The Blacklist 2x07

The Blacklist 2x07

Moment, wer ist jetzt wessen Tochter? Nach dem Ende der Episode The Scimitar raucht uns Blacklist-Zuschauern der Kopf. Die Autoren der Serie machen ihre Faszination mit dem Tochterthema zur Obsession. Eine einfache Frage bleibt dabei bestehen: Warum?

Keine Folge ohne SWAT-Einsatz! / (c) NBC
Keine Folge ohne SWAT-Einsatz! / (c) NBC

Mit der Episode The Scimitar verdeutlichen die Macher hinter der erfolgreichen NBC-Actionserie The Blacklist, was sie für das spannendste Element ihrer eigenen Dramaturgie halten. Die Frage, ob Liz Keen (Megan Boone) nun die Tochter von Raymond „Red“ Reddington (James Spader) ist, steht im Zentrum ihrer erzählerischen Überlegungen.

Look me in the eyes when you do it

Deshalb wird der Fall der Woche dieses Mal auch noch viel schneller abgefrühstückt als sonst. In Washington treibt ein Auftragsmörder namens „The Scimitar“ („Krummsäbel“) sein Unwesen. Er soll Rache nehmen für den Mord an einem iranischen Nuklearwissenschaftler, der im cold open von Samir Navabi (Mozhan Marno) umgebracht wurde. Ihre Figur steigt derzeit rapide zur interessantesten der gesamten Serie auf. Sie hat eine undurchsichtige Vorgeschichte, ihre Loyalitäten sind nie klar verteilt, sie ist in Dinge verstrickt, in die eigentlich kein Mitarbeiter des FBI verstrickt sein sollte. Außerdem ist Marno einfach eine gute Schauspielerin.

Zu Beginn zitiert also Red, der einmal mehr schneller als andere über internationale Entwicklungen Bescheid weiß, Navabi und Keen zu sich. Sie sollten sich in Acht nehmen vor dem Krummsäbel, denn er sei „one part hitman, two parts con-man.“ („Zu einem Teil Auftragskiller, zu zwei Teilen Betrüger.“) Dieser Beschreibung macht der Gesuchte denn auch alle Ehre, indem er mehrere elaborierte Fallen aufstellt, in die das FBI mit großer Euphorie tappt.

Keen erweist sich dabei jedoch als fähige und reaktionsschnelle Einzelkämpferin. Gemeinsam mit der herbeigeeilten Navabi gelingt ihr die Befreiung ihres Kollegen Donald Ressler (Diego Klattenhoff) aus dem Verlies des „Scimitar“. Ihr bleibt sogar noch Zeit, um Ressler dazu zu drängen, sich wegen seiner Medikamentenabhängigkeit professionelle Hilfe zu suchen.

Tom (Ryan Eggold) wird an der kurzen Leine gehalten. © NBC
Tom (Ryan Eggold) wird an der kurzen Leine gehalten. © NBC

Neben all seinen anderen, ungleich wichtigeren Tätigkeiten lässt Red es sich jedoch nicht nehmen, den vor einer Razzia entkommenen Killer dingfest zu machen und Navabi auf dem Silbertablett zu präsentieren. Er ist nämlich angeblich für den Tod ihres Bruders verantwortlich. Zunächst werden wir in dem Glauben gelassen, dass Navabi seinen Ausflüchten dazu glaubt. Am Ende wird jedoch seine Leiche gefunden. Ein vielsagender Kameraschwenk auf Navabi lässt keine Zweifel daran zu, dass sie Rache genommen hat, ohne einen endgültigen Beweis für den Mord des „Scimitar“ an ihrem Bruder zu haben.

The greater the words, the larger the lie

Hieraus ließe sich gewiss eine spannende Geschichte basteln. Marnos Figur hat bisher viel frischen Wind in die Serie gebracht, die schon am Ende ihrer ersten Staffel merkwürdig eingefahren wirkte. Navabi kann witzig sein (vor allem im Zusammenspiel mit IT-Fachmann Aram (Amir Arison)), sie kann sexy sein (auch mit Aram) und gefährlich. Ihre Loyalitäten liegen nicht nur beim FBI, sondern (vor allem) auch beim israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad.

Leider gibt es aber kaum Anzeichen dafür, dass diesem Handlungsstrang mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden wird. Der ach-so-überraschende Cliffhanger dieser Episode lässt keinen anderen Schluss zu. Red bringt darin seine „Tochter“ Zoe (Scottie Thompson), die er zuvor unter Drogen gesetzt und entführt hatte, zu einem Treffen mit Berlin (Peter Stormare). Letzteres war wiederum eigentlich von Liz orchestriert worden, um Berlin von Red töten zu lassen. Doch der behauptet einfach, Zoe sei Berlins Tochter - was seinem Gegenspieler wiederum sämtlichen Wind aus den Segeln nehmen würde. Stellte sich diese Behauptung als Wahrheit heraus, hätte Berlin keinerlei Grund mehr, Todrache an Reds Tochter - wer auch immer sie sein mag (zwinker, zwinker) - nehmen zu wollen.

Warum die Tochterthematik in dieser Serie eine solch prominente Rolle spielt, mag sich mir nicht erschließen. Für mich sind all diese vermeintlich subtilen Andeutungen und Hinweise auf eine mögliche Vaterrolle Reds für Liz eher ein Ärgernis denn ein spannendes Rätsel, das ich unbedingt lösen möchte. Als Nebeneffekt dieser Heimlichtuerei muss den Drehbuchautoren immer ganz genau auf die Finger geschaut werden, wenn sie Szenen zwischen Red und seinen angeblichen Töchtern entwerfen. Diese Gespräche verharren - wie in dieser Episode augenscheinlich - stets in absoluter Beliebigkeit. Wären die Aussagen weniger vage gehalten, könnten die Zuschauer schließlich Hinweise auf die Vaterschaft ablesen. Dadurch wirkt das Drehbuch oftmals glatt und ohne Ecken und Kanten - kurz: langweilig.

Daran kann auch Toms (Ryan Eggold) Auftauchen nichts ändern. Liz hält ihn weiterhin im Frachtraum eines ausrangierten Schiffs gefangen und erpresst Informationen, die ihr für die Beseitigung Berlins behilflich sein könnten. Tom will wissen, was sie mit ihm vorhat. Liz sagt dazu nichts. Wir erfahren nichts, wir werden an der kurzen Leine gehalten, unser Wissensstand verharrt kurz über null. So macht The Blacklist wenig Spaß.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 4. November 2014

The Blacklist 2x07 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 7
(The Blacklist 2x07)
Titel der Episode im Original
The Scimitar
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 3. November 2014 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 6. Januar 2015
Autoren
J.R. Orci, Lukas Reiter
Regisseur
Karen Gaviola

Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x07

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?