The Event 1x22

The Event 1x22

The Event geht zu Ende und lĂ€sst verschiedene Fragen offen. Allen voran: Wie können Autoren gleichzeitig so talentiert und doch so unfĂ€hig sein? Das Finale stellt noch einmal nachdrĂŒcklich die besten und die schlechtesten QualitĂ€ten der Serie unter Beweis.

Hat eine außerirdische Virus-Attacke, aber nicht die Absetzung der Serie abwenden können: Jason Ritter in „The Event“ / (c) NBC
Hat eine außerirdische Virus-Attacke, aber nicht die Absetzung der Serie abwenden können: Jason Ritter in „The Event“ / (c) NBC

Das Ende von The Event lĂ€sst den Zuschauer ein wenig fassungslos zurĂŒck. Machen sich die Autoren ĂŒber das Publikum lustig? Oder ist das wirklich ernst gemeint? Ist ihnen wirklich nicht aufgefallen, was dieses Ende bedeutet? Dass es die gesamte PrĂ€misse, unter der die Serie bislang gestanden hat, vollkommen untergrĂ€bt?

Die Außerirdischen verfĂŒgen also ĂŒber eine Technologie, mit der sie ihren eigenen Planeten ĂŒber Lichtjahre hinweg durch den Weltraum transportieren können. Zu blöd, dass keiner von ihnen auf den Gedanken gekommen ist, sich vielleicht irgendwo ein schönes, unbewohntes Sonnensystem zu suchen, wo man den Planeten in der BiosphĂ€re des betreffenden Sterns hĂ€tte parken können - fern jener fĂŒrchterlichen Supernova, die die eigene Existenz zu gefĂ€hrden drohte.

Die - sehr interessante - Konfliktlage der Serie lautete bis zu diesem Zeitpunkt, dass die Welt der Außerirdischen zum Untergang verdammt ist und sie auf die Erde kommen mĂŒssen, um sich zu retten. Der Kampf um eine begrenzte Ressource, nĂ€mlich den Lebensraum auf unserem Planeten, war das Konfliktpotential, welches die Serie angetrieben und ihre Spannung ausgemacht hat.

Am Ende lĂ€sst sie uns jedoch wissen, dass dies alles eigentlich unnötig gewesen wĂ€re. So eindrucksvoll das Bild von dem zusĂ€tzlichen Himmelstrabanten auch ist (welches stark an die Doctor Who-Folge The Stolen Earth (1) erinnert), so deutlich ruft es uns ins Bewusstsein, dass die gesamte Handlung um irgendein Virus, welches dazu dient, auf der Erde Platz zu schaffen, im Grunde vollkommen ĂŒberflĂŒssig gewesen ist.

Und das ist wirklich schade: Denn die Auflösung des Virus-Plots ist den Autoren in Arrival richtig gut gelungen. Der Wettlauf zwischen Menschen und Aliens wird temporeich, spannend und mit einer gepflegten Portion Action erzĂ€hlt. Geschickt binden die Macher auch den Konflikt zwischen Jarvis (Bill Smitrovich) und Martinez (Blair Underwood) um dessen Wiedereinsetzung als PrĂ€sident in die Haupthandlung ein. Martinez muss wieder PrĂ€sident werden, um den Flughafen zu sperren - und damit die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Nur weil Martinez Erfolg hat, kann Sean (Jason Ritter) Sophia (Laura Innes) am Ende zur Aufgabe ĂŒberreden.

Alle Handlungselemente greifen hier sehr schön ineinander. Sogar der Umstand, dass die finale Konfrontation auf eine Auseinandersetzung zwischen Sean und Sophia hinauslĂ€uft, wirkt ĂŒberraschend ungezwungen. Die Autoren beweisen hier wirklich erzĂ€hlerisches Geschick.

Umso unbegreiflicher sind die TotalausfĂ€lle, die sie sich - nicht nur am Ende der Episode, sondern auch zwischendurch - leisten: Die ersten beiden Anschlagsversuche sind vereitelt worden, die Kannister mit dem Virus wurden sichergestellt. Es existiert also ein physischer Beweis, dass Jarvis von Sophia hintergangen worden ist - ein Fakt, der den von der Richtigkeit seines Handels so ĂŒberzeugten VizeprĂ€sidenten (zumindest seiner bisherigen Charakterisierung nach) bis ins Mark erschĂŒttern wĂŒrde. Doch spielen Martinez und Peel (Roger Bart) diese Trumpfkarte? Nein! Stattdessen greift Martinez auf das Ă€lteste Mittel aus der 24-Mottenkiste zurĂŒck: die heimliche Bandaufnahme.

Wahrscheinlich weil sie die Absetzung der Serie bereits kommen sahen, fĂŒhlten sich die Autoren von The Event bemĂŒĂŸigt, am Ende noch mal auf den Titel der Serie einzugehen. Simon (Ian Anthony Dale) raunt davon, dass es sich bei dem „Ereignis“ um eine Art evolutionĂ€ren Sprung handelt, dem seine Spezies (auf der Erde) unterliegt und welcher tödliche Folgen fĂŒr die Menschheit hĂ€tte. Genaueres verrĂ€t er Sean, obwohl sie beide auf derselben Seite stehen, natĂŒrlich nicht, sondern verweist stattdessen auf Dempseys Hieroglyphen-Schriftrolle. Warum auch klare Aussagen treffen, wenn man sich stattdessen ganz mysteriös geben kann?

Arrival endet zwar mit einem Cliffhanger. Anders als vor einem Jahr bei FlashForward lĂ€sst sich dieser jedoch sehr gut verschmerzen. Die Auflösung der Haupthandlung ist so stark, dass die offenen Enden, welche die Folge in den letzten zehn Minuten aus dem Hut zaubert - Leila (Sarah Roemer) ist schwanger, der Alien-Planet erscheint am Himmel, die PrĂ€sidenten-Gattin (Lisa Vidal) gehört, wie schon in der Vergangenheit vermutet, tatsĂ€chlich zu den Aliens - dagegen nicht ernsthaft ins Gewicht fallen. Trotz des Cliffhangers ĂŒberwiegt also ein GefĂŒhl der Abgeschlossenheit. Es sind keine wirklich bohrenden Fragen, die The Event offenlĂ€sst.

Fazit

FĂŒr das Finale gilt wie fĂŒr die gesamte Serie: The Event hatte unterhaltsame Momente, sonst hĂ€tte zumindest der Rezensent die Serie gar nicht bis zum Ende geschaut. Dieses GefĂŒhl der Unterhaltung verdankte sich hauptsĂ€chlich einem starken Grundkonflikt, aus dem heraus immer wieder (nicht zuletzt dank ĂŒberzeugender Gegenspieler wie Jarvis) spannende Plots resultierten.

Trauer ĂŒber das vorzeitige Serienende will sich allerdings nicht einstellen: Dazu haben sich die Macher von The Event zu oft an der Handlungslogik und einer nachvollziehbaren Figurenentwicklung versĂŒndigt, sich in Klischees gesuhlt, statt originelle Plot- und Dialog-Lösungen zu finden und zu wenig Auge fĂŒrs Detail bewiesen. Bestes Beispiel aus der letzten Folge: Sterling und Vicky liefern sich eine wilde Schießerei mit einem von Sophias Leuten; im nĂ€chsten Augenblick sehen wir im Hintergrund zwei Flughafenarbeiter, die in aller Seelenruhe ihrem Job nachgehen...

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 24. Mai 2011
Episode
Staffel 1, Episode 22
(The Event 1x22)
Deutscher Titel der Episode
Die Ankunft
Titel der Episode im Original
Arrival
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 23. Mai 2011 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 21. November 2013
Regisseur
James Wong

Schauspieler in der Episode The Event 1x22

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