The Blacklist 6x08

© zenenfoto aus der „The Blacklist“-Folge „Marko Jankowics“ (c) NBC
Marko Jankowics
Der titelgebende Blacklister Marko Jankowics (Arnold Vosloo) dürfte sicher schnell wieder in Vergessenheit geraten. Er fungiert hier in der The Blacklist-Folge als Mittel zum Zweck und sorgt für die große Komplikation zu Beginn, als Jennifer (Fiona Dourif) und Liz (Megan Boone) Hans Koehlers damalige Krankenschwester Marguerite Renard (Lusia Strus) entführen und befragen wollen. Zu dumm aber auch, dass diese mit einem osteuropäischen Drogenhändler liiert ist, der seine Freundin überwachen lässt. Somit wird stattdessen Jennifer entführt, Marguerite ist wieder futsch und Lizzie steht mit einer Leiche da. Ein schöner Aufhänger für die Doppelfolge dieser Woche.
Aber vorerst zurück zu Jankowics. Wie er seine Drogen in die Staaten bringt, lässt sich durchaus als originell bezeichnen, sorgt aber auch für einige ziemlich blutige Szenen, die ich schnell wieder vergessen möchte. Davon, dass die Maulesel der Drogenhändler ihre Ware im Magen oder diversen Körperöffnungen verstecken, hat man ja schon gehört. Aber Frauen per Operation gleich acht Pfund LSD unterzuschieben, so dass sie als Schwangere durch den Zoll gehen und das Zeug später durch eine weitere Operation wieder zu entfernen? Das ist ein bisschen zu viel für meinen Geschmack, wenn leider auch durchaus vorstellbar.
Vosloo gibt sich später gegenüber Dourifs Jennifer sehr viel Mühe, charismatisch zu wirken. Zumindest zu Beginn. Die ruhige Befragung, seine Gewissheit, dass er überlegen ist und seine Sicherheit, dass er Antworten auf seine Fragen bekommen wird, erinnern sogar ein bisschen an Red (James Spader). Allerdings hätte Red wohl niemals Jennifer geschlagen oder sich wütend gezeigt, als Jennifer über Marguerites Vergangenheit berichtet (von der Jankowics nichts weiß). Als einmaliger (und recht simpel gestrickter) Bösewicht, der nach diesem Ende auch nicht wiederkehren wird, geht das alles in Ordnung. Vosloo hätte ich gerne mehr gegönnt, aber man kann nicht alles haben.

Liz und Ressler
Nachdem zu Beginn die Entführung gewaltig nach hinten losgeht, begibt Liz sich zu Donald Ressler (Diego Klattenhoff) und bittet ihn um Hilfe. Ihr bleibt jetzt keine andere Wahl, als zumindest ihm reinen Wein einzuschenken und packt aus. Anschließend agieren beide zusammen, um Jennifer zu retten, was ein weiterer schöner Ansatz ist.
Kritisch betrachtet nimmt Ressler aber alles zu einfach hin. Er hätte ruhig mal etwas nachbohren können, weshalb Lizzie ihn und den Rest der Taskforce angelogen hat und ihn erst jetzt, als die Kacke am Dampfen ist, ins Vertrauen zieht. Außerdem ist mit dem gestohlenen Wagen und der Leiche direkt klar, dass beide sich auf der falschen Seite des Gesetzes bewegen. Galt Ressler nicht immer als der aufrichtige Ermittler, der jede kleine Gesetzesverbiegung kritisiert und sich sträubt, Dinge anzugehen, die auch nur entfernt illegal sein könnten? Klar, seine Weste ist mittlerweile auch nicht mehr weiß, aber zumindest ein wenig Widerstand hätte ich von ihm erwartet, zumal sich später auch die Leichen stapeln.
Aber gut, Team Liz hat mit Donald ein festes Mitglied gefunden und um Jennifer zu befreien, wenden sie sich an Red, statt die anderen einzuweihen. Ein riskanter Schachzug, schließlich soll Raymond nicht erfahren, worum es eigentlich geht. Liz tischt ihm folglich eine kleine Lügengeschichte auf, damit er seine Fühler nach Jennifer und Jankowics ausstreckt. Dem geht Red auch nach, aber er wittert, dass hier etwas im Busch ist und erfährt schließlich, wonach Liz sucht. Sollte er jetzt noch erfahren, wer für seinen Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen verantwortlich ist, wäre ich mir nicht sicher, wie er reagiert. Liz nimmt zwar eine besondere Rolle bei ihm ein, aber in Sachen Verrat ist mit ihm bekanntlich nicht gut Kirschen essen.
Kurz zurück zu Ressler. Der bekommt hier eine Freundin (Christina Bennett Lind) zur Seite gestellt, die er aus Alter Ego beziehungsweise der gleichnamigen Organisation mitgenommen hat. Schade, dass wir Hannah nicht vorher schon kennenlernen durften. Eine persönliche Beziehung mit ins Spiel zu bringen, während die Kollegin Hilfe braucht, kompliziert natürlich einige Dinge (wie eine gefesselte, schwangere Frau im Wohnzimmer). Aber die dramatische Komponente der Beziehung wird nicht ausgereizt. Hannah verschwindet ebenso schnell wie sie uns vorgestellt wurde wieder aus Resslers Leben. Da bleibt bei mir nur ein Schulterzucken zurück und auch Donald beschwert sich kaum darüber, dass er gegen Ende seinen Wohnungsschlüssel zurückerhält.
Jennifer und Liz
Jennifer muss in Marko Jankowics einiges durchmachen. Sie ist eingangs gegen die Entführung und wird kurz darauf selbst entführt, was sie in eine hilflose Lage versetzt, wo ihr auch noch körperlich zugesetzt wird. Für die Vorgehensweise von Liz hatte sie bereits vor zwei Wochen wenig Verständnis gezeigt, weil dieser Weg eben der ist, den Red gehen würde. Somit schmeißt sie gegen Ende auch das Handtuch und ist aus den Ermittlungen raus.
Was mich hier ein wenig irritiert ist die Tatsache, dass Jennifer anfangs die treibende Kraft hinter der Idee war, Red hinter Gitter zu bringen, damit sie zusammen mit Liz in Ruhe ermitteln kann. Zu Beginn der Staffel hat sie sehr viele Hebel in Bewegung gesetzt, um die wahre Identität von Red lüften zu können. Das wirft sie jetzt weg. Zwar mit einer guten Begründung, aber dennoch leicht widersprüchlich, schließlich ist der anonyme Anruf, um Red aus dem Bild zu bekommen, ebenfalls eine Methode gewesen, die der jetzt stark kritisierten Vorgehensweise ähnelt.
Da stellt sich mitunter auch die Frage, weshalb Jennifer überhaupt mit in diese Staffel genommen wurde. Sollte es nur für diese eine Episode gewesen sein, um den Hinweis zu erhalten, dass Katarina Rostova den Fake-Red zu Koehler gebracht hat? Scheint so, schließlich fiel ihre Beteiligung bei den Ermittlungen bislang eher spärlich aus. Zu Staffelbeginn kam außerdem die Frage auf, weshalb die beiden Frauen sich überhaupt so gut verstehen (nach den Ereignissen im letzten Staffelfinale, wo das noch gegenteilig aussah). Eine Antwort darauf wird es jetzt wohl nicht mehr geben. Schade.
Raymond Reddington

Dieses Mal findet die Nebenhandlung um Red im Gefängnis statt, was uns ein Wiedersehen mit Vontae (Coy Stewart) beschert, der allerdings nicht besonders viel zu tun bekommt. Red ist selbst gefragt, denn er soll die Unruhen zwischen zwei Gangs schlichten. Eine Herausforderung, die er mit Hilfe von Oscar Sandoval (Jon Rua) zu lösen gedenkt. Aber es läuft nicht alles nach Plan.
Zur Abwechslung pausiert die Gerichtsverhandlung, wird aber sicher in der zweiten Folge noch aufgegriffen. Unerwartete Probleme bereiten Red aber nicht nur die beiden Gangs, sondern auch der Besuch von Elizabeth. In Folge dessen muss er Dembe (Hisham Tawfiq) von der aktuellen Mission - die auf seine Verteidigung abzielt - abziehen, womit das Zeitfenster eng werden könnte. Unser Mastermind hat also alle Hände voll zu tun, wobei die Screentime hier für ihn etwas zu kurz ausfällt.
Das Gang-Problem wirkt ein bisschen wie aus dem Hut gezaubert, ist aber trotzdem spannend. Uns wird (erneut) veranschaulicht, wie mühelos es ihm gelingt, diverse Hebel in Bewegung zu versetzen und am Ende zu erreichen, was er sich vorgenommen hat. Der Tod von Oscar zeigt allerdings, dass seine Pläne nicht mehr wie gewünscht aufgehen und seine anschließende Vergeltungsmaßnahme führt uns vor Augen, dass er noch immer ein Verbrecher (in diesem Fall Mörder) ist. Eigentlich unnötig, uns letzteres noch einmal aufzuzeigen. Aber mit Blick auf die kommende Gerichtsverhandlung vielleicht nicht verkehrt.
Dazu passt auch, dass er Dembe die Anweisung gibt, sich um Marguerite zu kümmern. Ob der aber wirklich die Dame entsorgt, bleibt offen. Ich würde vermuten, er lässt sie bloß verschwinden (aber leben), wie die Szene im Flugzeug auch suggeriert.
Fazit
Insgesamt eher durchschnittlich, trotz der kleinen Enthüllung über Katarina. Es gibt gute Ansatzpunkte, die durchaus vielversprechend sind und die Geschichte interessant gestalten - Lizzies Team-up mit Ressler, Jennifers Entführung, Reds Problemchen im Gefängnis. Aber charakterlich wirkt einiges unrund und der Blacklister wird trotz guter darstellerischer Bemühungen nicht lange im Gedächtnis bleiben. Von mir gibt es jedenfalls drei von fünf Sternchen. Die zweite Folge - (Minister D) - ist hoffentlich besser gelungen.
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 24. Februar 2019The Blacklist 6x08 Trailer
(The Blacklist 6x08)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 6x08
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