The Expanse 6x06

© ie Crew der Rocinante in The Expanse, (c) Amazon Prime Video
Babylon's Ashes
Das (vorerst?) letzte Kapitel der Serie The Expanse findet mit Babylon's Ashes einen Abschluss. Inwieweit der als gelungen betrachtet wird, hängt vermutlich von der Erwartungshaltung des einzelnen Zuschauers ab. Denn und um es direkt vorwegzunehmen, bleiben noch diverse Fragen offen, nachdem die letzte Szene über den Bildschirm geflimmert ist. Fragen, die Laconia betreffen und Admiral Duarte (Dylan Taylor), der sich auf lange Sicht hin sicher als neuer Feind formieren wird. Auch wirkt die Geschichte um das Protomolekül und die Erbauer der Ringe längst nicht beendet.
Was hingegen aber wunderbar funktioniert, ist der Abschluss in unserem Sonnensystem. Vielleicht mit kleinen Ausnahmen, die Filip (Jasai Chase Owens) und Clarissa (Nadine Nicole) betreffen. Ja, dieser Abschluss mag größtenteils vorhersehbar gewesen sein, wenn auch nicht in jedem Detail. Aber ungeachtet dessen kommt man nicht umhin, mit jeder Figur mitzufiebern, sobald die Action startet oder waghalsige Entscheidungen getroffen werden müssen. So ist Drummer an einer Stelle bereit, sich zu opfern und mit der Pella zu kollidieren. Später erleben wir Amos (Wes Chatham) und Bobbie (Frankie Adams) beim Selbstmordkommando oder Clarissa, die den Antrieb der Rocinante reparieren muss, während unser Schiff unter Beschuss steht. Und selbst gegen Ende, als Marco (Keon Alexander) zum letzten Schlag ausholt oder wenig später, als über die Zukunft beraten wird, soll es spannend bleiben.
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Laconia
Ein letztes Mal erhalten wir Eindrücke von Laconia. Admiral Duarte starrt gen Himmel, denn Cortazar (Carlos Gonzales-Vio) ist es offenbar gelungen, das Ding im Orbit zu aktivieren. Vermutlich der Grund, weshalb Duarte Inaros später einen Korb gibt und den Ring nach Laconia verschließen kann. Es wäre sicher spannend zu sehen, wie es hier weitergeht und welches Ziel Duarte verfolgt. Aber das wird vorerst unserer Fantasie überlassen.
Ähnlich sieht es bei Cara (Emma Ho) und Xan (Ian Ho) aus, der von seinem Vater Gary (Daniel Jun) nicht in die Arme genommen, sondern attackiert wird. WTF? Weiß Gary etwa mehr über den Wiederbelebungsprozess der Kreaturen und zückt deshalb das Messer? Weshalb freuen sich die Eltern nicht, ihren Sohn lebend wiederzusehen? Das werden wir wohl leider nicht erfahren, ebenso wenig, was aus Cara und Xan wird, die anschließend gemeinsam fliehen. In dieser Hinsicht ist der Abschluss auf Laconia kaum befriedigend und lässt auf eine Fortsetzung hoffen. Ob die aber kommt, bleibt abzuwarten.
Free Navy vs. UNN, MCRN und Belter
Die Free Navy hat sich aufgeteilt, womit sich auch unsere drei verbündeten Parteien aufteilen müssen, um zu verhindern, dass Marcos Schiffe den Ring und Medina Station erreichen. Der Fokus liegt auf der Pella, aber noch weiß niemand, in welcher der drei Gruppen diese zu finden ist. Avasarala (Shohreh Aghdashloo) scheint das Schiff zu entdecken, aber offenbar gehörte es zu Marcos Strategie, seine Feinde aufzuteilen und die Pella als Frachter zu tarnen, der sich in der vermeintlich schwächsten Gruppierung der Free Navy aufhält. Erst als Drummers Gruppe ihr Pulver verschossen hat, kommt die Pella zum Vorschein und kann knapp entkommen, obwohl Liang (Stuart Hughes) auf Kollisionskurs geht.
An Action und Spannung wird nicht gespart, sobald die ersten Torpedos auf die Reise geschickt werden. Drummer ist sichtlich enttäuscht, als die Pella von den Streitkräften der Erde ausgemacht wird und wenig später soll Liang verhindern, dass Camina ihren Kamikaze-Angriff ausführt. Als Zuschauer fiebert man ordentlich mit, als Marcos Strategie zum Vorschein kommt, die echte Pella sich entblättert und Drummer bereit ist, sich und ihre Crew zu opfern, um Inaros einen Strich durch die Rechnung zu machen. Schließlich ist Camina eine der Figuren, die man hier nicht verlieren möchte.
Mit etwas Abstand frage ich mich allerdings, wie Marco genug Zeit finden konnte, seine Strategie vorzubereiten oder auch, wie das anfangs erklärte Szenario mit den drei Gruppen zustande kommen konnte, welches zu Beginn aufgegriffen wird. Schließlich war die Pella zuletzt mit nur einem begleitenden Schiff unterwegs und die restliche Free Navy über die zahlreichen Stationen verstreut, oder? Mag sein, dass ich da letzte Woche etwas verpasst habe, aber ein wenig konstruiert wirkt das anfängliche Szenario schon. Außerdem ist es schade, dass wir nichts vom Einsatz der MCRN zu sehen bekommen, wenngleich wir dort keine Bezugspersonen haben, mit denen sich mitfiebern ließe. Dennoch würde ich meinen, dass dieser Teil der Episode seine Wirkung nicht verfehlt.
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Filip
Mit dem Tod von Rosenfeld (Kathleen Robertson), die vor Filips Augen stirbt, kommen bei Marcos Sohnemann erneut Fragen auf. Sie war es, die Marco davon überzeugt hat, Filip wieder auf die Brücke zu holen. Eine Art Mutterrolle kann man ihr nicht absprechen, weshalb dieser Verlust bei Filip eine neuerliche Konfrontation mit seinem Vater nach sich zieht.
Es ist der Moment, bei dem Filip erkennen soll, wie Marco tickt. Entsprechend wenig beeindruckt zeigt sich der Sohnemann im Anschluss auch von Marcos neuerlicher Ansprache an die Crew. Beltalowda? Die Mannschaft mag neuen Mut schöpfen, obwohl sie es inzwischen besser wissen sollte. Als Zuschauer weiß man derweil, dass Duarte die Unterstützung eingestellt hat und eine weitere Wunderwaffe nicht den Weg in Marcos Arsenal finden wird. Außerdem würde selbst eine Rückeroberung von Medina Station nicht dazu führen, dauerhaft Marcos Position zu schützen und zu halten. Dazu ist die Stärke seiner Flotte zu weit geschrumpft, die Verteidigung von Medina nur schwerlich möglich. Er müsste schon auf die anderen Stationen zurückgreifen, die ihm noch treu sind, um neuerliche Kräfte zu sammeln. Aber wie wir letzte Woche gesehen haben, schwinden die Anhänger zusehends, womit die Position von Inaros ohnehin immer mehr in Frage gestellt wird.
Aber zurück zu Filip. Hier wartet tatsächlich eine Überraschung auf uns, denn bevor die Pella mit Inaros an Bord ins Nirvana der „Ring-Wesen“ befördert wird - hier zahlt sich aus, dass Naomi (Dominique Tipper) von Holden (Steven Strait) die Aufgabe erhielt, sich das Verschwinden diverser Schiffe genauer anzuschauen - packt Filip seine sieben Sachen und flieht von der Pella. Schicksal ungewiss, aber die Änderung des Nachnamens deutet darauf hin, dass er vielleicht nach seiner Mutter suchen wird oder zumindest die Entscheidung getroffen hat, sein weiteres Leben nach dem Vorbild seiner Mutter zu gestalten.
Unterm Strich hatte ich zwar nie große Sympathien für Filip, weil er immer wieder die falschen Entscheidungen getroffen hat. Aber mit letzter und dieser Woche wäre ich durchaus neugierig darauf, ob sein weiterer Weg sich mit Naomi kreuzen wird. Einer der wenigen Punkte, von denen ich mir ein bisschen mehr erwartet hätte und der „fälschlicherweise“ offenbleibt.
Rocinante
Der Plan A der Verbündeten von Erde, Mars und Beltern um Drummer sieht vor, dass die drei Gruppierungen der Free Navy ausgeschaltet werden, ehe sie den Ring erreichen können. Die Chancen dafür sehen zwar nicht rosig aus, aber ein Gelingen des Unterfangens liegt im möglichen Bereich. Allerdings bleibt selbst im Fall eines Gelingens die Frage offen, wie man Medina Station und die gigantische Verteidigung überwinden soll, um hier die Oberhand zu gewinnen. Da kommen James Holden und die Rocinante ins Spiel, denn Jim hat einen riskanten Plan, um das Blatt zu wenden.
Ließ sich bereits bei Drummer ordentlich mitfiebern, fällt einem bei der Durchführung von Plan B schlicht die Kinnlade herunter. Bobbie und Amos im Selbstmordkommando mit ständig sinkenden Chancen auf Erfolg, die Rocinante unter Beschuss und abhängig von Clarissa. Es ist der reine Wahnsinn, der hier abgezogen wird und den Zuschauer an den Bildschirm fesselt. Sieht das alles anfangs noch relativ übersichtlich aus, schwindet die Übersicht für Figuren und Zuschauer gleichermaßen. Da fühlt man sich ähnlich wie Amos an den Stuhl gefesselt und könnte gleichermaßen direkt getroffen werden und eine geliebte Figur verlieren.
Aber Moment, bevor wir ins Gefecht gehen, müssen wir erst einmal auf unsere Crew schauen. Die Aufbauarbeit der letzten Episoden hat sich gelohnt, denn jedwede Differenzen spielen kaum noch eine Rolle im Finale. Wenn Clarissa für alle kocht (meine Lieblingsszene im Finale), werden jedenfalls alle Zweifel beseitigt, die noch im Raum stehen könnten. Wir haben hier ein Team, was füreinander da ist und jederzeit bereit ist, dem anderen den Rücken zu decken. Das fühlt sich nicht nur gut an, sondern lässt im weiteren Verlauf entsprechend mitfiebern, wenn der große Einsatz stattfindet.
Und der kann sich echt sehenlassen. Allein die Reise von Amos ist äußerst beeindruckend gestaltet und zeigt das Chaos auf. Jeden Moment könnte es ihn erwischen, auch wenn wir im Hinterkopf haben, dass ein solcher Abgang nicht wahrscheinlich ist. Ähnlich bei Bobbie, die später alles riskiert, um die Verteidigung auszuschalten. Ich war hier jedenfalls durchgehend an den Bildschirm gefesselt und zuweilen unsicher, ob nicht doch eine der Figuren über den Jordan geht.
Actiontechnisch und effekttechnisch war der Kampf der Rocinante jedenfalls ein Highlight. Aber auch danach, als Marco vielleicht doch noch einen Sieg einfahren könnte, hat sich das Team bewährt. Naomi ist zwar der Meinung, dass sie Filip getötet hat, nachdem ihr Plan aufging. Da sind wir übrigens wieder bei der Geschichte, die eine Fortsetzung nach sich ziehen sollte. Aber die Crew der Roci hat erneut das quasi Unmögliche geschafft, und zwar mit Teamgeist und allem, was dazu gehört. Gegen alle Chancen und das fühlt sich einfach toll an.
Was mich ein wenig bedrückt, sind die Überlebenschancen von Clarissa, deren Mods nun Sorgen bereiten. Das ist etwas, was sich bislang nicht kommen sehen ließ und wofür es an dieser Stelle keinen Abschluss gibt. Sie hat zwar ihre Mods nicht benutzt, um die Roci zu retten, aber ihre Lebenserwartung dürfte trotzdem begrenzt sein, was sie den anderen vorerst nicht mitteilt. Schade, denn sie wurde nun ins Team aufgenommen, konnte Amos als Mechaniker ersetzen und hat sich ihren Platz verdient. Falls The Expanse doch noch einmal zurückkommt, hoffe ich jedenfalls, dass Clarissa einen Weg finden konnte, um ein vorzeitiges Ableben zu verhindern.
Das Ende
Gegen Ende sitzen die verschiedenen Parteien an einem Tisch und beraten darüber, wie es weitergehen soll. Offenbar sind weder Erde noch Mars dazu bereit, Camina eine gleichberechtigte Stimme zu geben, was für große Diskussionen sorgt. Denn Drummers Befürchtung ist sicher schlüssig, dass eine Zweidrittel-Mehrheit der „Inneren“ die Belter zurück dahin führen könnte, wo sie seit Jahren standen. Blicken wir darauf, dass es noch immer Anhänger von Inaros gibt und die Belter bislang kein geeinigtes Volk sind, scheint es schier unmöglich, hier einen Kompromiss zu finden.
Oder doch? Holden macht einen Vorschlag und plötzlich erwägt Avasarala einen Weg für die Zukunft. Aber da hat sie nicht mit der Ansprache gerechnet, die der neue Präsident der Handelsgewerkschaft gibt. Fantastisch gelöst und in der Tat hoffnungsvoll für die Zukunft aller Beteiligten. Sofern denn wirklich alle mitspielen, aber da bleibt schlicht das beste zu hoffen.
Fazit
Für ein befriedigendes Serienende bleiben zu viele Fragen offen, aber dennoch weiß der Abschluss dieses Kapitels zu überzeugen. Ob es mit The Expanse irgendwann weitergeht, bleibt abzuwarten. Schaut man derweil auf die großen Konflikte innerhalb unseres Sonnensystems, auf die einzelnen Figuren, die hier zum Zuge kommen und bereit sind, sich für das große Ganze zu opfern, kommt man aber voll auf seine Kosten. Für ein Staffelfinale nahezu perfekt, für ein Serienfinale leider nicht. Von meiner Seite gibt es vier von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 15. Januar 2022(The Expanse 6x06)
Schauspieler in der Episode The Expanse 6x06
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