The Blacklist 8x14

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Misere
Bereits seit mehreren Wochen durften wir uns fragen, ob wir noch eine Episode erhalten, die uns aus der Perspektive von Elizabeth Keen (Megan Boone) erzählt, was seit ihrem Verschwinden alles passiert ist. Insbesondere, wie sie diverse Personen auffinden und für ihre Zwecke nutzen konnte, wie ihre Zusammenarbeit mit Neville Townsend (Reg Rogers) funktioniert und zuletzt auch, wie Anne (LaChanze) aufgespürt werden konnte und der Cliffhanger von letzter Woche ausgeht.
Misere beinhaltet Antworten auf diese Fragen. Liz war in der Vergangenheit stets in Reichweite, immer leicht außerhalb unseres Blickfelds. Das konnten wir in vergangenen Episoden spüren, jetzt wird es uns noch einmal direkt gezeigt. Ferner werden die meisten Vermutungen, wie die Entwendung des USB-Sticks, der anschließend Cooper (Harry Lennix) zugespielt wurde, die Befreiung und der Einsatz des Freelancers (Daniel Sauli), der Tod von Mary Bremmer (Francesca Faridany) und vieles, vieles mehr bestätigt und erläutert.
Unterstützung erhält Liz dabei von Mr. Kaplan alias Kathryn Nemec (Susan Blommaert), die ihr wie ein „Teufelchen auf der Schulter“ erscheint und Tipps zur weiteren Vorgehensweise gibt: „The enemy of your enemy is your friend.“ - um ein anfängliches, wichtiges Beispiel zu geben. Und Lizzie hadert mit dieser empfohlenen Vorgehensweise, die sie dazu zwingt, Grenzen zu überschreiten, die nicht überschritten werden sollten. Aber mehr dazu gleich.
Insgesamt liefert uns Misere nicht viel Neues, füllt storytechnisch lediglich ein paar Lücken auf, die man sich als Zuschauer selbst zusammenreimen konnte. Wichtiger sind die charakterlichen Einblicke in Lizzies Psyche, ihr Umgang mit diversen Situationen und die Konsequenzen, die sie daraus zieht oder nicht zieht. Letzteres wird bestimmend dafür sein, ob man sich ihr als Zuschauer noch annähern kann oder nicht.
Elend
Eine Sache wird uns nicht nur durch den Episodentitel direkt aufgezeigt. Denn Elizabeth Keen befindet sich, nachdem sie zusammen mit Skip (Drew Gehling) Raymond Reddington (James Spader) um einige Millionen erleichtert hat, an keinem guten Ort. Ihre erste Station soll ein gewisser Mr. French sein, der schon damals Katarina Rostova (Laila Robins) geholfen hat. Aber hier hat Red offenbar Vorkehrungen getroffen, so dass Team Liz lediglich dessen Frau (Victoria Clark) antrifft, die sich als äußerst freundlich erweist und einen Unterschlupf anbietet. Während Mrs. French Agnes (Hazel Mason und Ginger Mason) Geschichten erzählt, erhält Liz Besuch von Mr. Kaplan, die ihr aufzeigt, wie sie gegen Red anzutreten hat.
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Die Rückkehr von Susan Blommaert ist in erster Linie erfreulich, auch wenn sich ihre Auftritte lediglich in Lizzies Gedankenwelt abspielen und ihr den Weg ins Elend ebnen. Es lässt sich leicht vermuten, dass die Ermordung von Katarina durch Red zu viel für Liz war. Vielleicht hatte sie einen Nervenzusammenbruch, vielleicht auch nicht. Aber einen heftigen „Knacks“ hat sie abbekommen, anders lässt sich Kate als gedankliche Wegweiserin kaum erklären. Und Liz folgt diesem Weg, auch wenn immer wieder durchscheint, dass sie große Probleme dabei hat.
Die erste große Hürde besteht aus der angestrebten Partnerschaft mit Neville Townsend, den Liz als den Feind ihres Feindes gegen Red einzusetzen gedenkt. Der Mord an Mary - eine Voraussetzung von Neville für die weitere Zusammenarbeit - zeigt uns bereits, wie unwohl sich Liz hier fühlt. Aber auch alle weiteren Wegpunkte wie die Folter von Max (Dikran Tulaine) oder kurz danach Dembe (Hisham Tawfiq) zeigen uns auf, dass Elizabeth nicht auf der „dunklen Seite der Macht“ enden möchte. Townsends Methoden sind ihr zuwider und mit den Einblicken, die wir diese Woche erhalten, wird deutlich, dass (fast) alle Todesfälle und Folterungen auf sein Konto gehen. Der Höhepunkt wird schließlich in Anne mit dem Angriff auf die Polizeistation erreicht, denn danach sagt Liz sich von Neville los.

Skip warnte eingangs, dass es keine gute Idee ist, mit Townsend zusammenzuarbeiten (Stichwort: „poking the bear“), denn der lässt sich nicht kontrollieren. Hier findet sich auch ein bedeutender Unterschied, denn so sehr Liz auch darauf aus ist, in den Fußstapfen von Raymond Reddington unterwegs zu sein und ihn damit zur Strecke zu bringen, fehlt ihr das wichtige Element der Kontrolle, welches Red oft einsetzen kann, um seine Ziele zu erreichen. Lizzie ist keine Strippenzieherin im Hintergrund. Sie kann zwar sehr findig sein, wenn sie sich beispielsweise an Isabella Zuma (Danaya Esperanza) wendet und mit deren Hilfe Gespräche zwischen Dembe und Red belauschen kann oder später, wenn sie in ersten Kontakt mit Anne tritt und deren Vertrauen gewinnt. Aber sie ist nie in der Lage, drohende Eskalationen zu verhindern.
Die letzten Minuten
Der letzte Satz macht sich schließlich auch in der Auflösung des Cliffhangers von letzter Woche bemerkbar. Hier kann sich Liz nicht mehr ihrer Verantwortung entziehen, denn ohne ihren Eingriff wäre Anne nicht mit dem Kopf auf der Tischkante gelandet. Zwar erhält sie ihre Chance, die Waffe auf Red zu richten und könnte den Abzug betätigen, aber sie kann es nicht durchziehen.
Das „Elend“ erreicht seinen Höhepunkt, denn Liz sagt sich von der „dunklen Stimme“ los, die sie drängt, den Abzug zu drücken. Aber um Anne steht es nicht gut, ob sie überlebt, bleibt fraglich. Wie viel Anne für Raymond bedeutet, muss in diesen letzten Szenen auch Liz klar werden, womit das Elend seinen weiteren Lauf nimmt. Vielleicht kann sie deshalb nicht auf ihn schießen. Sicher dürfte derweil sein, dass Raymond nun seinerseits in den Rachemodus übergehen wird. Und vielleicht ist auch ein gewisser Neville Townsend nicht erfreut über die Beendigung der Partnerschaft. Kurzum hat sich Lizzies Lage mit dem Ausgang dieser Folge weiter verschlechtert und es wird sicher spannend zu sehen, wie ihr weiterer Werdegang von den jüngsten Geschehnissen beeinflusst wird.

Fazit
Eine durchaus interessante Folge aus der Sicht von Elizabeth Keen, die ein paar Lücken der vergangenen Fälle füllt und aufzeigt, wie es charakterlich um unsere Hauptprotagonistin steht. Im Vergleich zur Vorwoche allerdings die deutlich schwächere Episode, denn trotz aller Erklärungen und Einblicke fällt es extrem schwer, noch irgendwelche Sympathien für Liz aufzubauen, die zwar mit ihrem eingeschlagenen Weg hadert, aber bis zuletzt und oft ohne Kontrolle eine leidvolle Situation nach der anderen hinaufbeschwört. Von mir gibt es diese Woche drei von fünf Sternen. Und von euch?
Hier der Trailer zur nächsten Episode (8x15) von The Blacklist:
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 24. April 2021The Blacklist 8x14 Trailer
(The Blacklist 8x14)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 8x14
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