The Blacklist 8x08

© he Blacklist: Ogden Greeley (NBC)
Ogden Greeley
Mit Ogden Greeley wird uns eine weitere ungewöhnliche Episode prĂ€sentiert. Der Fall der Woche um Ogden Greeley (Christopher Kelly) steht weniger im Vordergrund, eine Verbindung zu Elizabeth Keen (Megan Boone) gibt es diesmal nicht und die PrĂ€misse um die anstehende Auktion wirkt kaum glaubwĂŒrdig. Stattdessen konzentriert sich die Episode auf Harold Cooper (Harry Lennix) und Raymond Reddington (James Spader), die parallel zum Fall je ein Abenteuer der anderen Art erleben, welches gegen Ende eine Entscheidung erfordert.
Der groĂe Storybogen um Liz ruht diese Woche, es gibt keinerlei Fortschritte zu den entschlĂŒsselten Daten des USB-Sticks und auch keine Hinweise darauf, ob Red diesbezĂŒglich auf Cooper aufmerksam geworden ist. Auf den ersten Blick also eine FĂŒllfolge, die fĂŒr den weiteren Verlauf der Staffel nicht weiter wichtig ist. Blickt man allerdings auf die Konversationen zwischen Harold und Red, wird deutlich, dass die Beziehung der beiden ausgebaut wird. Harold wendet sich bei dem ihm offerierten Angebot um einen Senatsposten an Red und nutzt dessen Netzwerk spĂ€ter auch, um herauszufinden, weshalb er der Bedingung des Senators Brian Warwick (John Shea) nicht nachkommen und das Angebot ablehnen sollte. Red wird derweil durch Anne (LaChanze) auf die VorzĂŒge eines „normalen“ Lebens aufmerksam gemacht und erhĂ€lt von Cooper den Tipp, dieses ordinary life doch einmal auszukosten. Kurzum steht weniger der Fall der Woche als vielmehr der gegenseitige Einfluss der beiden aufeinander im Vordergrund und entsprechend wird auch betont, wir sehr sich beide Figuren seit Beginn der Serie verĂ€ndert haben, ja, nĂ€her zusammengerĂŒckt sind.
Mit Blick auf die Forderung von Sikorsky (David E. Harrison) - wir erinnern uns kurz, dass Red Cooper ausschalten soll, falls er Zugriff auf die Daten erhĂ€lt - ist es wichtig, dass wir einen vertieften Einblick bei beiden Figuren erhalten. Denn je gefestigter der gegenseitige Umgang miteinander ist, umso gröĂer wird der Konflikt fĂŒr Red, sollte er tatsĂ€chlich gezwungen werden, den Abzug zu drĂŒcken (oder davon absehen). Insofern leistet Ogden Greeley Vorarbeit zu dieser (sicher kommenden) Auseinandersetzung. Und ich bin noch immer am Zweifeln, wie gut oder schlecht Coopers Chancen stehen. Ob Reds Entscheidung, Anne vor dem Kino stehenzulassen, als Hinweis darauf dienen soll, dass er im Zweifelsfall doch den Abzug betĂ€tigt? Abwarten.
Fall der Woche
Der Fall der Woche steht und fĂ€llt mit der prĂ€sentierten PrĂ€misse. FĂŒr mich funktioniert die kaum, was nicht daran liegt, dass Liz dieses Mal nicht die FĂ€den in der Hand hĂ€lt. Sondern vielmehr daran, dass ich es fĂŒr höchst zweifelhaft halte, dass ein einzelner Mitarbeiter/Entwickler in der Lage sein soll, LĂŒcken und Technik des US-Verteidigungsapparates derart gut zu kennen, dass er sie (wie in den ersten Szenen der Folge gezeigt) ausnutzen kann. Und das auch noch dauerhaft. SĂ€mtliche Zugriffe auf die Technik durch Ogden Greeley wĂŒrden wohl - ob der Mitarbeiter nun entfĂŒhrt wurde oder nicht - gesperrt und selbst bei vorhandenen LĂŒcken ist es nur schwer vorstellbar, dass ein Zugriff von auĂen - ĂŒberhaupt und noch dazu wie hier gezeigt - möglich ist.
Aber gut, nehmen wir einmal an, Ogden ist tatsĂ€chlich dazu in der Lage. Dann fehlen uns in Bezug auf seine Person noch wichtige Eckdaten, die uns seine Motivation nĂ€herbringen. SchlieĂlich hĂ€lt seine Frau Alice (Kersti Bryan) es fĂŒr unmöglich, dass Ogden einen so groĂen Verrat begeht und obendrein die eigene Familie im Stich lĂ€sst. Auch von Nina Kurylenko (Annie HĂ€gg) bekommen wir nur kleinere Hinweise darauf, wie sie Ogden um den Finger gewickelt hat. Allerdings nicht soweit, dass er ihrem Land exklusiv eine Offerte macht. Bleibt Geld als Motiv. Geld dafĂŒr, dass der Höchstbietende mit Leichtigkeit einen Erstschlag gegen die Vereinigten Staaten ausĂŒben kann, wodurch ein dritter Weltkrieg losgetreten werden könnte. Ob Ogden soweit denkt? Fraglich.
Was ich dem Fall aber zugutehalte, ist die Auseinandersetzung mit gezielten Drohnenangriffen gegen Terroristen. Dieses brisante Thema kommt immer wieder mal in die Medien (siehe zum Beispiel hier) und wird nicht zuletzt wegen der KollateralschÀden scharf kritisiert. Als es in der Folge darum geht, Ogden am Verkauf seiner Ware zu hindern, zieht Cooper eine gezielte Tötung des Blacklisters in ErwÀgung und hÀtte die vermutlich auch durchgezogen, wenn jemand anderes als Red und Dembe (Hisham Tawfiq) als KÀufer auf der BildflÀche erschienen wÀren. Heikel.
Wobei die Ăberraschung mit Red als KĂ€ufer durchaus gelungen ist. WĂ€hrend der Folge gab es immer wieder kleine Hinweise auf einen groĂen Deal, fĂŒr den er jede Menge Geld zusammenkratzt. Aber dass er am Ende derjenige ist, der das gröĂte Angebot bei Ogden abliefert, habe ich nicht kommen sehen. AuĂerdem wissen wir jetzt, wie Cooper sich verhĂ€lt, wenn Reds Leben auf dem Spiel steht. Gut möglich, dass Raymond Ă€hnlich reagieren wird, wenn es (wie oben weiter angemerkt) zur gegenteiligen Situation kommt.

Harold Cooper
Harold Cooper als Senator? Diese Frage hat nicht nur ihn und seine Frau Charlene (Valarie Pettiford) beschĂ€ftigt. Auch unsereins hat sich gefragt, ob und wie es mit der Taskforce wohl weitergehen könnte, sollte Harold diese „Beförderung“ annehmen. Allerdings klang das Angebot von Beginn an ein wenig zu gut, um wahr zu sein. Und am Ende lehnt Cooper ab, weil er der daran geknĂŒpften Bedingung keinesfalls Folge leisten will, offenbart sie Senator Warwick doch schlieĂlich als weniger feinen Kerl, der seinem Sohn betrĂ€chtliche Staatssummen zukommen lĂ€sst.
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Anne
Harold hĂ€tte das Angebot natĂŒrlich trotzdem annehmen und der Bedingung nicht Folge leisten können. Was hĂ€tte Warwick schon machen sollen? Aber wie Red richtig anmerkt, ist Harold ein Mann mit Prinzipien und eines davon ist, dass er sich an sein Wort hĂ€lt. Er mag sich nicht immer an die Regeln halten, weiĂ, dass manche Situationen weder schwarz noch weiĂ, sondern grau daherkommen und zĂ€hlt auch einige Dinge auf, die ihn zu einer möglicherweise fragwĂŒrdigen Figur machen. Aber Red hat recht, denn Harold behĂ€lt trotz allem stets das groĂe Ganze im Auge und sieht entsprechend in der Taskforce noch immer ein gutes Mittel, um Verbrechen zu verhindern und Kriminelle dingfest zu machen, deren Existenz zuvor nicht einmal bekannt war.
Die zufĂ€llige Bekanntschaft aus The Fribourg Confidence (8x05) meldet sich diese Woche zurĂŒck und erhĂ€lt ungewöhnlich viel Screentime mit Raymond. Bei einer Serie wie The Blacklist kommt sogleich die Vermutung auf, dass Anne vielleicht weniger zufĂ€llig auf Red trifft und eine eigene Agenda verfolgt, eventuell sogar von Liz auf ihn angesetzt wurde. Zu hundert Prozent lĂ€sst sich diese Vermutung noch immer nicht ausschlieĂen, das wird davon abhĂ€ngen, ob wir sie noch wiedersehen oder nicht und wie dieses nĂ€chste, eventuelle Zusammentreffen ausfallen wird.
In dieser Woche werden meine Zweifel an Anne diesbezĂŒglich allerdings weitestgehend aus dem Weg gerĂ€umt. Sie erweckt nie den Eindruck, andere Motive zu haben, als lediglich einen schönen Tag mit einer zufĂ€lligen Bekanntschaft verbringen zu wollen. Eventuell mit der Option auf mehr, aber das entwickelt sich auf natĂŒrliche Art und Weise wĂ€hrend des Folgenverlaufs und wirkt nicht forciert. Sie geht offen und ehrlich mit Raymond um, der wiederum im Gegenzug nicht mit der ganzen Wahrheit ĂŒber seine Person rausrĂŒcken kann. Vielmehr versteckt er seinen „Beruf“ durch schwammige Verallgemeinerungen oder - wie zu Beginn, als er zugibt, die Nummer eins auf der Most Wanted - Liste des FBI zu sein - antwortet so platt ehrlich, dass Anne das als Witz auffassen muss.

Die beiden haben mir zusammen jedenfalls sehr gefallen. Das war mal was anderes, als Reds ĂŒblichen (nicht weniger groĂartigen) Monologen zu folgen, zumal wir deutlich zu spĂŒren bekommen, wie gut er sich in Annes Gegenwart fĂŒhlt. Dieses ordinary life mag fĂŒr jemanden wie Red auĂer Reichweite liegen, aber hier lĂ€sst er sich zumindest ein wenig drauf ein. Mir tat Anne am Ende auch leid, als sie vorm Kino (gute Filmwahl ĂŒbrigens, den wĂŒrde ich auch gerne mal im Kino schauen) seine Absage erhĂ€lt. Wobei ich vermute, dass Dembes Rat zu Red vorgedrungen ist und er den Kinobesuch mit Anne deshalb ausfallen lĂ€sst, weil er sie nicht in Gefahr bringen möchte. Aber vielleicht irre ich mich auch und es soll ein Hinweis darauf sein, wie Red sich (siehe oben) bei Cooper entscheiden könnte. Was meint ihr?
Fazit
Ungewöhnlich, aber gut. Der Fall der Woche konnte mich kaum abholen, liefert aber im weiteren Verlauf durchaus GrĂŒnde zur Diskussion um das gezielte (und staatlich sanktionierte) Töten von Personen. Hauptaugenmerk liegt allerdings auf Harold Cooper und Raymond Reddington, die sich meistens abseits vom Fall bewegen und unsere Aufmerksamkeit in eine andere Richtung lenken. Dass die Beziehung der beiden zueinander noch wichtig werden wird, steht (mit Blick auf letzte Woche) auĂer Frage. Von mir gibt es diese Woche vier von fĂŒnf Sternen. Und von euch?
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Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 27. Februar 2021The Blacklist 8x08 Trailer
(The Blacklist 8x08)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 8x08
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