The Expanse 3x02

© teven Strait, Cas Anvar und Dominique Tipper in âThe Expanseâ (c) Rafy/Syfy
Gewagte Manöver
Chrisjen (Shohreh Aghdashloo) und Bobbie (Frankie Adams) sind von einer geglĂŒckten Flucht noch weit entfernt. ZunĂ€chst heiĂt es, sich ruhig zu verhalten, damit sie nicht die Aufmerksamkeit von Errinwrights (Shawn Doyle) Schiff wecken und einen neuerlichen Angriff herausfordern. Gleichzeitig wollen sie natĂŒrlich Cotyar (Nick E. Tarabay) und Theo (David Tompa) finden, deren Schicksal aber vorerst ungewiss bleibt. Spannung ist bereits zu Beginn vorhanden, aber IFF legt eine groĂe Schippe drauf, als die Razorback doch vom Feind entdeckt wird.
Bobbie kann nicht einfach auf die Tube drĂŒcken, um eine sichere Distanz zwischen Razorback und HĂ€schern zu bringen, denn fĂŒr Chrisjen sind die Belastungen der hohen Beschleunigung schlicht zu groĂ. Die Herausforderungen von Manövern im Weltraum werden uns aber nicht nur durch Avasarala gezeigt, denn auch bei Amos (Wes Chatham) und Prax (Terry Chen) stehen plötzlich einige flugbedingte Probleme vor der TĂŒr - von der scharfkantigen und spitzen Sorte. GravitationsdĂ€mpfer wĂ€ren da in beiden FĂ€llen sicher hilfreich, aber diesen Luxus gibt es in The Expanse nicht - zumindest nicht in der Form, wie man es aus anderen Science-Fiction-Serien gewohnt ist. Diese Woche wird daraus in beiden FĂ€llen eine gute Portion Spannung generiert und in meinen Augen fĂŒhren die Belastungen, denen die Figuren hier ausgesetzt sind, auch zu etwas mehr Realismus, was die Probleme von (waghalsigen) Weltraumreisen angeht.
WĂ€hrend sowohl Bobbie als auch Amos damit beschĂ€ftigt sind, ihr GegenĂŒber vor dem Tod zu bewahren, ohne selbst dabei draufzugehen, bleibt noch genug Platz fĂŒr Dialoge und Figurenentwicklung. Thematisch ist da nicht nur die Parallele der Unerfahrenheit in Bezug auf Schiffsmanöver prĂ€sent. Vielmehr ergeben sich bei beiden Figurenkonstellationen organisch auf die jeweilige Situation eingebaute (kurze) GesprĂ€che, die uns alle vier Charaktere nĂ€herbringen und weiter festigen.

Bei Bobbie und Chrisjen dominiert die schier unmögliche Flucht, bei der sie auf einen Notruf zurĂŒckgreifen, dessen Bandbreite beziehungsweise VerschlĂŒsselung vom MCR benutzt wird - die einzige Option auf UnterstĂŒtzung, die ihnen bleibt und selbst im Erfolgsfall einer Antwort samt Rettung keine positive Aussicht bietet. Aber lieber marsianische Gefangenschaft als den sicheren Tod - guter Punkt. Chrisjen agiert dabei sehr selbstlos, auch wenn sie Bobbies RatschlĂ€ge schlieĂlich annimmt, wĂ€hrend Bobbie keine Anstalten macht, Avasaralas Leben fĂŒr die eigene Sicherheit zu riskieren. Da können beide Figuren ordentlich Sympathien beim Zuschauer sammeln.
Bei Amos und Prax steht wĂ€hrenddessen die Frage im Raum, weshalb der Vater von Mei (Leah Madison Jung), deren Schicksal fĂŒr ihn ungeklĂ€rt ist, sich fĂŒr die Rettung der Razorback-Besatzung entscheidet, obwohl das einen Aufschub fĂŒr die Reise nach Io bedeutet und lĂ€ngst nicht alle Probleme an Bord behoben sind. Meng ist das ZĂŒnglein an der Waage unserer Crew, denn wĂ€hrend Holden (Steven Strait) und Amos fĂŒr Io plĂ€dieren, favorisieren Alex (Cas Anvar) und Naomi (Dominique Tipper) die Rettung der Razorback-Besatzung. Prax trifft - wobei es da einen kleinen Cliffhanger innerhalb der Folge gibt - die richtige Entscheidung, die aber gleichzeitig unerwartet ist. Seine erste ErklĂ€rung dazu klingt sehr edel und wĂ€re in meinen Augen genau so nachvollziehbar, wie seine letzten AusfĂŒhrungen zum Thema. In jedem Fall ist es ihm aber hoch anzurechnen, dass er sich fĂŒr die Rettung der Razorback entscheidet - also egal, ob er noch Hoffnungen fĂŒr Mei hat oder nicht.
Pinus Contorta
Abseits von den Szenen mit Amos und Prax gibt es noch einige andere Dinge, die nicht unerwÀhnt bleiben sollten. So ist die (ehemalige) Rocinante noch immer angeschlagen. Vor allem Prax vermag da Holden mit einer ungewöhnlicheren Methode zur Sauerstoffregeneration zu beeindrucken. Naomi gibt Alex derweil einen Tipp, wie er den Verbrauch der TreibstoffvorrÀte reduzieren kann - und zwar ohne auf ein anderes Ziel als Io zu setzen, wie Alex zunÀchst vermutet. Ein kleiner, aber wichtiger Schritt zur Wiedergutmachung.
Naomi und Alex finden sich kurz darauf auch im gleichen Lager wieder und plĂ€dieren fĂŒr die Rettung der Razorback, deren Notruf eine Entscheidung bei unserer Crew erfordert. Holden ist strikt gegen eine Rettung (ein bisschen zu strikt fĂŒr meinen Geschmack), aber sowohl er als auch Amos haben da einen wichtigen Punkt: Man kann nicht jeden retten, schon gar nicht im Krieg und die aktuelle Mission konzentriert sich auf eine mögliche Rettung von Mei. Da ist es Ă€uĂerst passend, dass Prax diese Entscheidung fĂ€llen muss und gleichzeitig beachtlich, dass die Crew weiterhin demokratisch ihre Optionen auslotet.
Die Action im Schlussakt konnte sich ebenfalls sehenlassen. Wobei unsere drei Figuren im Cockpit da etwas zu kurz kommen. Ferner hĂ€tte ich es begrĂŒĂt, wenn nicht Holden sondern Naomi das entscheidende, waghalsige Manöver vorgeschlagen hĂ€tte, welches Errinwrights Schiff manövrierunfĂ€hig macht, ohne es zu zerstören. James wird aber wohl recht behalten, wenn er meint, dass sie durch ihren Rettungseinsatz jetzt eine Seite bezogen und der Erde den Krieg erklĂ€rt haben. Chrisjen könnte zwar fĂŒr Klarheit sorgen, aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Anna Volovodov
Gillis (Jonathan Whittaker) bringt diese Woche eine neue Figur ins Spiel. Die Rede ist natĂŒrlich von Anna Volovodov (Elizabeth Mitchell), die er aus frĂŒheren Zeiten kennt und der er - ganz offensichtlich - vertraut. Zumindest, was das Schreiben von Reden angeht. Aber da wird wohl noch etwas mehr dahinterstecken.
Anna wird uns jedenfalls direkt in ihren ersten Szenen sehr sympathisch prĂ€sentiert. Sie setzt sich da mutig ein, wo andere Leute bloĂ draufknĂŒppeln, bekommt selbst einen Schlag verpasst und hat auch Gillis gegenĂŒber ein relativ loses, aber eben aufrichtiges Mundwerk. Ihre Beziehung zu Nono (Raven Dauda) samt gemeinsamer Tochter wirkt natĂŒrlich.
Gillis hat seine Wahl fĂŒr Anna aber nicht ohne einen bestimmten Hintergrund getroffen. Ihre Meinung ist ihm wichtig, womit sich einen Menge Konfliktpotenzial zu Sadavir prĂ€sentiert. Anna und Errinwright werden da in Zukunft sicher noch öfter aneinandergeraten, liefern sich hier aber schon ein tolles (wenn auch kleines) verbales Duell. Da hofft man schon fast, dass Chrisjen sich noch etwas Zeit lĂ€sst, ehe sie Gillis und Errinwright gegenĂŒbertritt.
Mei
WĂ€hrenddessen sind wir uns jetzt sicher, dass Mei auf Io ist. Dr. Strickland (Ted Atherton) und seine PlĂ€ne bezĂŒglich der Kinder machen ihn derweil zu einer noch hassenswerteren Figur als Errinwright. Dagegen wirkt Mao (Francois Chau), der mehr oder weniger gezwungen ist, den Experimenten zuzustimmen, schon beinahe sympathisch. Aber eben nur beinahe, denn die Kinderversuche lassen sich durch nichts rechtfertigen.

Wobei man als Zuschauer trotz der ganzen Widerlichkeiten gespannt sein darf, wohin die Reise mit den Versuchen gehen wird. Die Persönlichkeiten von Mei und Katoa (Jaeden Noel) scheinen jedenfalls (noch?) nicht vom ProtomolekĂŒl beeinflusst zu werden. Sollten die Kinder somit besondere FĂ€higkeiten erlangen, um der WaffenprĂ€misse dienlich zu sein, stĂŒnden Strickland und Mao vor dem Problem, sie von potenziellen EinsĂ€tzen ĂŒberzeugen zu mĂŒssen. Gerade mit Blick auf Mei, die ihren Vater vermisst, könnte der Schuss da auch bei erfolgreichen Experimenten gewaltig nach hinten losgehen.
Fazit
Es ist durchaus erstaunlich, wie wenig Handlungsfortschritt IFF am Ende mit sich bringt, aber wieviel Spannung die Episode an Bord hat. Dabei spielt es kaum eine Rolle, in welchem Handlungsstrang wir uns gerade befinden. Gute bis sehr gute Folge, die von mir 4,5 von 5 Sternen erhÀlt.
Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 21. April 2018The Expanse 3x02 Trailer
(The Expanse 3x02)
Schauspieler in der Episode The Expanse 3x02
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