The Blacklist 6x09

© zenenfoto aus der „The Blacklist“-Folge „Minister D“ (c) NBC
Minister D
Minister D ist die zweite The Blacklist-Folge, die diese Woche ausgestrahlt wurde und lässt sich sehr gut als Midseason-Finale betrachten. Es gibt Antworten auf einige Fragen, die uns schon länger beschäftigen, auch wenn die wahre Identität von Raymond Reddington (James Spader) nicht gelüftet wird und seine Agenda ebenfalls rätselhaft bleibt.
Minister D (Stephen Spinella) ist im Grunde genommen ein sehr gewöhnlicher Verbrecher. Er zeichnet Telefonate auf, um Leuten auf die Schliche zu kommen, die Verbrechen begangen haben und diese anschließend zu erpressen (und um einen Teil ihres Geldes zu erleichtern). Dass er sich auf Übeltäter konzentriert, ist eine kleine Besonderheit. Die größere ist seine Verbindung zu Raymond Reddington oder vielmehr zu Katarina Rostova (Lotte Verbeek), die er damals zu erpressen versuchte.
Der Blacklister besitzt noch immer die Aufnahme, welche Red von der Anklage des Hochverrats entlastet und steht folglich deshalb im Fokus der Ermittlungen. Das Zeitfenster wird hier angenehm eng gehalten, denn Richterin Roberta Wilkins (Becky Ann Baker) macht zu Beginn der Verhandlung unmissverständlich klar, dass keine weiteren Aufschübe geduldet werden. Hier sind alle Parteien sehr neugierig auf den Inhalt der Aufnahme.
Taskforce

Bei den Ermittlungen selbst ist mal wieder Teamwork gefragt, wobei Ressler (Diego Klattenhoff) wegen seiner Zeugenaussage vor Gericht außen vor bleibt. Cooper (Harry Lennix), Samar (Mozhan Marno), Aram (Amir Arison) und Liz (Megan Boone) ziehen aber allesamt am gleichen Strang. Schnell und effektiv kommen sie Minister D über ältere und neuere Opfer seiner Erpressungen auf die Schliche und können ihn schließlich stellen und seine Aufnahmen beschlagnahmen. Bloß die Suche nach der einen Kassette, die Red entlastet, erweist sich als schwierig und kann nur durch Zufall gefunden werden.
Mich hat jedenfalls sehr gefreut, dass wirklich jeder daran interessiert ist, Red zu entlasten. Die Geheimniskrämerei von Liz und Ressler geht zwar auch weiter, aber die Todesstrafe möchte offensichtlich niemand über Raymond verhängt sehen. Ebenso schön ist es, allen beim Rätseln darum zuzuschauen, was auf der Aufnahme sein könnte. Als Zuschauer haben wir da den kleinen Vorteil, uns den Inhalt zusammenreimen zu können (es musste schließlich um Katarina gehen und nach Resslers Befragung vor Gericht ist auch relativ klar, dass ihre Stimme sich dort vorfindet und Reds Ausführungen, er wäre damals angeschwärzt worden, sich als wahr erweisen).
Als Mini-Nebenhandlung bleiben noch Samars Migräne zu erwähnen. Diese kann sie vor Aram nicht verbergen und ist offensichtlich eine weitere Folge ihres Komas. Hoffen wir mal, dass sich ihr Zustand nicht verschlimmert. Erst die Aphasie, jetzt noch Migräne-Attacken. Das kann schnell zur Dienstuntauglichkeit führen. Vielleicht sollte sie sich noch einmal von einem Arzt durchchecken lassen. Denn gerade in dieser Folge wäre es fatal gewesen, wenn sie nicht rechtzeitig bei Liz aufgetaucht wäre, als diese von Minister D attackiert wurde.
Ressler und Liz
Täusche ich mich oder bahnt sich hier eine Romanze an? Mir scheint jedenfalls, dass nicht mehr viel fehlt und Donald und Liz teilen mehr als das Geheimnis über Red miteinander. Da werden gegen Ende sogar schon Harolds Whiskeyvorräte geplündert.
Sicher ist auf jeden Fall, dass Resslers Interesse an der Aufdeckung der Identität sehr groß ist. Während bei Liz der emotionale Faktor für Wendungen sorgen kann (hier sichtbar, nachdem sie das Band gehört hat), wird Donald nicht lockerlassen bis er weiß, wer Raymond Reddington wirklich ist. Das Rätsel um Reds Agenda beschäftigt dabei nicht nur ihn und Liz, sondern auch uns. Warum würde jemand die Identität von Raymond Reddington annehmen, wenn dieser doch auf der Flucht ist und als Verräter abgestempelt wurde? Und weshalb hat Red nicht schon vorher seine Fühler nach der Aufnahme ausgestreckt, die ihn zumindest für dieses Verbrechen entlasten kann? Einen solchen Joker sollte man bereithalten und nicht erst auf den letzten Drücker danach suchen lassen.
Resslers Auftritt vor Gericht wirkte komisch, was selbst Sima (Ken Leung) und Red auffiel. Dabei hatte er genug Zeit, seine Entscheidung vor der Aussage im Zeugenstand zu fällen. Also, ob er lügen würde oder nicht, falls die Anklage fragt, ob Raymond Reddington im Raum ist. Sein Zögern hat Red verraten, dass er genau wie Liz Bescheid weiß. Und strafbar macht er sich durch seine Lüge auch noch, womit er ein weiteres Mal gegen seine Prinzipien verstößt. In diesem Fall und mit Blick auf die letzte Folge aber weniger schlimm, da seine Mitgliedschaft im Team Liz solche Sachen offensichtlich erfordert.
Dembe und Liz
Während alle anderen mit Reds Verteidigung beziehungsweise der Suche nach entlastendem Material beschäftigt sind, macht Dembe (Hisham Tawfiq) sich daran, den anonymen Anrufer zu finden, der Red hinter Gitter brachte. Keine leichte Aufgabe, aber Dembe ist hartnäckig genug und schließlich erfolgreich. Eine Obdachlose (Jamila Velazquez) führte den Anruf durch und wurde von Jennifer (Fiona Dourif) dazu mit 100 Dollar überredet. Dass Liz da mit drinsteckt, kann Dembe nicht wirklich glauben, erhält aber die Bestätigung.
Als Liz Dembe gegenüber ihr Geständnis ablegt, können wir die Enttäuschung und Ungläubigkeit auf seinem Gesicht sehen. Zu Beginn der Episode, als Red die Vermutung äußert, Liz könnte für den Anruf verantwortlich sein, hat er sie noch verteidigt. Todesstrafe? Nein, soweit würde sie nicht gehen beziehungsweise diesen Ausgang riskieren. Und jetzt bekommt er aus erster Hand mitgeteilt, dass er da falsch lag. Erstmals wird ihm bewusst, wie ähnlich Lizzie Red geworden ist.
Dass er Red anschließend belügt und Lizzies Geheimnis bewahrt, mag nicht leicht nachzuvollziehen sein. Seine Loyalität gegenüber Red wird geschmälert und zwar, obwohl sich seine positive Meinung von Liz verschlechtert hat. Weshalb also lügen? Meine Erklärung wäre, dass er Red die Enttäuschung, die er eben empfunden hat, ersparen will. Allerdings ist das Problem, dass es irgendwo einen Verräter geben muss, sicher nicht vom Tisch. Red wird weiter nach eben jenem suchen (lassen), auch wenn sich für ihn der anonyme Anruf als Sackgasse erwiesen hat. Und wehe, er findet doch noch alles heraus. Dann wird er nicht nur wegen Liz, sondern auch wegen Dembe enttäuscht sein.
Raymond Reddington

James Spader ist vor Gericht wieder voll in seinem Element. Die Raymond-Reddington-Show läuft auf Hochtouren und ist unterhaltsamer denn je. Dabei kommen weder Humor noch Drama zu kurz. Wir können mitfiebern, mitlachen und sind derweil gespannt, ob der rettende Beweis für Reds Unschuld noch rechtzeitig eintrifft.
Das Highlight findet sich, als Red selbst im Zeugenstand Platz nimmt. Sehr emotional und verletzlich gibt er die Geschichte wieder, wie sie sich damals zwischen Raymond Reddington und Katarina Rostova zugetragen hat. Zahlreiche Verweise auf die bisherigen Staffeln - Fulcrum, Cabal, etc. lassen grüßen - werden eingebaut und wir bekommen (wie sonst nur selten) ein sehr klares Bild von der Vergangenheit - oder besser: einem Teil davon - präsentiert.
Bei mir stellt sich bloß die Frage, wie Fake-Red so genau über die vergangenen Ereignisse Bescheid wissen kann. Offenbar muss er den echten Raymond Reddington sehr gut gekannt haben und zwar über Jahre hinweg. Irgendwelche Ideen, wer da nun in Frage kommt und sich in Red verwandelt hat? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.
Fazit

Eine großartige Episode, die zur Abwechslung tatsächlich Antworten parat hat. Natürlich nicht alle, aber immerhin genug, um diverse Puzzleteile zusammenzufügen und die Vergangenheit des echten Raymond Reddington zu beleuchten. Ein paar kleinere Kritikpunkte und die eine oder andere offene Frage kratzen zwar ein wenig an der Perfektion, aber 4,5 von 5 Sternen sind meinerseits drin. Und wie viele Sternchen lasst ihr springen?
Trailer zur Episode The Cryptobanker der Serie The Blacklist (6x10):
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 24. Februar 2019(The Blacklist 6x09)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 6x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?