The Expanse 5x10

© zenenfoto aus der The Expanse-Episode Nemesis Games (c) Amazon Prime Video
Nemesis Games
Nemesis Games ist in der Tat ein würdiger Abschluss der Staffel. Unsere Crew (wenn auch nicht alle) findet nach mehreren spannenden Situationen und Gefechten wieder zusammen, was mitunter Drummer (Cara Gee) zu verdanken ist, die für ihr Vorgehen aber einen Preis zahlen muss und wir erleben am Ende einen kleinen Ausblick darauf, was die sechste Staffel bereithält.
Einschränkend muss ich aber gleich dazu sagen, dass ich mir etwas mehr von der Staffel erhofft hätte. Denn im Prinzip wird hier „nur“ Vorarbeit zur sechsten und abschließenden Staffel der Serie geleistet und dafür ist in der fünften Staffel nicht wirklich viel passiert. Einige Handlungen hätten sich da im Staffelverlauf sicher kürzen, andere ausweiten lassen und insgesamt sind unsere Charaktere zwar weiter als zuvor, aber eben nicht viel. Zusätzlich drückt das offenbar niedrige Budget (vornehmlich bei den Kampfaktionen im All) ein wenig auf die Stimmung. Da wäre sicher mehr drin gewesen, gerade mit Blick darauf, dass Amazon Prime Video jetzt am Drücker ist und nicht mehr Syfy. Auf mich wirkte da vieles jedenfalls 10-20 Jahre zu alt für tolle Effekte.
Aber bevor jetzt irgendwas irgendwie negativ klingt, hat mich das Finale doch sehr gut abgeholt. Spannung dominiert nahezu alle Handlungsstränge, die uns offenbart werden. Es gibt Überraschungen - freudige ebenso wie betrübliche - und insgesamt hätte man vieles (im Nachhinein) vielleicht vorhersehen können, aber der Unterschied ist eben, dass sich im Vorfeld nicht klar ergeben hat, wie das Staffelfinale überhaupt ausschauen wird. Von daher Hut ab an die Macher, denen ein weiteres, mindestens gutes Finale gelungen ist, welches obendrein noch Lust auf mehr macht.
Naomi
Naomi Nagata (Dominique Tipper) darf tatsächlich zu James Holden (Steven Strait) und den anderen zurückkehren. Dafür muss sie allerdings mehrmals die Luft anhalten, was man als Zuschauer mitunter auch macht und einen weiteren Spacewalk (diesmal mit Anzug, aber ohne viel Sauerstoff) absolvieren. Hut ab erneut vor Dominique Tipper, die mir im Staffelverlauf doch sehr positiv durch ihre Darstellung aufgefallen ist.
Naomi ist auch eine der wenigen Figuren, deren Reise beträchtlich zur weiteren Charakterentwicklung beigetragen hat. Mit den Einblicken in die Vergangenheit, welche gegenüber Filip (Jasai Chase Owens) und auch Marco (Keon Alexander) angeführt wurden und ebenfalls durch ihren Versuch, ihren Sohn zurückzugewinnen, ist mir Naomi nun viel zugänglicher geworden. Obendrein riskiert sie im Staffelfinale erneut alles, um Bobbie (Frankie Adams) und Alex (Cas Anvar) zu warnen, was nur bedingt klappt und entscheidet sich schließlich für einen weiteren Schritt aus der Luftschleuse, ohne große Aussicht auf Rettung zu haben.
Es ließe sich an dieser Stelle sicher (erneut) darüber diskutieren, wie realistisch dieser erfolgreiche Überlebenskampf ist. Die Chancen, dass eine angeschlagene Figur derartige Aktionen durchzieht, ohne Nahrung und mit bloß kleinen Portionen von einkondensiertem Wasser, sind schon nicht hoch. Der ständige Sauerstoffmangel aufgrund der Ausflüge, bei denen an der Spannungsschraube gedreht wird, käme noch obendrauf, ebenso wie der Zufall, dass Bobbie ihren jüngsten Ausflug überhaupt bemerkt. Aber wie gesagt, die Spannung dominiert diesen Handlungsbogen und dahingehend wird geradezu fantastisch abgeliefert, was vollkommen in Ordnung geht.
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Alex
Während Bobbie draußen im All ist, um Naomi zu retten, reagiert Alex plötzlich nicht mehr. Wir sehen ihn bewusstlos an Bord der Razorback und erfahren später, dass er einen tödlichen Stroke (deute ich mal als Schlaganfall) hatte. Mit anderen Worten: Alex stirbt im Staffelfinale.
An dieser Stelle muss natürlich die Diskussion um Cas Anvar aufgegriffen werden. Der Darsteller sah sich bekanntlich Vorwürfen gegenüber, die dazu geführt haben, dass er in der sechsten Staffel von The Expanse nicht mehr an Bord sein wird. Ob diese Vorwürfe gerechtfertigt sind oder nicht, kann unsereins nicht mit Sicherheit sagen. Ich hüte mich auch stets davor, „aus der Ferne“ über jemanden zu urteilen, denn ich weiß schlicht nicht, ob etwas (und wieviel) an den Vorwürfen dran ist. Urteile dürfen Gerichte fällen, aber mich betrübt es schon, wenn ein Darsteller aufgrund von Vorwürfen aus der weiteren Handlung einer Serie ausgeschlossen wird.
Das gesagt, bin ich mit der Umsetzung aber durchaus zufrieden. Es kann halt jeden erwischen und als Pilot gehört man sicher zur Risikogruppe, außerdem spricht Bobbie vorher wegen des anstehenden Manövers noch eine Warnung aus und Holden meint später, es könne jeden treffen, der solchen Beschleunigungskräften ausgesetzt ist. Alex gehörte jetzt auch nicht zu meinen Lieblingsfiguren, wenngleich seine Verbindung zum Mars doch recht interessant war und sicher noch etwas stärker in den ersten Episoden dieser Staffel aufgebaut hätte werden können. Da wir am Ende Lt. Babbage (Lara Jean Chorostecki) erneut sehen, stellt sich aber die Frage, wer hier (außer Alex) in der sechsten Staffel womöglich mit ihr interagieren könnte (vermutlich Bobbie).
Rocinante
Sowohl Monica (Anna Hopkins) als auch Bull (Jose Zuniga) konnten ein paar Sympathiepunkte ernten, wenngleich ich Bulls Bezeichnung der Belter (ähnlich wie Holden) als weniger gut empfinde. Dass sie aber Holdens Plan folgen, der kein Happy End verspricht, ist schon beachtlich. Die Roci sitzt in der Falle und weniger „starke“ Figuren hätten vermutlich Fersengeld bezahlt, statt sich in einen aussichtslosen Kampf zu begeben. Ziel der ausweglosen Mission, bei der gleich gegen fünf Schiffe mit überlegener Feuerkraft angetreten werden soll, ist es, das Geschehen von der Chetzemoka abzulenken, damit Alex und Bobbie genug Zeit haben, um Naomi zu retten.
Dank Drummer (zu der ich gleich noch komme) steht der Rocinante zur Abwechslung aber eine positive Überraschung bevor, denn die Schiffe der Belter attackieren sich gegenseitig und nachdem die schwere Fregatte und der Zerstörer aus dem Spiel sind, können Bull, Holden und Stuart aufatmen und zur Razorback aufschließen.
Auch bei diesem Gefecht ließ sich einige Male die Luft anhalten, denn an Raketen hat es nicht gemangelt und zumindest mir war nicht immer klar, wer gerade auf wen gefeuert hat und ob die Roci nicht doch was abbekommt. Bedauerlich bleibt aber, dass die Schauwerte doch ziemlich altbacken aussehen.
Später schließt die Roci zur Razorback auf und anschließend geht es zum Mond, wo es auch ein Wiedersehen mit Amos (Wes Chatham) gibt. Diese Nachwirkungen auf das spannende Geschehen sind deshalb willkommen, weil uns dabei noch einiges erläutert wird. Der Schuss auf die Chetzemoka musste passieren, damit die Falle aus dem Weg geschafft wird. Als Naomi ihre Abschiedsbotschaft vorspielt, fühlt man die Nähe der beiden Figuren, die sich jetzt wiedergefunden haben. Mit dem Tod von Alex wird adäquat umgegangen und Monica befragt Bobbie zu den abgefeuerten Raketen der Zmeya, womit ans Licht kommt, dass eine davon das Protomolekül zu Marco befördert hat.
Aber mir haben auch die kleineren, amüsanten Szenen gefallen, wie sie beispielsweise zwischen Amos und Erich (Jacob Mundell) mit der zerbrochenen Flasche und Erichs Angebot mit Blick auf die neuen Welten da draußen oder mit dem Anliegen von Amos gegenüber Jim und in Bezug auf Clarissa (Nadine Nicole) stattgefunden haben. Und es ist wirklich gut, wenn man gegen Ende einer Folge mehrmals Grinsen darf - das schafft The Expanse hier und deshalb fühlt sich das Staffelfinale auch sehr verdient für die Figuren an.
Drummer

Die Vorahnung, dass Camina Drummer die Retterin in der Not sein würde, hat sich bestätigt. Wenn auch etwas anders, als ich erwartet hätte. Denn als sie Karal (Olunike Adeliyi) ihrer Feuerkraft beraubt, wirkte das wie eine spontane Entscheidung - mit großen Auswirkungen. Karals Tod im Anschluss ist eher ein Unfall und auch auf den anderen Schiffen, die zu dieser Belter-Fraktion gehören, werden Initiativen ergriffen, die Holdens Überleben oder das der Roci erst möglich machen. Die Free Navy hat somit einen Verbündeten verloren, was aber nicht ohne Konsequenzen bleibt.
In meinen Augen hat Drummer im passenden Moment die richtige Entscheidung getroffen, auch wenn Oksana (Sandrine Holt) da sicher widersprechen würde. Was mich ein wenig stört, ist aber, dass viele andere Figuren, die uns bislang nicht gut genug vorgestellt wurden, plötzlich im Raum stehen und Entscheidungen treffen, die sich nicht vorhersehen ließen. Da haben die Macher im Verlauf der Staffel tatsächlich die Chance verpasst, uns Charaktere wie Bertold (Stephen Tracey), Michio (Vanessa Smythe), Josep (Samer Salem) oder auch Serge (Wilex Ly) näher vorzustellen. Denn der Tod von Serge rief bei mir nur ein Schulterzucken herbei. Wer war das noch gleich, warum ist mir das relativ egal?
Kurzum hätte gerade hier mehr Wert auf die jeweiligen Figuren gelegt werden sollen, um ihre Entscheidungen nachvollziehen zu können. Wobei jetzt im Finale schon verstärkt auf einzelne Figuren eingegangen wird, sonst hätten wir auch nicht die Spaltung der „Familie“ am Ende. Oksana lässt sich nachvollziehen, aber der Rest besteht aus größtenteils unbeschriebenen Blättern, was halt nicht hätte sein müssen. Eine, ja wirklich nur eine, große Folge um Drummers neue „Familie“ hätte vermutlich gereicht, um die jeweiligen Diskrepanzen zu verstehen. Aber eine solche Folge gab es leider nicht.
Das Ende der Staffel

Ich bin gespannt, wohin die weitere Reise führen wird. Ansatzpunkte gab es jede Menge, teilweise durch Filips ausdrucklose Art, aber auch durch Marcos Vorpreschen auf die neuen Welten. Ich werde The Expanse jedenfalls nicht aus den Augen verlieren und bin gespannt auf Staffel sechs. Die Möglichkeiten hinter den Ringen gehen gegen unendlich und das ist es auch, was mich am Ball bleiben lässt.
Der Ausblick ist jedenfalls gut gelungen und macht Lust auf mehr. Filip und sein Vater mögen sich noch nicht grün sein, aber das ist nur einer der Anreize, die für die sechste Staffel sprechen. Ich bin jedenfalls dabei, wenn es weitergeht. Und Ihr?
Fazit
Ein gelungenes Staffelfinale, was sich aber leicht und auch mit Blick auf den Gesamtfortschritt der Staffel kritisch beäugen lässt. Für mich war das ein guter bis sehr guter Abschluss, aber was meint Ihr? Von meiner Seite gibt es am Ende noch einmal viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
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Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 5. Februar 2021(The Expanse 5x10)
Schauspieler in der Episode The Expanse 5x10
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