The Good Fight 1x01

© hristine Baranski als Diane Lockhart in „The Good Fight“ / (c) CBS
Das passiert in der Pilotfolge von The Good Fight:
Diane Lockhart (Christine Baranski) ist zwei Wochen vom wohlverdienten Ruhestand entfernt: Sie will die Firma, die nach mehreren Fusionen zu einem Acht-Namen-Ungetüm angewachsen ist, hinter sich lassen und in die Provence ziehen.
In dem letzten Fall, den sie bearbeitet, geht es um Polizeibrutalität. Drei weiße Polizisten haben einen schwarzen Autoknacker so zusammengeschlagen, dass er nunmehr im Rollstuhl sitzt. Ein Handyvideo, das von seinem Komplizen gedreht worden ist, zeigt die Tat. Diane vertritt in diesem Fall die Polizeibehörde von Cook County, welche maximal eine halbe Million Dollar als Schmerzensgeld zahlen will. Die gegnerischen Anwälte, Adrian Boseman (Delroy Lindo) und Lucca Quinn (Cush Jumbo), fordern jedoch mindestens vier Millionen Dollar.
Unterstützt wird Diane von der jungen Anwältin Maia (Rose Leslie, Game of Thrones), die gerade ihre Prüfung bestanden hat und frisch in der Kanzlei als Associate angefangen hat. Weil Maia die Tochter des Finanzmoguls Henry Rindell (Paul Guilfoyle, CSI: Crime Scene Investigation) ist - und darüber hinaus auch noch Dianes Patentochter, erfährt sie verglichen mit den anderen Associates eine Sonderbehandlung, was ihr gar nicht recht ist. Dagegen, dass Diane sie an ihrem letzten Fall mitarbeiten lässt, hat Maia allerdings selbstverständlich nichts einzuwenden.
Für beide - Diane und Maia - bricht eine Welt zusammen, als das FBI Maias Vater als Betrüger entlarvt und festnimmt. Diane muss feststellen, dass ihre gesamten Ersparnisse, die sie sich fürs Alter zurückgelegt hat, durch den Betrug flöten gegangen sind. Sie ist de facto pleite. Den Umzug in die Provence kann sie sich damit abschminken. Von einem Moment auf den anderen steht die verdiente Anwältin vor dem Nichts. Ihre Kanzlei will sie nicht wieder als Partner zurücknehmen. Und auch sonst findet Diane nirgendwo eine adäquate Stellung, weil sie den fatalen Fehler begangen hat, verschiedenen anderen Leuten und Organisationen Henry Rindell als Finanzinvestor zu empfehlen. Damit gilt Diane in der Anwaltszunft als „Gift“.
Maia wiederum erfährt eine Art Sippenhaft. Sie wird für die Sünden ihres Vaters in Verantwortung genommen, obwohl sie mit dem Betrug überhaupt nichts zu tun hatte. Von ihrer Familie erfährt sie keine Unterstützung. Im Gegenteil: Sie muss höllisch aufpassen, nicht mit hineingezogen zu werden.
Diane erhält unterdessen ein Jobangebot von völlig unerwarteter Seite: Adrian Boseman ist Partner in einer durch und durch afro-amerikanisch geprägten Kanzlei - und er möchte Diane einstellen, um die ethnische Vielfalt zu erhöhen und mit seiner Kanzlei zu expandieren...
Wieder richtig gut
Mit Spin-Offs ist es ja oftmals so eine Sache. Man fragt sich: Braucht es diese neue Serie wirklich? Oder ist sie nur ein Mittel, um ein Franchise auf Teufel komm raus zu verlängern - und aus einer bekannten Marke so viel Kapital wie nur möglich zu schlagen? Im Falle von The Good Fight lässt sich diese Frage sehr eindeutig beantworten. Natürlich setzt CBS auf den bekannten Stoff und die bekannten Gesichter, um dadurch die Digitalplattform CBS All Access zu pushen. Doch darin erschöpft sich das Spin-Off von The Good Wife keineswegs.
Schaut man sich die Pilotfolge von The Good Fight an, so wird einem als Fan von The Good Wife erst richtig bewusst, wie sehr man die Serie die letzten Monate über vermisst hat, ungeachtet aller Kritik, die sich an der letzten Staffel von The Good Wife und insbesondere am Finale der Serie üben lässt. Der Pilot von The Good Fight - das ist wie The Good Wife wieder in richtig gut. Das Spin-Off knüpft an die besten Elemente des Originals an, was einen äußerst vielversprechenden Auftakt ergibt.
Der gute Kampf
Schon die erste Einstellung ist dafür ein perfektes Beispiel: Im Fernsehen ist die Amteinführung von Donald Trump als neuer US-Präsident zu sehen - und wir sehen nur, wie Diane mit einem Ausdruck kompletter Fassungslosigkeit in die Röhre starrt. Der Pilot von The Good Fight ist keine übermäßig politische Folge, dafür ist einfach zu viel Zeit für die Exposition der neuen Figuren und Konstellationen erforderlich. Und doch setzt die Serie allein mit dieser wenige Sekunden andauernden Einstellung einen ganz entscheidenden Rahmen: The Good Fight hätte wie ein beliebiges Wortspiel mit dem Originaltitel The Good Wife erscheinen können. Die Eröffnung der Serie macht jedoch sofort klar, welcher gute Kampf es ist, den es nun auszufechten gilt.
Dies korrespondiert natürlich auch mit dem Fall, den Diane in Arbeit hat. Und bei dem sich nicht nur Maia, sondern natürlich auch der Zuschauer fragt, ob Diane hier auf der richtigen Seite steht. Sie verteidigt die Polizei und geht die Autoknacker auf eine Weise an, dass Lucca ganz verwundert fragt, wann Diane so zynisch geworden sei. Die Antwort darauf könnte sie sich vermutlich selbst geben. Immerhin hatten sie und Alicia (Julianna Margulies) im Finale von The Good Wife nicht davor zurückgeschreckt, die Ehe von Diane in Schutt und Asche zu legen, um Peters Fall zu gewinnen.
Einer der Punkte, welche das Jobangebot von Adrian so verlockend erscheinen lassen, ist jedoch genau die Möglichkeit für Diane, wieder auf der richtigen Seite zu kämpfen. Ihrem Idealismus freie Bahn zu lassen, um den guten Kampf auszutragen. In den kommenden Folgen wird diese politisch-gesellschaftliche Dimension sicherlich noch an Bedeutung hinzugewinnen.
Unterstützung
Was The Good Fight darüber hinaus von Beginn an auszeichnet, ist, dass es im besten Sinne des Wortes eine Frauenserie werden könnte: Im Mittelpunkt stehen drei Frauen, die, wenn es drauf ankommt, sich gegenseitig unterstützen. Da ist zum einen Diane, die durch den Finanzskandal vor den Scherben ihres bisherigen Lebens steht und zu einem kompletten Neuanfang gezwungen wird (eine Situation, die der von Alicia zu Beginn von The Good Wife nicht ganz unähnlich ist...). Dieser Neuanfang wird allerdings nur möglich, weil sich Lucca, ohne dass Diane dies überhaupt weiß, für sie einsetzt. Zugleich ist es auch Lucca, die Maia dabei hilft, mit ihrer Situation fertig zu werden. Diane wiederum setzt sich für Maia ein, um ihr - nach dem Rausschmiss aus der Lee-und-Konsorten-Kanzlei - einen neuen Job bei Boseman zu verschaffen.
Anstelle von Catfighting und Hinterhältigkeiten setzt The Good Fight hier das positive Gegenbild gegenseitiger Unterstützung. Sicherlich wird es zwischen den genannten Figuren in Zukunft auch Konflikte geben. Und doch setzt der Pilot hier einen Ton, welcher es zumindest erwarten lässt, dass uns ein kooperatives, möglicherweise sogar freundschaftliches Verhältnis zwischen den drei weiblichen Hauptfiguren ins Haus steht.
Kurt
In mehrerlei Hinsicht knüpft The Good Fight an The Good Wife an: Da ist zum einen das Wiedersehen mit den Publikumslieblingen David Lee (Zach Grenier) und Howard Lyman (Jerry Adler). Und zum anderen das Foto von Will (Josh Charles) und Diane, welches nicht nur sie, sondern auch den Zuschauer in eine melancholische Stimmung versetzt... Damals, als die Kanzlei noch Lockhart Gardner hieß. Alicia wird nur einmal kurz erwähnt. Sie fehlt allerdings auch nicht. Diane ist, vor allem mit Lucca und Maia an ihrer Seite, mehr als in der Lage, The Good Fight allein zu tragen.
Äußerst interessant ist nach wie vor ihr Verhältnis zu Kurt (Gary Cole): Der Pilot bestätigt, was man im Finale von The Good Wife nur erahnen konnte, nämlich dass Kurt tatsächlich fremdgegangen ist, weshalb er und Diane nun getrennt leben. Sie will, dass er die Scheidung einreicht, damit er vor ihren finanziellen Schwierigkeiten geschützt ist. Er will sich jedoch nicht scheiden lassen, weil er wohl noch immer die Hoffnung hat, dass sie doch wieder zusammenkommen können. Diane hält dies für ausgeschlossen. Gleichzeitig ist es jedoch Kurt, dem gegenüber sie sich am meisten emotional öffnet, als sie von ihren Zukunftsängsten spricht. Fraglos ist er für sie nach wie vor eine wichtige Bezugsperson.
Man darf gespannt sein, wie sich das Verhältnis der beiden im Laufe der kommenden Folgen entwickeln wird.
Tempo
Der Pilot von The Good Fight hat ein hohes erzählerisches Tempo, ohne dass die Folge dadurch gehetzt wirkt. Der Zuschauer wird, genau wie in den besten Folgen von The Good Wife, ständig unter Strom gehalten. Die 42 Minuten vergehen wie im Fluge - und lassen einen mit dem Wunsch zurück, gleich die nächste Folge schauen.
Fazit
The Good Fight macht zum Auftakt so ziemlich alles richtig, was man als Spin-Off einer langjährigen Prestigeserie wie The Good Wife richtig machen kann. Die Serie bringt Sympathieträgerin Diane in eine spannende neue Ausgangssituation, gibt uns mit Maia eine interessante neue Figur an die Hand und komplettiert das weibliche Triumvirat mit einer bemerkenswert selbstlosen Lucca. The Good Fight spielt mit ungewöhnlichen Ideen - etwa der Inversion von Diversity - und zeigt dabei von der ersten Sekunde an, dass es genau die intelligente, politisch-gesellschaftlich relevante Serie ist, die im Zeitalter von Donald Trump so dringend nötig ist.
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 20. Februar 2017The Good Fight 1x01 Trailer
(The Good Fight 1x01)
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