The Conners: Review der Pilotepisode zum Auftakt des Roseanne-Spin-offs

© ??The Conners“ (c) ABC
Die Situation ist schon etwas seltsam, oder nicht? Der Sitcom-Klassiker Roseanne wird im Rahmen des Revival-Booms neu aufgelegt, nach kürzester Zeit zum TV-Vertreter des konservativen Amerikas ernannt, trotz Rekordquoten kurzerhand von ABC abgesetzt, weil Titelstar Roseanne Barr es sich durch rassistische Äußerungen endgültig verscherzt hat und nun sind wir hier und heißen The Conners willkommen. Das Roseanne-freie Spin-off zur Rettung der Produktion, dessen Pilotfolge (Keep on Truckin') sich natürlich zunächst mit dem Fehlen der einst zentralen Serienmutter befassen muss.
Kurz gesagt: Ja, wie im Vorfeld vermutet, haben die Autoren Roseanne Conner umgebracht, was nicht ganz so ungalant oder an den Haaren herangezogen vonstatten geht, wie man vermuten könnte. Während des kurzen Laufs des „Roseanne“-Revivals wurde etabliert, dass ihr kaputtes Knie ihr großen Kummer bereitet, weshalb sie starke Schmerzmittel nehmen musste und von diesen abhängig wurde. Wie sich nun herausstellt, ist ihr nach der lange erwarteten Operation nicht ein bis zur Autopsie vermutetes Herzproblem, sondern eine Überdosis der vielen von ihr gehorteten Pillen zum Verhängnis geworden.

Mit der Trauer gehen die verschiedenen Mitglieder des verbleibenden Conner-Clans ganz unterschiedlich um. Dan (John Goodman) bringt es nicht einmal fertig, im allzu leeren Ehebett zu schlafen und macht die Nachbarin Marcy Bellinger (Mary Steenburgen) für den Tod seiner Frau verantwortlich. Sie hatte Roseanne aus Mitleid einen Teil ihrer Medikamente überlassen, wobei sie bei weitem nicht die einzige Spenderin war. So muss auch Dan bald einsehen, dass weniger Marcy, sondern vielmehr die grundlegenden Probleme im Gesundheitssystem Schuld an dem fatalen Schicksal seiner Frau sind.
Schwester Jackie (Laurie Metcalf), deren Grundton auch sonst konstant aufgedreht ist, beschäftigt sich manisch damit, die Küche der Conners mit einer Art Geräte-Feng-Shui umzugestalten, weil sie nicht allein zu Hause sein möchte und die Nähe ihrer Familie sucht. Die Schwestern Darlene (Sarah Gilbert) und Becky (Lecy Goranson) bekommen sich wie immer in die Haare und machen irgendwann Scherze, als ihre Trauer an die Grenzen stößt und das Leben auch für die Kinder irgendwann weitergehen muss. Ganz die Mutter eigentlich.
Während Enkeltochter Harris (Emma Kenney) sich noch mies fühlt, weil sie sich zuletzt nicht besonders grün mit Oma Roseanne gewesen ist, hat Mark (Ames McNamara) bereits andere Probleme. Er wendet sich mit Boy-Trouble an Opa Dan, denn er weiß nicht, neben welchem seiner Schulfreunde er beim Ausflug sitzen soll, um seine Zuneigung zu zeigen. Mit dem Outing des nun doch an Jungs interessierten Enkels geht Dan zwar relativ cool um, es dauert aber bis zum Ende der Episode, bis er vollends Interesse bekundet und die von Roseanne versprochene Beratung in der Frage übernimmt. Im Gegensatz zu Mark ist er jedoch mehr Team-Enrique als Team-Joey.
Wen wir zum ersten Mal in Lanford begrüßen, ist Geena (Mary Lynne Robinson), die Frau von D.J. (Michael Fishman), die für die Beerdigung ihren Afghanistan-Einsatz unterbricht. Enkelin Mary (Jayden Rey) fehlt übrigens ebenso wenig wie Roseannes Mutter Beverly (Estelle Parsons) und sogar Dans Freund Chuck (James Pickens, Jr.) und Crystal (Natalie West) lassen sich im Rahmen von Gastauftritten blicken. (Ob wir jemals erfahren werden, was aus Dans Vater und Crystals Ehemann Ed geworden ist?)
Beendet wird die Auftaktepisode mit der klassischen Rundschau um den Küchentisch, wobei die Kamera dieses Mal mit Darlene und Dan im Zentrum zum Stehen kommt. Zu allerletzt sehen wir schließlich Dan, wie er den schwierigen Schritt zurück ins Ehebett wagt.
Fazit
Die Zweifel daran, ob The Conners ohne Serienstar Roseanne funktionieren kann, waren groß und berechtigt. Darüber hinaus können wir das Projekt schon jetzt als einen der seltsamsten Momente der amerikanischen Sitcom-Geschichte verbuchen. Nichtsdestotrotz: Für das, was es auszog zu tun, kann zumindest der Auftakt des Spin-offs als ziemlich gelungen bezeichnet werden.
Die Pilotfolge meistert den schwierigen Balanceakt zwischen treffsicherer Comedy und überraschend aufrichtig anmutender Trauerbewältigung, was sich angesichts der Produktionsumstände beeindruckenderweise nicht halb so zynisch anfühlt, wie es der Fall sein könnte. Vor allem John Goodman, der im „Roseanne“-Revival kriminell wenig zu sagen bekam, beweist endlich wieder, was wir an ihm haben und daran, dass Laurie Metcalf als Jackie die Beste ist, hat sich immer noch nichts geändert.
„Roseanne“ ohne Roseanne kann also möglicherweise tatsächlich funktionieren, weil die übrigen Charaktere stark genug sind, um die Serie zu tragen. Es ist immer noch seltsam, aber wir leben schließlich auch in seltsamen Zeiten.