The Blacklist 6x20

The Blacklist 6x20

In der Folge Guillermo Rizal der US-Serie The Blacklist bekommt es unser Team mit einer Reihe von Kindesentführungen zu tun, die laut Red eine Verbindung zur Verschwörung um Anna McMahon haben. Außerdem beschäftigt die Geheimnislüftung von letzter Woche unsere Figuren.

The Blacklist
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Guillermo Rizal

Die titelgebende Figur Guillermo Rizal (Joel de la Fuente) führt gentechnische Experimente am Menschen durch. Seine Manipulationen an Embryonen sollen bewirken, dass die Spezies Mensch resistenter gegen Hitze und der Konsum von salzhaltigem Wasser für den Körper weniger problembehaftet wird. Seine experimentellen Embryonen werden kinderlosen Eltern gegeben, die durch künstliche Befruchtung auf Nachwuchs hoffen, um Jahre später deren Kinder zu entführen und den Erfolg der Prozedur zu testen.

Dieser Fall der Woche weist diverse Parallelen zu General Shiro auf. Auch dort entstammten die Motive des Bösewichts Dr. Jonathan Nikkila (Mark Linn-Baker) von einem sehr eigensinnigen Umweltbewusstsein, es wurde ebenfalls genetisch modifiziert und in beiden Fällen sind die Wissenschaftler bereit, über Leichen zu gehen, um ihre jeweiligen Ziele durchzusetzen. Insofern bietet sich hier ein Vergleich an.

Zunächst einmal freut es mich, dass die Macher wenigstens den Versuch unternehmen, die Taten von Rizal und Nikkila nachvollziehbar zu gestalten. Ob nun auf dem Verbot eines Pestizids abzielend oder die klimatischen Veränderungen der Welt im Auge - der Antrieb der beiden wird herausgearbeitet und das höhere Ziel lässt sich in beiden Fällen als positiv bewerten. Nicht nur, weil wir als Zuschauer ein gewisses Verständnis für die Figuren aufbringen können, sondern auch, weil das Thema Umwelt ein Stück weit in den Fokus gerückt wird.

Im Gegensatz dazu stehen natürlich die Vorgehensweisen der Antagonisten, die in jedem Fall verwerflich sind. Mich stört da im Besonderen, dass das altbackene Bild des bösen Wissenschaftlers vermittelt wird, der sämtliche Moral und Ethik für den Erfolg seiner Forschung über Bord wirft. Glücklicherweise geht Guillermo Rizal nicht ganz so weit wie Dr. Nikkila, denn die Drillinge Corinne, Grace und Nora (gespielt von Delyn Wall und Keziah Wall) überleben die Episode - wenn auch nur knapp. Ganz zu schweigen davon, dass auch die anderen Zwillinge und Drillinge, die von Keen (Megan Boone) und Ressler (Diego Klattenhoff) am Ende befreit werden, einen unversehrten Eindruck machen.

Ich frage mich aber, weshalb die Autoren, die uns jede Woche mit Twists, Wendungen und Enthüllungen bei den aktuellen Fällen versorgen, nicht mal auf die Idee kommen - gerade bei Stories wie diesen, wo das eigentliche Ziel des Antagonisten nachvollziehbar ist - den Spieß am Ende komplett umzudrehen. Also, den jeweiligen Blacklister ausnahmsweise mal nicht als Verbrecher outen, sondern als eine Person, die tatsächlich gute Absichten hat und im Folgenverlauf nicht mit moralischen und ethischen Standards bricht. Das würde mich vom Hocker hauen. Oder vielleicht ein Fall, bei dem sich am Ende tatsächlich ein Dilemma über richtig und falsch beim Zuschauer ergibt und wo weder unser Team noch der Blacklister eindeutig kategorisiert werden können. Mit Blick darauf, wie sich die meisten Fälle über ihre jeweilige Episode entwickeln, sollte das doch möglich sein, oder was meint ihr?

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Familie

Was uns Guillermo Rizal außerdem präsentiert - und zwar sowohl beim Fall der Woche als auch bei unseren Protagonisten - ist das Thema Familie. Bei den Eltern der Drillinge wird nicht viel darüber diskutiert, ob die jeweilige Tochter nun zur Familie gehört oder nicht. Es besteht zwar keine biologische Verbindung zwischen Eltern und Kind(er) - eine der Enthüllungen des Falls der Woche - aber die ist auch nicht nötig, um ein Kind zu lieben, welches man gemeinsam aufgezogen hat. Bei Sara (Laura Shoop) und Ben Mitchell (Doug Trapp) gibt es entsprechend ebenso wenig irgendwelche Zweifel darüber, ob sie ihre Tochter zurückwollen, wie bei den Walkers.

Bei Raymond Reddington (James Spader) und Elizabeth Keen ist der Fall durch die Enthüllung der letzten Woche wesentlich komplizierter geworden. Red grübelt die Folge hinweg über sein weiteres Vorgehen nach und trägt einen inneren Konflikt mit sich herum, weil sein Code verletzt wurde, er sich aber nicht in der Lage sieht, nach diesem Code zu handeln. Er hat Liz zwar nicht großgezogen, sondern lediglich Anweisungen an ihren Ziehvater Sam (William Sadler) gegeben, aber eine Art familiäre Bindung steht hier dennoch außer Frage. Reds Mimik bleibt bis zum Ende ausdruckslos, was sowohl seine Gespräche mit Liz als auch die mit Teddy (Teddy Coluca) über seinen Code angeht. Eine Regung zeigt sich erst am Schluss, als Liz ihm offenbart, dass sie Agnes zurückholen und selbst aufziehen wird.

In meinen Augen ein unnötiger Eiertanz, der hier zwischen Red und Liz betrieben wird. Mich hätte sehr interessiert, wie das Gespräch zwischen ihm und Dom (Brian Dennehy) verlaufen ist, denn davon sollte doch Reds Entscheidung abhängen, ob und wie er nun mit Liz umgeht. Es mag ihn stören, dass sie seine wahre (?) Identität jetzt kennt, aber da steht eben noch mindestens ein weiteres Geheimnis im Raum, über das sowohl sie als auch Ressler und wir rätseln können. Und was ihren Verrat betrifft, sollte er ohnehin ähnlich wie bei Dembe (Hisham Tawfiq) entscheiden, auch wenn dessen Bewahrung von Lizzies Tat vielleicht weniger am Loyalitätskodex kratzt als die Tat selbst.

Die angekündigte Rückkehr von Agnes überrascht derweil. Aus der Sicht von Liz und mit Blick auf die Ereignisse dieser Woche irgendwie nachvollziehbar, auch wenn ich noch nicht sehe, wie sie ihre Tochter neben dem zeitaufwendigen Job erziehen will. Nimmt sie sich ein Kindermädchen oder lässt sie Agnes dann bei „Opa Red", wenn sie ihrer Arbeit nachgeht? Letzteres könnte den Vertrauensbeweis bringen, den Red noch benötigt, um seine Entscheidung zu fällen. Ferner steht aber auch die Befürchtung im Raum, dass Agnes mit Blick auf das kommende Staffelfinale möglicherweise von Anna McMahon (Jennifer Ferrin) oder Mr. Sandquist (Ben Horner) entführt und als Druckmittel eingesetzt wird.

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Mr. Cotton

Mr. Cotton (Jason Cottle) stellt das Bindeglied zwischen dem Fall der Woche und Anna McMahon dar. Er ist derjenige, der für Rizal die Kinder entführt und für Anna den Jungen aus Bastien Moreau: Conclusion ausfindig machen soll, dem Moreau (Christopher Lambert) heimlich das Dossier zusteckte, welches die groß angelegte Verschwörung behandelt.

Wie Red auf Cotton kommt oder weshalb Anna von dem Jungen weiß, sind mal wieder Fragen, die leider unbeantwortet bleiben. Schieben wir es auf uns unbekannte Ressourcen, die beiden zur Verfügung stehen - eine andere Wahl haben wir da nicht. Ein wenig rätselhaft scheint derweil auch, weshalb Red unsere Taskforce nicht über Cotton ins Bild setzt, wohl aber über die Verbindung des Falls zu McMahon berichtet. Etwas stimmiger wäre gewesen, hätte er bloß den Fall präsentiert und Coopers (Harry Lennix) Team gänzlich im Dunkeln über die Verbindung gelassen. Denn auf das FBI wird er so oder so wieder zurückkommen, wenn es um die Beschaffung des Dossiers geht.

Auf jeden Fall gibt es diese Woche aber Fortschritte zu verbuchen, was den Verbleib des Jungen betrifft. Dank Teddy und Sohn ist Red in der Lage, die nötigen Informationen von Cotton zu erhalten (über die angewendete Foltermethode möchte ich gar nicht genauer nachdenken, aber kurz anmerken, dass ich mit Reds Methoden ähnliche Probleme wie mit denen einiger Antagonisten habe). Informationen, die Anna und Sandquist bereits haben. Insofern kann jetzt ein Wettrennen starten, bei dem die Verschwörer einen kleinen Vorsprung haben. Spannung ist somit für nächste Woche garantiert. Mal schauen, was Anna McMahon - deren Name die nächste Folge als Titel trägt - wirklich auf dem Kasten hat und vor allem, wie viel wir über die Verschwörung erfahren werden.

Fazit

Im Prinzip eine Brückenfolge, die den Fokus von den Enthüllungen um Red gegen Ende wieder auf die weitere Entwicklung der Verschwörung um Anna McMahon lenkt und dazu die nötige Spannung auf nächste Woche generiert. Den Fall um Guillermo Rizal würde ich durchschnittlich bis gut einstufen - mit Tendenz zu etwas besser als üblich wegen der Verbindung zum Staffelbogen und der präsentierten Themen. In Sachen Red und Liz hätte ich derweil mehr erwartet, da schleppt sich eine Entscheidung recht schwermütig durch die Episode, ohne eine Auflösung zu bekommen. Insgesamt lande ich bei 3,5 von 5 Sternen. Und ihr?

Trailer zur Episode Anna McMahon der Serie The Blacklist (6x21):

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 5. Mai 2019

The Blacklist 6x20 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 20
(The Blacklist 6x20)
Titel der Episode im Original
Guillermo Rizal
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 3. Mai 2019 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 4. Januar 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 4. Januar 2020
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Samstag, 4. Januar 2020
Autor
Noah Schechter
Regisseur
Cort Hessler

Schauspieler in der Episode The Blacklist 6x20

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