The Expanse 5x06

© zenenfoto aus der The Expanse-Episode Tribes (c) Amazon Prime Video
Tribes
Trotz ein paar actionreichen Szenen mit Bobbie (Frankie Adams) und Alex (Cas Anvar) sowie Amos (Wes Chatham) und Clarissa (Nadine Nicole) könnte man meinen, dass nicht besonders viel in Tribes passiert. Und tatsächlich üben sich die Autorin Hallie Lambert und Regisseur Jeff Woolnough mit der Unmenge an kleineren Szenen und mit oft nur wenigen Fortschritten für die zahlreichen Figuren an einer Entschleunigung, die sich mit Leichtigkeit negativ betrachten ließe. Als ungeduldiger Zuschauer fragt man sich bestimmt zu Recht, ob das nun alles war, was in der Episode präsentiert wurde und wo die großen Momente bleiben, wie sie uns noch vor zwei Wochen in Gaugamela präsentiert wurden.
Aber The Expanse war noch nie bekannt dafür, dass Schlag auf Schlag die großen Offenbarungen kommen und die größere Geschichte im „Super Pursuit Mode“ abliefert. Die Stärken der Serie liegen vielmehr darin begründet, dass sie sich um so gut wie jeden Charakter kümmert, die jeweiligen Figuren vielschichtig sind und wenn selbst wie hier gefühlt zu viele Handlungsstränge zu knapp verfolgt werden, jeder einzelne eine Auswirkung haben wird. Diese Auswirkung ist oft nicht absehbar und schürt die Spannung (auf die nächste Folge und die danach und die danach...) umso mehr. Gerade weil so wenig passiert, bin ich jetzt unheimlich gespannt auf nächste Woche. Kann man mir folgen?
Amos und Clarissa

Mit Blick auf Clarissa Maos Hintergrund hält Amos es für keine gute Idee, wenn die beiden den eigentlich leichteren Weg über die Rettungskräfte wählen. Hier gilt es, sich durch den Wald nach Baltimore durchzuschlagen, was ohne Proviant und mit einer angeschlagenen Clarissa eine große Herausforderung darstellt. Auf dem Weg stolpern unsere beiden Figuren über eine Leiche, einen Mann am Lagerfeuer (Tony Munch) und landen schließlich bei einer Person (Martin Happer), die das unerlaubte Betreten des „eigenen“ Grundstücks auf das härteste bestraft.
Dieser Handlungsstrang mag sich nach wie vor wie ein Fremdkörper anfühlen, aber das liegt lediglich daran, dass die große Geschichte da draußen vorerst an Amos und Clarissa vorbeigeht. In Sachen charakterliche Entwicklung macht sich aber an jeder Station bemerkbar, dass diese vorangetrieben wird. Vielleicht ein bisschen zu kondensiert, aber das kann eben nicht darüber hinwegtäuschen, dass jeder Dialog zwischen den beiden sitzt, teils neue Informationen über die jeweiligen Hintergründe liefert und sehr oft auf den Punkt geschrieben wurde. Mir hat es jedenfalls gefallen, wie die beiden sich fortwährend austauschen und mit unterschiedlichen Situationen konfrontiert werden, die auf ebenfalls unterschiedliche Art und Weise angegangen werden (müssen).
Das Ende der Odyssee durch den Wald ist noch nicht da, aber die Chancen stehen jetzt besser, auch wenn Holden (Steven Strait) - wie Amos richtig vermutet - ganz sicher Einwände gegen das letzte Vorgehen gehabt hätte. Der gleiche Gedankengang bringt Amos aber auch dazu, den Entschluss zu fassen, dass er zu seiner Crew zurückkehren muss. Was die wohl sagen werden, wenn er dann Clarissa im Schlepptau hat? Aber bis dahin bleibt erstmal abzuwarten, wie die weitere Reise der beiden aussehen wird.
Bobbie und Alex
Den Cliffhanger von letzter Woche hatte ich ein wenig anders gedeutet und eigentlich angenommen, dass Bobbie und Alex jetzt ohne Antrieb durchs All treiben und auf Rettung warten müssen. Aber weit gefehlt, denn die Verfolger schließen auf und wollen an Bord kommen - womit unser Duo gerechnet hat und schließlich durch das episodische Actionhighlight entkommen kann.
Bobbie wieder in DER Rüstung zu sehen, war eine Wucht und als Alex auf die Razorback zurücksprang, habe ich tatsächlich die Luft angehalten. Wie leicht es den Machern doch oft fällt, Spannungsmomente zu erzeugen, ist immer wieder beeindruckend. Da sieht man gerne über optische Kleinigkeiten hinweg, die, nun ja, besser hätten aussehen können. Allerdings muss ich doch anmerken, dass es hier (aufgrund der Kürze) keine nennenswerten Charaktermomente gab. Außerdem hat mir die Notantrieblösung nicht zugesagt, denn ich hatte mir da etwas anderes erhofft und finde es auch merkwürdig, dass dieses kleine Schiff nach dem Abwurf von letzter Woche überhaupt noch in der Lage ist, irgendeinen Antrieb zu zünden.
Chrisjen Avasarala

Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) erhält auf dem Mond unerwarteten Besuch vom Verkehrsminister David Paster (Sugith Varughese), der die Nachfolge von Nancy Gao (Lily Gao) angetreten hat. Er hätte Avasarala gerne in seinem provisorischen Kabinett vertreten, denn schließlich ist es Chrisjen zu verdanken, dass weitere Angriffe auf die Erde vereitelt werden konnten.
Genau wie Holden erhält Avasarala lediglich einen kurzen Auftritt vor den Opening Credits. Dafür aber einen, der es in sich hat. So betroffen haben wir Chrisjen nie gesehen, die regelrecht während ihrer Szenen am Zittern ist. Das Angebot von Paster nimmt sie natürlich an, aber wir sehen sehr deutlich, dass ihre Gedanken woanders sind, denn das Schicksal von Arjun (Michael Benyaer) ist weiterhin ungewiss. Diese Entwicklung ließ sich erwarten, aber die Darbietung von Shohreh Aghdashloo ist beeindruckender denn je.
James Holden

Die Rocinante wurde durchgecheckt, alle Systeme funktionieren (wieder) wie erwartet und somit kann die Verfolgungsjagd auf die Zmeya eingeleitet werden. Allerdings bekommen Holden und Bull (Jose Zuniga) mit Monica Stuart (Anna Hopkins) noch eine Begleiterin mit auf den Weg. Ob das gut geht?
Hier hätte ich definitiv gerne noch mehr gesehen als die kleinen Szenen vor dem Vorspann. Schon letzte Woche waren wir - mit Ausnahme von Monica - dabei, um die Verfolgungsjagd zu eröffnen und möglicherweise das Protomolekül vor den Händen von Marco Inaros (Keon Alexander) zu bewahren (dessen Schiff, die Pella, sich vermutlich viel dichter am Mars beziehungsweise den Asteroiden der Hungari-Gruppe aufhält als in der Nähe von Tycho Station). Aber gut, mit Monica an Bord wird die Sache vielleicht noch interessanter und Holdens Blick auf die neue Nachricht von Naomi (Dominique Tipper) lässt gespannt auf seine Reaktion warten.
Pella
Neben der weiteren Geschichte von Amos und Clarissa, die eine Haupthandlung dieser Woche darstellte, steht der Werdegang von Marco, Filip (Jasai Chase Owens), Naomi, Camina (Cara Gee) und anderen verstärkt im Fokus. Darunter fällt auch die Frage nach den MCRN-Kriegsschiffen von letzter Woche, die Camina und ihre Crew ein wenig bestaunen dürfen und in meinen Augen nach wie vor Bedarf an einer passenden Erklärung haben.
Nach den Ereignissen von letzter Woche möchte Marco Naomi aus der Luftschleuse befördern, stößt aber bei Cyn (Brent Sexton) und Filip auf beträchtlichen Widerstand. Im Folgenverlauf wird anschließend herausgearbeitet, dass Filip sich doch sehr für seine Mutter und deren Vergangenheit interessiert. Man könnte auch sagen, der Junge taut langsam auf und wird somit auch zugänglicher für Naomis Ansicht über Marco. Ein Richtungswechsel um 180 Grad lässt sich zwar vorerst nicht erwarten, aber wir merken, dass Filip offener auf andere Meinungen reagiert. Nachdem er von Camina darauf aufmerksam gemacht wird, dass sie einst zusammen mit Naomi auf der Behemoth war, ist die Neugierde auf alte Geschichten schließlich so groß, dass er sich zu seiner Mutter in die Zelle begibt, um mehr zu erfahren. Eine Entwicklung, die Marco (der die beiden beobachtet) sicher Sorgen bereitet.
Dass Camina in Filips Werdegang mit eingeflochten wird, ist übrigens ein schönes Beispiel dafür, wie die Serie ihre Figuren nutzt und weiterentwickelt. Es wird nicht strikt separiert, obwohl es an Bord der Pella zwei unterschiedliche Handlungen zu verfolgen gilt. Eine dreht sich um Naomi und Filip und die zweite um Camina und das Treffen zur Vereinigung aller Belter unter Marco. Überschneidungen sind keinesfalls selbstverständlich, aber man spürt hier eben, wie die jeweiligen Eindrücke von einer Figur sich auf die nächste übertragen, wodurch das Gesamtbild konsistenter wirkt und sogar wächst.
Zuletzt noch ein paar Worte zu Camina. Wie Bertold (Stephen Tracey) richtig analysiert, hat sie hier nie eine Wahl gehabt. Die marsianischen Kriegsschiffe sind die erste böse Überraschung (bin echt gespannt auf die Erklärung), an Bord der Pella werden dann Personen aus anderen Fraktionen gesichtet (weshalb, erfahren wir direkt) und tatsächlich kann Marco sich (aus seiner Sicht) auf die Schulter klopfen für seine Taten. Folglich kann Camina sein Angebot gar nicht ablehnen, wenn sie nicht von allen Seiten Feuer bekommen möchte. Ich vermute zwar, dass sie dennoch einen Ausweg anvisieren wird, aber mit Karal (Olunike Adeliyi) an Bord dürfte das mehr als schwierig werden.
Fazit
Ich würde Tribes auf dem Niveau der Vorwoche ansiedeln. Es passiert mitunter nicht viel, einige Figuren kommen zu kurz und die Handlung um Amos und Clarissa ist ohnehin außerhalb des größeren Geschehens. Aber die Entschleunigung, die oftmals sehr gute Figurenentwicklung und an sich jede kleine Szene schüren die Spannung auf die nächste Woche ungemein. Ich vergebe erneut vier von fünf Sternen. Und Ihr?
Hier abschließend noch der Trailer zur Season:
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Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 8. Januar 2021(The Expanse 5x06)
Schauspieler in der Episode The Expanse 5x06
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