The Conners Staffel 5
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Die fünfte Staffel der Serie The Conners ging bis diesen Monat bei ABC über die Bühne und könnte laut Showrunner Bruce Helford schon die vorletzte sein, wie er vor der offiziellen Bestellung der sechsten Season herausplauderte. Im Vorfeld gab es erneut Verhandlungen mit dem Kern-Cast und ebenso gab es den Ausstieg von Michael Fishman zu verzeichnen, was wir durchaus begrüßen, nachdem wir in vergangenen Reviews immer wieder angekreidet hatten, wie wenig die Autor:innen mit dem DJ-Darsteller anzufangen wussten. Er bleibt der Produktion aber als gelegentlicher Regisseur erhalten, da er seit der dritten Season schon hin und wieder Episoden inszeniert hatte.
Fishman stellte ab der ersten Roseanne-Staffel im Jahr 1988 das Nesthäkchen der Familie Conner aus Lanford dar und somit den Bruder von Darlene (Sara Gilbert) und Becky (Lecy Goranson) sowie den Sohn von Roseanne (Roseanne Barr) und Dan (John Goodman). Allerdings war er nicht von Anfang an dabei, sondern ersetzte ab der zweiten Episode der Serie den ursprünglichen DJ-Darsteller Sal Barone. Insgesamt war Fishman jedoch nur in 36 Episoden des „Roseanne“-Revivals zugegen und oft nur im Hintergrund zu sehen, ohne eigene Storylines zu bekommen.
Flitterwochen und Halloween
Nach der Doppelhochzeit von Darlene (Sara Gilbert) und Ben (Jay R. Ferguson) sowie Jackie (Laurie Metcalf) und Neville (Nat Faxon) stehen im Staffel-Auftakt (Double Honeymoon and Seeing Double) doppelte Flitterwochen auf dem Conners-Familienplan, die aufgrund des geringen Flitterbudgets eher mittelmäßig-romantisch verlaufen. Gleichzeitig betrinkt sich der minderjährige Mark (Ames McNamara) zum ersten Mal, nachdem sein Freund Logan ihn betrogen hat, was Erinnerungen an eine frühe „Roseanne“-Episode weckt, in der seine Tante Becky sich in jungen Jahren Zugang zum Schnapsschränkchen verschafft hatte, was ihre Schwester zu kaschieren versuchte.
Viel eindeutiger auf Nostalgie setzt die fünfte Episode (A Little Weed and a Bad Seed), in der Dan (John Goodman) sich medizinisches Marihuana verschafft und von der Stärke des modernen Stoffes überrascht wird. Die Anspielung hier ist natürlich die klassisches Episode A Stash from the Past, in der Roseanne ihr altes Weed findet und mit Dan und Jackie high wird. Leider jedoch nicht halb so witzig wie früher, was noch viel tragischer im Kontext einer äußerst unspektakulären Halloween-Episode (Book Bans and Guillotine Hands) verläuft... Aus Spargründen will die Familie ihren heiligsten Feiertag sausen lassen, was Dan nähergeht als gedacht. Am Ende wird er schließlich mit einer Halloween-Party in der Garage überrascht, bei der alle anderen nur im Kreis stehen und ihre wortwitzlastigen Kostüme erklären.
Dieser langweilige Kniff ist leider ein faules Stilmittel in der Serie geworden: Es gibt ein Problem und am Ende überrascht die Familie das Problemkind der Familie im Kreis stehend mit einer kleinen, durchaus liebenswerten, aber TV-technisch unwirksamen Aktion. So leider auch im Staffelfinale, aber dazu später mehr. Viel beeindruckender sind da kleine Momente zwischen dem eingespielten Altcast - zum Beispiel, wenn Dan die zu Suchtverhalten neigende Becky (Lecy Goranson) konfrontiert, nachdem sie ihr gesamtes Gehalt an einem Spielautomaten verzockt hat...
Heiße bis lauwarme Eisen
Während die vierte Staffel von The Conners nur um mehrere Ecken ein School-Shooting thematisierte, packt die fünfte Season wieder mehrere dramatische Storys an, die direkt mit den Conners zu tun haben. Die dramatischste Wendung in dieser Staffel spielt sich zwischen Jackie und ihrer Mutter Bev ab, wofür die 95-jährige Estelle Parsons noch mal vor die Kameras trat. Die angespannte Beziehung besteht seit der Roseanne-Ära und wurde stets zugunsten der sich die Haare raufenden Jackie für Comedy gespielt. Harris (Emma Kenney) hegt nun in der Folge Of Missing Minds and Missing Fries den Verdacht, dass ihre Urgroßmutter an Demenz erkrankt sein könnte, was Jackie zunächst für simuliert hält. Drauf und dran, ihr endlich die Meinung zu geigen, muss sie jedoch feststellen, dass Bev wirklich nicht mehr ganz bei Verstand ist und nur noch ein Mensch übrig ist, der Hilfe braucht statt eines Mutter-Tochter-Showdowns.
Einen drauf setzt das Ganze in der Episode New Pipes and Old Secrets, in der herauskommt, dass Bev ihre Tochter damals vor den Schlägen ihres brutalen Mannes beschützt hatte, nachdem man alte Brüche an ihr findet. Jackie verwendet daraufhin ihre Ersparnisse, um ihrer Mutter eine private Pflegerin zu gönnen. Sehr emotional, diese Storyline, und eines der Highlights der gesamten Serie. Dass Roseanne, die als Kind noch viel mehr unter der Prügel des Vaters gelitten hat, im Auftakt der Revival-Staffel ihre Enkelin schlägt und das ebenfalls für Comedy gespielt wurde (weil jemand aus Gen Z durch altmodische Erziehung ihr Fett weg bekommt...), ist dadurch noch mal unentschuldbarer in Retrospektive. Man konnte sich wohl wirklich nicht mehr an die Beerdigung des verhassten Vaters und Roseannes aufreibende Abrechnung am Sarg erinnern...

Darlene kann sich über eine Beförderung in die PR-Abteilung von Wellman Plastics freuen, kündigt aber, als sie feststellt, dass sie die Umweltsünden des Unternehmens herunterspielen soll. Bald schon findet sie aber anderweitig eine Managerposition, die sie am Ende der Staffel jedoch wiederum aufgibt, um am College ihres Sohnes in der Kantine zu arbeiten, damit Mark bezahlbar studieren kann. Eine noble, aufopfernde Aktion der Mutter, auch wenn Mark natürlich jederzeit ans staatliche College hätte gehen können, ohne dass Darlene dafür ihre eigene Karriere hätte aufgeben müssen... Es ist wohl auch eine amerikanische Angelegenheit, aber dass Darlene neuerdings im riesigen neuen Haus mit ihrem Gatten Ben lebt, das neben dem klassischen Conners-Haus zur zweiten Hauptlocation wird, schreit nicht mehr unbedingt „strauchelnde Arbeiterschicht“.
In der Episode Possums, Pregnancy and Patriarchy kommt heraus, dass Harris schwanger ist, was eine eher lauwarm geführte Debatte über körperliche Autonomie und Familienplanung aufkommen lässt, bei der die Teenagerin sich schließlich entscheidet, das Kind zu behalten. Aus dem Weg geschrieben wird das Ganze dann mit einer plötzlichen Fehlgeburt. Diesen etwas abgedroschen wirkenden Autoren-Trick nehmen wir aber lieber als noch ein neues Kind im Cast - das Franchise hat schließlich keine positive Bilanz, wenn es darum geht, die Übersicht über den Nachwuchs zu behalten beziehungsweise generell diese in der continuity zu halten - Jackies Sohn Andy und Roseannes Baby Jerry Garcia können ein Lied davon singen...
Gaststars and Stuff
Die fünfte The Conners-Staffel geizte mal wieder nicht mit hochkarätigen Gaststars. So ließ sich zum Beispiel William H. Macy als Dans alter Freund Smitty blicken, mit dem es zu Spannungen kommt, was gleichzeitig eine Shameless-Reunion mit seiner ehemaligen Serientochter, der Harris-Darstellerin Emma Kenney darstellte. In dieser Folge kommt es schließlich zu einer Barschlägere und einem regelrechten Roseanne-Deep-Cut: Hier ist nämlich auch der von Eric Allan Kramer gespielte Barschläger Bob aus der klassischen Debüstaffel-Episode Dan's Birthday Bash mit von der Partie. Ganz nebenbei jener Superfan-Cameo, den der Showrunner im Vorfeld kryptischerweise angeteast hatte...
Darüber hinaus ist die immer gern gesehene Whoopi Goldberg als Marks mürrische Musiklehrerin Ms. Glen dabei, die ein altes Schulzeitenhühnchen mit Jackie zu rupfen hat, und Jane Curtin schaut als Dans neue Schwiegermutter Doris vorbei - die Mutter von Louise (Katey Sagal) und Neville (Nat Faxon). Sie wurde urplötzlich von ihrem Mann verlassen und nimmt ihre Tochter in einem Wohnwagen auf große Versöhnungstour mit, nachdem sie bisher nie ihre Karriere als Musikerin unterstützt hatte. Das soll Dan allerdings erst selbstlos absegnen, da er seine Frau dadurch mehrere Monate nicht sehen wird...

Ein Gastauftritt von Johnny Galecki als David wird zum Ende der Staffel hin zwar angedeutet, kommt dann aber doch nicht zustande, um stattdessen einen emotionalen Höhepunkt zwischen Mark und seinem Quasi-Dad Ben zu präsentieren. Wirklich ganz rührend, nur wieder etwas auf der billigen Seite, da die herzliche Ansprache nicht am entsprechenden Set oder on location während einer Abschlussfeier gedreht wurde, sondern nur als Generalprobe im Wohnzimmer der Conners.
Billig ist auch nach wie vor, wie man mit Marks Beziehungen umgeht: Bereits im letzten Review hatten wir angekreidet, wie man ihn nicht nur vom Gendernonkonformisten zum Young Sheldon-Verschnitt umgeschrieben hat, sondern auch, wie stiefmütterlich sein erster Freund behandelt wurde, mit dem man nicht mal einen Kuss sah. In dieser Staffel wiederum macht dieser mit ihm Schluss und Mark hat sein erstes Date mit einem neuen jungen Mann aus der Uni-Kantine, den er über seine Mutter kennenlernt - beides Dinge, von denen wir wieder nur Secondhand-Erzählungen erhalten. McNamara ist wirklich nicht der talentierteste Jungschauspieler im Cast, aber gebt ihm doch bitte die Chance, mit mehr als Gesprächsfetzen über sein Leben reagieren zu dürfen. Bei Harris klappt es doch auch...
Fazit
Nach dem Durchhänger der vierten Season mit viel zu viel Beziehungsgeplänkel bringt die fünfte Staffel von The Conners wieder etwas abwechslungsreichere Storys, die auch wieder dramatischer ausfallen. Schade nur, dass der Höhepunkt vieler Folgen ein Im-Kreis-Stehen am Set sein muss, anstatt etwas Ausgefalleneres zu inszenieren. So muss man sich auf den gut eingespielten Cast verlassen, der zum Glück nur zu 30 Prozent im Schlafwandel-Automatikmodus schauspielt.
Mit einem laufenden Familienrestaurant und einem neuen Riesenhaus für Darlene und Ben, das als neues Set sehr viel nobler als das klassische Conner-Haus anmutet, sowie Kindern am Privatcollege und einer Privatpflegerin für Bev sollte man vielleicht etwas aufpassen, dass man den zentralen Arbeiterklasseaspekt der Serie nicht komplett aus den Augen verliert. Das ist schließlich das Alleinstellungsmerkmal des Formats und die Prämisse, die für so viele dramatische Entscheidungen und Konfrontationen der Dreh- und Angelpunkt war - inklusive des Todes von Roseanne. Wenn man hier wirklich plötzlich die soziale Mobilität in die Mittelschicht und den selten verlaufenden American Dream thematisiert, betrügt man die Prämisse und ist wieder halb beim albernen Lottogewinn der damaligen Finalstaffel.
Zuletzt noch eine positive Veränderung bezüglich des Anfangs: Die Serie hat endlich mal wieder ein neues Opening erhalten, bei dem die Familie diesmal wieder asiatisches Take-out-Essen schnabuliert. Prima! Je weniger wir Dan beim Nuckeln am kackbraunen Kokelwürstchen der letzten Staffeln zusehen müssen, umso besser!
Dreieinhalb von fünf Sternen - auch, wenn wir längst nicht mehr im Land von großen Lachern am laufenden Band sind (wenn wir das je waren...), sind die Conners nach wie vor eine Sitcom-Sippe, mit der man gut und gerne eine halbe Stunde pro Woche verbringen kann.
In Deutschland ist „Die Conners“ derzeit bei Sky Comedy zu Hause, bei welchem man die ersten zwei Staffeln gezeigt hat und auch schon die Staffeln drei und vier als Deutschlandpremiere angekündigt hatte. Diese verspäten sich nun aber. Sobald es einen neuen Termin gibt, erfahrt Ihr bei uns davon.
«The Conners» Trailer
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