The Falcon and the Winter Soldier 1x05

© zenenfoto aus der Episode Truth der Serie The Falcon and the Winter Soldier (c) Disney+/Marvel Studios
Truth ist die vorletzte Folge von The Falcon and the Winter Soldier und setzt nach dem öffentlichkeitswirksamen Mord von John Walker (Wyatt Russell) in seinem „Captain America“-Kostüm ein. Der von seinen komplizierten Gefühlen überwältigte Soldat wird von Sam (Anthony Mackie) und Bucky (Sebastian Stan) konfrontiert, die ihn fordern, sich zu stellen und das Schild auszuhändigen.
In einer frühen Actionszene, die manchmal wieder etwas unübersichtlich und hektisch gestaltet ist, nimmt Super Soldat Walker es mit Falcon und dem Winter Soldier gleichzeitig auf und scheint dabei eine Zeit lang sogar die Oberhand zu behalten.
I am Captain America!
Während des Kampfes zerstört John den Flügelanzug von Sam und droht, ein weiteres Opfer zu fordern, ehe Bucky ihn retten kann. Durch einen geschickten „Tag-Team-Move“ gelingt es Sam und Bucky aber, das Blatt zu wenden, auch wenn man John dafür den Arm brechen muss. Buckys Geste nach dem Kampf sagt derweil ohne Worte, dass es an der Zeit ist, dass er den Schild wieder an sich nimmt, wie es ursprünglich auch geplant war.
Ich mag die Idee hinter der Szene, doch hier hätte man in der Inszenierung durchaus etwas klarer sein können. Einige Schnitte weniger hätten der Sache bestimmt auch gutgetan. Die Miniserie hat öfter mal eine Diskrepanz zwischen sehr guten Actionszenen und solchen, die etwas zu überstrukturiert oder kompliziert, weil zu kleinteilig sind.
Währenddessen kann Karli Morgenthau (Erin Kellyman) komplett vom Radar verschwinden, obwohl die GRC die Suche nach ihr und ihren Verbündeten verstärkt. Doch bislang findet man wohl nur einige ihrer Sympathisanten. Dafür ist Walkers Tat ein waschechter internationaler Vorfall, der dazu führt, dass die Regierung übernimmt und allen Beteiligten eine Auszeit verpasst, was Torres (Danny Ramirez) Sam und den Zuschauern zu verstehen gibt. Gleichzeitig legt er ihm nahe, dass man manchmal auch einfach abwarten muss, bis es etwas zu tun gibt, was sich Sam zu Herzen nimmt. Den kaputten Falcon-Anzug lässt er Torres da, was vielleicht ein wenig foreshadowing ist, denn seine Figur übernimmt in den Comics den Sidekick-Posten.
Cap no more

John F. Walker wird derweil offiziell ein Prozess gemacht, der durch einen US-Senator geleitet wird. Das Urteil steht fest, denn Walker soll den Status als Captain America, seinen Militär-Rang und seine Bezahlung (inklusive Ruhestandszahlungen) verlieren, kommt aber ohne Freiheitsstrafe aus. Allerdings will er seine Sicht der Dinge erklären und riskiert dabei, sich noch mehr Probleme zu scheffeln. Zudem soll er das Schild schnellstmöglich an die Regierung zurückgeben. Walker steht also nur kurz nach dem Start vor dem Scherbenhaufen seines Lebens. Seine Frau meint, dass es an der Zeit ist, Lemar Hoskins (Cle Bennett) Familie zu besuchen. Doch bevor es dazu kommt, taucht eine mysteriöse Figur auf, die sich als Contessa Valentina Allegra de Fontaine vorstellt und von Julia Louis-Dreyfus (Veep, Seinfeld) gespielt wird. Sie gibt Walker Hoffnung, dass noch nicht alles vorbei ist und überreicht ihm ihre Karte, die jedoch leer zu sein scheint. Diese Frau scheint nicht nur einiges über ihn zu wissen - etwa, wem das Schild eigentlich gehört -, sondern auch einiges an Einfluss zu haben... Ist sie vielleicht der Power Broker, von dem wir schon gehört haben? Comicfans wissen, dass ein Codename dieser Figur Madame Hydra ist. Doch was hat man im MCU mit ihr vor?
Später sehen wir Walker bei der Familie von Lemar Hoskins, wobei er ihnen nicht die volle Wahrheit über den Tod ihres Sohnes erzählt. Von ihnen hört er aber, wie sehr Lemar ihn respektiert und sich für ihn gefreut hat, als er zu Captain America wurde. Das unterstreicht weiter den psychologischen Kollaps von Walker, der glaubt, ein Recht darauf zu haben, als Held zu agieren.
Hier kannst Du „Captain America - The First Avenger“ bei Amazon.de kaufen
Captain America - The First Avenger
Das Ende von Zemo?

Wie bereits angenommen, sitzt Karli natürlich nicht tatenlos rum, sondern ist dazu entschlossen, einen großen Plan umzusetzen, der sich gegen die Politik der GRC richtet. Denn sie hat genug davon, dass ihre Leute immer ihre Leben verlieren müssen, um als Bürger des Planeten anerkannt zu werden.
Zemo (Daniel Brühl) besucht, wie er es schon angekündigt hatte, das Mahnmal in Sokovia. Dort wartet er darauf, dass Bucky ihn findet. Er meint, dass man Karli wohl nur aufhalten könne, wenn man sie umbringt, Bucky und Sam wollen sich mit dieser simplen Lösung aber wohl nicht abfinden. Bucky richtet daher seine Pistole auf Zemo und drückt ab, hat vorher aber die Munition entfernt. Zemo verzeiht ihm für seine Taten und hat seinen Namen bereits von seiner Liste entfernt. Bald tauchen auch die Krieger der Dora Milaje aus Wakanda auf und wollen Zemo ins Gefängnis Raft bringen, wo er bis zum Ende seiner Tage einsitzen soll. Mal schauen, ob das etwas wird. Ayo (Florence Kasumba) gibt dem White Wolf Bucky zu verstehen, dass er Wakanda erst einmal meiden sollte, fragt aber dennoch nach einem kleinen Gefallen.
Truth
Sam unternimmt derweil eine erneute Reise nach Baltimore, wo er Isaiah Bradley (Carl Lumbly) einen Besuch abstattet, um seine ganze Geschichte zu hören. Erneut tritt auch Enkel Eli Bradley in Erscheinung, der übrigens ein Mitglied der „Young Avengers“ ist, die in Phase vier des Marvel Cinematic Universe Stück für Stück ihr Debüt feiern sollen, so etwa Cassie Lang aus „Ant-Man“ oder Tommy und Billy in WandaVision (und bald auch noch einige weitere).
Isaiah, der einst auch eine Version des Super-Soldatenserums erhalten hat, begegnet Sam recht bitter im eigenen Garten, öffnet sich nach Sams Nachfragen dann allerdings doch. Denn laut Sam war es nicht Steve Rogers (Chris Evans), der dafür sorgte, dass er 30 Jahre lang im Gefängnis saß. Also erzählt Isaiah von den Experimenten, den Entbehrungen und der schweren Zeit. Ihm wurden etwa die Briefe seiner Frau vorenthalten und erst nach der Haft überreicht, so dass er erst dann von seinem Nachwuchs erfahren konnte. Über das Serum wurden die Versuchskaninchen neben ihm ebenfalls belogen, die nach und nach starben, ehe nur er übrigblieb. Doch das dankte man ihm mit weiteren Experimenten und Folter, so dass nur allzu verständlich ist, warum Isaiah so sauer ist. Ohne die Hilfe einer Krankenschwester, die ihn für tot erklärte, wäre er wohl nie da rausgekommen. So ist es seine Meinung, dass die Welt einen schwarzen Captain America nicht akzeptieren würde und selbst wenn, dann hätte ein aufrechter schwarzer Mann wohl kein Interesse an der Rolle, was Sam zum Nachdenken bringt. Stattdessen löschte man Isaiahs Geschichte aus. Sam bietet ihm zwischenzeitlich seine Hilfe an und möchte an die Öffentlichkeit gehen, damit alle darüber erfahren, doch Isaiah winkt ab.
Es ist schön, dass wir die Figur noch einmal sehen und ihre Geschichte hören. Dennoch hätte ich es besser gefunden, wenn man ihn nicht nur erzählen hätte hören, sondern vielleicht per Flashback oder Animation etwas gezeigt hätte. Immerhin heißt die Folge auch so wie die Miniserie rund um den schwarzen Cap. Vielleicht plant Disney+ ja noch mit einer eigenen Miniserie rund um Bradley oder an anderer Stelle. Vielleicht war das Ganze ein Opfer der Corona-Drehstopps. Aber hier liegt auf jeden Fall ungenutztes Erzählpotential. Lumbly ist ein sehr guter Darsteller, der mehr Screentime verdient und auch seine Geschichte verdient eine größere Bühne.
Sam muss über seine Worte nachdenken und kehrt zu seiner Schwester und zu seinem Neffen nach Louisiana zurück, bei denen er sich dem Familienboot, das man womöglich auf Vordermann bringt und dann verkauft, widmet, um die Haushaltskasse zu füllen.
Hier kannst Du „Truth: Red, White and Black“ bei Amazon.de kaufen
Solidarität

Weil Schwester Sarah (Adepero Oduye) in gewisser Weise in die Fußstapfen der Mutter schlüpft und Nachbarskinder mit Essen versorgt, kommt Sam auf eine Idee. Denn die Eltern der beiden haben immer geholfen, wo es möglich war. Also telefoniert Sam herum, um zu schauen, ob andere dazu bereit sind, nun ebenfalls zu helfen. Und siehe da: Viele reagieren auf das Hilfegesuch, so dass das Boot langsam, aber sicher wieder flottgemacht werden kann. Denn ein potentieller Verkäufer war schon abgesprungen, weil man dort zu viel Zeit und Geld investieren müsste. Allerdings sind die Geschwister ohnehin uneins, ob man die Hinterlassenschaft der Eltern hergeben sollte.
Bald taucht auch Bucky in Louisiana auf und hilft beim Heimwerkerprojekt. Aus Wakanda bringt er zudem etwas mit, was sehr wahrscheinlich ein neues Kostüm für Sam sein könnte. Wie genau dieses aussieht, bleibt die Folge jedoch noch schuldig.
Nebenbei flirtet Bucky mit Sarah, was Sam gar nicht gefällt. Bis man Neues zu Karlis Plänen hört, konzentriert sich Sam also auf die Heimat und das Erbe.
In einer kurzen Szene sehen wir Sharon Carter (Emily VanCamp) am Telefon, die mit Batroc (Georges St-Pierre) spricht und offenbar einen Auftrag für ihn hat. Entweder spielt Sharon opportunistisch beide Seiten gegeneinander aus oder sie hat doch die Seiten gewechselt. Später taucht der Schurke aus der ersten Folge dann bei Karli auf und verlangt Rache für die Niederlage, die Sam ihm beschert hat. Auch der Plan von Karli wird deutlicher: Eine Abstimmung des GRC soll in New York verhindert werden, wofür wieder mal ein Flashmob respektive eine überraschend große Gefolgschaft per Massen-Textnachricht aktiviert wird.
Who wields the shield?
Auch in den Comics wurde nach dem (temporären) Ableben oder Verschwinden von Captain America die Frage gestellt, wer den Schild übernehmen soll. Dabei waren Bucky und Sam beide für einige Zeit (und zu verschiedenen Zeiten) in der Rolle zu sehen. Die MCU-Serie positioniert aber eindeutiger Sam in dieser Rolle und zeigt die beiden nun beim Training mit dem Schild, das sie Walker abgenommen haben. Sam hatte lange seine Zweifel, weil es sich nicht richtig anfühlt und er natürlich nicht so gut damit umgehen kann, wie es Steve konnte.
Neben dem Training, das wie eine Session Schild-Frisbee präsentiert wird, haben die beiden auch die Chance auf ein klärendes Gespräch, das offenbar besser klappt als jegliche Therapie... Für Bucky steht das Schild für mehr als nur das Vibranium, aus dem es ist - es ist so etwas wie eine Familie, sagt der Winter Soldier, der sich so auch seine Bodenständigkeit in schweren Zeit bewahren will und sonst ins Zweifeln kommt. Doch Sam meint, dass es egal ist, was andere über ihn oder Bucky denken. Vielmehr schlägt er vor, dass Bucky mehr Arbeit in seine Wiedergutmachung stecken muss. Es reicht schon, wenn er einigen Menschen Gewissheit über bestimmte offene Lebensereignisse verschafft, wie etwa dem alten Mann aus der ersten Folge, dessen Enkel er auf dem Gewissen hat.
Ein Anfang wäre es hier nämlich, Aufklärung zu schaffen, auch wenn es schwer ist und schmerzen könnte. Spätestens das ist wohl der Moment, in dem es zwischen Sam und Bucky klick macht. Man funktioniert schon ganz gut zusammen, war bisher aber nicht unbedingt ein Team oder ein Duo. Vielleicht ändert sich das zum Finale also noch. Kurzzeitig trennen sich aber ihre Wege, bis es Neues von Karli gibt.
Beim Wilson-Boot kommt es zur Entscheidung, dass man es nach dem Flottmachen wohl doch im Familienbesitz belässt. Die Geschwister sehen ein, dass der Kampf an mehreren Fronten wartet, Sam es aber geschafft hat, bei beiden Präsenz zu zeigen, so dass es eine Lösung gibt, mit der man sich arrangieren kann. Durch Isaiah inspiriert setzt Sam also sein Training fort und will beweisen, dass die Welt bereit ist für einen schwarzen Captain America, zu dem auch seine Neffen aufsehen können.
Mid-Credits-Szene
In der ersten Mid-Credits-Szene der Miniserie sehen wir John Walker, der zwar nicht mehr Captain America sein darf, aber analog zu dem Kostüm wohl seine eigene Identität inklusive patriotischen Schilds schafft. Ob er sich nun Super-Patriot nennt oder U.S. Agent erfahren wir wohl im Finale kommende Woche...
Fazit
Truth nimmt sich diesmal fast eine ganze Episode lang Zeit, um die Privatleben der Figuren zu beleuchten und die großen Gefahren eher eine Randerscheinung bleiben zu lassen. Persönlich finde ich es gut, dass man das Tempo etwas herausnimmt, ohne die Action dabei ganz zu pausieren. Denn die MCU-Serien können noch viel mehr als die Filme Zeit für die Menschen hinter den bunten Kostümen einräumen. Trotzdem hätte man besonders bei der ersten Actionszene und beim Part rund um Isaiah Bradley mit kleinen Änderungen vielleicht noch mehr herausholen können.
Gleichzeitig wird der große Showdown vorbereitet. Ob die Konflikte mit den Flag Smashers, John Walker und der Power Broker allesamt befriedigend in der finalen Folge abgeschlossen werden können, muss sich wohl zeigen. Wahrscheinlich sehen wir dann Sam als neuen Captain America und gleichzeitig seine erste große Bewährungsprobe.
Hier abschließend noch der Trailer zum Midseason-Start der Serie „The Falcon and the Winter Soldier“:
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 16. April 2021(The Falcon and the Winter Soldier 1x05)
Schauspieler in der Episode The Falcon and the Winter Soldier 1x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?