The Blacklist 7x04

The Blacklist 7x04

In der Folge Kuwait der US-Serie The Blacklist steht Cooper im Mittelpunkt, nachdem sich ein für tot gehaltener Kriegsgefangener meldet und nach Harold verlangt. Liz hat derweil eine Babysitterin für Agnes gefunden, aber Katarina interveniert.

Szenenfoto aus der The-Blacklist-Folge Kuwaitl (c) NBC/Sony
Szenenfoto aus der The-Blacklist-Folge Kuwaitl (c) NBC/Sony
© zenenfoto aus der The-Blacklist-Folge Kuwaitl (c) NBC/Sony

Kuwait

Kuwait konzentriert sich wie kaum eine andere The Blacklist-Folge zuvor auf Harold Cooper (Harry Lennix und als jüngere Version Ruffin Prentiss). Wir erhalten Einblicke in Harolds Vergangenheit, im Speziellen auf einen Einsatz in Kuwait, wo er zusammen mit Daniel Hutton (John Pyper-Ferguson und als jüngere Version Sean Patrick Higgins) einst überfallen wurde, was für Hutton angeblich tödlich endete.

Wie es sich für The Blacklist gehört, wird dieses Ereignis als ein prägender Schritt für den späteren (unseren) Harold Cooper beschrieben, ohne uns aber direkt mit allen Einzelheiten der damaligen Situation vertraut zu machen. Wir bekommen das vollständige Bild der Geschichte in Häppchen präsentiert und anhand von Rückblicken, die stets ein wenig erweitert werden, um letztlich ein Urteil über die Person Harold Cooper fällen zu können.

In der Vergangenheit hat die Serie uns in diversen Charakterfolgen bereits einiges an gutem Material gezeigt. Kuwait hinkt da leider ein gewaltiges Stück hinterher, was in meinen Augen an hauptsächlich zwei Punkten festzumachen ist. Einerseits, weil mich hier keine der großen Wendungen überrascht hat. Man muss auch kein Hellseher sein, um zu erwarten, dass Harold in eine Falle läuft und dass Hutton nach 30 Jahren auf Rache aus ist, um sich an der Person zu rächen, die ihn (seiner Meinung nach) im Stich gelassen hat. So gut Pyper-Ferguson da eingangs auch den Kriegsgefangenen mimt, der endlich nach Hause will, so eindeutig sind die Zeichen dafür, dass er einen Groll gegen seinen einstigen Kameraden hegt.

Der zweite Punkt betrifft Huttons Werdegang vom Kriegsgefangenen zu „Simoon“, dem „giftigen Wind“. Wie um alles in der Welt soll Hutton einen solchen Aufstieg vollzogen haben? Dazu hätte es gerne mehr Details geben können, denn nur dadurch, dass man Geheimnisse weitergibt (wobei doch sehr fraglich ist, wie viele das überhaupt gewesen sein können), kommt man noch lange nicht in eine Position, wo man Kontrollpunkte kontrolliert oder eine eigene Truppe besitzt. Auch dürfen wir uns fragen, weshalb Hutton so lange gewartet hat und erst jetzt Cooper eine Falle stellt.

Harold Cooper

NBC/Sony
NBC/Sony - © NBC/Sony

Mich wundert es ehrlich gesagt nicht, dass Harold auf die Geschehnisse von 1989 nicht sonderlich stolz ist. Immerhin hat er bewusst darüber geschwiegen, was seine Vorgesetzten heimlich abziehen (Stichwort: Geldtransporte) und hätte Hutton unterstützen müssen, nachdem dieser durch Zufall entdeckt, welche Ware da transportiert wird. Man kann Harold zwar zu Gute halten, dass er Captain Ross (Aaron Roman Weiner) gegenüber erst nachgibt, als ihm von Huttons Tod berichtet wird, aber er hätte auch riechen können, dass da etwas nicht stimmt und vielleicht auf einen Beweis für den Tod seines Kameraden pochen sollen. Andererseits wäre es ihm dann vielleicht ähnlich wie Hutton gegangen, was eine Beurteilung schwer gestaltet. Denn eigentlich kann man dem jungen Harold nicht vorwerfen, dass er nicht weiter nachgeforscht hat. Zum heutigen Harold lässt sich derweil sagen, dass auch dieser nicht mit einer weißen Weste ausgestattet ist, aber eben voll hinter seinem Team steht, welches auch Raymond Reddington (James Spader) inkludiert. Da hat mich sehr verwundert, dass er eingangs gedenkt, Panabaker (Deirdre Lovejoy) von Reds wahrer Identität zu berichten - wovon ihm wirklich jeder abrät, weil es mit Sicherheit das Ende der Task Force bedeuten würde.

Aber im Grunde genommen ist dieses Vorhaben von Harold auch der Aufhänger der Episode, oder? Er scheint fest entschlossen, die Wahrheit über Red nach oben weiterzugeben und das Abenteuer mitsamt Blick in die Vergangenheit dient dazu, ihn umzustimmen. Entsprechend wird er auch von Raymond und Dembe (Hisham Tawfiq) begleitet, was auf den ersten Blick unsinnig erscheint, aber für das Ziel der Geschichte notwendig ist.

Denn die Beziehung zwischen Harold und Red wird durch Coopers Vorhaben auf die Probe gestellt. Die anfängliche Unterhaltung zwischen beiden, als sie auf dem Weg zu Hutton sind, ist da sehr wichtig und spoilert in gewissen Maßen bereits den Ausgang der Geschichte (inklusive Huttons Tod durch Red). Letztlich sind es Reds Worte (und auch die Befreiungsaktion), die Cooper davon überzeugen, dass die Vergangenheit weniger wichtig ist als das Hier und Jetzt. „Who you are should define you, not who you were.

Raymond Reddington

Das letzte Zitat ist natürlich auch auf Red anzuwenden. Die Frage nach seiner wahren Identität hat uns lange beschäftigt und es soll noch immer Zuschauer geben, die sich mit den bisherigen Antworten nicht zufriedengeben. Aber wie wichtig ist die Frage, wer Red einmal war, wirklich? Vor 30 Jahren war der echte Raymond Reddington vor Ort, um unter anderem Cooper zu befragen. Wie unser Red jetzt davon wissen kann? „I know because ... I know.“ - das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass Ilya Koslov nicht nur die Identität von Raymond Reddington angenommen hat, sondern offenbar auch in großen Teilen über dessen Persönlichkeit und Wissen (wie auch immer) verfügt. Und zwar in einem Maße, dass Cooper ohne Liz niemals auf die Idee gekommen wäre, hier jemand anderen vor sich zu haben.

Raymond kann diesen Punkt schlussendlich an Harold vermitteln, wobei die Befreiung von Cooper schon allein ausreichen sollte, um aufzuzeigen, dass Red ihn nicht hängenlässt. Die Dialoge zwischen Harold und Red sind jedenfalls (mal wieder) kleine Highlights und genau das, was die Episode noch halbwegs retten kann.

Auf der anderen Seite haben wir den oben angesprochenen, kuriosen Werdegang Huttons, Wendungen, die sich zehn Meilen gegen den Wind riechen lassen und leider auch einen Drohneneinsatz, der mit hanebüchen noch wohlwollend umschrieben ist. Echt jetzt, der „Dungeon Master“ (Josh Lamon) aus dem Game Shop lässt seine Rollenspielrunde mal eben links liegen, um in der geheimen Kammer nebenan eine Drohne auf der anderen Seite der Welt zu steuern? Sicher. Ich würde ja schon kritisieren, dass Ressler (Diego Klattenhoff) und Frankie (Natalie Paul) diese Woche zu Laufburschen degradiert werden. Was soll ich dann erst zum Drohneneinsatz schreiben?

Liz und Katarina

NBC/Sony
NBC/Sony - © NBC/Sony

Elizabeth Keen hat mit Denora Mejia (Annie Henk) eine potenzielle Babysitterin für Agnes (Sarah Kell, Emily Kell) gefunden, was sie direkt auch ihrer neuen Nachbarin alias Katarina Rostova (Laila Robins) mitteilt. Natürlich kann Katarina nicht zulassen, dass jemand anderes als sie den Job der Babysitterin übernimmt, also greift sie ein und verschreckt die Kandidatin, indem sie dieser über Lizzies Vergangenheit und Verbindung zu Red berichtet.

Damit wäre eigentlich auch schon genug zur Nebenhandlung geschrieben. Katarina kann sich um einen weiteren Schritt tiefer in den Vertrauenskreis von Elizabeth hineinarbeiten und erhält nun die Gelegenheit, sich in Ruhe in der Wohnung ihrer Tochter umzusehen - eine Chance, die sie sofort nutzt, während Agnes beschäftigt wird. Man darf sich dabei natürlich fragen, weshalb Liz zu Denora eine ganze Akte vorliegen hat (sollten das etwa nur Bewerbungsunterlagen gewesen sein? Wohl kaum, oder?), während sie bei Katarina allein auf deren Worte vertraut. Obendrein berichtet sie der netten alten Dame auch noch darüber, dass die Wohnung rund um die Uhr überwacht wird.

Ich bin echt gespannt, wie lange dieses Spielchen noch anhält und betrachte es von der amüsanten Seite. Gerade das anfängliche Gespräch zwischen Liz und Katarina, wo Liz unverblümt ihre Meinung zu ihrer Mutter wiedergibt, ist zum Schießen komisch. „My mother isn't like you. You want a relationship with your daughter. She doesn't.“ - ja, genau. Wobei ich mich frage, ob Katarina durch diese Worte getroffen wird oder heimlich in sich hineinlacht. Was meint ihr?

Fazit

NBC/Sony
NBC/Sony - © NBC/Sony

Eine Charakterfolge zu Harold Cooper, die ein echtes Highlight hätte werden können. Leider lässt sich trotz sehr guter darstellerischer Leistungen nicht darüber hinwegsehen, dass die Geschichte sehr überraschungsarm, kaum spannend und unglaubwürdig mit Blick auf Huttons Werdegang oder anderen Kuriositäten wie dem Drohneneinsatz ist. Über die Nebenhandlung um Lizzie und Katarina kann man sich derweil gut amüsieren - ob das aber Absicht ist? Von mir gibt es diese Woche 2,5 von 5 Sternen. Und von euch?

Der Serientrailer zur Episode Norman Devane der Serie The Blacklist (7x05):

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Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 27. Oktober 2019

The Blacklist 7x04 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 4
(The Blacklist 7x04)
Titel der Episode im Original
Kuwait
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 25. Oktober 2019 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 26. Juni 2020
Autor
Sean Hennen
Regisseur
Stephanie A. Marquardt

Schauspieler in der Episode The Blacklist 7x04

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