The Falcon and the Winter Soldier 1x06

© zenenfoto aus der Episode One World, One People der Serie The Falcon and the Winter Soldier (c) Disney+/Marvel Studios
One World, One People heißt der Abschluss der Marvel-Miniserie The Falcon and the Winter Soldier. Sollte es eine Fortsetzung als Film oder Serie geben, dann wahrscheinlich unter einem anderen Titel, den man sich bestimmt schon denken kann und der im Abspann steht. Die Zuschauer, mich eingeschlossen, haben sich gefragt, wie man die zahlreichen offenen Fragen in einer einzigen Folge abschließen kann, aber Malcolm Spellwell und sein Kreativteam haben es tatsächlich recht gut geschafft, alle losen Enden miteinander zu verknüpfen und obendrein ein actionreiches Finale zu präsentieren.
Sturm auf die GRC

Manchmal kommt es durch reinen Zufall dazu, dass fiktive Ereignisse in einer Serie an echte Begebenheiten erinnern. Tatsächlich finde ich, dass der Angriff der Flag Smashers Assoziationen an den Sturm auf das US-Capitol im Januar 2021 wecken kann. Das ist sicherlich nicht beabsichtigt, schließlich wurde das Meiste der Serie schon 2020 oder sogar vorher gedreht. Einen kleinen Beigeschmack hat das natürlich dennoch, zeigt aber irgendwie, wie nah Marvel eben manchmal an der echten Welt dran ist, was auch für die Comics gilt (siehe 9/11).
Was planen Karli (Erin Kellyman) und die Flag Smasher? Das Votum der Politiker soll verhindert werden und so werden sie als Geiseln genommen. Die Pläne hatte Torres (Danny Ramirez) per App durchschaut und Sam (Anthony Mackie) und Bucky (Sebastian Stan) gewarnt. Zudem hat Sam Sharon (Emily VanCamp) zur Hilfe gerufen. Karli selbst lässt ihre Gehilfen die Drecksarbeit machen. Es gibt also an mehreren Fronten zu tun: Sharon und Sam kümmern sich um die Geiseln, wobei Bucky sich durch einen Anruf Karlis ablenken lässt und hofft, sie verbal noch überzeugen zu können, dass ihr Handeln falsch ist. Sam verfolgt sie derweil in neuer sehr comicnaher „Captain America“-Verkleidung in der Luft, nachdem es ein Rematch mit Batroc (Georges St-Pierre) gab, das seine erste Bewährungsprobe als Captain America war.
Bucky muss derweil auf dem Motorrad die Verfolgung der Supersoldaten aufnehmen. Sam benutzt Redwing auf kreative Art und Weise, um eine Rettungsaktion im Helikopter umzusetzen und Sharon hat auch so ihre Mittel und Wege, um die Widersacher auszuschalten.
Die Kampfszene zwischen Sam und Batroc ist nett anzusehen, aber das rote Licht kaschiert womöglich auch ein wenig das neue Kostüm, das aus praktischen Gründen etwas klobiger sein muss, damit die Flügel ihren Platz haben. Zudem hat Sam einfach einen anderen Stil als Steve Rogers (Chris Evans) oder Bucky, an dem man sich vielleicht erst gewöhnen muss. Sobald nämlich die Flügel ausgefahren werden, merkt man, wo das Geld investiert wird. Das sind für mich meistens die eigentlichen Actionhighlights der Serie, weil die Prügelszenen, wie zuvor bereits in den Reviews erwähnt, mal sehr gut gelingen und manchmal auch nur mittelmäßig sind. Die Helikopterszene finde ich jedenfalls sehr clever und hatte meinen Spaß daran, wobei es natürlich ein sehr krasser Zufall ist, dass die Passagierin Ayla (Jane Rumbaua) weiß, wie man einen Heli steuert.
Bucky und Walker gegen die Flag Smasher

Bucky erhält alsdann auch Unterstützung gegen die Flag Smashers - und zwar durch John Walker (Wyatt Russell), der sich vorerst nur einen neuen Schild gebaut hat und noch ein Hühnchen mit Karli und Co zu rupfen hat. Im Finale lässt man Walker - abseits von seinem öffentlichen Mord an einem Supersoldaten - relativ gefasst erscheinen. Er dreht jedenfalls nicht überpatriotisch ab oder wird als eindeutiger Schurke präsentiert. Vielmehr will er seinen Kameraden rächen - wenn es aber um die Rettung von Leben geht, handelt er dennoch; zum Beispiel, als ein Truck von einem Gerüst zu fallen droht. Weil er dann von Karlis Smashers angegriffen wird, droht die Situation zu eskalieren, aber dann ist Sam („Don't call him Black Falcon“) doch da, um den Tag zu retten. Für mich ein Gänsehautmoment.

Buckys Priorität und vielleicht auch Schwäche in Karlis Augen ist, dass er ebenfalls immer das Wohl der Zivilisten im Kopf hat, weswegen man ihn so ablenken kann, etwa durch ein Feuer. Deutlich wird auch, dass Karli zu diesem Zeitpunkt die Geiseln eher als Mittel zum Zweck sieht, was nicht jedem Anhänger gefällt.
Nach den Rettungsaktionen sorgt Batroc dafür, dass die Flag Smashers fliehen können, doch Sam hat als neuer Captain America durch das Kostümupgrade aus Wakanda nun direkt in seinem Visier-HUD diverse Redwing-Techniken eingebaut, darunter Hitzesignaturen, die ihm sehr behilflich bei der Verfolgung von Verdächtigen sein können. Wieder trennen sich die Wege und Bucky und Walker folgen einer Spur zu den Flag Smashers, während Sam einer anderen nachgeht.
Wer ist der Power Broker?

Sharon trifft derweil auf Karli und fordert sie auf, die Waffe niederzulegen. Im Gespräch kommt heraus, dass Sharon Carter also doch der sagenumwobene Power Broker aus Madripoor ist. Sie ist es, die Karli und die Flag Smashers mit dem Supersoldatenserum ausgestattet hat. Das bekommt auch Batroc mit, der plötzlich die vierfache Gage für sein Stillschweigen verlangt. Das will Sharon allerdings nicht hinnehmen und schießt ihn nieder, dabei schießt auch Karli auf sie. Sam bekommt nur den Schluss mit und konfrontiert nun Karli in einem kurzem Kampf, die dann wiederum von Sharon erschossen wird. Die Zuschauer werden also eingeweiht, doch Sam bleibt ahnungslos, was sicherlich zukünftig für eine interessante Dynamik sorgen könnte.
Sharon war im Marvel-Cinematic-Universe sicherlich die Art von Figur, die unter dem Radar geflogen ist, aber eigentlich stets auf der Seite der Guten war. Natürlich verändert so ein Snap und ein Blip so einiges, wie man nach „Avengers: Endgame“ in WandaVision, „Spider-Man: Far From Home“ oder auch in dieser Serie besonders gut sehen kann. Trotzdem finde ich es durchaus spannend, dass die Nichte von Peggy Carter (Hayley Atwell), der Gründerin von SSR und S.H.I.E.L.D., nun einen so schurkischen Wandel durchmacht. Weil es sich immer noch um eine (lose) Comicadaption handelt, gibt es natürlich die Möglichkeit eines Fremdeinflusses. So wurde auch im Event „Secret Empire“ ein Captain America (Steve Rogers) enthüllt, der von Hydra korrumpiert wurde. Vielleicht plant man rund um Sharon Ähnliches.
In der Post-Credits-Szene der Finalfolge erhält sie jedenfalls ihr Pardon von der US-Regierung, was sie jedoch eher als Motivation sieht, um ein noch tolleres Geschäft zu drehen. Ebenfalls möglich: Sharon könnte ein gestaltwandelnder Skrull sein und das Ganze ist ein weiterer Prolog für die kommende Eventminiserie Secret Invasion, die auf der berühmten Marvel-Story basiert. Da die weibliche Figur, die dort im Fokus steht, bisher noch nicht im MCU aktiv ist, könnte Sharon einen guten Ersatz darstellen. Es bleibt also in meinen Augen spannend...
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Sam Wilson - Captain America

Die Bedrohung der Flag Smashers ist also vorerst gebannt. Karli ist tot (und war vielleicht auch ohnehin nur ein Spielball höherer Mächte) und Zemos (Daniel Brühl) Butler sorgt derweil für das Lebensende der vier übrigen Supersoldaten, die eigentlich ins Gefängnis The Raft einwandern sollen, in dem auch Zemo einsitzt. Sam lässt sich aber trotzdem durch Karlis Kampf inspirieren und konfrontiert die Politiker mit ihren Forderungen. Allein Wörter wie Terroristen, Geflüchtete und Diebe sorgen schon dafür, dass es in der Öffentlichkeit einen belasteten Diskurs gibt. Durch den Blip und seine Folgen haben die Menschen nun eine gemeinsame Grundlage und wissen, wie sich zuvor Minderheiten, wie zum Beispiel Schwarze, Asiaten oder andere Menschen mit Migrationshintergrund, gefühlt haben, weswegen jetzt der beste Zeitpunkt wäre, zu überdenken, wie man denjenigen hilft, die gestrandet sind oder nun Hilfe benötigen. Sam ist sich dessen sehr bewusst, dass das zukünftig keine leichte Aufgabe wird, denn allein wegen seiner Hauptfarbe lehnen ihn schon rund die Hälfte der Menschen im Land ab oder hassen ihn. Dennoch will er, wie Steve zuvor, einfach daran glauben, dass man es besser machen kann, wenn man es denn wenigstens versucht. Werden es die Politiker, die mit Anrufen oder Mails ebenfalls Berge versetzen können, ihm gleichtun? In meinen Augen eine starke und wichtige Szene und ebenso Einstandsrede für den neuen Cap.
Ich bin mir sicher, dass einige das stur ablehnen werden, aber die Marvel-Comics waren immer schon politisch, seit Stan Lee in den 1960ern die großen Titel übernommen hat. Man denke allein an die „X-Men“ und den Kampf für eine friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Mutanten. In der Gegenwart haben sich die Metapher verschoben, aber die Themen bleiben ähnlich. Rassismus ist, besonders in den USA, ein großes Problem, da kann Fiktion wie in Superheldencomics oder Marvel-Produktionen dabei helfen, dass solche Konflikte eine Bühne erhalten und zumindest einigen die Augen öffnen. Es ist Marvel als Verlag in den letzten Jahren ein großes Anliegen geworden, dass man die Diversität auf der Welt besser abbildet und so auch neue Versionen von etablierten Helden und Heldinnen geschaffen wurden. Figuren wie Sam als Captain America, Jane Foster als Thor, Mrs. Marvel, Miles Morales als Spider-Man, Moon Girl, Squirrel Girl, Spider-Gwen, America Chavez sind nur einige Beispiele dafür. Einige dieser Helden werden in Phase vier und darüber hinaus auch im Marvel Cinematic Universe debütieren.
Dark Avengers oder Thunderbolts?
Contessa Valentina Allegra de Fontaine (Julia Louis-Dreyfus) ist ebenfalls zurück und mit dem Ehepaar Walker beschäftigt. Sie macht uneindeutige Andeutungen dazu, ob sie vielleicht Zemo dazu manipuliert haben könnte, die Supersoldaten aus dem Verkehr zu ziehen. Doch wäre das bei ihm tatsächlich nötig? Man weiß es nicht. Valentina bleibt also eine mysteriöse neue Spielerin, die vielleicht so etwas wie ein böser Nick Fury werden könnte. Ich möchte hier nur einmal das Stichwort „Leviathan“ in den Raum werfen, wobei manche Aspekte davon auch schon bei Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. genutzt wurden. Dennoch dürfte es bei Interesse wohl nicht schaden, sich Jonathan Hickmans „Secret Warriors“ als Lektüre vorzuknöpfen.
Nach der Ausstrahlung ihres Debüts machten Gerüchte die Runde, dass Valentina eigentlich im Film „Black Widow“ hätte zuerst auftauchen sollen, der ohne Coronavirus-Pandemie schon längst im Kino gewesen wäre. Es kann also sein, dass sie sich ihr eigenes Team zusammenstellt. Statt Norman Osborn, der an Sony gebunden ist, könnte sie also die Thunderbolts, die Dark Avengers oder, wer es lieber old school mag, die Masters of Evil zusammenstellen. Jedenfalls verpasst sie John Walker nun seine neue Identität, die er eben auch in den Comics hat. Fortan wird er als U.S. Agent agieren und wohl ihren Befehlen folgen. Braucht man gleich zwei zwielichtige Damen im MCU? Wir werden sehen... Zwielichtige Herren gab es ja auch vorher bereits genug...
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Wiedergutmachung

Die epiloglastige zweite Hälfte der Folge gefällt mir übrigens ausgesprochen gut, weil man es so vermeidet, nur Nonstop-Action zu bieten. Zudem sind es genau solche Momente, die mich zum Fan des MCU machen. Die kleinen Schleifchen rund um Handlungen, die im Auftakt eingeführt wurden und nun ihren Abschluss erhalten. So wie Bucky, der seinem alten Kumpel endlich die Wahrheit über den Mord an seinem Sohn sagen kann und zudem alle Namen seiner Liste durchstreichen kann und nun ebenfalls bereit ist für ein neues Kapitel.
Bei Sam ist es der Besuch bei den Bradleys. Eli und Isaiah Bradley (Carl Lumbly) haben bereits im Fernsehen das Debüt von Sam als Cap verfolgt. Wir erfahren, dass das GRC die Pläne geändert hat. Isaiah respektiert Sam, muss aber gleichzeitig seine Seitenhiebe unterbringen, dass er kein Malcolm X, Martin Luther King oder Nelson Mandela ist, aber dennoch eine gute Partie. Sam ist sich der Verantwortung und der Hürden bewusst, will aber das Land, das Leute wie Isaiah mit aufgebaut und gestärkt hat, so gut er es vermag unterstützen. Er hat den beiden Männern zudem etwas zu zeigen - also geht es zurück zur Captain-America-Ausstellung. Dort hat der verschwiegene schwarze Supersoldat Bradley nun eine Statue und eine Informationstafel erhalten, damit alle von seiner Geschichte, die zuvor stillschweigend gelöscht wurde, erfahren können.
Ich muss sagen, dass mich dieser Moment wie kaum ein zweiter in der Miniserie berührt hat. Weiterhin bin ich der Meinung, dass es sich lohnen könnte, „Truth: Red, White and Black“ für Disney+ zu adaptieren. Vielleicht gibt es aber längst Pläne, zumal man die Geschichte auch in einer „Young Avengers“-Serie oder in einen Film einflechten könnte, wenn Enkel Eli den Fußstapfen des Großvaters folgen sollte. Auch die kleine Partymontage in Louisiana entlässt mich als glücklichen Zuschauer.
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Fazit
The Falcon and the Winter Soldier kriegt den Bogen, der im sehr guten Auftakt gespannt wurde, im Finale geschlossen, indem man sich nicht nur auf die Blockbuster-Action konzentriert. Diese ist zwar sicherlich auch wichtig, aber so wird eben das große MCU-Ganze erfolgreich und spannend weitergesponnen; weswegen man immer mehr das Gefühl hat, sich im shared universe aus den Comics zu befinden. Ich bin und bleibe großer Fan von Sam und Bucky, kann aber zumindest ein wenig nachvollziehen, warum man vorher Probleme mit den Sidekicks hatte. Dennoch bin ich der Meinung, dass die sechsteilige Miniserie einen guten Job gemacht hat, sie den Zuschauern näherzubringen, sie über ihre bisherigen Probleme hinauswachsen zu lassen und für eine etwaige Fortsetzung namens „Captain America and the Winter Soldier“ in Stellung zu bringen. Ob als Film oder als weitere Serie, müssen Marvel und Kevin Feige entscheiden. Ich glaube, dass sich das Duo gut im Serienformat mit Kinobudget macht. Von Sam beispielsweise wusste man privat vor dieser Serie sicherlich nur sehr wenig und jetzt haben wir ein besseres Bild. Bleibt sein Kampf weiterhin so politisch? Kann er mit ihm in der Rolle jemals nicht politisch sein? Ich finde, das ist eine spannende Ausgangslage und die Comics bieten da sicherlich einiges an Material, das man hier aufgreifen könnte.
Natürlich sehe ich trotzdem, dass man vielleicht stellenweise etwas zu viel wollte, indem man so viele Konfliktparteien involviert hat, denn Zemo, Walker, Flag Smashers, Power Broker, Wakanda, Valentina und GRC sind mehr Elemente als wahrscheinlich nötig waren. Ich wurde dennoch meistens gut unterhalten und habe meine wöchentliche Marvel-Dosis genossen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass mehr Buddycop-Dynamik versprochen wurde, als im Endeffekt geliefert wurde. Nun warten die Marvel-Fans wohl auf Loki, der ab Juni in seine Zeitreiseabenteuer geworfen wird.
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Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 23. April 2021(The Falcon and the Winter Soldier 1x06)
Schauspieler in der Episode The Falcon and the Winter Soldier 1x06
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