The Good Fight 1x07

© ein leichtes Gespräch zwischen Henry und Maia Rindell. / (c) CBS
Das passiert in der The Good Fight-Folge Not So Grand Jury:
Die Episode knüpft genau am Ende von Social Media and Its Discontents an: Colin (Justin Bartha) hat Lucca (Cush Jumbo) gerade von dem vermeintlichen 800.000-Dollar-Schmiergeld erzählt, da setzt sie sich auch schon in Bewegung, um Maia (Rose Leslie) zu berichten, dass sich ihre Befürchtung bestätigt hat: Maias Vater Henry (Paul Guilfoyle) arbeitet tatsächlich mit Mike Kristeva (Matthew Perry) zusammen.
Dieser beschlagnahmt unterdessen das sprachgesteuerte Multimedia-Gerät aus Elsbeths (Carrie Preston) Büro. Auf diese Weise kommt er der Tatsache auf die Spur, dass die ganze Geschichte rund um die Schmiergeldzahlung frei erfunden gewesen ist. Henry ist für ihn damit wertlos geworden: Entweder er arbeitet mit der Verteidigung der Kanzlei zusammen und hat sich absichtlich die Lügengeschichte unterschieben lassen - oder seine Tochter vertraut ihm schlichtweg nicht. Mike will die Kaution aufheben lassen und Henry zurück ins Gefängnis schicken. Der ehemalige Hedgefonds-Manager beschwört ihn jedoch, ihm noch ein Treffen mit seiner Tochter zu gestatten, um herauszufinden, was passiert ist.
Das Treffen kommt auch zustande. Dabei legen Vater und Tochter ihre Aufnahmegeräte beiseite. Henry behauptet, dass er der Aufnahme nicht nur seinetwegen, sondern auch wegen Maia zugestimmt habe. Die Stiftungsdokumente, unter denen Maias Unterschrift steht, könnten sie in ernsthafte Schwierigkeiten bringen, auch wenn sie sagt, dass es sich um Fälschungen handeln muss.
Ausgestattet mit dem Wissen, dass die Gegenseite die Lügengeschichte rund um den Steuerbetrug und die Schmiergeldzahlung durchschaut, müssen sich die Anwälte von Reddick, Boseman und Kolstad gemeinsam mit Elsbeth eine neue Strategie überlegen. Lucca wirft in die Runde, dass der stellvertretende Oberstaatsanwalt Wilbur Dincon (Adam Heller) partout den Eindruck vermeiden will, dass das Vorgehen gegen die Kanzlei von rassistischen Motiven geleitet ist. Daraus leitet Elsbeth die Strategie ab, dass Adrian (Delroy Lindo) und Barbara (Erica Tazel), die inzwischen Vorladungen für eine Grand-Jury-Anhörung zugestellt bekommen haben, in ihren Antworten ganz gezielt auf das Thema Rasse gehen sollen.
Die Hoffnung dahinter: Dincon soll kalte Füße bekommen und der Grand Jury ein Ende machen. Auf eine Verurteilung legt es Kristeva, da sind sich die Anwälte der Kanzlei einig, ohnehin nicht an. Er will nur eine Anklage herausschlagen, denn die würde bereits reichen, um der Kanzlei ihre Mandanten abspenstig zu machen - und das Unternehmen wirtschaftlich zu ruinieren.
Tatsächlich ist Dincon vom Verlauf der Vernehmungen ganz und gar nicht begeistert. Er verlangt von Kristeva, dass dieser eine Strategie findet, um dem Kalkül der Gegenseite auszuweichen. Folglich erhalten im nächsten Schritt Diane (Christine Baranski), Marissa (Sarah Steele) und Maia Vorladungen zur Grand-Jury-Anhörung - also die drei einzigen nicht-schwarzen Mitarbeiter der Kanzlei. Was die Wirksamkeit dieser Strategie angeht, hat Kristeva allerdings die Rechnung ohne Marissa gemacht. Außerdem hat Elsbeth noch einen weiteren Weg ersonnen, um Mike das Leben schwer zu machen: Sie verklagt ihn vor einem Zivilgericht wegen unerlaubter Einflussnahme auf die Verträge, die Reddick Boseman mit seinen Mandanten unterhält.
Für beide Seiten ist es damit ein Konflikt, der an zwei Fronten ausgetragen wird. Dincon bestellt ausgerechnet Colin zu Kristevas Verteidiger. Der junge Staatsanwalt ist von diesem Auftrag gleich aus mehreren Gründen nicht begeistert: Erstens, weil er Kristeva hasst. Und zweitens, muss er einräumen, dass er mit einer Anwältin von Reddick Boseman ein Verhältnis unterhält. Sein Chef ist von dieser Nachricht nicht gerade angetan. Er weist Colin an, die Beziehung - und damit den im Raume stehenden Interessenkonflikt - zu beenden. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, weil Colin und Lucca nicht die Finger voneinander lassen können.
In der Zwischenzeit hat Jay (Nyambi Nyambi) von Elsbeth den Auftrag erhalten, den Nummern auf der Schtup-Liste nachzugehen. Jay ist schon fast am verzweifeln, weil er nicht dahinterkommt. Doch dann ist es Marissa, die eine Nummer zufällig wiedererkennt - weil es sich dabei um die Steuer-ID-Nummer von Dianes ehemaliger Kanzlei handelt. Und beiden, Jay und Marissa, ist sofort klar, dass Kristeva nun offenbar einen Weg gefunden hat, Diane am Zeug zu flicken...
Minuspunkt
Beginnen wir das Review zu Not So Grand Jury mit dem einzigen nennenswerten Kritikpunkt an der Folge. Der hat es allerdings durchaus in sich. Da hat Elsbeth die gesamte vergangene Episode damit verbracht, eine Falle für Mike Kristeva aufzustellen - und dann löst diese sich innerhalb der ersten fünf Minuten von Not So Grand Jury in Luft auf. Das ist zum einen deshalb enttäuschend, weil man sich als Zuschauer bereits auf das dumme Gesicht von Kristeva beim Hineintappen in die Falle gefreut hat. Man hat ein bisschen das Gefühl, dass die vergangene Folge ein Versprechen gegeben hat, nun aber die Einlösung, der Payoff, ausbleibt.
Zum anderen lässt einen die Art und Weise, wie Kristeva hinter das Geheimnis kommt, nur mit dem Kopf schütteln. Gibt es in den USA nicht so etwas wie ein Anwaltsgeheimnis (Attorney-Client-Privilege)? Wieso kann ein Staatsanwalt einfach so in ein Anwaltsbüro marschieren und dort Materialien beschlagnahmen? Das ist mindestens verwirrend. Und selbst wenn wir akzeptieren, dass irgendein „Bundesmagistrat“ die Autorität besitzt, das Anwaltsgeheimnis aufzuheben, bleibt dann allerdings immer noch offen, woher Kristeva überhaupt von Elsbeths merkwürdiger (und höchst unzuverlässiger) Apparatur weiß. So weit ich mich erinnern kann, ist er vorher noch nie in ihrem Büro gewesen. Woher weiß er also so genau, wonach er zu suchen hat?
Natürlich lassen sich für diese Fragen imaginäre Erklärungen finden, aber keine Hinweise im Serienmaterial selbst.
Schlagabtausch
So problematisch diese Stelle auch ist, so eröffnet sie den The Good Fight-Machern allerdings umgekehrt die großartige Möglichkeit, Not So Grand Jury wie einen einzigen, offenen Schlagabtausch gestalten zu können. Es geht hin und her: Mal ist Kristeva im Vorteil, mal die Kanzlei. Jede Seite versucht, die Strategie der anderen abzublocken und mit der eigenen durchzukommen. Jede Seite macht aber auch die Erfahrung, dass das nicht immer gelingt - und dass man dann die eigene Strategie entsprechend anpassen muss.
Gleichzeitig lässt das intellektuelle Duell der Juristen aber noch genug Raum für die Entfaltung der emotionalen Augenblicke: etwa, als Maia erkennen muss, dass sich ihre Befürchtungen bestätigt haben, oder auch das zweite Gespräch mit ihrem Vater, als sie ihm mit aller Härte und Entschlossenheit klar macht, dass er eventuelle Enkelkinder niemals zu Gesicht bekommen wird, falls er in der Grand-Jury-Anhörung Diane in die Pfanne haut. In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen Punkt zurückkommen, den ich bereits in den Reviews zu den ersten zwei Folgen von The Good Fight angesprochen hat: Die Verbundenheit der Frauen in der Serie; das gegenseitig unterstützende Verhalten, das sie an den Tag legen.
Loyalität
Als Maia unmittelbar nach Bekanntwerden des Skandals ganz unten war, hat Diane dafür gesorgt, dass sie einen Job bekam. Das hat sie ihrer Patentante nicht vergessen. Das Gefühl der Loyalität gegenüber Diane ist so groß, dass sie dafür die Interessen ihrer Familie, ja sogar das eigene Wohl hinten anstellt. Ihre emotionale Nähe zu Diane ist buchstäblich größer als die zu ihrem eigenen Vater, was man sehr schön an den Signalen der Zuwendung absehen kann: Als Henry ihr auf die Stirn küssen will, da wendet sich Maia von ihm ab. Als Diane sich am Ende der Folge bei ihr bedankt und ihr zärtlich hinter die Haare fasst, da scheinen Tränen der Rührung in Maias Augen zu stehen. Es ist - zumal im Universum von The Good Fight - ein ungemein warmherziger, liebevoller Augenblick.
Und um noch einmal beim Thema Loyalität zu bleiben: Sowohl Diane als auch Adrian stellen davon so einiges unter Beweis - Diane, indem sie anbietet, aus der Kanzlei auszusteigen, um sie vor den negativen Folgen einer etwaigen Anklage gegen sie zu schützen, Adrian, indem er diesen Vorschlag rundheraus ablehnt und ihr klar macht, dass sie diesen Kampf gemeinsam kämpfen. Weder Adrian noch Diane sind Heilige, aber es ist eben genau dieses loyale, fürsorgliche Verhalten gegenüber anderen, welches sie zu so sympathischen Figuren macht.
Kurzer Blick ins Privatleben
Apropos Adrian: Ihn und Barbara sehen wir in Not So Grand Jury zum ersten Mal - wenn auch jeweils nur ganz kurz - in ihrem Privatleben. Barbara trifft sich mit einem alten Schulfreund, wobei dieses Wiedersehen einen ausgeprägt romantischen Beigeschmack hat. Viel überraschender ist dagegen, wo wir Adrian antreffen. Der hochgewachsene Anwalt, der auch schon mal sehr gerne laut wird und nach allen Regeln der Kunst flucht, nimmt an einem Kochkurs für französische Küche teil, was aus ihm einen völlig anderen Menschen macht. Er spricht leise und zurückhaltend und mit eingestreuten Brocken Französisch. Es ist nur ein kurzer Ausschnitt aus seinem Privatleben, den wir hier zu Gesicht bekommen, aber doch einer, der bereits in dieser kurzen Zeit sehr dazu beiträgt, die Figur des Adrian Boseman abzurunden.
Ensembleserie
Mike Kristeva und Elsbeth Tascioni sind die treibenden Kräfte in dieser Episode, trotzdem drängen sie, was ja sehr leicht passieren könnte, die übrigen Figuren nicht an den Rand. So hervorragend Matthew Perry und Carrie Preston auch spielen (und in dieser Woche muss natürlich auch Kevin Pollack in seiner Rolle als herrlich miesepetriger Richter erwähnt werden!) - The Good Fight ist im besten Sinne des Wortes eine Ensembleserie, in der jeder - von den Hauptdarstellern über die Gaststars bis hinunter zu den Kleindarstellern, wie dem Gerichtsboten - seinen Beitrag zum Gelingen der Episode leistet und zur Höchstform aufläuft.
Fazit
Nach einem etwas problematischen Anstieg bietet uns Not So Grand Jury einen spannenden und intelligenten Schlagabtausch, der immer wieder mit emotionalen und auch lustigen Elementen durchdrungen ist (Wie sehr habe ich lachen müssen, als Marissa ihre neu erworbenen Italienischkenntnisse einzusetzen versucht, um den Gerichtsboten abzuwimmeln, nur um feststellen zu müssen, dass dieser selbst fließend Italienisch spricht...).
Was kann man sich von einer Serie mehr wünschen?
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 28. März 2017The Good Fight 1x07 Trailer
(The Good Fight 1x07)
Schauspieler in der Episode The Good Fight 1x07
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