The Blacklist 2x20

The Blacklist 2x20

Die meisten Handlungsstränge der zweiten Staffel von The Blacklist bleiben auch in Quon Zhang redundant, lediglich die Absichten der mysteriösen Organisation The Cabal werden erhellt. Warum dieses Schattenkabinett aber seine sinistren Pläne verfolgt, weiß weiterhin kein Mensch.

Samar Navabi (Mozhan Marno) beim Asskicken / (c) NBC
Samar Navabi (Mozhan Marno) beim Asskicken / (c) NBC
© (c) NBC

Es sind immer abstrusere Geschichten, die sich das Autorenteam von The Blacklist einfallen lässt, um 22 Episoden einer Staffel füllen zu können. Dieses Mal darf der titelgebende chinesische Schmuggler Quon Zhang (Ron Yuan) von chinesischen Geistergeschichten parlieren, wegen derer sich reiche Chinesen angeblich Leichen bei ihm besorgen, um ihre toten unverheirateten Verwandten mit diesen zu beerdigen. Aram Mojtabai (Amir Arison) findet dafür sofort einen eigenen Begriff - er nennt die geschmuggelten Leichen „Mail order corpse brides“ („Leichenbräute auf Bestellung“).

The detente is over

Was die Räson hinter solchen Geschichten ist, bleibt für mich völlig schleierhaft. Wollen uns die Autoren damit schockieren? Wollen sie uns über Traditionen anderer Kulturen aufklären? Geht ihnen der Erzählstoff aus? Ich vermute Letzteres als Ursache für diese größtenteils langweiligen, überwiegend redundanten Episodengeschichten. Es ist überhaupt nicht wichtig, wie die neue Gefahr, der Agent mit dem Decknamen „Karakurt“, in die USA gekommen ist. The Blacklist nimmt sich trotzdem eine Episode Zeit, diese Vorgeschichte zu erzählen.

Kein Wunder, haben die Autoren die Zitrone der Vaterfrage um Liz Keen (Megan Boone) und Raymond „Red“ Reddington (James Spader) doch nahezu vollständig ausgequetscht. Das hält sie aber natürlich nicht davon ab, auch dieses Mal wieder das leidige Thema auf die Tagesordnung zu bringen - mit dem gleichen Ergebnis: Liz fragt, Red antwortet nicht. So weit, so langweilig. Unsere kommentierenden Leser interessieren sich nicht mehr dafür, ich interessiere mich nicht mehr dafür. Wer bleibt da noch übrig? Die amerikanischen Zuschauer vielleicht? Die aktuellen Einschaltquoten erzählen eher eine andere Geschichte.

Warum also noch The Blacklist schauen? Vielleicht wegen dieser ominösen Organisation namens The Cabal. Wir wissen nun, dass sie für Anschläge und weitere Gräueltaten verantwortlich ist und dass sie im Jahre 2017 den nächsten großen Anschlag plant. So weit, so halbwegs interessant. Aber warum plant sie diese Anschläge? Was sind die Motivationen ihrer Mitglieder und ihres Anführers, des namenlosen The Director (David Strathairn)? Warum will Liz diese Organisation einfach in Ruhe operieren lassen? All diese Fragen könnten interessante Antworten zutage fördern. Stattdessen werden sie missachtet.

Die dadurch gewonnene Zeit wird also in Episodengeschichten wie der von Quon Zhang investiert - meiner Meinung nach der völlig falsche Ansatz, um einer Serie die emotionale Fallhöhe zu geben, die sie braucht, um gut zu sein. Warum soll uns die Lebensgeschichte eines chinesischen Schmugglers interessieren, wenn er doch sowieso nicht wieder auftaucht?

We own you

Weitere Erzählzeit wird durch die abermaligen Volten verbrannt, die die Geschichte um das Verwandtschaftsverhältnis von Red und Liz schlägt. Red gibt zwar zu, dass die Frau in dem Bild (ich hatte sie in dem letzten Review fälschlicherweise als Mann identifiziert) Liz' Mutter ist. Sie sei eine KGB-Agentin namens Katerina Rostova gewesen. Außerdem gibt er zu, dass er Liz' Gedächtnis manipuliert hat, um ihre Erinnerungen an die Nacht des Feuers zu löschen. Das alles führt uns aber zurück zu der Frage, was in dieser Nacht passiert ist. Red schweigt jedoch weiter eisern.

Lieber ergeht er sich in ausschweifenden Parabeln über seine Lieblingsfilme oder entwirft ausgefeilte Manöver, um einen der Handlanger des Director zum Reden zu bringen. Der fällt natürlich sofort darauf rein und erzählt der als Doppelagentin getarnten Samar Navabi (Mozhan Marno) alles, was er über die Anschlagspläne des Cabal weiß. Guter Mann. Für Red ist das aber noch nicht genug, er lässt es sich überdies nicht nehmen, die Zunge des Mannes herauszuschneiden und dem Director zukommen zu lassen. Warum er das macht? Mir will kein rationaler Grund einfallen.

Wie gut The Cabal vernetzt ist, zeigt der Handlungsstrang um FBI-black site-Chef Harold Cooper (Harry Lennix). Abermals wird er von Tom Connolly (Reed Birney) zu einem illegalen Akt gezwungen. Als er den neuen Generalstaatsanwalt damit konfrontiert, zieht der endlich seine Maske ab. Er und The Cabal hätten Cooper angesichts vergangener Vergehen längst in der Hand. Kämpft der Gehörnte also nun bald an der Seite von Red und Liz (und Tom (Ryan Eggold)?) gegen diese düsteren Verschwörer? Momentan sieht alles danach aus. Es wäre aber schön, wenn wir irgendwann einmal erfahren, warum sich die Verschwörer überhaupt verschwören.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 4. Mai 2015

The Blacklist 2x20 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 20
(The Blacklist 2x20)
Titel der Episode im Original
Quon Zhang
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 30. April 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 9. Juni 2015
Autoren
J.R. Orci, Lukas Reiter
Regisseur
Karen Gaviola

Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x20

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