The Chicago Code 1x07

Der Rhythmus einer ErzĂ€hlung, nicht nur staffelĂŒbergreifend, sondern auch innerhalb einer Episode, kann manchmal den Unterschied zwischen einer guten und einer sehr guten Serie machen. Oft kommt es nicht nur auf das "Was" an, sondern darauf, wie erzĂ€hlt wird. Damit ist nicht von der berĂŒchtigten erzĂ€hlerischen KomplexitĂ€t die Rede, sondern vom Erschaffen eines Feelings, einer AtmosphĂ€re, welche die Zuschauer als Markenzeichen einer Serie empfinden.
Der Aufbau der TCC-Episoden gefĂ€llt mir immer besser. Auch Black Hand and the Shotgun Man drĂ€ngt ihre Wucht und ihr Tempo dem Zuschauer nicht mit besonders dramatischen Szenen oder ausgiebigen Actionsequenzen auf, sondern lĂ€sst uns alles unter der OberflĂ€che spĂŒren. Die Episode beginnt an einem Punkt, wo Cop-Serien-Episoden ĂŒblicherweise enden: Normalerweise erwischt man einen mĂ€chtigen Drogenbaron, wie im Fall Romero, nach rasanter Jagd erst zum Schluss, aber in TCC dauert es nur fĂŒnf Minuten - am Anfang der Episode.
Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die darauf folgende Handlung unspektakulĂ€r wĂ€re; vielmehr ist die Serie immer mehr bemĂŒht, Geschichten unter der OberflĂ€che weiter zu flechten. TCC umkreist ihr Zentrum, indem sie ihm mit jeder Episode neue und unterschiedliche Facetten hinzufĂŒgt. Sehr schön bringt man hier Jareks (Jason Clarke) Beziehungsprobleme mit den familiĂ€ren Strukturen zusammen, die Chicago auf die eine oder andere Weise zum Funktionieren bringen.
So geht es im Fall Romero nicht so sehr um den Krimi-Plot, sondern um das Fokussieren der Kamera auf Jareks Gesicht in den Szenen mit Romero und seiner Familie. Wenn man so will, ist Jarek zwischen Familien gefangen - und das bereitet ihm schlaflose Tage und NÀchte. Welche Familie wird er wÀhlen? Kann er gleichzeitig zu zwei Familien gehören?
„Welcome to the Family!“ Das sagt Stadtrat Gibbons (Delroy Lindo) zu Liam (Billy Lush), und man kann auch ein Willkommen an dessen Figur als solche innerhalb der TCC-ErzĂ€hlung heraushören. Denn bisher hatte man immer das GefĂŒhl, dass Liam irgendwie nicht hineinpasse, seinen Platz nicht finden könne und darauf reduziert sei, kurze hektische Nachrichten zu ĂŒbermitteln.
Seine Aufnahme in die TCC-Welt vollzog sich zwar eigentlich schon letzte Woche, auf grausame Art und Weise. Aber diese grausame Zugehörigkeit zur Familie kristallisiert sich fĂŒr die Figur erst jetzt heraus, bei seinem neuen Job fĂŒr Gibbons. Liam steigt in der Hierarchie auf und darf in dieser Episode Gibbons durch die Stadt fahren, damit dieser WĂ€hlern sein Beileid aussprechen kann, die kĂŒrzlich ein Familienmitglied verloren. Obwohl man von Gibbons einiges erwarten kann, kommt man dennoch nicht darauf, was er mit Liam macht - bis zum letzten Besuch. Liam wird von Gibbons dazu gebracht, Blumen zu ĂŒberreichen, und zwar ausgerechnet der Ehefrau, deren Mann im von Liam gelegten Feuer starb. Nicht nur zeigt Gibbons Liam, dass er massiven Druck auf ihn ausĂŒben kann. Er erteilt ihm eine Lektion darĂŒber, dass halbe Sachen in Chicago nicht funktionieren.
Ungewollt bringt Gibbons Liam jedoch mit dieser Lektion dazu, seine Zweifel zu ĂŒberwinden und Teresa (Jennifer Beals) in einem Treffen am Ende seines vollen Einsatzes zu versichern. Teresa bekommt in dieser Episode recht wenig zu tun, aber ihre Szenen mit dem fĂŒr Romeros Fall verantwortlichen FBI-Agenten (Adam Arkin) haben die gewisse Chemie, die uns Arkins regelmĂ€Ăige PrĂ€senz in der US-Serie wĂŒnschen lĂ€sst.
Am Ende der Episode zeigt die Kamera Jarek von drauĂen durch das Fenster, wie er zu Hause bei seiner Verlobten sitzt und auf die Hochzeitseinladungen starrt. Was dort geschrieben steht, scheint nicht die Lösung zu sein...
Verfasser: Vladislav Tinchev am Mittwoch, 23. MĂ€rz 2011(The Chicago Code 1x07)
Schauspieler in der Episode The Chicago Code 1x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?