The Flash 5x05

The Flash 5x05

Die Episode All Doll'd up hĂ€lt einiges fĂŒr die Zuschauer bereit: Neben einer ganzen Menge Familiendrama, wodurch die Charaktere stark zur Geltung kommen, und der Fortsetzung des Mysteriums um Caitlins Vater, erwartet uns auch noch ein besonders schauerlicher Schurke der Woche.

„The Flash“ (c) The CW
„The Flash“ (c) The CW
© ??The Flash“ (c) The CW

Nach einer kleinen Pause (Grund dafĂŒr war der große Wahlabend rund um die Midterm Elections in den USA am 6. November) kehrt The Flash diese Woche mit einer neuen Folge zurĂŒck, die eine wunderbare Mixtur an verschiedenen Themen auszeichnet und daher sehr kurzweilig ist. In All Doll'd Up beschĂ€ftigt man sich erneut mit der kriselnden Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Iris (Candice Patton) und Nora (Jessica Parker Kennedy) und findet weitere gute AnsĂ€tze, dieses komplexe VerhĂ€ltnis aus den verschiedensten Blickwinkeln zu illustrieren, wodurch auch die Charaktere wachsen. Obendrein geht ein Großteil von Team Flash dem geheimnisvollen Fall um Caitlins (Danielle Panabaker) verschwundenen Vater nach, wodurch die Episode wiederum ein leichter Hauch von Detektivgeschichte umgibt. Und dann tritt auch noch einer der furchteinflĂ¶ĂŸendsten Metahumans seit langer Zeit auf den Plan, was „All Doll'd up“ eine herrlich-schaurige Note verpasst.

Ein volles und vor allem buntes Programm, das die Zuschauer hier erwartet. Und sie werden nicht enttĂ€uscht. Den Autoren gelingt es sehr gut, eine angenehme Balance zwischen all diesen verschiedenen Facetten der ErzĂ€hlung zu halten. ZusĂ€tzlich werden ein paar smarte thematische Querverbindungen eingebaut, die die Einzelteile dieser Folge zusammenhalten und dazu beitragen, dass selten der Eindruck entsteht, die Verantwortlichen hĂ€tten sich hier eventuell zu viel vorgenommen. Das Gegenteil ist eher Fall, die Geschichte verlĂ€uft nĂ€mlich grĂ¶ĂŸtenteils wie aus einem Guss und lĂ€sst selten Langeweile aufkommen. Die Vielfalt der Themen und der daraus resultierende kleine Genremix wird zu einem Vorzug von „All Doll'd up“, den man als Beobachter nur zu gerne mitnimmt.

A different route

Beginnen wir mit dem vermeintlich dramatischsten Aspekt dieser Episode: das unverĂ€ndert problematische VerhĂ€ltnis zwischen Iris und ihrer Tochter Nora, was zuletzt von deutlichen Spannungen geprĂ€gt war. Diese Art Familiendrama könnte lapidar abgefrĂŒhstĂŒckt und mit bekannten Genretropen aufgehĂŒbscht werden. Doch den Machern von „The Flash“ liegt etwas an diesem Thema, das haben wir bereits in anderen Episoden dieser fünften Staffel der The CW-Serie sehen können. Also tauchen wir tiefer ein in die schwierige Beziehung von Iris und Nora, zwischen denen zu Beginn der Folge das Tischtuch zerschnitten zu sein scheint. Dadurch, dass intensiv daran gearbeitet wird, uns die Perspektive und die GefĂŒhlswelt beider Frauen nĂ€herzubringen, fĂ€llt es auch uns Zuschauern einfacher, uns in ihre Position hineinzuversetzen.

No secrets, no lies

Das ist es, was vor allem die hier etwas bockig wirkende Nora lernen muss: dass sie den ganzen Konflikt mit Iris auch einmal aus der Sicht ihrer Mutter wahrnimmt, dass sie sich freimacht von der Iris, die Nora in der Zukunft ungerecht behandelt hat. Das ist nicht einfach. Aber es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, nicht nur um die Wogen zu glĂ€tten, sondern auch, um das Band zu Iris neu zu knĂŒpfen, deren Schicksal als Rabenmutter (Noras Wahrnehmung) alles andere als in Stein gemeißelt ist. Gerade jetzt, nachdem Nora die Zeitlinie mit ihrer Anwesenheit durcheinandergewirbelt und Iris Informationen ĂŒber sich selbst erhalten hat, was sicherlich Einfluss auf die Ereignisse in der Zukunft nehmen wird...

WĂ€hrend „Mama Cecille“ (Danielle Nicolet) ihrer Enkelin hilft, offener und verstĂ€ndnisvoller zu sein und Iris in einem anderen Licht zu sehen, plagen diese wiederum arge Selbstzweifel. „Good guy“ Barry (Grant Gustin) tut alles, um seine Ehefrau aufzumuntern und auf andere Gedanken zu bringen. Doch natĂŒrlich beschĂ€ftigt Iris ihr fragiles VerhĂ€ltnis zu Nora, natĂŒrlich grĂŒbelt sie, was sie tun kann, um eine bessere Beziehung zu dieser zu fĂŒhren. Permanent wird sie daran erinnert, wie andere Eltern-Kind-Beziehungen um sie herum aussehen und in die BrĂŒche gegangen sind, sei es wĂ€hrend ihrer Ermittlungen im Fall der Woche oder mit Blick auf ihre eigene Familiengeschichte. Denn Iris hatte selbst nie eine gesunde Beziehung zu ihrer Mutter, wofĂŒr sie sich selbst zumindest mitschuldig fĂŒhlt, weil sie es versĂ€umt hatte, auf Francine zuzugehen, als sie zurĂŒck in Iris' Leben getreten war.

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The CW
The CW - © The CW

Good mystery

Mir gefĂ€llt, wie das Autorenteam dieses komplexe Thema aus allen denkbaren Blickwinkeln beleuchtet, wodurch das Familiendrama fĂŒr mich persönlich nicht nur greifbarer wird, sondern auch sehr authentisch wirkt. Es ist nicht leicht, diesen Weg zu bestreiten, und die Macher nehmen sich die Zeit, um aufzuzeigen, was alles notwendig ist, um Iris und Nora wieder nĂ€her zusammenzubringen. Dabei hilft es natĂŒrlich auch, dass Candice Patton diese Rolle sehr gut spielt und man ihr die inneren Unsicherheiten ihrer Figur absolut abnimmt. Auch Jessica Parker Kennedy trifft mit ihren jugendlichen, manchmal sehr trotzigen, aber eben auch passenden Darbietungen den Nagel auf den Kopf. Und so verwundert es nicht, dass einem - Ă€hnlich wie Barry - am Ende von All Doll'd Up, wenn Mutter und Tochter wieder mehr zueinanderfinden, ein zufriedenes LĂ€cheln ĂŒber die Lippen huscht. Diese Art Miniversöhnung fĂŒhlt sich einfach gut und verdient an.

Wie versöhnlich derweil die Geschichte um Caitlins Vater ausgehen wird, bleibt abzuwarten. Das Team macht große Fortschritte in dieser Hinsicht, doch Caitlins Blick, als ihr klarwird, wie nah sie doch anscheinend an der Lösung des RĂ€tsels sind, spricht BĂ€nde. Ist sie bereit fĂŒr ein Wiedersehen mit ihrem Vater? Warum hat er sie einfach so im Stich gelassen? Und ist er vielleicht sogar verantwortlich fĂŒr ihre duale Persönlichkeit gewesen? Die Anzeichen dahingehend verdichten sich, war sich Thomas Snow doch allem Anschein nach recht frĂŒh der besonderen Kondition seiner Tochter bewusst. Seine Aufzeichnung zu Khione (oder auch Chione), die griechische Göttin des Schnees und der KĂ€lte, lassen mich vermuten, dass er womöglich an seiner eigenen Tochter herumexperimentiert hatte. Oder wollte er von Anfang an nur helfen? Und inwiefern war Caitlins Mutter eingeweiht und involviert? Fragen ĂŒber Fragen...

Cool down

Und das sagt mir zu. In dieser Episode rĂŒckt das Mysterium um Caitlins Erzeuger wieder etwas mehr ins Rampenlicht, und Sherloque (Tom Cavanagh), Ralph (Hartley Sawyer), Cisco (Carlos Valdes) und Caitlin arbeiten nach ein paar anfĂ€nglichen Sperenzchen gut zusammen, um Antworten zu erhalten. Ein paar Kleinigkeiten stören mich dann aber doch. Dass Cisco seinen Wert fĂŒr das Team hinterfragt, nachdem er doch viel schwerere Verletzungen an seinen HĂ€nden davongetragen hat, als er gedacht hĂ€tte, ist eigentlich unnötig. Wir alle wissen, dass TĂŒftler Cisco mehr als nur Vibe fĂŒr Team Flash ist. Doch der Charakter muss anscheinend noch einmal eindringlich daran erinnert werden, wie wichtig er fĂŒr das TeamgefĂŒge ist - und zwar in einer zugegeben ziemlich herzlichen Szene, als Caitlin ihren guten Freund Cisco verbal aufpĂ€ppelt. So wild ist Ciscos kleiner, von Selbstzweifeln bestimmter Nebenplot nicht, deutlich irritierender finde ich da, dass man das Problem, seit Wochen ohne Satellit unterwegs sein zu mĂŒssen, im Handumdrehen löst.

Not creepy at all: Danke, Merkel!

Man programmiert einfach die restlichen vier Satelliten vom Thinker um (und gibt diesen schön nerdige Namen wie HAL, Colossus, Data und Robbie) - und fertig ist die Laube. Darauf hĂ€tte man aber auch wesentlich frĂŒher kommen können, oder? Aber gut, nehmen wir das Ganze, wodurch man natĂŒrlich noch einmal den Wert von Cisco unterstreichen will, einfach mal hin. Solche kleineren Makel kann man insgesamt gut ausgleichen, zum Beispiel auch ĂŒber den sehr coolen, sehr gespenstischen Bösewicht der Woche: Peter Merkel aka Rag Doll, ein legendĂ€rer DC-Schurke, der einst von Gail Simone und Dale Eaglesham (dessen Name in der Episode als kleine Ehrerbietung auch fĂ€llt) geschaffen wurde. Rag Doll ist großartig. Seine MetahumankrĂ€fte erlauben es ihm, sich zu verformen, wie es ihm gerade passt. Damit einher geht stets ein schreckliches Knacken seiner Knochen und Gelenke. Und nicht zu vergessen: die schauerliche Maske, die er trĂ€gt!

The Flash bietet uns nachtrĂ€glich noch ein wenig Halloweenspaß, und auch diese Rechnung geht auf. Die Figurenzeichnung von Peter Merkel (delinquenter MilliardĂ€rssohn und notorischer Langfinger, der seine Feinde so leiden sehen will, wie er selbst gelitten hat) ist jetzt nicht wahnsinnig originell, die gesamte Aufmachung des Charakters ĂŒberzeugt jedoch vollends. Mehrfach lĂ€uft einem ein kalter Schauer ĂŒber den RĂŒcken, zum Beispiel, als Rag Doll kurz im Hintergrund zu sehen ist, wĂ€hrend Iris und Barry im Vordergrund das Tanzbein schwingen. Ein schönes, stimmungsvolles Horrorfeature inmitten dieser Folge, die von dieser Art Abwechslung profitiert. Gespielt wird Rag Doll ĂŒbrigens von Troy James, der im echten Leben als professioneller VerrenkungskĂŒnstler arbeitet (zum Beispiel in The Strain und Channel Zero). Die finstere Stimme stammt wiederum von dem bekannten Synchronschauspieler Phil LaMarr, der in seinem Leben schon so einige DC- und Marvel-Figuren vertont hat.

Fazit

All Doll'd Up stellt so ein bisschen das Gegenteil zur letzten Folge dar, News Flash, in der die Verantwortlichen sehr viel wollten und sich am Ende dabei etwas ĂŒbernommen haben. In der aktuellen Episode ist ebenfalls viel geboten, doch insgesamt gestaltet sich die ErzĂ€hlung stimmiger und die verschiedenen Einzelgeschichten sorgen mit ihrer Andersartigkeit fĂŒr einen schönen Abwechslungsreichtum, der „All Doll'd up“ wiederum sehr kurzweilig macht. Emotionale Dramen, gute Mystery, gruselige Horrorelemente und selbst einen heldenhaften Schlussspurt (Chapeau Iris, fĂŒr diesen Sprung ins Ungewisse!) kann man hier finden. Sogar ein kleiner Fingerzeig und eine Hommage in Richtung des jüngst verstorbenen Marvel-Urvaters Stan Lee lässt sich erahnen (Ralph schwingt sich wie an Spinnweben durch die HĂ€userschluchten von Central City, etwas, das er in einem Comic gesehen hat...). Und zwischen den Zeilen gibt es dann auch noch einen kleinen Hinweis auf das baldige Crossover-Event „Elseworlds" (erneut wird kurz Gotham erwĂ€hnt, die Heimat von Batwoman, wie bereits in Arrow...). Ein ordentliches Paket also, das fĂŒr jeden Geschmack etwas beinhaltet.

Der Trailer zur „The Flash"-Episode 5x06, „The Icicle Cometh":

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 14. November 2018

The Flash 5x05 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 5
(The Flash 5x05)
Deutscher Titel der Episode
Rag Doll
Titel der Episode im Original
All Doll'd Up
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 13. November 2018 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 9. Mai 2019
Autoren
Thomas Pound, Sterling Gates
Regisseur
Phil Chipera

Schauspieler in der Episode The Flash 5x05

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