The Good Fight 1x02

The Good Fight 1x02

Ein Angestellter wird von einem Sportartikelhersteller beschuldigt, 400 Paar Sportschuhe gestohlen zu haben. Trotzdem behĂ€lt man ihn im Dienst, um sich das Geld fĂŒr die Schuhe aus seinem Gehalt zurĂŒckzuholen. Maia und Lucca gehen diesem seltsamen Fall nach.

Lucca und Maia bei einem zweifelhaften Verhörseminar. / (c) CBS
Lucca und Maia bei einem zweifelhaften Verhörseminar. / (c) CBS
© ucca und Maia bei einem zweifelhaften Verhörseminar. / (c) CBS

Das passiert in der The Good Fight-Folge First Week:

Maia (Rose Leslie) kann dem Finanzskandal ihrer Familie nicht entkommen: Ihr Telefon quillt geradezu ĂŒber von Voicemails und SMS, in denen sie fĂŒr den Diebstahl der Gelder verantwortlich gemacht wird - und in denen ihr nicht selten (sexuelle) Gewalt angedroht wird. Sie ist froh, ihre neue Stelle bei Reddick, Boseman and Kostad anzutreten, um sich endlich auf andere Dinge konzentrieren zu können. In Empfang genommen wird sie von Julius Cain (Michael Boatman), der fĂŒr die Kanzlei als GeschĂ€ftsfĂŒhrer arbeitet.

Gleich am ersten Tag nimmt Cain die neue AnwĂ€ltin zu einem Termin bei einer Gewerkschaft mit, fĂŒr deren Mitglieder die AnwĂ€lte der Kanzlei monatlich auf Pro-Bono-Basis Rechtsberatungen anbieten. Lucca (Cush Jumbo) gehört ebenfalls zu den AnwĂ€lten, welche mit auf den Ausflug zum Gewerkschaftshaus gehen. Maia kann Lucca davon ĂŒberzeugen, dass einer der FĂ€lle, auf die sie bei den Rechtsberatungen gestoßen ist, mehr Aufmerksamkeit verdient: Der Angestellte (James Martinez) einer großen Sportbekleidungskette soll von seinem Gehalt 400 Paar Sportschuhe abbezahlen, die er angeblich gestohlen hat. Das hat er jedoch gar nicht. Nach einem siebenstĂŒndigen Verhör hat er der Firma gegenĂŒber jedoch ein entsprechendes GestĂ€ndnis abgegeben.

Julius Cain und die Partner sind zunĂ€chst dagegen, dass Maia und Lucca mit dem Fall vor Gericht gehen, da ihnen Aufwand und Nutzen in keinem angemessenen VerhĂ€ltnis zu stehen scheinen. Doch da finden die beiden jungen AnwĂ€ltinnen einen Weg, wie aus dem Fall eine - fĂŒr die Kanzlei höchst lukrative - Millionenklage werden könnte.

Diane (Christine Baranski) leidet nach wie vor unter den Folgen des Betrugs. Ihre alte Kanzlei macht - David Lee lĂ€sst grĂŒĂŸen - außerdem Probleme bei der Auszahlung ihrer Kapitaleinlage, weshalb sie nicht flĂŒssig ist, um ihre Kapitaleinlage als Partnerin der neuen Kanzlei einzubezahlen. Eine höchst unangenehme Situation. Von den anderen Partnern ist Adrian (Delroy Lindo) bereit, Diane einen gewissen zeitlichen Spielraum einzurĂ€umen. Barbara (Erica Tazel), die ohnehin von Dianes Einstieg in die Kanzlei nicht sonderlich begeistert ist und jede ihrer Entscheidungen misstrauisch beĂ€ugt, ist da weniger kulant.

Besuch bekommt Diane von Lenore (Bernadette Peters), die Stein und Bein schwört, dass sie und ihr Mann Henry (Paul Guilfoyle) fĂŒr den Betrug nicht verantwortlich sind. Henrys Bruder Jack stecke hinter allem. TatsĂ€chlich schafft es Lenore, Diane davon zu ĂŒberzeugen, dass sie Henry im GefĂ€ngnis besucht. Immerhin ist er einer ihrer Ă€ltesten Freunde. Seine Verteidigung will sie allerdings doch nicht ĂŒbernehmen. DafĂŒr hĂ€lt sie sich in diesem Fall fĂŒr nicht objektiv genug.

Und Diane erhĂ€lt noch einen weiteren Besuch: Marissa (Sarah Steele), die inzwischen fĂŒr Lee und Ko. arbeitet, bringt ihre Sachen aus dem alten BĂŒro vorbei. Und bringt sich gleichzeitig als die neue Assistentin von Diane ins GesprĂ€ch. In die Kanzlei von David Lee möchte Marissa nĂ€mlich nur höchst ungern zurĂŒck. Da Diane fĂŒr die Position der Assistentin mehrere Bewerberinnen interviewen soll, muss Marissa schnell handeln, um sich unverzichtbar zu machen...

GrĂŒnschnabel

In Sachen Tempo und Unterhaltungswert knĂŒpft die zweite Folge von The Good Fight, First Week, unmittelbar an die Pilotfolge an. Dabei liegt der erzĂ€hlerische Schwerpunkt der Folge diesmal allerdings ein bisschen lĂ€nger auf Diane - und dafĂŒr mehr auf Maia und Lucca. Vor allem Maia erfĂ€hrt in dieser Folge hohe Aufmerksamkeit. Ein bisschen kann einem die Episode dabei natĂŒrlich schon wie die unvermeidliche GrĂŒnschnabel-Geschichte vorkommen.

Wie wir aus dem Piloten wissen, hat Maia gerade erst ihre PrĂŒfung zur RechtsanwĂ€ltin bestanden. Ihre praktische Erfahrung hĂ€lt sich dementsprechend noch in Grenzen, was der Grund dafĂŒr ist, dass sie anfangs - etwa in dem Schiedsverfahren gegenĂŒber einem wenig aufgeschlossenen Robert Picardo (Star Trek: Voyager) - noch sehr unbeholfen wirkt. Lucca nimmt sie an die Hand (womit die Serie sehr schön den bereits im Piloten thematisierten Punkt der gegenseitigen UnterstĂŒtzung der Figuren wieder aufgreift) - und gibt ihr spĂ€ter im Prozess eine gute Gelegenheit, ihre FĂ€higkeiten unter Beweis zu stellen.

Verzahnung

Der GrĂŒnschnabel, der langsam heranreift - ist eine Story, die man sicherlich schon hĂ€ufiger gesehen hat. Was der Geschichte von Maia noch eine zusĂ€tzliche Ebene gibt, ist die Verquickung mit dem Skandal ihrer Familie. Adrian benutzt den Skandal nicht nur dazu, einen unliebsamen Richter loszuwerden. Der Skandal und alles, was er mit sich bringt (die telefonischen Drohungen, die Entfremdung von Maia und ihren Eltern), ist fĂŒr Maia eine zusĂ€tzliche Motivation, sich in die Arbeit zu stĂŒrzen und sich hier zu beweisen. DarĂŒber hinaus fließen Elemente ihres Falls auch zurĂŒck in die Familiengeschichte: Etwa, als Maia die angeblich sicheren Zeichen der LĂŒgendetektion aus dem Verhörseminar bei ihrer Mutter zu entdecken versucht.

Diese Verzahnung von beruflicher und privater Storyline hilft dabei, dass einem die GrĂŒnschnabel-Geschichte nicht wie ein uninspirierter Aufguss vorkommt.

Farben

Auch in der zweiten Folge wird The Good Fight politisch: Einerseits ganz offen, als Diane emphatisch mit „Oh ja!“ antwortet, als Marissa sie fragt, ob sie das Bild von sich und Hillary Clinton wieder aufstellen möchte. Andererseits etwas subtiler in der Thematisierung von Rasse und Rassismus. Lucca geht zu einem weißen Arbeiter und bietet ihm an, zu ihr an den Tisch zu kommen, doch er möchte partout bei Maia in der Schlange stehen bleiben. Es wird nicht offen ausgesprochen, doch die Szene hinterlĂ€sst beim Zuschauer das klare GefĂŒhl, Zeuge des ganz alltĂ€glichen Rassismus geworden zu sein. Egal, wie qualifiziert Lucca auch ist, der Arbeiter möchte sich lieber nicht von einer Schwarzen beraten lassen.

In der Kanzlei sehen wir das Thema genau von der anderen Seite her aufgezĂ€umt: Barbara schickt Diane drei (schwarze) Bewerberinnen fĂŒr die Position der Assistentin. Die VorstellungsgesprĂ€che laufen, wie es scheint, auch sehr gut. Trotzdem entscheidet sich Diane am Ende fĂŒr Marissa - a) weil sie sie bereits kennt und b) weil sie mehr als eindrucksvoll ihre QualitĂ€ten unter Beweis gestellt hat. Das weiß Barbara natĂŒrlich nicht. FĂŒr sie muss es so aussehen, als wĂŒrde Diane in ihrer Einstellungspolitik rassistisch verfahren, sprich eine weiße Kandidatin bevorzugen.

Sympathielenkung

Geschickt bringt The Good Fight hier auch die Zuschauer in die Bredouille: WĂ€hrend wir sehr schnell darin sind, den weißen Arbeiter als Rassisten zu verurteilen, so finden wir uns bei der Frage der Assistentinnen-Auswahl auf einmal in der Position wieder, dass wir natĂŒrlich Marissa obsiegen sehen wollen (weil wir sie als unglaublich witzige und coole Figur kennen), ganz gleich wie das fĂŒr jemand Außenstehenden wie Barbara aussehen muss. Ja, tatsĂ€chlich ist es sogar so, dass wir, wenn wir ehrlich sind, Barbara - nicht nur, aber gerade in dieser Situation - als eine Antagonistin wahrnehmen, obwohl ihre Nachfrage, ob keine der anderen Bewerberinnen qualifiziert gewesen wĂ€re, die gleiche Frage ist, die wir selbst vermutlich auch stellen wĂŒrden, wenn die Konstellation eine andere wĂ€re und es nicht um Marissa ginge.

KontinuitÀt und Unterschiede zu The Good Wife

FĂŒr Fans der VorgĂ€ngerserie The Good Wife ist First Week personaltechnisch ein wahres Fest: Nicht nur, dass Marissa Gold und Julius Cain zurĂŒckkehren, auch Christine Lahti als gegnerische AnwĂ€ltin Andrea Stevens und Publikumsliebling Denis O'Hare als der manchmal etwas zu sehr abgelenkte Richter Abernathy sind wieder mit von der Partie. FĂŒr Zuschauer, die jetzt erst eingestiegen sind, spielt das keine Rolle. Alle anderen bestĂ€rkt es in dem GefĂŒhl, dass The Good Fight tatsĂ€chlich im selben Universum wie The Good Wife angesiedelt ist - und dass eine wirklich nahtlose KontinuitĂ€t zwischen beiden Serien besteht.

NatĂŒrlich gibt es auch Unterschiede zwischen beiden Serien: Erstens, kann in The Good Fight wie in einer Kabelserie geflucht werden, was bei der Networkserie The Good Wife so nicht möglich war. Zweitens, hatte The Good Wife einen fĂŒr heutige Networkserien typischen Minivorspann, der eigentlich nur aus einer einzigen Titelkarte bestand. The Good Fight dagegen gönnt sich einen höchst aufwendig gestalteten, 75-sekĂŒndigen Vorspann, dessen Explosionsmotiv zwar ein wenig vom Vorspann der dĂ€nischen Serie „Die Erbschaft“ inspiriert zu sein scheint.

Allein die Titelmusik, die zuerst - ganz Ă€hnlich wie The Good Wife - mit Streichern und Piano beginnt, bevor sie sich zum Ende hin in ein fulminantes chorales Crescendo hochschraubt, macht die Titelsequenz bereits zu einem Genuss erster GĂŒte.

Fazit

Mehr! Mehr! Mehr! So kann eigentlich nur das Fazit nach der zweiten Folge von The Good Fight lauten. Die Serie beweist eindrucksvoll, dass der Pilot keine Eintagsfliege gewesen ist - und dass The Good Fight oben bei den qualitativ hochwertigen Serien mitspielen will. Und definitiv auch kann.

Mehr davon, bitte!

Anmerkung in eigener Sache: Das Review zur zweiten Folge hat sich leider etwas verzögert. KĂŒnftig erscheinen die Reviews zu „The Good Fight“ auf dem gewohnten Reviewplatz von „The Good Wife“ am Dienstagvormittag.

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 26. Februar 2017
Episode
Staffel 1, Episode 2
(The Good Fight 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Die erste Woche
Titel der Episode im Original
First Week
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 19. Februar 2017 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 14. November 2017
Autoren
Ryan Pedersen, Joey Scavuzzo
Regisseur
Allan Arkush

Schauspieler in der Episode The Good Fight 1x02

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?