch, dass sie den Prozess durch eine ungewöhnliche Gerichtsbarkeit verfremden - siehe etwa die legendäre Sportgerichts-Folge Je Ne Sais What?.
In Hearing - welch in jeder Hinsicht treffender Titel für die Folge! - finden die Autoren wiederum einen neuen Spin, indem wir die Verhandlung nicht im eigentlichen Sinne zu Gesicht bekommen, sondern sie mit unseren Hauptfiguren Alicia und Eli wie in einer Art Hörspiel erleben. Was wir sehen, ist das, was Eli in seinem Kopf von dem zusammensetzt, was er an undeutlichen Wort- und Satzfragmenten erlauschen und von dem er sich nur denken kann, dass es sich jetzt gerade im Gerichtssaal so abspielt.
Kopfkino
Einfach köstlich ist natürlich besonders Elis verwirrter Gesichtsausdruck, als sich in das „Hörspiel“ der Grand-Jury-Anhörung auf einmal eine ganz andere Geräuschkulisse mischt, nämlich von Handwerkern, die in einem anderen Raum arbeiten, der ebenfalls über die Lüftung mit dem WC verbunden ist. Auf einmal laufen die Handwerker im Gerichtssaal herum. Das heißt: Das tun sie natürlich nicht. Wir sehen es so, weil Eli das zunächst so kombiniert, bis er bemerkt, dass es sich um eine andere Geräuschquelle handelt.
Das ist genau die Art von intelligenter Unterhaltung, die The Good Wife zu einem so außergewöhnlichen Stück Fernsehen macht!
Als minimalen Kritikpunkt mag man einwerfen, dass die Idee mit Lauschangriff via Luftschacht nicht ganz neu war. Zu Beginn der Staffel hatte Eli das ja schon mal in seinem Winzig-Büro praktiziert, um mitzubekommen, was drüben in Peters Büro besprochen wird. Die Szene damals ist jedoch bei weitem nicht so elaboriert gewesen, wie das, was uns die Macher hier in Hearing servieren.
Die Szenen im Gericht - nicht zuletzt auch der Kampf um das Behinderten-WC - erlauben Alan Cumming, zum größten Vergnügen des Publikums, sein komödiantisches Potenzial voll auszuspielen.
Comedy
The Good Wife ist eine Dramaserie. Wenn sie es jedoch darauf anlegt, dann übertrifft sie in Sachen Humor jede Sitcom. Die Teaser-Sequenz, in der Alicias und Jasons Schäferstündchen von Veronica und Co. unterbrochen wird, ist dafür geradezu das Paradebeispiel.
Für die Gesamtkomposition der Serie sind diese Szenen (mitunter manchmal sogar ganze Folgen) von ungemein großer Bedeutung: So oft behandelt The Good Wife komplexe Themen von hohem Tiefgang. Ihre Figuren sind mit so viel Gravitas ausgestattet. Gäbe es nicht da und dort eine komische Brechung, einen Comic Relief, bestünde die Gefahr, dass die Serie unfreiwillig komisch werden könnte, weil sie sich zu ernst nimmt. Diese Gefahr umgehen die Macher jedoch mit eleganter Leichtfüßigkeit, indem sie der Heiterkeit immer wieder genügend Raum geben.
Jason
Ich muss gestehen, dass mir die Auflösung des Subplots um den Anlagebetrug nicht ganz eingeleuchtet hat: Weder die Erkenntnis, die Jason bezüglich Veronicas Sozialversicherungsnummer gekommen ist, noch die Falle, in die er am Ende den Betrüger hat tappen lassen. Vielleicht muss ich die betreffenden Passagen einfach noch mal schauen. Am Ende kommt es aber vielleicht auf die Details in diesem Fall gar nicht so sehr an. Das Wichtigste an diesem Nebenplot ist wohl ohnehin nur, dass er Veronica und Owen einen Grund gibt, in die Serie zurückzukehren - und auf das Techtelmechtel von Alicia zu stoßen. Außerdem eröffnet er Jason (mal wieder) die Gelegenheit zu glänzen - und Alicia lustvoll begehrende Blicke zu entlocken.
Intimität
Apropos Lust: Eines der Probleme, mit denen The Good Wife (wie auch andere Networkserien) immer wieder zu kämpfen hatte, sind die ungleichen Voraussetzungen gegenüber den Kabel- und Pay-TV-Serien, gerade was den Bereich Erotik betrifft. Im Kabelfernsehen kann auf Grund der rechtlichen Bestimmungen viel mehr nackte Haut gezeigt werden. The Good Wife hat die Beschränkungen, denen die Serie als Networksendung unterliegt, jedoch immer auf sehr kreative Weise nutzen können.
Gerade Hearing ist dafür ein gutes Beispiel. Alicia und Jason werden auf eine Art und Weise inszeniert, die größte Intimität evoziert, dabei aber völlig im Rahmen des „Erlaubten“ bleibt. Man denke nur an den Keks, von dem zuerst Alicia abbeißt, bevor sie ihn Jason in den Mund steckt. Es sind kleine Zeichen für Nähe und Vertraulichkeit, welche - ganz ohne nackte Brüste - dazu führen, dass man als Zuschauer ein Gefühl dafür bekommt, hier tatsächlich einem Liebespaar zuzusehen.
(FYI: Den Film, den die beiden sich zu Beginn anschauen, gibt es übrigens wirklich.)
Versprecher
Den Will-Fans wird dabei sicherlich etwas das Herz bluten. Was sich die Autoren in diesem Zusammenhang vielleicht hätten sparen können, ist der Freud'sche Versprecher, in dem Alicia Will durch Jason ersetzt. Möglicherweise werden sie sich jedoch gedacht haben, dass sie mit der Geschichte um Elis Geständnis und Alicias anschließende Depression dem Andenken von Mr. Gardner genug Ehre erwiesen haben - und nun ein kraftvolles Zeichen setzen wollten, dass Alicia über Will hinweg ist und einen neuen Lebensabschnitt begonnen hat.
Happy Alicia
Hearing zeigt uns nicht nur Sexy Alicia, sondern - noch viel ungewöhnlicher - Happy Alicia. Mrs. Florrick scheint völlig mit sich und der Welt im Reinen zu sein. Sie hat den Tequila durch Sex ersetzt. In Lucca (Cush Jumbo) hat sie eine beste Freundin gefunden, der sie sich völlig anvertrauen kann. Und auch mit der Arbeit ist sie - offenbar wunschlos - glücklich. Das sagt sie auch Diane. Sie ist glücklich, da wo sie jetzt steht - und hat gar nicht die Ambition, unbedingt Namenspartnerin in der Kanzlei zu werden.
Cary: Nicht Will genug?
Damit kommen wir zu der Szene, die wohl in dramatischer Hinsicht die Schlüsselszene von Hearing ist. Diane hat ihre Reserviertheit, die sie noch in Monday gegenüber Alicia an den Tag gelegt hat, überwunden und unterbreitet ihr einen reizvollen Vorschlag, der jedoch mit einem riesengroßen Haken daherkommt: Alicia müsste Cary in den Rücken fallen. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass sie sich zwischen Diane und Cary zu entscheiden hat.
Dass Diane so gering von Cary denkt, kommt etwas überraschend. Gewisse Reibungen hat es zwischen ihnen in der Vergangenheit zwar schon gegeben (etwa in der Einstellungspolitik oder auch beim Umgang mit Howard Lyman), aber nichts davon schien soooo gravierend zu sein. Tatsache ist allerdings, dass wir ihn in letzter Zeit kaum große Fälle haben verhandeln sehen. Die thematisch spannenden Verfahren gingen (zumindest bei Lockhart, Agos and Lee) immer an Lockhart. Möglicherweise hat es Cary versäumt, sich in letzter Zeit ausreichend als Anwalt zu profilieren.
Wie wird sich Alicia entscheiden? Wird die Kanzlei auseinanderbrechen? Genug Stoff für die kommenden Episoden ist auf jeden Fall gegeben.
Fazit
Du weißt, dass Du eine Fünf-Sterne-Folge von The Good Wife vor Dir hattest, wenn Du am Ende der Episode völlig ungläubig staunst: Das können doch nie im Leben schon 45 Minuten gewesen sein!
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 8. März 2016(The Good Wife 7x16)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 7x16
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