The Good Wife 7x01

Das passiert in der The Good Wife-Folge Bond:
Der Skandal hat Alicia (Julianna Margulies) ziemlich übel mitgenommen. Das Angebot, mit/für Louis Canning (Michael J. Fox) hat sie ausgeschlagen. Und schlägt es immer wieder aus, da Canning überaus hartnäckig ist. Ihre eigene Kanzlei läuft aber bislang so gar nicht. Um Geld zu verdienen, bleibt ihr deshalb nichts anderes übrig als noch mal ganz von unten zu beginnen: als eine Art Bereitschaftsanwältin bei Kautionsanhörungen. Hier herrschen jedoch ganz andere Sitten als sie Alicia sonst bei Gericht kennen gelernt hat.
Der Richter (Christopher McDonald) erwartet von den Anwälten rasche Fließbandarbeit, da er soundso viele Hundert Fälle pro Tag erledigt haben muss. Deshalb will er Alicia zunächst überhaupt keine Fälle zuweisen, weil er befürchtet, dass sie die Fließbandarbeit nur verlangsamt und stört. Eine Kollegin, Lucca Quinn (Cush Jumbo, Torchwood: „Children of Earth“), erbarmt sich schließlich ihrer - und schustert Alicia ein paar Fälle zu. Gleichzeitig taucht jedoch auch eine neue Klientin (Bridget Regan, Jane the Virgin) in Alicias Wohnung auf - in einem Erbschaftsstreit, der Alicia vor Gericht mit ihren ehemaligen Kollegen von Lockhart Agos zusammentreffen lässt.
Im Hinblick auf Peter (Chris Noth) hat Alicia einen Sinneswandel. Sie ist nicht mehr länger dagegen, dass er ins Präsidentschaftsrennen einsteigt. Dieser Entschluss hat jedoch eine fatale Kettenreaktion zur Folge: Peter ist nämlich nicht davon überzeugt, dass Eli (Alan Cumming) der richtige Mann für einen Wahlkampf auf nationaler Ebene ist. Er engagiert an dessen Stelle die erfahrene Ruth Eastman (Margo Martindale, The Americans), was zum Bruch zwischen ihm und Eli führt. Dieser ist empört über Peters Illoyalität - und sinnt darauf, seinem ehemaligen Arbeitgeber eins auszuwischen. Er lässt sich von Alicia als deren Stabschef einstellen...
Altlasten
Ich kann und will nicht verhehlen: Dem Staffelstart von The Good Wife habe ich mit sehr gemischten Gefühlen entgegengesehen. Während Wanna Partner ? hatte ich die Geschichten rund um die gefakete Abschiedsszene von Alicia und Kalinda (Archie Panjabi), so gut es ging, ignoriert und beiseite gewischt. Den Sommer über hat es aber doch in mir gearbeitet und genagt. Dass es den Machern nicht einmal möglich gewesen ist, für diese eine letzte Szene die beiden Darstellerinnen in einen Raum zu bekommen, wirft ein sehr ungutes Licht auf die Produktion der Serie - und angesichts ihrer größeren Machtstellung als Mit-Produzentin auch und insbesondere auf Julianna Margulies.
Dass das, was auch immer zwischen Julianna Margulies und Archie Panjabi vorgefallen sein mag, so schwerwiegend Einfluss auf die Erzählung der Serie genommen hat, dass eine der besten Frauenfreundschaften im Fernsehen zerstört und den Fans ein versöhnlicher Abschluss durch die augenfällige CGI-Trickserei verdorben worden ist, das macht gleichzeitig traurig und ärgerlich. Die halbgaren Ausflüchte von Robert und Michelle King haben die Sache im Nachhinein auch nicht besser gemacht. Von Julianna Margulies' eigenen Aussagen ganz zu schweigen.
Ich bin nun wahrlich nicht so naiv, dass ich glauben würde, dass sich bei Film und Fernsehen hinter den Kulissen alle mögen oder auch nur respektieren. In dem Augenblick, wo es jedoch Einfluss auf das Produkt nimmt und dem Publikum auffällt, liegt ein Fall von Unprofessionalität vor. Und darüber kann man sich sehr wohl aufregen.
Die große Frage für mich war nun: Wie würde ich auf diesem Hintergrund Bond aufnehmen? Ganz ehrlich: Meine Vorfreude auf eine neue Folge von The Good Wife hielt sich in engen Grenzen. Umso bemerkenswerter ist, wie gut Bond mich dann doch zu unterhalten verstanden hat.
Fließband
Als die Episode erst einmal lief, da waren alle Kontroversen und Enttäuschungen vergessen. Da war man ganz schnell wieder in die Welt von Alicia Florrick eingetaucht. Geholfen hat dabei möglicherweise auch, sie zu Beginn so weit unten zu sehen. Die Kapriolen des US-Rechtssystems, welche das Anrecht auf einen Anwalt durch das Fließbandverfahren im Grunde völlig ad absurdum führen, empört den Zuschauer. Ebenso die Haltung des Richters, der primär darauf bedacht scheint, dass niemand den reibungslosen Ablauf des eingespielten Systems stört. Beides ist in einem hohen Maße dazu geeignet, Alicia unsere Sympathien zufliegen zu lassen. Auch wenn sie am Ende nichts anderes tun kann als sich den Verhältnissen anzupassen.
Sehr wahrscheinlich kehrt die Serie aber noch mal in den Gerichtssaal mit den Kautionsanhörungen zurück, so dass es nicht der letzte Konflikt zwischen Alicia und dem Richter gewesen ist.
Neue Partner
Der Erbschaftsstreit trägt derweil sehr viel zum Comic Relief der Episode bei. Das liegt vor allem an Gastdarstellerin Jane Curtin (3rd Rock from the Sun), die als Richterin ein unbändiges Erstaunen über die Experten zeigt, welche beide Parteien vor Gericht aufbieten: „Das ist wirklich ein Beruf?“
Der Fall hat allerdings noch zwei weitere Funktionen: Zum eine besiegelt er die aufkeimende Partnerschaft zwischen Alicia und Lucca. Zuvor schon hatten sich die Anwältinnen gegenseitig unter die Arme gegriffen. Schließlich gelingt es Lucca, stellvertrend für Alicia und ohne irgendetwas über den Fall zu wissen, den Streit im Sinne von Alicias Mandantin zu entscheiden. Damit empfiehlt sie sich geradezu als die neue Partnerin an Alicias Seite, wobei die Macher sehr genau darauf geachtet haben, sie gänzlich anders zu zeichnen als Kalinda (diese wäre wohl kaum einfach so in der Bar aufgestanden, um spontan tanzen zu gehen).
Zum anderen sorgt der Fall auch dafür, dass sich Alicia am Ende nun doch mit Canning zusammentut. Die große Frage nach dem Cliffhanger von Wanna Partner ? lautete: Was muss geschehen, damit Alicia dessen Angebot zustimmt? Normalerweise würde sie sich doch niemals darauf einlassen. Bond liefert die Antwort darauf: Alicia hat die andere Seite gesehen. Sie hat gesehen, wie ein Leben ohne gut laufende Kanzlei ausschaut. Sie will - bei allem Idealismus, der sie antreibt - nicht die Fließbandarbeit im Kautionsgericht erledigen, sondern die spannenden Fälle verhandeln, die Canning ihr verschaffen kann. Dafür ist sie auch bereit, eine Allianz mit dem „Teufel“ einzugehen.
Innerhalb von 45 Minuten haben es die Autoren geschafft, aus einer Konstellation, welche die meisten Zuschauer als vollkommen abwegig erachtet hätten, eine nachvollziehbare Handlungsoption zu machen.
Ehe-Aus
Der wirkliche Schocker von Bond ist allerdings ohnehin ein ganz anderer: Zwischen Peter und Eli hat es zwar immer mal kleinere Auseinandersetzungen gegeben. Alles in allem war ihre „Arbeits-Ehe“ über Jahre hinweg intakt. Nun implodiert sie mit einem Schlag. Man kann durchaus darüber diskutieren, wie plausibel es ist, dass Peter den Mann, dem er als Wahlkampfmanager so viel zu verdanken hat, derart rücksichtslos abserviert. Dafür spricht, dass Peter bei seinem politischen Karrierestreben bislang wenn überhaupt dann allenfalls der Familie das Recht zugesprochen hat, ihn zurückzuhalten. Eli ist nicht Teil seiner Familie. Peter will den Posten des Vize-Präsidenten - und er will ihn um jeden Preis.
Dass er es dabei auch in Kauf nimmt, Eli vor den Kopf zu stoßen, ist dabei gar nicht mal so weit hergeholt.
Die neue Konfliktkonstellation - Alicia und Eli auf der einen, Peter und Ruth auf der anderen Seite - verspricht auf jeden Fall interessant zu werden!
Cary, Cary, was machen wir nur mit Cary?
Der einzige größere Kritikpunkt an Bond: Es zeichnet sich doch deutlich ab, was schon im Vorfeld der neuen Staffel zu befürchten gewesen ist. Die Autoren wissen nicht so recht, wie sie die Kanzlei Lockhart Agos jetzt überhaupt noch in die Handlung einbinden sollen. Der Nebenplot dieser Folge - Cary (Matt Czuchry), der sich auf Seiten der alten, unflexiblen Seniorpartner wiederfindet, obwohl er sich eigentlich zu den jungen, innovationsfreudigen Angestellten zugehörig fühlt - gibt jetzt nicht sonderlich viel her. Die Avancen, die ihm einer der jungen Anwälte macht, peppen den Plot auch nur bedingt auf.
„Mrs. Florrick...“
Großartig eingebunden wird dagegen Grace (Makenzie Vega), die ganz in ihrer Rolle als Alicias Assistentin aufgeht - und auch schon alle Tricks beherrscht, um die Kanzlei geschäftiger aussehen zu lassen als sie tatsächlich ist. Es gibt viele wunderbar komische Momente in Bond - man denke nur an Elis Reaktion auf Alicias Sinneswandel oder seinen Filmabend mit den „Schnee-Nazis“. Die Szene, in der Grace ihre Mutter als „Mrs. Florrick“ empfängt, gehört hier eindeutig mit dazu.
Fazit
Die äußeren Umstände hatten mir The Good Wife fast schon ein bisschen verleidet. Bond hat mich jedoch wieder voll auf den Alicia-Trip gebracht. So gut ist diese Serie, dass ihr auch finsterer Groll, den man zwischenzeitlich ihrer Hauptdarstellerin entgegengebracht hat, nichts anhaben kann! Siebte Staffel - sei mir herzlich willkommen!
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 6. Oktober 2015The Good Wife 7x01 Trailer
(The Good Wife 7x01)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 7x01
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