The Boys 2x01

© zenenfoto aus der neuen Season der US-Serie The Boys (c) Amazon Prime Video
Mit der Episode The Big Ride meldet sich The Boys bei Amazon Prime Video zurück. Das Team ist nach den Ereignissen des letzten Staffelfinales untergetaucht und zerbricht sich kollektiv den Kopf beziehungsweise debattiert über die nächsten Schritte. Homelander (Antony Starr) versucht derweil nach dem gewaltsamen Ausscheiden von Madelyn Stillwell (Elisabeth Shue), mehr Kontrolle über Vought an sich zu reißen, stößt dabei aber auf unerwartete Gegenwehr.
Wenn man wissen möchte, was einen in der Folge so erwartet, kann man sich in diesem Fall von der Episodenbeschreibung bei Amazon, die sehr gelungen im Stil eines PR-Textes verfasst ist, der auch von Vought selbst stammen könnte, akkurat informieren lassen: „Staffel 2! Neu und verbessert! Jetzt mit 50 % mehr explodierenden Köpfen, Terroristen, S&M-Nutten und - ganz neu - frischem Pinienduft! Wir bieten doppelt so viel Blut, Splatter und Eingeweide wie die anderen Marken!“
Was den Pinienduft anbetrifft, bin ich mir zwar nicht so sicher, aber alles andere lässt sich definitiv so unterschreiben, denn das bekommt man in der Episode auch tatsächlich zu sehen. Die PR-Maschine von Vought rollt wieder mit voller Geschwindigkeit und schlachtet die Tode von Translucent und Stillwell mit maximalem Vorteil für die Firma aus. Dabei hängt, wie beinahe zu erwarten, dem verschollenen Billy Butcher (Karl Urban) das Schicksal Stillwells an. Auch nach dem Rest der Gang wird mittlerweile gefahndet, so dass sie Unterschlupf bei einigen von Frenchies (Tomer Capon) Gangsterkollegen suchen mussten.
Die desillusionierte Starlight (Erin Moriarty) ist inzwischen entschlossener denn je, ihre korrupten Kollegen und deren Konzern zu Fall zu bringen. Zu diesem Zweck arbeitet sie bereits mit Hughie (Jack Quaid) an einem Plan, an eine Probe von Compound V zu gelangen und schreckt bei der Umsetzung des besagten Plans auch nicht vor ein bisschen Erpressung zulasten eines ihrer alten Bekannten zurück.
In der Zentrale von The Seven wird bereits fieberhaft nach neuen Mitgliedern für das Team gesucht. Ashley (Colby Minifie), welche die Nachfolge von Stillwell angetreten hat, arbeitet bereits daran, wird aber von Homelander, der nur für einen kurzen Moment seine psychopatische Fratze unter der kontrollierten Freundlichkeit herausholt, schnell aus ihrer Naivität gerissen und bekommt unmissverständlich eingebläut, dass er nun das Zepter an sich zu reißen gedenkt. Das wird allerdings von der Führungsebene sabotiert, als ihm in Form von Stormfront (Aya Cash) eine neue Kollegin ohne sein Einverständnis vor die Nase gesetzt wird. Als er dies erbost vor CEO Edgar zur Sprache bringt, muss er feststellen, dass er, was die Raffinesse anbetrifft, in diesem einen möglicherweise ebenbürtigen Gegenspieler gefunden hat.
Während The Deep (Chace Crawford) weiterhin in eine Existenzkrise hineintrudelt und schließlich mit Aussicht auf Wiedereinstellung bei The Seven ein Rehabilitationsangebot einer Sekte unterbreitet bekommt, werden die Boys auf einen eingeschleusten Terroristen-Supe aufmerksam. Diese Info teilen sie auch mit CIA Deputy Director Susan Raynor (Jennifer Esposito), die dabei jedoch einen plötzlichen und unverhofften explosiven Abgang macht, so dass sich Hughie und Co im Anschluss einmal wieder die Stückchen aus der Frisur picken dürfen. Doch nach diesem Moment der Aufruhr erscheint ein fieser selbstbewusster Engländer, dem sie zutrauen, das Blatt zu wenden: Billy Butcher ist zurück!
The Boys Are Back in Town
Vielleicht die beste Nachricht vorweg, denn man merkt es bereits nach ein paar Minuten: Am Stil von The Boys hat sich absolut nichts verändert. Der beißende tiefschwarze Humor, die abgedrehten Figuren sowie der mitunter exzessive Gewaltgehalt sind geblieben und werden eher noch weiter auf die Spitze getrieben. Über die großzügige Anwendung des roten Lebenssafts lässt sich sicherlich diskutieren, aber er reiht sich unbestreitbar passend zu den sonstigen ungefilterten Inhalten der Serie ein. Wer also die erste Season mochte, der kann ziemlich sichergehen, hier weiter beste Unterhaltung zu finden, da man weiterhin auf Kurs bleibt.
Schnell sticht vor allem wieder Antony Starr als Homelander heraus, der seine Sache wieder so verdammt gut macht, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen, wenn man seine Figur erblickt. Wie er der armen Ashley (Colby Minifie) mehr als nur deutlich macht, dass sie für ihn arbeitet und nicht umgekehrt, ist gleichzeitig amüsant und furchterregend und es ist aus schauspielerischer Sicht fantastisch mit anzusehen, wie fließend der Superpsychopath zwischen seinem grausamen Ich und dem freundlich grinsenden Superhelden von nebenan wechseln kann. Homelander wirkt einfach in jedem Augenblick wie eine tickende Zeitbombe und ist dadurch ein großartiger Antagonist. Umso interessanter war es zu erleben, wie jemand in Form von Stan Edgar es wagt, ihm Paroli zu bieten. Es braucht hierfür schon einen Schauspieler mit der charakterlichen Präsenz von Giancarlo Esposito, um diese Konfrontation ebenbürtig wirken zu lassen.

Beim technischen Niveau ist ebenfalls alles sehr hochwertig geblieben und vor allem die fiktive Welt der Serie wird sehr glaubwürdig dargestellt, was man allein anhand der aufwendig inszenierten Stadt erlebt, was anhand Werbebannern der Supes bis hin zu kleinen Details wie umherfliegenden Helden im Hintergrund zu bewundern ist. Was die Charaktere und ihre Motivationen betrifft, so sind diese klar und nachvollziehbar definiert. Starlight (Erin Moriarty) hat es beispielsweise mehr als nur satt, von allen um sie herum geblendet zu werden (pun intended) und hat kein Problem mehr damit, sich ein wenig die Hände schmutzig zu machen, um das ganze Lügengebilde zu Fall zu bringen. Hugie (Jack Quaid) hingegen ringt immer noch mit sich, um zu akzeptieren, dass sie mittlerweile (zu) tief in der ganzen Sache mit drinsteckt. Die makabere Nebeneinkunft ihres ehemaligen Kirchenkumpels ist dabei ein eindeutiges Beispiel dafür, wie düster die Fantasie von Garth Ennis und den Machern stellenweise werden kann.

Dafür gibt es aber auch wie gewohnt genügend witzige Szenen wie etwa Homelanders und Ashleys Interaktionen nach ihrem klärenden Gespräch oder Deeps tragikomischer Ausflug in den Wasserpark. Wo genau man mit Deep hin will, ist derzeit noch ziemlich offen, aber sicherlich wird er bald auf eine der Fraktionen wie die Boys treffen. Was genau die „freundliche“ Selbstfindungssekte mit ihm vorhat, ist auf jeden Fall spannend („don't drink the kool... ähm the Fresca!“). An allen Ecken und Enden bauen sich spürbar die Plotpunkte auf, so dass man das Gefühl bekommt, dass der Staffeleinstand einen guten Job macht, die Grundbausteine für die weiteren Episoden zu legen. Wenn es einen Schwachpunkt gibt, dann ist es vielleicht die fehlende Anwesenheit von Billy Butcher, denn man darf ihn getrost als das Herzstück der Serie bezeichnen und in der kurzen Minute, in der er auftaucht, bringt Karl Urban direkt eine von Charisma durchzogene charakterliche Präsenz auf den Bildschirm, welche der Serie noch einen ganz besonderen Touch verleiht...
Fazit
The Big Ride mag vielleicht ein wenig unter der fehlenden Anwesenheit von Billy Butcher leiden, doch dem wird ja nun offensichtlich Abhilfe für die kommenden Episoden geschaffen. Insgesamt baut die Episode Storylines und Charaktere so auf, wie es ein Staffelstart machen sollte und ganz generell spielt die Serie weiterhin ihre Stärken aus. Ebenso bleibt sie ihrem in jedweder Hinsicht expliziten, aber auch einzigartigen Stil treu, weswegen man sich nach dem Gezeigten eigentlich absolut keine Sorgen macht, diese Staffel nicht ebenfalls sehr gute Unterhaltung auf höchstem Niveau präsentiert zu bekommen. Wer die erste Season also mochte, wird hier garantiert ebenso auf seine Kosten kommen.
Hier der Trailer zur zweiten Staffel von The Boys:
Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 4. September 2020The Boys 2x01 Trailer
(The Boys 2x01)
Schauspieler in der Episode The Boys 2x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?