The Good Wife 7x15

Das passiert in der The Good Wife-Episode Targets:
Alicia (Julianna Margulies) in geheimer Mission: Sie nimmt als zivile Beraterin an einer streng vertraulichen Sitzung von Experten teil, die vom Pentagon einberufen worden ist. Das Panel, zu dem unter anderem auch Colonel Hicks (Patrick Breen, Madam Secretary) gehört, soll bestimmen, ob der islamistische Prediger Massoud Tahan (Jeff O'Donnell) auf die Liste feindlicher Kämpfer gesetzt werden soll, die per Drohnenschlag zum Abschuss freigegeben sind. Tahan hat selbst niemanden getötet - oder anderweitig an Terroranschlägen teilgenommen. Das haben jedoch die von ihm für den IS Rekrutierten.
Colonel Hicks argumentiert, dass ein Hassprediger nach den geltenden Regularien für Drohnenschläge nicht als Ziel in Frage kommt. Es ist ausgerechnet Alicia, die dagegenhält, dass Tahan die für die (Selbstmord-) Anschläge erforderlichen Körper bereitstellt - und damit eben doch als Ziel in Frage kommt.
Mit einer Gegenstimme (Colonel Hicks) votiert das Gremium für den Abschuss von Tahan. Anschließend enthüllt der Vorsitzende (John Finn) allerdings, dass es sich bei Tahan um einen Amerikaner handelt. Das verändert auf einmal die Situation. Alicia zieht ihre Stimme zurück, um eine weitere Erörterung des Falles zu erreichen. Im Laufe der Diskussion zeichnet sich ab, dass nun eine Mehrheit gegen den Drohnenschlag stimmen könnte. Da verschwindet auf einmal Colonel Hicks über Nacht aus dem Panel. Angeblich weil gegen ihn wegen eines Leaks ermittelt wird.
Als ein Zeitschriftenartikel über die Kanzlei sich vor allem auf die weiblichen Anwälte zu konzentrieren scheint, weckt das bei Cary (Matt Czuchry) und David (Zach Grenier) den Verdacht, dass Diane (Christine Baranski) versuchen könnte, den Plan umzusetzen, den sie vor einem Jahr verfolgt hat: nämlich eine rein von Frauen geleitete Kanzlei zu etablieren. Sprich: die Herren der Schöpfung auszubooten. Cary versucht, über Lucca (Cush Jumbo) herauszubekommen, ob Alicia da mit drinsteckt. David geht sogar noch einen Schritt weiter und setzt Jason (Jeffrey Dean Morgan) auf Diane an.
Angesichts der FBI-Ermittlungen, die offenbar gegen Peter (Chris Noth) laufen, entschließt sich Eli (Alan Cumming), eine Rechtsanwältin hinzuziehen. Die Wahl fällt auf Elsbeth Tascioni (Carrie Preston), die in ihrer ganz eigenen Art zunächst einmal herauszufinden versucht, was überhaupt gegen den Gouverneur vorliegen könnte. Eli drängt Peter, gegenüber Elsbeth den Wahlbetrug zugunsten Alicias zuzugeben.
Aber ist das überhaupt der Grund, weshalb das FBI ermittelt? Etwas, das Marissa (Sarah Steele) in ihrer Befragung sagt, bringt Elsbeth dazu, sich von dem Fall zu verabschieden. Weil offenbar ein Interessenkonflikt zu ihrer Vertretung eines anderen Mandanten vorliegt. Eli kann aus ihr jedoch nicht einmal herausbekommen, wer dieser andere Mandant ist. Hilfe erhält er jedoch von Elsbeths Ex-Mann Mike (Will Patton, Falling Skies)...
Elsbeth
Targets ist definitiv ein bisheriges Highlight der siebten Staffel von The Good Wife, woran die Rückkehr von Elsbeth maßgeblichen Anteil hat. Das Lustige an ihren Auftritten ist dabei gar nicht mal ihr von außen konfus und erratisch wirkendes Verhalten, sondern die stets irritierte und leicht fassungslose Reaktion der Menschen um sie herum.
Ein bisschen mag es enttäuschend sein, dass Alicia und Elsbeth in dieser Episode keine gemeinsame Szene haben (vor allem dann, wenn dies tatsächlich die letzte Folge mit Carrie Preston gewesen sein sollte). Allerdings kennt Alicia ihre Kollegin bereits so gut, dass deren Eigenheiten bei ihr kaum noch für eine erhobene Augenbraue sorgen. Im Hinblick auf das Komikpotenzial war es da natürlich sehr geschickt, Elsbeth mit Figuren zusammenzubringen, mit denen sie bislang nicht oder nicht so häufig Kontakt hatte. Grandios ist natürlich vor allem wieder einmal Marissas Reaktion: „MIR gibt's Du keinen Job, aber DAS ist Deine Anwältin???“
Für einen Augenblick drohte der Rezensent, vor lachen vom Stuhl zu fallen ...
Spy vs. Spy
Elsbeths Ex wirkt ein bisschen aus dem Hut gezaubert. So, als habe man eigentlich Kyle MacLachlan als Elsbeths Schwarm Josh Perotti zurückholen wollen, ihn aber wegen der Twin Peaks-Dreharbeiten nicht bekommen. Wie dem auch sei: Runzelt man anfänglich auch über Mr. Tascioni die Stirn, so entwickelt sich doch sehr bald eine sehr schöne Dynamik zwischen den Figuren. Ein Spiel Spy vs. Spy, bei dem beide Seiten der anderen gedanklich stets einen Schritt voraus sind, was beim Zuschauen großen Spaß auslöst.
Weiterhin unklar bleibt, worum es dem FBI bei den Ermittlungen geht. Es scheint, so viel kommt am Ende heraus, mit einem von Peters Großspendern zu tun zu haben. Was genau - da müssen wir uns wohl noch ein bisschen gedulden.
Alicia Goes Hillary
Dass ein Teilstrang einer 45-Minuten-Folge kaum geeignet ist, den so genannten Krieg gegen den Terror oder auch nur den Aspekt der Drohnenschläge adäquat zu behandeln, muss kaum eigens erwähnt werden. Bemerkenswert an dem Handlungsstrang ist besonders, wie schnell und mühelos Alicia zu Beginn zur Pro-Drohnenschlag-Entscheidung kommt. Ein bisschen kann diese Szene einem so vorkommen, als wollten die Macher sagen: Schaut her, auch eine Frau und eine „bleeding heart“ Liberale kann harte Entscheidungen im Interesse der Sicherheit Amerikas treffen...
Zurückbleibt am Ende der Eindruck, dass das Death Panel eine einzige Charade ist, weil das Ergebnis schon vorher feststeht. Und wer daran zu rütteln versucht, gegen den laufen auf einmal dubiose Ermittlungen, die ihn aus dem Gremium katapultieren.
Wie geht das verdammte Ding bloß auf?
Ein großartiger dramaturgischer Kniff ist derweil die Szene, in der Alicia mit der Versiegelung der Dokumente zu kämpfen hat. Sich auf einmal in einem Panel neben hochrangigen Ministerialbeamten wiederzufinden, in dem über eine Frage von nationaler Sicherheit entschieden wird, ist ein durch und durch surrealer Moment im Leben von Alicia. Dieses kleine Problem, dieses winzige alltägliche Hindernis - ich bekomme die Verpackung nicht auf! - verleiht der Situation jedoch eine Aura von Realität und Authentizität. Das passiert wirklich!
Guck mal, wer da wieder lauscht!
Es ist ein sehr ernstes Thema, um das es dort geht. Geradezu quieken vor Vergnügen musste ich jedoch, als plötzlich klar wird, dass der Handlungsstrang mit der schon lange nicht mehr aufgegriffenen, aber trotzdem keineswegs vergessenen NSA-Überwachung von Alicia zusammenhängt.
Spaß machen die Szenen bei der NSA, weil die Lauscher weiterhin als ein Haufen unreifer Jungs gezeigt werden. Und die Episode den Irrsinn der Massenüberwachung deutlicher denn je herausstellt: Es ist nicht nur so, dass die Spitzel Alicia beim Sex zuhören, was bereits eine schwerwiegende Verletzung ihrer Privatsphäre ist. Sie lauschen auch - zumindest im Vorzimmer - der geheimen Pentagonsitzungen mit. Und eröffnen über das eigene Computersystem NSA-weiten Zugriff auf die Aufnahmen - samt des Risikos eines Leaks. Eine Maßnahme, die eigentlich der nationalen Sicherheit dienen soll, droht genau jene zu torpedieren, weil sich der Überwachungsapparat verselbständigt.
Die Verknüpfung der Handlungsstränge spricht nicht nur für die erzählerische Qualität von The Good Wife. Es ist zugleich auch ein gesellschaftlicher Verdienst der Serie, dass sie das Thema Massenüberwachung, welches gegenüber Syrienkrieg und US-Präsidentschaftswahlkampf etwas in den Hintergrund der Aufmerksamkeit gerückt ist, weiterhin wachhält.
Sinnlich
Apropos Alicia und Sex: Sie und Jason tun es. In ihrem Büro. In einer Szene, die - wie selten zuvor in The Good Wife oder in irgend einer anderen US-Serie - von wahrhaft prickelnder Erotik ist. Als Networkserie kann The Good Wife zwar (so gut wie) keine nackten Tatsachen zeigen. Es gelingt ihr jedoch, Sinnlichkeit auf ganz andere Weise herzustellen.
Es ist Abend. Das Licht ist schummrig, was per se schon mal die Aufmerksamkeit auf andere Sinne als den Sehsinn lenkt. Alicia fragt sich, ob sie zu viel trinkt. Jason, der ihr zunächst noch dabei geholfen hat, einen abgebrochenen Korken aus dem Flaschenhals zu ziehen (auch das, so ähnlich wie in der Szene mit dem Siegel, ein Authentizitätsmarker), hält Flasche und Glas außer Reichweite. Sie balgen ein wenig darum. Körperkontakt.
Jason veranlasst Alicia, ihre Augen zu schließen und erst auf ihren, dann auf seinen Atem zu hören. Weniger durch das, was wir als Zuschauer sehen, sondern vielmehr durch das, was wir hören, nämlich den Atem der Figuren, wird eine körperliche Nähe zwischen den beiden hergestellt. In der Regel muss man jemandem schon (körperlich) recht nahe sein, um seinen Atem zu hören. Genau auf diesem Eindruck beruht die Sinnlichkeit, welche die Szene evoziert. Es ist nur eine kleine, fast unmerkliche Bewegung, die Jason machen muss, um Alicia einen Kuss zu geben. Just in diesem Moment kommt auch noch der Zufall zur Hilfe: Die Security stellt auf der Etage das Licht aus. Und mit einem Mal löst sich die Spannung, die mit dem Kampf um den Alkohol ihren Anfang genommen hatte, und bricht sich Bahn in leidenschaftlichem Bürosex.

Sex statt Alkohol
Ich weiß nicht, ob Sex mit einem Kollegen per se als therapeutischer Weg empfohlen ist, um vom Alkohol wegzukommen. Es ist auf jeden Fall ein durchaus origineller Ansatz, den Alicia beziehungsweise die Serie hier verfolgt.
Die Chemie zwischen den beiden Figuren stimmt. Darüber hinaus hat Jason gerade in dieser Folge weitere Sympathiepunkte gesammelt, indem er durch die Fallstricke der kanzleiinternen Machtkämpfe hindurchmanövriert, ohne sich dabei irgendjemandem gegenüber illoyal oder verräterisch zu zeigen. Es ist eine komplizierte Situation, in der er sich befindet. Aber er geht aufrecht hindurch.
Paranoia
Zu zeigen, wie schwierig es ihm und Lucca fällt, sich auf einmal in dem Gebilde einer Großkanzlei zurechtfinden zu müssen, gehört zu den vielen amüsanten Facetten der Episode. Dass David Lee durch die Fotosession für den Artikel in den Paranoia-Modus verfällt, ist dabei absolut glaubwürdig. Ein bisschen seltsam ist einem als Zuschauer beim Anblick zumute, dass sich Cary davon anstecken lässt. Er war zwar bei dem distanzierten Gespräch von Diane und Alicia in Monday nicht persönlich dabei. So schwierig, wie es nicht zuletzt auf Grund der atmosphärischen Störungen gewesen ist, Alicia überhaupt wieder in die Kanzlei zu holen, müsste ihm jedoch eigentlich klar sein, dass von Alicias Seite derzeit keine Verschwörung mit Diane gegen ihn zu erwarten ist. Seine Befürchtungen wirken von daher ein wenig unglaubhaft.
Fazit
Targets gehört zu den bislang besten Folgen der siebten Staffel. Die Rückkehr von Elsbeth, die Rückkehr der NSA-Lauscher und Alicia, die Jason ganz ohne Scheu und frei von der Leber weg sagt „Ich will Dich“ - das sind nur einige der Highlights der Folge. So unterhaltsam darf es gerne weitergehen!
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 23. Februar 2016(The Good Wife 7x15)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 7x15
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