The Conners 2x20

© he Conners (c) ABC
Was bisher im Serienkosmos von Landford geschah: Vor zwei Jahren kehrte der amerikanische Sitcom-Klassiker Roseanne nach über 20 Jahren Sendepause auf die Bildschirme zurück und begann äußerst vielversprechend als seit langem erfolgreichste ABC-Comedy. Die Quoten stimmten, über die Qualität und einige Storylines im weiteren Verlauf ließ sich streiten. Zwischen den Staffeln dann der Eklat: Der Sender setzt Serienstar Roseanne Barr, zu der das Verhältnis ohnehin schon angespannt gewesen sein soll, nach einer Reihe fragwürdiger Tweets vor die Tür. Den großen Erfolg des Revivals wollte man aber nicht ohne Weiteres verpuffen lassen und so wurde kurzerhand das Roseanne-lose „Roseanne“-Spin-off The Conners ins Leben gerufen, dessen zweite Staffel gerade zu Ende gegangen ist.
Unfinished Business
Nehmen wir kein Blatt vor den Mund: Staffel zehn von „Roseanne“ war im späteren Verlauf nicht nur durch die Liebe zum neuen US-Präsidenten Donald Trump eine Farce. Die erste Season von The Conners hatte hingegen ganz andere Probleme. Sie kam komplett zahnlos daher und wimmelte nur so von hochkarätig besetzten, aber furchtbaren Charakteren wie Davids Hippiefreundin Blue (Juliette Lewis) oder Jackies neuem Partner (Matthew Broderick). Ironischerweise begann auch des Ablegers relativ vielversprechend, indem der plötzliche Tod von Roseanne im Auftakt mit einem alten Handlungsbogen über ihre Schmerztablettensucht verknüpft wurde. Danach traute man sich kaum noch, ihren Namen auszusprechen, als hätte man Angst, ihren rachsüchtigen Geist heraufzubeschwören. Natürlich möchte man nicht jede Woche an die unangenehmen Umstände der Spin-off-Schöpfung und den in Ungnade gefallenen Titelstar erinnern, aber das Ergebnis kam doch sehr ungeschickt rüber, während man gute Miene zum holprigen Übergang machte.
Quizfrage: Was tun Sitcom-Autoren, wenn sie verzweifelt sind und nicht wissen, was sie mit ihren Charakteren anfangen sollen? Falls ihr „Baby!“ Richtung Bildschirm gerufen habt, habt Ihr gerade ein T-Shirt mit Henne-Ei-Motiv gewonnen. Becky (Alicia Goranson) wurde in der Urserie allem Anschein nach für eine Alkoholikerinnen-Story vorgebuttert, die den Produzenten auf einmal viel zu edgy vorgekommen sein muss. Stattdessen wird sie mit sofortiger Wirkung trocken, als man ihr ein Serienbaby verpasste, als hätte man nichts aus Andy (unter anderem: Tyler Battaglia) und Jerry (zum Beispiel Cole Roberts) gelernt - dem aus der Existenz getilgten Sohn von Jackie (Laurie Metcalf) und dem nur noch mit einem Satz erwähnten Jüngsten von Roseanne aus den späteren Staffeln der Originalserie. Man sollte vielleicht keine neuen Babys in Serien schreiben, die nicht mal den existierenden Nachwuchs im Blick behalten können. Hinzu kam ein aus Davids (Johnny Galecki) Abwesenheit entsprungenes love interest für Darlene (Sara Gilbert) (den wir anfangs überhaupt nicht leiden können!) und einige ebenso awkward angepackte Storylines zu politischen hot button-Themen, die höchstens lauwarm in die Hand genommen wurden. Insgesamt wäre uns die erste Season von „The Conners“ höchstes 2,5 Sterne wert gewesen. Mit der zweiten Staffel sieht es aber schon ganz anders aus...
The Conners - Staffel 2
Mit der Folgestaffel scheint sich The Conners allmählich gefunden zu haben, was gleich auf mehreren Ebenen zu spüren ist. Der Humor ist wieder etwas schwarzer und gehässiger, ähnlich der Ursprungsserie in den 90ern, ohne dabei an Herz einzubüßen. Man hat sich einiger unnötiger Charaktere entledigt (Danke! Bye Blue) und der Cast wirkt tausendmal eingespielter beziehungsweise entspannter. Das merkt man vor allem an Familienoberhaupt John Goodman, dessen Performance ich in den vergangenen Reviews als „müde“ bezeichnet hatte. Dabei war er kein bisschen alt oder gebrechlich, sondern hatte nur keine Luft, um schauspielerisch atmen zu können. In der zweiten Staffel haben wir einen immer noch trauernden, aber viel erkennbareren Dan Conner vor uns, der sich mit seinen Kindern öfter mal einen Schlagabtausch liefert - so, als wäre kaum Zeit seit den 9ßern vergangen - und auch zu den neueren Enkel-Charakteren besteht ein besserer Draht.
Schauspielerin Katey Sagal, die in der ersten Staffel als romantisch interessierte Bardame Louise eingeführt wurde, ist neuerdings als Hauptdarstellerin mit an Bord und eine gern gesehene Unterstützung. Sie und Dan geben ein ungeahnt gelungenes Bildschirmpaar ab, ohne den Tod der langjährigen Ehefrau unter den Tisch zu kehren. So leicht macht die Serie es den beiden zum Glück nicht. Die Beziehung braucht die gesamte zweite Staffel, um endlich zustande zu kommen, was man ihnen am Ende herzlich gönnt. In den dramatischen Momenten beweist Goodman erneut, wie gut er ist und was die Serie an ihm hat. Sagal steht ihm als abgebrühte Bardame und Musikerin mit Herz aus Gold in nichts nach. Durch das harte Pflaster von Lanford ist sie genauso raubeinig-gerissen, wie Roseanne es einst war, und humormäßig auf einer Wellenlänge mit Dan, den sie ebenso sofort durchschauen kann. Hätte uns damals jemand erzählt, dass Dan Conner aus Roseanne und Peggy aus Married with Children („Eine schrecklich nette Familie“) in 20 Jahren zusammenkommen werden, hätten wir dem Zeitreisenden aus der Zukunft vermutlich kein Wort geglaubt. Fernsehen kann manchmal komisch sein...

Viel besser zusammen passen in dieser Staffel auch Darlene (Sara Gilbert) und Bartmann Ben (Jay R. Ferguson), mit dem es langsam ernst wird. Das könnte daran liegen, dass Darlene sich wieder viel mehr nach der aneckenden Konträren anfühlt und Ben im Gegensatz zu David (Galecki) nicht ihr Punching-Bag, sondern ein ihr ebenbürtiger Kindskopf ist. Becky (Lucy Goranson) bekommt ihr Kind, das mit dem Namen Beverly-Rose nach Großmutter (Estelle Parsons) und Mutter benannt wird und überlegt später, ob sie sich zum Wohle des Kindes auf eine Ehe mit dem nach Mexiko abgeschobenen Vater Emilio (Rene Rosado) einlassen soll. Ansonsten macht Becky nicht viel, außer von der Seite schnippische Bemerkungen zu geben, was total in Ordnung ist, weil es zum neu entdeckten Comedytalent von Goranson passt. Was man mit dem in jeder Hinsicht unauffälligen DJ (Michael Fishman) anstellen soll, hat bis heute niemand herausbekommen, aber das war ja auch schon in den 90er Jahren der unfreiwillige Running Gag. Ein Gen, das auch seine nichtssagende Serientochter Mary (Jayden Rey) geerbt hat. Jedes Mal, wenn eine/r von beiden etwas sagt, bekommt man einen Schreck, weil man schon wieder vergessen hat, dass sie existieren.
Großmutter Beverly (Estelle Parsons) ist im hohen Alter immer noch eine Meistermanipulatorin und hat all die Jahre heimlich an der LunchBox festgehalten - dem alten Loose-Meat-Restaurant der Familie, dessen Räumlichkeiten in der Zwischenzeit an andere Inhaber vermietet wurden. Jackie und Becky bemühen sich um eine Neueröffnung der LunchBox als Eintopf-Restaurant, müssen aber erst an der garstigen Großmutter und schließlich Darlene vorbei, die mittlerweile die Vollmacht über Beverlys Geschäfte innehat. Wie so oft hilft den Conners kurzfristig eine bunte Geschäftsidee aus der Patsche, aber keine Sorge, das Thema der nicht enden wollenden Finanzschwierigkeiten verlässt die Sippe nicht so einfach. Bis zum Ende der Staffel ist Dan drauf und dran das Haus zu verlieren, weil er in Zahlungsverzug gerät und die Bank neuerdings nach einem Algorithmus Geschäfte macht. Natürlich ist Dan zu stolz und stur, Hilfe anzunehmen, vor allem, als Ben und Darlene ihm die Kaution ihrer ersten gemeinsamen Wohnung anbieten. Wie soll das erst werden, wenn die Corona-Pandemie die Familie noch weiter in die Armut stürzt, wie bereits angekündigt wurde?

Genau wie Becky und Darlene früher in dem Alter, sind sich auch das Badgirl Harris (Emma Kenney) und der Musterschüler Mark (Ames McNamara) sich noch nicht grün und befinden sich die meiste Zeit auf Kriegsfuß - besonders, als die manipulative Oma Geld zu verteilen hat. Harris zieht zeitweise bei ihrer Kifferfreundin Odessa (Eliza Bennett) ein, um ihr eigenes Ding drehen zu können und macht Mutter Darlene damit besonders Sorgen. Mark kommt lediglich in Schwierigkeiten, weil er in der Schule einen anderen Jungen geküsst hat, der hinterher nicht zugeben will, einvernehmlich rumgeknutscht zu haben. Ein späteres Rummachen mit der besten Freundin wird gegen Ende der Staffel eher Ben zu Lasten gelegt, der die beiden experimentierfreudigen Teenager ohne Aufsicht hat übernachten lassen. Auch einem erklärt schwulen Jungen kann ja mal der Mund ausrutschen, schließlich sind diese Dinge oft nicht in Stein gemeißelt.
Ähnlich offen für Experimente zeigt sich Jackie, als sie von einem verheirateten Paar (Marvel-Agent Clark Gregg und „Dirty Dancing“-Star Jennifer Grey, die auch im echten Leben ein Paar sind) in die offene Beziehung eingeladen wird, was tatsächlich nicht gerade wie ein übles Angebot wirkt. Der Autorenstab schien nach kurzer Zeit jedoch das Interesse an dieser Storyline und Beziehung verloren zu haben und ließ sie einfach fallen. Schade eigentlich, aber vermutlich standen Gregg und Grey der Serie auch nicht ewig zur Verfügung.
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Ein gleichzeitig neues und altes Familienmitglied wird mit Ed Jr. (Noel Fisher), dem Sohn von Dans Vater Ed (Ned Beatty) und Roseannes bester Freundin Crystal (Natalie West), eingeführt. Geboren wurde er in der Originalserie, aus der sogar Clips eingespielt werden. Nach dem Tod seines alten Herrn macht Dan erstmals die erwachsene Bekanntschaft seines sehr viel jüngeren Halbbruders, der im Gegensatz zum Conner-Witwer ein gutes Verhältnis zu Ed pflegte und Dan die Abwesenheit in dessen Leben vorwirft. Dan hingegen konnte seinem Vater nie verzeihen, dass er seine psychisch Kranke Mutter verlassen hatte und kann nicht glauben, dass sein Vater seinen späten Sohn im Gegensatz zu ihm aufs College geschickt hat. Die zwei versöhnen sich schließlich, Harris macht sich beinahe an Ed Jr. heran und dann verschwindet er auch fast schon wieder bis auf Cameos in Dans Pokerrunde, die nach wie vor mit Chuck (James Pickens Jr.) und Co. stattfindet.
Wenn man auf eine Sache hätte verzichten können, ist es die live ausgestrahlte Publicity-Stunt-Folge zum New Hampshire Primary der Demokratischen Partei 2020 (Live From Lanford). Sie drehte sich nicht wirklich um das politische Hintergrundthema und hatte hauptsächlich sehr einfach gestrickte Dialoge, um es den Darstellerinnen und Darstellern der Serie für die Live-Sendung leichter zu machen. Dann doch lieber wieder Halloween-Specials oder Fantasy-Folgen als Gimmick, in denen die Conners auf andere Serienfiguren treffen oder selbst deren Rollen einnehmen wie im Gilligan-Special. Die Conners treffen die Johnsons aus Black-ish vielleicht?
Fazit
Es hat gedauert, aber mit der zweiten Staffel von The Conners ist die gebeutelte Sitcom-Sippe aus Lanford endlich so weit, dass man sich wieder jede Woche auf neue Folgen freuen kann. Natürlich wirkte es anfangs etwas zynisch, ein Spin-off ohne den eigentlichen Titelstar zu etablieren, aber die ungelenken Startschwierigkeiten scheint man zusammen mit allen anderen Problemen in der ersten Staffel gelassen zu haben. Season zwei fühlt sich fast ein wenig wie eine der mittleren Staffeln aus dem Silver Age von Roseanne an - mit John Goodman und Sara Gilbert in Bestform und mit neuen Partnerschaften, die bis zum Ende der Staffel absolut abgesegnet werden können. Der exhumierte Serienzombie ist immer noch weit entfernt von einem Attribut wie „großartig“, aber immerhin steckt wieder mehr Leben und Humor in ihm... Vor allem für Zuschauerinnen und Zuschauer, die die Conners noch von früher kennen.
Eine dritte Staffel von „The Conners“ wurde immer noch nicht offiziell von ABC in Auftrag gegeben, ist aber bei den guten Einschaltquoten reine Formsache und müsste jetzt jeden Tag durchgewunken werden.
Hier abschließend noch der Trailer zur zweiten Season der US-Serie „The Conners“:
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Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 8. Mai 2020The Conners 2x20 Trailer
(The Conners 2x20)
Schauspieler in der Episode The Conners 2x20
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