The Chicago Code 1x13

The Chicago Code 1x13

Ronin Gibbons antwortet auf Teresas Attacken mit einem Gegenschlag unter die Gürtellinie, aber wird ihn seine Überzeugtheit vom eigenen Tun vor dem Fall retten können? Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev ist immer noch im Besitz eines Videorekorders.

Jarek und Caleb finden die entscheidenden Beweise / (c) FOX
Jarek und Caleb finden die entscheidenden Beweise / (c) FOX

Während manche The Chicago Code für seine Langsamkeit kritisieren, hielt die Serie in meinen Augen stets eine gute Balance zwischen dem Schritt nach vorn und dem Schritt zurück. Die FOX-Serie arbeitete geschickt aus der Vergangenheit der Figuren heraus und lieferte gleichzeitig neue Situationen, die ihr Leben und den Rückblick in jene Vergangenheit verändern konnten. Darin liegt auch die Stärke des Finales: in dem Spiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, obwohl Mike Royko's Revenge teilweise überhastet wirkt. Ausgerechnet Vincent Wysocki ist diejenige Figur, die Ronin Gibbons zu Fall bringt. Aber dafür zahlt die Familie Wysocki den Preis.

The Chicago Code zeigt uns, dass es bei solchen Korruptionsskandalen keine einfache Lösung gibt, sondern immer ein Domino-Effekt eintritt. Gewinner wird, wer den fallenden Steinen ausweichen kann - wenn auch nur kurzzeitig. Am Anfang der Episode sehen wir, wie Ronin Gibbons (Delroy Lindo) immer noch die Fallrichtung verändern will, so dass sie Teresa und nicht ihn unter sich begraben. Jarek Wysocki (Jason Clarke) soll dabei für Gibbons die Steine aufhalten, damit dieser Zeit bekommt, um ein standfestes Hindernis um sich herum zu errichten.

Jareks Belohnung besteht in der Wahrheit über seinen Bruder Vincent. Gibbons rechnet mit Jareks Geradlinigkeit und seinem Verharren in einer Vergangenheit, in der das Wysocki-Familienleben noch in gewissem Sinne intakt war. Gleichzeitig vergisst Gibbons selbst, einen Blick in diese Vergangenheit zu werfen: in die Zeit, als er noch nicht alles und jeden unter Kontrolle hatte. Er konzentriert sich zu sehr auf die Gegenwart. Der Blick in Gibbons' Vergangenheit war bisher begleitet von seinem Voice-Over und angefüllt von Überzeugung von den guten Taten, die er in Chicago vollbracht hat. Sein fester Glaube an die eigene Richtung lässt ihn seelenruhig auf den Bahngleisen entlang gehen: in dem sicheren Glauben, dass ein kommender Zug das andere Gleis nehmen wird.

Die Wahrheit um Jareks Bruder erweist sich als die Schaltzentrale, von der aus die Weichen für die fahrenden Züge gestellt werden. Vincent war ein dreckiger Cop und nahm Schmiergelder sowohl von der russischen als auch von der irischen Mafia an, nutzte aber seine Lage jenseits bürokratischer Arbeit dafür, an Informationen über alle und jeden zu gelangen - unter anderem auch über Ronin Gibbons. An Vincent Wysockis Geschichte demonstriert The Chicago Code exzellent den Kern der eigenen Thematik, nämlich der Grauzone zwischen Schwarz und Weiß. Wie soll man eine Stadt "sauber" bekommen, wenn nur "dreckige" Deals dazu führen können? Ist das Bestrafen eines vermeintlichen Polizistenmörders wichtiger als die Überführung eines Politikers, der für die Stadt auch Gutes getan hat?

Nachdem Gibbons die ihm ergebene Lily dazu bewegen kann, vor aller Augen Killian zu erschießen, steht Teresas Fall am Abgrund. Gleichzeitig findet The Chicago Code die Zeit, uns noch einmal vor Augen zu führen, dass Teresa (Jennifer Beals) auf ein ganzes Leben verzichtet, nämlich ihr eigenes, um ihren Job gut zu machen. Übrigens stecken die Szenen zwischen Jennifer Beals und Adam Arkin (als FBI Special Agent) voller Charme; sie kommen gleichzeitig humorvoll und voller Trauer daher. Eine ihrer besten Szenen im Verlauf der Serie darf Jennifer Beals spielen, als Teresa am Schluss der Episode in einer Bar mit einem Unbekannten flirtet, der sich wegen einer Tagung in Chicago aufhält. Trauer und Einsamkeit vermischen sich mit der Standhaftigkeit, dieses Leben selbst gewählt zu haben und hinter der Entscheidung zu stehen.

Die wirklich zufrieden stellenden Minuten im Serienfinale bringt jedoch Gibbons' Verhaftung vor den Augen der Öffentlichkeit durch Teresa und Jarek. Der Abschluss zu den Klängen von "I Dream of Chicago" von Parlours macht durchaus zufrieden, wenn auch die erste und einzige Season von The Chicago Code die eine oder andere Schwäche hatte - FOX gab der Serie nicht die Zeit, um mehr aus ihrem Potential zu machen und eine noch mannigfaltigere Chicago-Welt aufzubauen, wie es allemal in Shawn Ryans Möglichkeiten gelegen hätte.

Ob The Chicago Code einen anderen Sender findet, die Erfolgsgeschichte von Southland wiederholt und ihren Traum von Chicago weiter träumen darf, ist zu bezweifeln, aber nicht unmöglich. Und wenn es auch bei der einen Staffel bleibt: Sie war alles andere als schlecht.

Verfasser: Vladislav Tinchev am Mittwoch, 25. Mai 2011
Episode
Staffel 1, Episode 13
(The Chicago Code 1x13)
Titel der Episode im Original
Mike Royko's Revenge
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 23. Mai 2011 (FOX)
Autoren
Shawn Ryan, Christal Henry
Regisseur
Lesli Linka Glatter

Schauspieler in der Episode The Chicago Code 1x13

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