The Expanse 5x09

© zenenfoto aus der Episode Winnipesaukee der US-Serie The Expanse (c) Amazon Prime Video
Winnipesaukee
Da es sich bei Winnipesauke um die vorletzte Folge der aktuellen fünften Staffel von The Expanse handelt, macht sich nun die Gewissheit breit, dass unsere ursprüngliche Crew der Rocinante tatsächlich frühestens im Staffelfinale zusammenfinden wird. Oder vielleicht auch nicht. Schließlich wollen Amos (Wes Chatham) und Clarissa (Nadine Nicole) erst mal zum Mond und müssten dann von dort ihren weiteren Weg finden. Was Bobbie (Frankie Adams) und Alex (Cas Anvar) angeht, werden diese wohl als erste die Chetzemoka mit Naomi (Dominique Tipper) erreichen, ehe Holden (Steven Strait) aufschließt. Unsicher ist aber, ob Naomi die Falle bis dahin „entschärfen“ oder eine anderweitige Warnung übermitteln kann, ganz zu schweigen davon, dass die Rocinante von Drummer (Cara Gee), Oksana (Sandrine Holt), Karal (Olunike Adeliyi) und Konsorten angegriffen und zerstört werden soll. In einer nicht unwichtigen Nebenhandlung kritisiert derweil Avasarala (Shohreh Aghdashloo) die Vorgehensweise von Paster (Sugith Varughese) und hat Erfolg, womit sie nun bestimmen darf, wie gegen die Belter um Marco Inaros (Keon Alexander) weiter vorgegangen wird.
Unsereins hat ein wenig gemischte Gefühle. Die verschiedenen Handlungen können durchaus punkten, aber da wir unmittelbar vor dem Staffelfinale stehen, ist es tatsächlich schade, dass die Staffel nicht „mehr“ abliefern konnte und unsere Crew noch immer auf getrennten Bahnen unterwegs ist. Alex und Bobbie die meiste Zeit in der Razorback, von Hauptfigur Holden gab es jetzt auch nicht sehr viel zu sehen, Amos schlägt sich auf der Erde mit weniger auf Science-Fiction ausgelegten Elementen herum und so interessant die Konfrontationen zwischen Naomi, Marco und Filip (Jasai Chase Owens) auch gewesen sein mögen, wirken die unterm Strich erst mal als schmückendes Beiwerk und hinterlassen kaum den Eindruck, dass es hier Fortschritte zu vorher (vor dieser Staffel) gegeben hätte. Vom Ring und den Welten dahinter gab es nichts zu sehen und das Protomolekül ist zwar regelmäßig in aller Munde, kommt aber (vorerst) nicht zum Einsatz. Für mich mögen da alle Handlungs- und Charakterbögen sehr interessant sein, aber irgendwie habe auch ich mir etwas mehr von der Staffel versprochen. Das Finale wird zwar sicher gut und spannend werden, aber unterm Strich sind wir seit Beginn der Staffel nur wenige Schritte weitergekommen, was leicht ernüchternd ist.
Winnipesaukee werde ich aber deshalb keinen Vorwurf machen, denn alle Handlungsstränge werden konsequent weitererzählt, beschäftigen sich oftmals mit moralischen Fragen und lassen dank der etablierten Charaktere (plus den weniger etablierten) gut mitfiebern. Auf die Folge bezogen ist allerdings ein wenig ernüchternd, dass die Crew der Razorback und der Rocinante erneut auf der zweiten Bank Platz nimmt. Mir ist zwar bewusst, dass nicht überall größere Schritte gemacht werden können (und beide Schiffe im Finale wohl stärker in den Fokus rücken werden), aber mit etwas Geschick hätten sich diese Handlungsstränge vielleicht doch ein wenig stärker in die Episode integrieren lassen. Stichwort: verändertes Notsignal.
Verändertes Notsignal
Naomis Manipulationen von letzter Woche führten dazu, dass das Notsignal der Chetzemoka ein paar Veränderungen erfuhr. Und diese Veränderungen fallen diversen Parteien in dieser Episode auch auf. Marco kommt direkt zu dem Schluss, dass Naomi es zu ihrem Schiff geschafft hat und noch am Leben ist, während an Bord der Razorback und Rocinante Unsicherheit über die Bedeutung der Veränderung herrscht und der bisherige Kurs beibehalten wird.
Kurz zu den Vorgängen auf der Pella, weiß Marco die neue Situation zu nutzen und geht schon ziemlich geschickt vor. Ich hätte nicht erwartet, dass er Filip davon berichtet, dass Naomi noch lebt, aber er nutzt diese Information wieder einmal zu seinem Vorteil und spricht davon, dass Filips Mutter sie nun erneut „verlassen“ hat und ordert nebenbei noch den Angriff auf die Rocinante an. Gut möglich, dass Filip im Finale noch einen Gesinnungswechsel erfährt, aber ich würde nicht drauf wetten. Da hätte er in meinen Augen vor zwei Wochen schon verstärkt Anzeichen für zeigen müssen.
Auf der Razorback und der Rocinante hätte ich derweil eine etwas stärkere Diskussion über das veränderte Notsignal und die mögliche Bedeutung erwartet. Nicht unbedingt, dass sie zum richtigen Schluss kommen und quasi „hellsehen“, aber doch vielleicht ein paar Vorkehrungen treffen, um nicht blind in eine Falle zu laufen.
Womit wir zu Naomi kommen, die offenbar ein paar „rettende“ Ideen im Folgenverlauf hat. Ich bin mir dabei nicht sicher, wie ich ihre Aktionen deuten soll oder was sie jetzt anstrebt - wisst ihr vielleicht mehr? Aber es weckt natürlich Hoffnungen, dass sie Alex und Bobbie noch eine Warnung zukommen lassen kann. Für mich steht zwar außer Frage, dass Naomi im Finale (wie auch immer) gerettet wird, aber bislang sehe ich noch nicht den Weg dahin. Ihr Überlebenskampf weiß aber diese Woche wieder zu fesseln.
Drummer
Die Lage um Camina, Oksana und Karal, die in dieser Handlung hauptsächlich im Fokus stehen, ist nach wie vor angespannt. Camina muss schließlich ihre Waffe an Oksana überreichen und der befohlene Angriff auf die Rocinante ist natürlich ein weiterer Punkt, der jedwede Entspannung zwischen den Fronten unwahrscheinlich erscheinen lässt.
Ich bin mir sehr sicher, dass es hier im Staffelfinale noch ordentlich knallen wird. Nach den ersten Folgen hatte ich die Vermutung geäußert, dass Drummer Naomi retten könnte und jetzt habe ich die große Hoffnung, dass sie den Angriff auf die Rocinante verhindern wird. Oksana ist offenbar gewillt, zuzuhören und verrät Camina auch, dass Naomi vermutlich noch lebt. Falls es hart auf hart kommt, sehe ich Oksana eher auf Drummers Seite, obwohl Karals Einfluss jederzeit spürbar bleibt.
Was mir allerdings etwas weniger gefällt, sind die nach wie vor blassen Crewmitglieder wie beispielsweise Bertold (Stephen Tracey) - die anderen Namen habe ich gerade nicht auf dem Schirm und das zeigt eigentlich schon, dass hier zu wenig geliefert wurde. Diese Crew sieht sich als Familie und in vorherigen Episoden wurden immerhin mal ein paar Andeutungen gemacht und als es um die Frage ging, ob man sich Marco anschließt, kamen auch mehrere Stimmen in der Diskussion auf. Darauf hätte man gut aufbauen können, aber so richtig (vermutlich auch wegen der begrenzten Zeit) kriegen unsere Serienautoren das nicht hin.
Das ist deshalb schade, weil wir somit nicht wissen, wie diese anderen Crewmitglieder auf eine drastische Entscheidung von Drummer reagieren würden. Meine Vermutung wäre, dass uns hier noch eine Überraschung bevorsteht, die auch von den Ansichten der restlichen Crew abhängen wird. Aber einschätzen kann man die Lage nicht wirklich, denn dazu gab es zu wenig von den anderen zu sehen.
Avasarala

Der Angriff auf Pallas Station hat stattgefunden, womit David Paster auch Zivilisten ins Feuer genommen hat und dem Rat von Delgado (Michael Irby) gefolgt ist. Die weitere Vorgehensweise soll erneut ein größeres Ziel haben, wogegen Chrisjen deutliche Worte findet und schließlich ihren Rücktritt einreicht. Mittlerweile weiß sie auch, dass Arjun (Michael Benyaer) zu den Opfern der Einschläge gehört.
Dieser Handlungsstrang hat mich am meisten beeindruckt. Chrisjens Worte sind nicht nur richtig und zeigen auf, dass man sich eben nicht auf das Niveau eines Marco Inaros herablassen sollte, sondern sind auch von ihrem Verlust geprägt, der als Vergleich für die Belter angeführt wird, die nun ähnliche Verluste beklagen müssen. Die Frage, ob man als nächstes ein weiteres ziviles Ziel in Angriff nimmt, stellt sich somit eigentlich erst gar nicht, wird aber trotzdem vom ehemaligen Verkehrsminister verfolgt, der in dieser Folge einen sehr schlechten Eindruck als Führungsperson hinterlässt.
Mich hat es jedenfalls sehr gefreut, dass Avasarala mit ihren Worten auch andere dazu bewegen konnte, den Hut zu nehmen und schließlich doch wieder zu einer Führungsperson wird. Gebt der Frau einen Orden! Nein wirklich, die Dame liefert genau die richtigen Worte und hat eine Übersicht über die aktuelle Lage, wie es niemand anders hat. Dass sie Delgado beim weiteren Vorgehen dabeihaben will und ihm vertraut, lässt sich vielleicht etwas schwammig betrachten, aber ich bin wirklich sehr gespannt auf ihre nächsten Schritte.
Auf der Erde

Amos, Clarissa und Erich sind am Ziel angekommen und möchten gerne durchstarten, aber es gibt ein paar Probleme mit dem Shuttle. Obendrein versammelt sich gefühlt die ganze Insel, um zum Mond aufzubrechen und dann ist da noch eine militärisch angesiedelte Fraktion, die gewaltige Forderungen stellt.
Die meiste Action spielt sich hier ab, aber wie so oft sind es die kleineren Momente zwischen den Figuren, die den Ton angeben. Eine Figur wie Hutch (Amanda Cordner) tritt plötzlich prominenter auf, spiegelt den alten Amos/Timmy wider, der einst Baltimore zurückgelassen und eine neue Bestimmung gefunden hat. Am Ende steht es nicht gut um Hutch, aber ich hoffe doch, dass die Figur nicht stirbt.
Derweil geraten Erich und Amos mehrfach aneinander (wenn Blicke töten könnten), was auch mit Clarissas Entscheidungen zusammenhängt, die hier alle moralischen Fragen korrekt beantwortet. Amos scheint die Rolle des Vermittlers zu haben, was irgendwie nicht typisch Amos ist, aber eben eine gewisse Veränderung zu seinem früheren Leben (in Form von Erich) aufzeigt.
Neben Avasaralas Handlungsstrang sicher der beste der Folge. Ich hätte auch niemals erwartet, dass Clarissa die moralische Keule schwingt und damit sehr viel sympathischer wirkt. Einziges Manko ist hier, dass wir nichts davon zu sehen bekommen, wie sie im Schlussakt die Angreifer ausschaltet. Eine solche Szene offscreen zu gestalten, lässt vermuten, dass das Geld dafür knapp wurde und das ist schade.
Fazit
Den Eindruck der bisherigen Staffel ein wenig außer Acht lassend, würde ich meinen, dass wir es hier erneut mit einer gelungenen Episode zu tun haben. Mir gefallen zwar (auch mit Blick aufs größere Bild) einige Dinge nicht, aber andererseits wird schon sehr konsequent vorgegangen, was jede aktuelle Entwicklung betrifft. Von mir gibt es erneut vier von fünf Sternen, diese Woche allerdings mit einem zugedrückten Auge. Aber wie seht Ihr das?
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Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 29. Januar 2021(The Expanse 5x09)
Schauspieler in der Episode The Expanse 5x09
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