The Blacklist 6x22

© zene aus dem sechsten Staffelfinale von „The Blacklist“ (c) NBC
Ausbruch
Anna McMahon ließ uns mit einem großen Cliffhanger zurück. Harold (Harry Lennix), Donald (Diego Klattenhoff) und Aram (Amir Arison) sitzen in der eigenen Zentrale fest, während nach Liz (Megan Boone) noch gesucht wird. Da ist Hilfe von außen gefragt, wenn unsere Protagonisten die Blacksite verlassen und das Attentat verhindern wollen. Neben Raymond Reddington (James Spader), der in Windeseile eine kleine Truppe zusammenstellt, ist auch Tadashi Ito (Alex Shimizu) mit von der Partie - letzterer ist uns bereits in The Cook) über den Weg gelaufen.
Etwa ein Drittel der Folge dauert die Aktion, welche mit kleineren Wendungen daherkommt. Über die Plausibilität des präsentierten Ausbruchsszenarios lässt sich bestimmt manchmal mit der Stirn runzeln. An McMahons (Jennifer Ferrin) Stelle hätte ich beispielsweise Liz im Handumdrehen gefunden, indem ich schlicht nach dem Signal ihres Mobiltelefons hätte suchen lassen. Im gleichen Zuge hätte man auch ihre Verbindung nach draußen kappen können, womit die Hilfe von Tadashi und Red weggefallen wäre. Anna hätte sich das Leben hier sehr einfach machen können, zumal die Mittel dafür vor Ort sind und sich bestimmt auch technisch versiertes Personal für die Anwendung gefunden hätte.
Aber gut, der Ausbruch unserer Protagonisten ist auch so schon schwer genug. Und auf alle Fälle sehr unterhaltsam und amüsant gestaltet. Die kleine (deutsche) Truppe von Max (Dikran Tulaine) trägt unter anderem dazu bei, wobei man sich in Sachen Aussprache etwas mehr Mühe hätte geben können - wenigstens ließen sich die deutschen Dialoge aber halbwegs verstehen, ohne dass ich dafür Untertitel gebraucht hätte. Tadashi darf derweil die Rolle von Aram übernehmen, obwohl er eigentlich was anderes vorhat. Garniert wird die Angelegenheit mit kleineren Überraschungen. So werden Harold, Aram und Donald erneut eingefangen, Reds altes Gefängnis - die Box - kommt zum Einsatz und Max darf mit seinen Leuten für eine Ablenkung sorgen, statt tatsächlich eine Sprengung durchzuführen. Die musikalische Untermalung ist wie gewohnt stimmig.
Im Großen und Ganzen ein vergnügliches erstes Drittel, bei dem McMahon gut vorgeführt wird. Spannungstechnisch vielleicht nicht der große Hit - schließlich ließ sich ein erfolgreicher Ausbruch erwarten - aber immerhin ist der Ausbruchsplan undurchschaubar genug, um uns bei der Stange zu halten.

Robert Diaz
Jetzt kann es somit zur Sache gehen und das eigentliche Episodenthema Robert Diaz (Benito Martinez) angegangen werden. Plant er tatsächlich ein Attentat auf sich selbst? Und worauf spricht ihn seine Frau Miriam (Regina Schneider) immer wieder an? Was steckt wirklich hinter der ganzen Geheimniskrämerei, die auf eine weitreichende Verschwörung hindeutet und ausländische Geheimdienste, Auftragskiller, Bombenanschläge und die hauseigene Homeland Security involviert?
Ich muss zugeben, dass ich da am Ende etwas ernüchtert bin. Tatsächlich sah ich unsere Taskforce in der siebten Staffel schon weiterhin auf der Fahndungsliste, weil ihnen das Attentat in die Schuhe geschoben wird und ich mit einem entsprechenden Gamechanger gerechnet hätte. Das Ausscheiden von Sandquist (Ben Horner) und McMahon habe ich ebenso wenig kommen sehen, wie den Rücktritt von Diaz oder die Erklärung von Miriam. Schließlich fehlt da das Wörtchen „Conclusion" im Episodentitel. Überraschen kann das Ende dieser Geschichte somit fraglos. Aber bin ich damit zufrieden?
Irgendwie nicht wirklich oder zumindest nicht ganz. Dazu bleiben die Ausmaße beziehungsweise das Ereignis, welches Diaz im Dunkeln lassen möchte und weshalb er seine Frau töten lassen will, im Endeffekt zu klein. Alles, was uns da im Staffelverlauf präsentiert wurde, geht auf einen tödlichen Unfall mit Fahrerflucht zurück, dessen Vertuschung alles losgetreten hat und aufrechterhalten werden soll? Zu simpel für meinen Geschmack, wenngleich sich eine gewisse Eleganz bei der Auflösung nicht leugnen lässt. Schließlich ergibt sich rückblickend schon ein recht stimmiges Bild, was Diaz' Handlungsweise und seine Differenzen mit Red angeht. Ich frage mich allerdings, weshalb McMahon und Sandquist da mitgemacht haben - den Präsidenten schützen ist ja schön und gut, aber wenn man bedenkt, wie weit da mitunter gegangen wurde, wäre doch noch eine kleine Erklärung nötig gewesen, die etwas tiefer und persönlicher geht.
Taskforce
Der Einsatz unserer Taskforce kann sich derweil sehenlassen. Trotz der Zielscheiben auf den Rücken lassen sie nichts unversucht, um das geplante Attentat zu vereiteln. Cooper zieht ein paar letzte Strippen, womit Liz und Donald sich unter die Polizisten schmuggeln können, Aram unterstützt in gewohnter Manier und ein Gastauftritt von Vontae Jones (Coy Stewart) sorgt für die nötige Ablenkung.
Über die Plausibilität sollte man auch hier nicht zu sehr nachdenken, sonst stößt man bei Überlegungen dazu noch auf die Möglichkeiten der Gesichtserkennung, die fragliche Weisungsbefugnis von Liz und Donald gegenüber den anderen Polizisten oder weitere Merkwürdigkeiten. Dennoch funktioniert unser Team als solches, kann den tödlichen Schuss in letzter Sekunde leicht ablenken und steht vor dem nächsten Problem. Schließlich wird ihnen jetzt das Attentat in die Schuhe geschoben, womit sie tiefer denn je im Schlamassel stecken und die Spannungsschraube gehörig angezogen wird.
Die Handlung ist dabei nicht nur von Teamwork geprägt, sondern zeigt in verschiedenen Szenen das mittlerweile familiäre Verhältnis unserer Protagonisten auf. Dazu zählt auch Raymond Reddington, der vor dem Einsatz zu Tisch bittet. Sein Gespräch unter vier Augen mit Ressler - so ganz deuten lässt sich nicht, ob zwischen den beiden alles in Ordnung ist - tritt derweil einen weiteren Handlungsstrang los, der uns in den letzten Szenen der sechsten Staffel einen Cliffhanger serviert.
Bevor es allerdings dazu kommt, muss Red unser Team noch retten, was zum Showdown mit Sandquist und McMahon und schließlich auch - weniger actionreich aber dafür mit einem coolen Harold - mit Diaz führt („How does a wanted fugitive bring down a president?“ - „With pleasure.“ - einfach köstlich). Dembe (Hisham Tawfiq) darf an dieser Stelle nicht vergessen werden, schließlich rettet er Red durch seinen Überraschungsauftritt das Leben. Gut zu wissen, dass ihn sein neu eingeschlagener Weg wieder zurückgeführt hat, wenngleich da vielleicht noch nicht alle Differenzen zwischen den beiden aus der Welt sind. Unsere kleine Familie ist damit aber wieder komplett und der größere Staffelbogen um die Verschwörung gelöst.

Katarina Rostova
Resslers Ermittlungen über Katarina Rostova (Laila Robins übernimmt die Rolle) haben offenbar schlafende Hunde geweckt. Diese Sorge hat jedenfalls Raymond nach seinem kleinen Austausch mit Donald und kontaktiert daraufhin einen alten Freund (Brett Cullen), der ihm später auch die Adresse von Katarina mitteilt.
Die Theorie, dass Red in Wirklichkeit Katarina ist, wird von den Autoren zunächst noch voll ausgereizt. Beim ersten Treffen kann jedenfalls sehr leicht der Eindruck entstehen, dass der Fremde eine ältere Version von Ilya Koslov (Gabriel Mann) sein soll und unser Red vorher Katarina hieß. Hier werden aber beim zweiten Treffen der beiden klare Verhältnisse geschaffen und spätestens als wir Katarina in Paris sehen, dürfte diese Theorie zu den Akten gelegt werden.
Geheimnisse bleiben aber selbstverständlich weiterhin bestehen. So ist noch nicht klar, weshalb Katarina und Ilya (also unser Red, sofern da nicht noch eine Überraschung kommt) sich getrennt haben, weshalb Dom (Brian Dennehy) in all den Jahren nichts von seiner Tochter gehört hat oder gar, weshalb Katarina unseren Red in den letzten Szenen der Staffel überrumpelt und entführt. Offenbar wurde sie im Vorfeld informiert, dass er auftauchen würde und - ungewohnt für Red - noch dazu ohne Begleitung.
Letztlich erfahren wir, dass Katarina noch lebt und mit Blick auf den Cliffhanger werden wir sicher noch mehr von ihr zu sehen bekommen. Hoffentlich mit weiteren Enthüllungen über die Vergangenheit mit Red. Mir wäre es auch ganz lieb, wenn die siebte Staffel einen Abschluss der Serie liefern würde. Besonders viel scheint ohnehin nicht mehr zu fehlen, um das Puzzle vollständig zusammenzusetzen. Außerdem möchte ich natürlich nicht, dass die siebte Staffel erneut einen Cliffhanger liefert, der dann womöglich nicht aufgelöst wird.
Fazit
Ein gutes Staffelfinale, welches aber leider unter den Möglichkeiten bleibt. Selbst wenn man hier und dort ein Auge zudrückt, hinkt Robert Diaz hinter einigen sehr guten Episoden der Staffel hinterher, was gerade wegen des finalen Charakters der Folge schade ist. Letztlich überwiegt in meinen Augen zwar das Positive deutlich und ich bin sehr gespannt, wie es in Staffel sieben weitergeht (hoffentlich kommt die schon im Herbst), aber wertungstechnisch bleibt es von meiner Seite bei vier von fünf Sternen. Und bei Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 18. Mai 2019The Blacklist 6x22 Trailer
(The Blacklist 6x22)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 6x22
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