The Flash 2x04

The Flash 2x04

Die The Flash-Episode The Fury of Firestorm funktioniert prächtig auf Unterhaltungsebene, weist aber einige Schönheitsfehler und eine sehr unsubtile Erzählart auf. Die gute Effektarbeit, die sympathischen Charaktere und ein sehr überraschendes Finale gleichen diese Schwächen jedoch aus.

Carlos Valdes, Grant Gustin, Victor Garber und Danielle Panabaker in „The Fury of Firestorm“. / (c) The CW
Carlos Valdes, Grant Gustin, Victor Garber und Danielle Panabaker in „The Fury of Firestorm“. / (c) The CW

Nachdem ich mich mit der letzten Episode (Family of Rogues) von The Flash aus diversen Gründen nicht so recht anfreunden konnte, geht es mit der neuen Folge The Fury of Firestorm wieder etwas aufwärts. Man präsentiert uns hier - wie so oft - sehr kurzweilige Fernsehunterhaltung, wobei auch diese Episode nicht frei von Makel ist. So sehr man sich an den eher actionlastigeren Szenen und dem Auftritt einer neuen Figur erfreuen kann - die Autoren haben es schon subtiler hinbekommen, ihre Botschaften zu verpacken. In „The Fury of Firestorm“ wirkt es nämlich oft so, als würde man uns mit erhobenen Zeigefinger wichtige Lebenslektionen beibringen wollen, wie es vor vielen Jahren bestimmte Zeichentrickformate für ein sehr junges Publikum getan haben.

Die Serienmacher dürfen uns gerne etwas mehr Subtilität zutrauen. Nicht jede neue Erkenntnis für unsere Charaktere muss klar und deutlich ausformuliert werden. Dieser Aspekt nimmt einem in „The Fury of Firestorm“ zwar nicht vollkommen den Spaß, dennoch fühlt man sich als Zuschauer gelegentlich etwas stiefmütterlich behandelt. Positiv ist hingegen, dass einige unserer Protagonisten sehr interessante Entscheidungen treffen und das Zusammenspiel der einzelnen Darsteller kaum zu wünschen übrig lässt. Und auch wenn das letzte Drittel der Episode einige Fragen aufwirft, schaffen es die Macher hier, uns Zuschauer noch einmal richtig zu packen. Schade wiederum, dass die Episode dann auch schon wieder vorbei ist.

Left behind

Die Episode befasst sich zunächst mit Prof. Stein (Victor Garber) und seinem verschlechterten Gesundheitszustand. Nachdem er am Ende der vorangegangenen Episode erneut zusammengebrochen ist, stellt sich nun heraus, dass die permanente Trennung von seinem Gegenpol Ronnie (Robbie Amell) nicht mehr lange gut gehen kann. Team Flash gelingt es zunächst, Stein zu stabilisieren. Doch es muss schnellstmöglich ein neuer „Partner“ für den Professor her, um dessen veränderte Genstruktur auszugleichen und das Schlimmste zu verhindern. Für diese Aufgabe kommen zwei Kandidaten in Frage, die beide von der Explosion des Teilchenbeschleunigers verändert wurden und theoretisch kompatibel mit Stein sind, aber unterschiedlicher nicht sein könnten.

Cisco (Carlos Valdes) und Jax (Franz Drameh) in %26bdquo;The Fury of Firestorm%26ldquo;. © The CW
Cisco (Carlos Valdes) und Jax (Franz Drameh) in %26bdquo;The Fury of Firestorm%26ldquo;. © The CW

Sensitive matter

Auf der einen Seite haben wir den ausgezeichneten Wissenschaftler Henry Hewitt (Demore Barnes), der sofort Feuer und Flamme ist, sich mit Stein zu verbinden, und aufgrund seines wissenschaftlichen Hintergrunds der perfekte Ersatz für Ronnie scheint. Der andere Kandidat ist der junge Jefferson Jackson (Franz Drameh), ein ehemaliges Footballtalent, dessen junge Karriere aufgrund der Katastrophe um den Teilchenbeschleuniger ein jähes Ende fand. Während Barry (Grant Gustin) Vorsicht walten lassen und genau eruieren will, wer von den beiden am geeignetsten ist, prescht Caitlin (Danielle Panabaker) vor und schießt sich schnell auf Hewitt als Steins Retter ein.

Caitlin wird hier auffällig einseitig und vorverurteilend gegenüber Jackson gezeigt. Und Hewitt scheint auch zu perfekt, sodass man als Zuschauer bereits früh erahnt, dass der anfängliche Plan des Teams wohl eher nicht aufgehen wird. Nachdem sich Hewitt als nicht kompatibel für Stein herausstellt und erbost die S.T.A.R. Labs verlässt, wird Caitlin von Barry mit dem Holzhammer auf die richtige Spur gebracht: Jackson - so ungeeignet sie ihn auch für Steins neuen Partner hält. Letztendlich schließt man die Entstehungsgeschichte des neuen Firestorm rund und schlüssig ab, geht dabei jedoch einen alles andere als subtilen Weg. Auch dass Caitlin sich für ihre Verhältnisse zu Beginn vielleicht etwas zu naiv verhält, nur damit sie schlussendlich eine wichtige Lektion lernen kann, wirkt ein wenig zu konstruiert. Sie sollte doch am besten wissen, dass es nicht so einfach ist, sich dafür zu entscheiden, ein Held zu sein und sich den damit verbundenen Verantwortungen zu stellen.

Leap of faith

So simpel die Handlung um die Rettung Steins und des neuen Firestorm hier auch gestrickt ist, so sehr gefällt mir auf der anderen Seite der Auftritt des jungen Franz Drameh als Jefferson „Jax“ Jackson. Eine Figur, die in den Comics ein guter Freund von Ronnie Raymond ist. Drameh verfügt über eine natürliche Lockerheit, die ihn sehr charismatisch macht. Darüber hinaus gefällt mir jetzt schon die Dynamik zwischen ihm und Victor Garber als Professor Martin Stein aka Grey. Jax macht einen guten ersten Eindruck und empfiehlt sich für das Team Flash, welches schließlich ein neues Mitglied begrüßen darf, das hervorragend in die bereits bestehende Gruppe passt.

Die Autoren entscheiden sich dann aber dafür, Firestorm erst einmal wieder auf die Reservebank zu schicken, was mich ein klein wenig zwiespaltet. Denn Stein und Jax machen sich zum Ende der Episode auf den Weg nach Pittsburgh, um dort an ihrer Konvergenz zu feilen, und sind somit wieder weg vom Fenster, kurz nachdem sie zusammengefunden haben. Auf der einen Seite ist es nicht verkehrt, Team Flash wieder etwas zu entschlacken, tummelten sich in den letzten Wochen doch ziemlich viele Charaktere in den S.T.A.R. Labs. Auch in Hinblick auf das geplante Spin-off Legends of Tomorrow scheint der plötzliche Abschied von Stein und Jax schlüssig. Andererseits füttert man uns in The Fury of Firestorm mit tollen Actionszenen und einer frischen Charakterdynamik, von der ich gerne mehr gesehen hätte.

Catch me if you can

Ein Wermutstropfen stellen dafür die bereits erwähnten Actionszenen dar, die großen Anteil daran haben, dass man als Zuschauer sehr viel Spaß an Firestorm hat. Die Feuer-Effekte gefallen mir nach wie vor ausgesprochen gut, und auch das Team aus The Flash und Firestorm sorgt immer wieder für große Unterhaltung. Während die computergenerierten Effekte sehr gefällig sind und der finale Kampf gegen den Bösewicht der Woche wuchtig inszeniert ist, muss man aber leider abermals festhalten, dass einem der Antagonist herzlich egal ist.

Der Charakter des Henry Hewitt (aka Tokamak) bekommt ein paar Hintergrundinformationen verpasst, sein Motiv, warum er letztlich für Chaos sorgt, ist aber sehr dürftig. Es wäre schön, wenn die Macher es in den nächsten Wochen mal wieder fertigbringen könnten, einen Schurken der Woche zu kreieren, der einen wirklich interessiert oder für den man vielleicht sogar so etwas wie Empathie empfinden kann (ich erinnere zum Beispiel an Farooq aka Blackout). Die große Auseinandersetzung zwischen The Flash, Firestorm und Tokamak macht visuell sehr viel Spaß, gefühlsmäßig lässt einen die Geschichte des cholerischen Metahuman aber eher kalt.

Barry (Grant Gustin) und Joe (Jesse L. Martin) in %26bdquo;The Fury of Firestorm%26ldquo;. © The CW
Barry (Grant Gustin) und Joe (Jesse L. Martin) in %26bdquo;The Fury of Firestorm%26ldquo;. © The CW

Second chances

Die emotionalen Höhepunkte gehören in „The Fury of Firestorm“ ohnehin jemand anderem, und zwar Iris (Candice Patton) und dem Handlungsbogen um ihre wiedergekehrte Mutter Francine (Vanessa Williams). Auch durch diese Geschichte zieht sich der roten Faden der Folge: dass man Menschen eine zweite Chance geben und niemand zu schnell beurteilen sollte. Ja, die Querverbindung zwischen den einzelnen Handlungsstränge (auch Barry bekommt von Joe (Jesse L. Martin) eine ähnliche Ansprache bezüglich Patty (Shantel VanSanten) und seiner nicht enden wollenden Liebe für Iris zu hören) könnten offensichtlicher nicht sein, die Moral der Geschichte nicht deutlicher. Was an der Geschichte von Iris wiederum sehr positiv ist, ist das rigoroses und sehr konsequentes Auftreten ihrer Mutter gegenüber, das ich in der Form nicht erwartet hätte.

Aber vielleicht hätte der Rezensent auch nicht zu früh urteilen sollen. Denn dieser Handlungsstrang geht nun in eine Richtung, die ich nicht ganz so erwartet hätte und mir weitaus besser gefällt als das, was ich erwartet habe. Iris lässt sich zunächst auf ihre Mutter ein, findet dann aber auf eigene Faust heraus (ein Hoch auf den Investigativjournalismus), dass sie nach wie vor mit der Wahrheit hinterm Berg hält. Ja, Francine ist todkrank und hat nicht mehr viel Zeit. Das ändert für Iris aber nichts daran, dass sie ihr nicht trauen kann. Weil sie verschwiegen hat, dass Francine ein weiteres Kind hat: einen Sohn, von dem Joe der Vater ist.

Trust

Iris' Beziehung zu ihrem Vater ist ein starkes Band, das über allem steht. Ihr Verhalten Francine gegenüber mag für manchen kaltherzig sein, und eventuell wird Iris ihre Entscheidung auch noch bereuen. Aber im Rahmen ihres Charakters verhält sie sich für mich absolut nachvollziehbar und zeigt, wie stark sie wirklich ist. Es freut mich, dass die Autoren möglichen klischeehaften Familiendrama so relativ fix einen Riegel vorschieben, wobei abzuwarten bleibt, welche Rolle Iris' noch unbekannter Bruder spielen wird. Ich werfe hier schon einmal den Namen Wally West in den Raum, der, so Showrunner Andrew Kreisberg, nicht wie in der Comicvorlage den Cousin von Iris spielen wird ...

Den Abschluss der Episode markieren dann noch ein paar sehr aufregende Szenen, die manch einen Zuschauer auf dem falschen Fuß erwischen könnten. Bereits früh in der Episode bittet Patty Barry um seine Mithilfe, einen Haifischzahn zu analysieren, der letztlich menschliche DNA aufweist. Zwischen den beiden kommt es abermals zu einem charmanten Techtelmechtel, während Shantel VanSanten einem mehr und mehr ans Herz wächst. Bis jetzt gibt es von mir noch keine Einwände gegen diese neue Charakterkombination. Grant und VanSanten funktionieren als Leinwand-Duo sehr gut miteinander. Patties Fall um einen angeblichen „Haifisch-Menschen“ wird unterdessen nicht nur von ihren Mitmenschen, sondern auch von uns Zuschauer belächelt. Bis...

Something bigger

Bis plötzlich auf den letzten Metern der Episode Barry aka The Flash hinterrücks von einer gewaltigen Hand weggefischt wird, die zu der von Patty beschriebenen Kreatur gehört. Eine überraschende Wendung, die für große Augen bei mir sorgte. Der Computereffekt ist etwas klobig, beeindruckend ist dieses Wesen aber allemal. Die fiese Hai-Visage kann sich technisch durchaus sehen lassen. Hierbei scheint es sich um den DC-Schurken King Shark zu handeln, der allem Anschein nach von Zoom auf Barry angesetzt wurde. Der Schocker zum Ende ist zumindest gigantisch (Shark King ist immerhin noch größer als Grodd). Doch damit noch nicht genug. Eine vermummte Gestalt sorgt dafür, dass das Hai-Wesen seine Flossen von Barry und Pattie lässt, die sich zuvor noch beherzt dem Scheusal stellten. Anhand des bläulichen Strahls, der aus der Waffe der Figur kommt, könnte man denken, es würde sich um Captain Cold handeln. Es ist jedoch Harrison Wells (Tom Cavanagh) aus Earth-Two, der letzte Woche noch durch das Portal nach Earth-One kam, in die Mercury Labs einbrach, wo er von Tina McGee (Amanda Pays) gesichtet wurde, und nun Barry (und Pattie) das Leben rettet. Aber warum?

Ein spannender Schlusspunkt, der uns vor einige Rätsel stellt. Warum hilft Wells Barry in dieser Situation? Steht er doch nicht mit Zoom im Bunde? Die nächste Episode wird uns hoffentlich einige Antworten geben, was es nur noch umso frustrierender macht, dass The Fury of Firestorm genau dann aufhören muss, wenn es an die Fleischtöpfe geht. Interessant ist darüber hinaus auch weiterhin Ciscos (Carlos Valdes) Rolle, der von Wells in den S.T.A.R. Labs beobachtet wird. Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass der sympathische Technik-Nerd (der übrigens in dieser Episode eines der besten T-Shirts überhaupt trägt) gegenüber seinen Freunden bald mit der Wahrheit bezüglich seiner seltsamen Visionen herausrücken wird. Steins Appell an ihn sollte den Stein zumindest ins Rollen gebracht haben.

Pattie (Shantel VanSanten) in %26bdquo;The Fury of Firestorm%26ldquo;. © The CW
Pattie (Shantel VanSanten) in %26bdquo;The Fury of Firestorm%26ldquo;. © The CW

Fazit

The Fury of Firestorm stellt für mich eine Besserung im Vergleich zur letzten Episode von The Flash dar, auch wenn wir uns erst langsam wieder auf einem höheren Niveau einpegeln. Der Cast harmoniert weiterhin hervorragend miteinander und auch die etwas turbulenteren Szenen unterhalten gut aufgrund ihrer für Network-Fernsehen-Verhältnisse sehr ordentlichen Effekte. Die Geschichte um den neuen Firestorm bestehend aus Stein und Jax birgt einiges an Potential, welches aber wohl leider nicht in The Flash ausgeschöpft wird. Dadurch verkommt die Superheldenserie hier eher zu einem Zubringer für das kommende Legends of Tomorrow. Schade.

Zusätzlich sollte man wieder versuchen, auf weniger offensichtliche thematische Querverbindungen zurückzugreifen und die Lehrstunden für unsere Charakter etwas subtiler zu gestalten. Auch an der Metahuman-Front gibt es noch Nachholbedarf. Dafür punkten die Macher aber mit den Handlungsstrang um Iris und legen dann auch noch in bekannter Manier zum Ende der Episode eine wunderbare Punktlandung hin, die packend ist und zum Spekulieren einlädt. The Flash nimmt so schließlich noch einmal erfolgreich Fahrt auf.

Trailer zu „The Flash“-Episode 2x05 The Darkness and the Light:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 28. Oktober 2015

The Flash 2x04 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 4
(The Flash 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Ein würdiger Nachfolger
Titel der Episode im Original
The Fury of Firestorm
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 27. Oktober 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 31. März 2016
Autoren
Kai Wu, Joe Pesce
Regisseur
Stefan Pleszczynski

Schauspieler in der Episode The Flash 2x04

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?