The Good Wife 3x19

Alicia (Julianna Margulies) nimmt stellvertretend für Diane (Christine Baranski) an einem Blue Ribbon Panel teil, einer Untersuchungskommission, welche die Ermittlungsergebnisse im Fall einer tödlichen Polizeischießerei überprüfen soll. Alicia merkt jedoch sehr schnell, dass das Komitee unter Leitung des Rechtsanwalts Mike Kresteva (Matthew Perry) weniger an der Aufklärung, als vielmehr an der Verschleierung der genauen Umstände interessiert ist. Durch ihr beharrliches Nachhaken weckt Alicia schon bald Mikes Unmut.
Diane hat unterdessen in der Kanzlei alle Hände voll zu tun: Eli (Alan Cumming), Julius (Michael Boatman) und David Lee (Zach Grenier) sind hinter Wills (Josh Charles) Position als namensgebender Partner der Kanzlei her. So lange sich die drei gegenseitig Konkurrenz machten, hatte Will nichts zu befürchten. Das ist ein Umstand, der ihnen selbst natürlich ebenfalls nicht entgeht. Und so beginnen sie damit, sich gegen Will zu verbünden...
Der größte Lacher der Episode (und wir reden hier von einer Größenordnung, dass es den Rezensenten fast vom Stuhl geworfen hätte) gehörte ohne jede Frage Alicia in ihrem Dialog mit Peter (Chris Noth): „O my god, Jackie has bought the house! I got to go...“ / „Wait a minute, where are you going?“ / „To buy a gun...“ Zu schade, dass die Folge genau in dem Augenblick aufhört, als Alicia ihre Schwiegermama (Mary Beth Peil) beim Friseur aufsucht, um ihr wegen der Konkurrenz beim Hauskauf gehörig den Kopf zu waschen. Oder ihr doch eine Kugel in selbigen zu jagen? Das werden wir leider erst in der nächsten Folge Mitte April erfahren.
Friends-Star Matthew Perry absolviert in Blue Ribbon Panel den ersten Gastauftritt in seiner wiederkehrenden Rolle als Mike Kresteva „38054“. Perry ist ein begnadeter Komödiant. In The Good Wife zeigt er jedoch, wie zuvor schon in The West Wing und Studio 60 on the Sunset Strip, dass er auch im dramatischen Fach zu brillieren versteht. Vor allem natürlich, wenn er dann auch noch eine so dankbare Rolle und eine so herausragende Gegenspielerin bekommt. Sein Duell mit Julianna Margulies ist einfach nur ein Vergnügen anzuschauen. Und es geht zum Glück in den kommenden Episoden noch weiter.
Das Duell
Alicia kommt zunächst nur als Quotenfrau in die Kommission, deren Aufgabe vornehmlich darin zu bestehen scheint, die bisherigen Untersuchungsergebnisse abzunicken, ohne viele Fragen zu stellen. Solange Alicia dem hochrangig besetzten Komitee respektvoll, anfangs sogar ein wenig verschüchtert gegenübersteht, hat Mike keinerlei Probleme mit ihr. Er heißt sie charmant willkommen. Seine Haltung ändert sich aber, und zwar deutlich, als Alicia anfängt, Fragen zu stellen - und damit nicht nur an einem gesellschaftlich wunden Punkt rührt, sondern auch Mikes Machtposition innerhalb der Kommission in Frage stellt. Erst holt sie den „Quoten-Schwarzen“ (Charles S. Dutton) und schließlich sogar eine Mehrheit auf ihre Seite.
Doch Mike versteht sich bestens auf Machtspiele - und lenkt (in einem Schachzug der dem von Will in Another Ham Sandwich nicht unähnlich ist) die Aufmerksamkeit auf die Fehler der Staatsanwaltschaft - und damit auf ein mögliches Versagen von Alicias Gatten Peter. Dass es dabei auch um das Thema Rassismus geht, verleiht der Angelegenheit zusätzliche Brisanz (und eine ungeahnte Aktualität). Am Ende bleibt Alicia nichts anderes übrig, als sich auf Grund ihres Interessenkonflikts aus dem Gremium zu verabschieden.
Dass Mike in diesem Augenblick, als er ja eigentlich schon gewonnen hat, noch „nachtritt“ und Alicia an die Hoffnungen erinnert, die sie im Sohn des Opfers geweckt hat, mag einem gemein, ja fast boshaft erscheinen. Andererseits trifft es Alicia nicht ganz unverdient. Sie hat sich gegen das Komitee und gegen Mike aufgelehnt, weil sie vorgeblich um jeden Preis die Wahrheit herausfinden wollte. Am Ende zeigt sich jedoch, dass sie dazu eben nicht um jeden Preis bereit ist. Im Grunde steht damit Alicia letztlich sogar schlechter da als Mike: Während es ihm darum geht, etwaige Rassenunruhen zu verhindern (wenn auch mit höchst zweifelhaften Mitteln), ist Alicia selbstsüchtig motiviert, indem sie vorrangig an ihre Familie denkt.
Die packenden Konfrontationen zwischen ihr und Mike sind das Salz in der Suppe von Blue Ribbon Panel. Doch auch ansonsten hat die Episode viele köstliche Zutaten zu bieten: Das Intrigenspiel in der Kanzlei geht munter weiter und fordert von allen Beteiligten ein Höchstmaß an strategischer Intelligenz. Außerdem erlaubt es ein Wiedersehen mit dem wunderbaren Jerry Adler (Mad About You, The Sopranos) als unterbeschäftigten Seniorpartner („Do you got any good porn sites?“).
Hauptfigur unter Druck
Alicias Briefe an die aktuelle Eigentümerin ihres Hauses hätte man vielleicht schon etwas eher in die Serie einbauen können. Die Voiceover-Narration Alicias samt begleitender Rückblenden machen einem nämlich zum ersten Mal wirklich klar, welche emotionale Bindung - mit guten wie schlechten Erinnerungen - Alicia an ihr früheres Haus hat.
Der Moment, als sie von der Eigentümerin einen Rückruf erhält, gehört derweil zu den Szenen, welche für The Good Wife besonders sinnfällig sind, weil sie uns immer mal wieder an den Druck erinnern, welcher auf Alicia lastet: An allen Ecken und Enden wird ihre Aufmerksamkeit verlangt. Am Telefon hört sie, dass sie eine Chance hat, doch noch an ihr Haus zu kommen. Ein wichtiger Zeuge will mit ihr sprechen. Gleichzeitig gibt es aber auch etwas Wichtiges, das sie mit Kalinda (Archie Panjabi) erörtern muss.
Ein ganzer Strom von unterschiedlichen Emotionen und Eindrücken muss verarbeitet werden. Dadurch, dass die Szene in der Lobby vor den Aufzügen spielt, mit all den Menschen, die davor herumwuseln, wird unsere eigene Konzentration (Wo ist Kalinda? Ist der Zeuge noch da - oder ist er schon wieder gegangen?) fast eben so sehr gefordert, wie die von Alicia, wodurch uns die Folge qua Inszenierung an der kognitiv-emotionalen Belastung unserer Hauptfigur teilhaben lässt. Eine der vielen raffinierten Strategien, mit denen die Serie den Zuschauer aktiv einbindet.
Apropos Kalinda: Die bekommt es in Blue Ribbon Panel mit der uns schon aus früheren Episoden bekannten FBI-Agenten Lana Delaney (Jill Flint, Royal Pains) zu tun, welche nicht nur hinter Lemond Bishop, sondern auch hinter Kalinda selbst her ist. Letzteres allerdings aus persönlichen Gründen, die Kalinda am Ende geschickt in einer Art zu nutzen weiß, welche Delaney in Verlegenheit - und Kalinda damit wohl zumindest vorerst aus der Schusslinie bringt. Was diesen Plot so unterhaltsam macht, ist nicht zuletzt der Einsatz, den Alicia für Kalinda an den Tag legt. Auch wenn sie sagt, dass ihre Rage aus der Enttäuschung über den entgangenen Hauskauf herrührt, so ist es doch einfach schön zu sehen, wie sehr sie sich für ihre ehemalige (und vielleicht bald wieder?) beste Freundin einsetzt.
Fazit
Eine dicht erzählte Folge voller Intrige, Machtspiele und Emotion. Dazu eine Riege von Top-Gaststars, angeführt von Matthew Perry. Mit anderen Worten: Blue Ribbon Panel lässt keine Wünsche offen. Außer vielleicht den nach einer zügigen Fortsetzung.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 28. März 2012(The Good Wife 3x19)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 3x19
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