The Good Wife 3x08

Ricky Parker (Michael Irby) steht kurz davor, wegen eines Doppelmordes hingerichtet zu werden. Da gibt er in einem Dokumentarfilm, der über ihn gedreht wird, einen Hinweis auf einen Bandenmord, von dem er im Gefängnis erfahren hat. Cary (Matt Czuchry) und Dana (Monica Raymund) finden gemeinsam mit der Polizei tatsächlich an der von Ricky angegebenen Stelle eine Leiche. Und bekommen einen weiteren Leichenfund gratis mit dazu. Allerdings glauben sie, dass die beiden Mordopfer nur zufällig am gleichen Ort verscharrt wurden. Für das zweite Verbrechen machen sie den Freund des Opfers verantwortlich.
Besagter Freund wird von Diane (Christine Baranski) und Alicia (Julianna Margulies) vertreten. Die beiden stehen nun allerdings vor dem Problem, dass ihr einziger möglicher Entlastungszeuge in wenigen Stunden hingerichtet werden soll...
Die Handlung in The Good Wife nimmt häufig eine unerwartete Wendung. Allerdings ist „unerwartet“ nicht immer gleichbedeutend mit „gut“. Death Row Tip ist dafür ein Beispiel. Nach dem sehr originellen Einstieg mit der Doku über den Todeskandidaten verschreibt sich die Episode im Hauptplot vor allem der Aufgabe, dem Zuschauer den Gedanken nahe zu bringen, dass es grundlos böse Menschen gibt, die es verdient haben, hingerichtet zu werden. Schließlich ist Ricky nicht nur ein Vergewaltiger und Mörder, sondern ist am Ende auch noch gemein zu seiner Mutter. Das muss natürlich mit dem Tod bestraft werden.
Stichwortartig werden ein paar Allgemeinplätze abgehandelt (Nein, er hatte keine schwere Kindheit), um nur ja sicherzustellen, dass der Zuschauer eben kein Mitleid mit dem Todeskandidaten empfindet, sondern sich „Sankt“ Alicia anschließt, welche auf den FOX-News-Zug aufspringt: Kein Erbarmen mit Kindsmördern! Und natürlich scheint auch sie nur zwei Optionen vor Augen zu haben: Entweder man richtet solche Leute hin - oder man lässt sie frei. Dass es vielleicht noch Möglichkeiten dazwischen gibt, wird elegant ausgeblendet. Einzig Mark Margolis (Breaking Bad) darf als der am Guten im Menschen zweifelnde Pater Jim darauf hinweisen.
Wesentlich interessanter als der Hauptplot sind in dieser Folge die vielen kleinen Nebenplots: Allen voran das prickelnde Dreieck aus Cary, Dana und Kalinda (Archie Panjabi). Letztere gewinnt Carys Gespielin als neuen Kontakt in der Staatsanwaltschaft. Cary hat jedoch (ähnlich wie der Zuschauer) den Verdacht, dass sich zwischen den beiden Frauen noch mehr tut. Etwas unklar ist, ob ihn dieser Gedanke nur beunruhigt. Oder erregt. Oder beides. Man darf auf jeden Fall gespannt bleiben, wie sich diese ménage à trois weiterentwickelt.
Dana will Kalinda als Quelle über Will (Josh Charles) nutzen - ein Umstand, den Kalinda ihrem Chef nicht vorenthält. Ein klarer Beweis dafür: Welche Spiele sie auch immer spielt, ihre Loyalitäten stehen dabei nicht in Frage. Will zögert jedoch, sich ihr anzuvertrauen. Alicia gegenüber scheint er sich dagegen offenbaren zu wollen. Doch natürlich kommt mal wieder Eli (Alan Cumming) dazwischen.
Dieser hat es mit einem konservativen Politiker zu tun, der sich um einen Platz im Staatssenat bewerben (und gegen Elis Ex-Frau antreten) will - dabei jedoch vor dem Problem steht, dass von ihm ein Scherzfoto existiert, auf dem er dem Weihnachtsmann einen Blowjob zu geben scheint. Ein Auftritt in der Sendung von MSNBC-Moderator Chris Matthews soll das PR-Desaster in kontrollierte Bahnen lenken, was aber nicht so recht gelingen will.
Ebenso wie die Rückkehr von Elis Tochter Marissa (Sarah Steele), die offenbar Gefallen an Zach (Graham Phillips) gefunden hat, und Jackies (Mary Beth Peil) missglückter Versuch, Alicias Laptop auszuspionieren, ist dieser Plot vor allem für den comic relief zuständig. In dieser Hinsicht unübertroffen ist aber natürlich folgender Austausch zwischen Eli und Alicia:
What's that all about? / He is charged with murdering his girl friend. What is so important? / My computer is acting up again...
Fazit
Dass wir uns Straftaten selbst über Jahre hinweg nicht erklären können und die Gründe dafür nicht erkennen (wollen), heißt nicht, dass es für diese Straftaten keine Gründe gibt. In ein mittelalterliches Denkschema zurückzufallen, demnach es einfach Menschen gibt, die im Grunde ihres Herzens böse sind und es deshalb verdient haben zu sterben, ist mir ein wenig zu simpel. Auf diesen Weg, liebe The Good Wife-Autoren, kann ich Euch nicht folgen. Abgesehen davon ist Death Row Tip aber wieder eine durchaus unterhaltsame Folge.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 16. November 2011(The Good Wife 3x08)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 3x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?