The Expanse 1x01

Seit 2009 warten wir darauf, dass eine Weltraumserie die LĂŒcke fĂŒllt, die Battlestar Galactica damals hinterlassen hat. Aus dem Hause Syfy warteten wir seither vergeblich auf einen wĂŒrdigen Ersatz und erst dieses Jahr wurden mit Dark Matter und Killjoys wieder ambitioniertere Projekte ins Rennen geschickt, die aber nicht wirklich die Vision und AllroundqualitĂ€t von „BSG“ oder anderen Science-Fiction-Klassikern aus dem Serienbereich einfangen konnte. Wurde das dunkle Tal mit The Expanse nun verlassen? Der Pilot macht Hoffnung.
Das 23. Jahrhundert
Das Setting der Zukunftswelt, das der Romanreihe von James S. A. Corey (hinter dem sich Daniel Abraham und Ty Franck verbergen), wird uns nach dem Ă€uĂerst stimmungsvollen Opening erklĂ€rt, welches mit seiner sphĂ€rischen Musik schon sehr an den spirituell angehauchten „Galactica“-Soundtrack erinnert. Im 23. Jahrhundert hat die Menschheit sich ĂŒber das Sonnensystem ausgebreitet, aber von einer Star Trek-mĂ€Ăigen Utopie sind wir weit entfernt. Die UN kontrolliert die Erde, wĂ€hrend die Mars von einer unabhĂ€ngigen MilitĂ€rmacht beherrscht wird.
Die inneren Planeten des Systems sind von den im AsteroidengĂŒrtel abgebauten Ressourcen angewiesen, die in harter Arbeit von den dort lebenden Menschen („Belter“ genannt) gewonnen werden. „Show, don't tell“ ist zwar eine der Grundregeln des filmischen ErzĂ€hlens, aber in Anbetracht dessen, was noch an Story bevorsteht, kann man es wohl nachsehen, wenn durch Bildschirmtext erst einmal etwas Exposition abgehakt wird.
Ceres
Schlechte Lebensbedingungen fĂŒr die Arbeiterklasse im AsteroidengĂŒrtel und die generell bessere Stellung der Planetenbewohner fĂŒhren zu revolutionĂ€ren Ambitionen, die sich auch auf der Ceres Station bemerkbar machen. Hier ist der hartgesottene und korrupte Detective Miller (Thomas Jane) tĂ€tig, der mit seinem Partner von der Erde (Jay Hernandez) fĂŒr Recht und Ordnung in sozialen Brennpunkten der Station sorgen soll und selbst zu den mit genetischen Defekten gestraften Beltern gehört, auch wenn er nicht gerne daran erinnert wird. Von seiner Vorgesetzten erhĂ€lt er einen nicht ganz legalen Sonderauftrag, bei welchem er die verschollene, einer revolutionĂ€ren Studentengruppe angehörige Tochter eines hohen Tieres zu den Eltern zurĂŒck verschleppen soll.

Was wir von der Ceres-Station mitbekommen, ist ein lebendiges Bild einer mit sozialen Problemen behafteten Region, in welcher sich viele menschliche Kulturen zu etwas eigenem vermischt haben und wo eine eigene Sprache entwickelt wurde. Der Mars aus „Total Recall“ fĂŒhlt sich Ă€hnlich an und es wird schnell klar, dass die brisant hochgekochte Stimmung der Benachteiligten in dieser Zweiklassengesellschaft wohl eine der maĂgeblichen Dramaquellen dieser Serie sein wird.
Canterbury
Der zweite Hauptschauplatz fĂŒhrt uns auf den Eisschlepper Canterbury, der das fĂŒr die Wasserversorgung notwendige Material Richtung Ceres transportiert und sich derzeit in der NĂ€he des Saturns befindet. Dem Offizier Jim Holden (Steven Strait) wird hier die Position des XO angeboten, die er dankend ablehnt. Nicht zuletzt, weil er mit der Beförderung die offene Beziehung zur Navigatorin Ade Nygaard (Kristen Hager) aufgeben mĂŒsste. Als der Hilferuf eines Frachters eingeht, ist sie zunĂ€chst die einzige, die sich dafĂŒr einsetzt, diesen zu verfolgen. Doch weder Holden noch der Rest der Crew hat Lust darauf, den Bonus bei pĂŒnktlicher Lieferung nach Ceres aufzugeben. In der Nacht plagen Holden dann doch Gewissensbisse und er wertet den Notruf aus.

Auch die Location des Eisminenschiffs Canterbury ist eine beeindruckend realisierte Umgebung, die zum visuell ansprechendsten gehört, was im Rahmen von Serien-Sci-Fi bisher auf unseren Bildschirmen gelandet ist. Die AuĂenansichten und Weltraumszenen stehen diesen ĂŒbrigens in nichts nach. Zur Crew zĂ€hlen auĂerdem Mechaniker Amos Burton (Wes Chatham), Ingenieurin Naomi Nagata (Dominique Tipper), Medizintechniker Shed Gravy (Paulo Costanzo) und Pilot Alex Kamal (Cas Anvar), die Holden fĂŒr die Mission, den Mayday sendenden Frachter zu erkunden, als Team auswĂ€hlt.
Earth
Auf der Erde, genauer gesagt dem futuristischen New York, machen wir unterdessen die Bekanntschaft der charismatischen U.N. Undersecretary Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo), die nach einem zunĂ€chst sympathischen ersten Auftritt einen gefangen genommenen Belter-Revoluzzer beziehungsweise -Terroristen aufsucht, der wiederum mithilfe der fĂŒr ihn ungewohnten Erdgravitation gefoltert wird. Er war beim Schmuggeln von Stealth-Technologie, die am Ende der Episode noch einen Auftritt haben wird, aufgeflogen.

Nach der Hochgeschwindigkeitsreise Richtung Maydaysignal machen sich Holden und seine Minicrew in einem Shuttle auf dem Weg zum Frachter. Wir haben diesen schon in einer kryptischen Szene zu Anfang der Episode gesehen, die wie eine Szene aus Horror-Sci-Fi-Filmen, wie zum Beispiel „Event Horizon“, daherkam. Was genau dort vor sich ging, wissen wohl bisher nur Buchkenner. Es scheint jedoch so, als sei etwas mit dem Antrieb schief gelaufen. Warum da aber abgetrennte Köpfe durch die GĂ€nge schweben, muss wohl noch anderweitig erklĂ€rt werden.
Die Begegnung mit einem kleinen MĂ€dchen und einem Lower-Gravity-Vögelchen verursachen auf Ceres einen Sinneswandel in Detective Miller, der sich erst einmal nicht weiter um seinen Auftrag kĂŒmmert, sondern dafĂŒr sorgt, dass ordentliche Filter fĂŒr die Luftversorgung verwendet werden. Dass diese nicht ordnungsgemÀà ausgetauscht wurden, war zum Teil seine Schuld, weil er sich vom Verantwortlichen hat schmieren lassen.

Dramatisch endet die Episode fĂŒr Holdens Mission, als plötzlich ein marsianisches Schiff, das sich tarnen konnte, auf der BildflĂ€che erscheint und einen Torpedo abfeuert, dem das kleine Schiff ausweichen kann. Das Geschoss war jedoch nicht ihnen bestimmt und noch ehe Ade Holden ĂŒber das Com-System etwas Wichtiges mitteilen kann, wird die Canterbury zerstört.
Fazit
The Expanse weiĂ schon in seiner ersten Stunde durch abwechslunsgreiche Locations, hohen production value und einem Ensemble an potentiell interessanten Charakteren zu beeindrucken. Befremdlich wirkt höchstens, dass der Cast insgesamt etwas zu glatt und attraktiv gewĂ€hlt wurde, was sich im Networkfernsehen wohl nicht mehr vermeiden lĂ€sst. Speziell Holden soll, wie ich gehört habe, in den BĂŒchern nicht der junge Adonis sein, den wir hier in seiner besixpackten Pracht vorgesetzt bekommen. Insgesamt wirken die mĂ€nnlichen Charaktere allesamt etwas einseitig und geben von Matthew McConaughey inspirierte, abgebrĂŒht-monotone Performances zum Besten. Hargesottener Cop, hartgesottene Weltraumcrewmitglieder - die weiblichen Figuren weisen da bisher mehr Variation auf. Charakterentwicklung sollte bei einer Buchvorlage mit fĂŒnf HauptbĂ€nden jedoch nicht das Problem sein.
ErbsenzĂ€hlerei nach nur einer Folge beiseite, „The Expanse“ könnte genau die Weltraumoper sein, auf die wir so lange gewartet haben. Zumindest belebt es die Hoffnung wieder, dass die von Syfy versprochene Programmrevolution nicht ausgefallen ist, sondern sich lediglich als SpĂ€tzĂŒnder erweist.
Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 25. November 2015The Expanse 1x01 Trailer
(The Expanse 1x01)
Schauspieler in der Episode The Expanse 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?