The Blacklist 10x17

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The Morgana Logistics Corporation
Bereits in der letzten Folge hatte Raymond Reddington (James Spader) Harold Cooper (Harry Lennix) auf ein Containerschiff hingewiesen, welches die Taskforce sich näher anschauen sollte. Allerdings stand Blair Foster (Francie Swift) dort im Fokus, während Harold zusammen mit Cynthia Panabaker (Deirdre Lovejoy) durch Arthur Hudson (Toby Leonard Moore) und Clayton Dorf (Wayne Duvall) beschäftigt wurde. Jetzt teilt Harold Red mit, dass sich nichts Verdächtiges beim Schiff und den transportierten Waren finden ließ, weil sämtliche Güter ordentlich dokumentiert wurden und jede der auftraggebenden Firmen Hand und Fuß hat. Doch der Schein soll trügen, wenn Raymond explizit auf einen Firmennamen aufmerksam macht, der angeblich mit elektronischen Waren handelt, in Wirklichkeit aber teure Bordeaux-Weine befördert. Und diese Entdeckung soll bloß ein Bruchteil dessen sein, was die sogenannte „Morgana Logistics Corporation“ betreibt, die zahlreiche Scheinfirmen ins Leben gerufen hat, um weltweiten Schmuggel auszuführen - unentdeckt von den jeweiligen Landesbehörden.
Mit den Ermittlungen auf Hochtouren finden Donald (Diego Klattenhoff) und Siya (Anya Banerjee) mit Mr. Kavanaugh (J. C. MacKenzie) - dessen echten Namen sie nie erfahren - einen Teil dieser großen Operation, erhalten allerdings keine Antworten auf ihre Fragen. Kavanaugh ist außerdem nicht bereit zu einem Deal und aus den Szenen, die uns präsentiert werden, können wir ahnen, dass er damit rechnet, bald von seinem Boss ausgeschaltet zu werden oder aber im Gefängnis zu versauern. Dembe (Hisham Tawfiq) ist am aktuellen Fall nicht beteiligt, weil er zum Schutz von Raymond abgestellt wird, der in den Eröffnungsszenen Besuch von einem „Eindringling“ erhielt, während Herbie (Alex Brightman) abermals das Team vom Computer aus unterstützt und ein wenig neidisch wird, nachdem Siya im Rahmen der Ermittlungen ein ausgezeichnetes Restaurant besuchen durfte. Während Cooper und sein Team versuchen, die Hintermänner oder den Hintermann ausfindig zu machen, der die großangelegte Operation mit weltweiten Scheinfirmen betreibt, ist es für den erfahrenen Zuschauer kein Problem, diverse Zeichen zu erkennen, die auf eine bestimmte Person hindeuten. Ich habe jedenfalls nicht lange gebraucht, um die Vermutung zu haben, dass Red sein eigenes Imperium hier als Fall an Cooper übergeben hat. Und ihr?

Währenddessen kontaktiert Arthur Hudson einen FBI-Agenten namens Jordan Nixon (Derrick Williams). Nixon hat in der Vergangenheit bereits mit Hudson gearbeitet und soll jetzt weiter - intern - nachbohren, was es mit der „Taskforce 836“ auf sich hat. Natürlich stößt auch der größtenteils auf Granit und Hudsons eigenes Treffen mit einem der Assistant Directors of the FBI - Mike Shaeffer (Peter Gray Lewis) - bringt lediglich einen Namen hervor: „Zuma“. Aber für Hudson ist das genug, um sich auszumalen, weshalb Dembes Eintritt in das FBI stattgefunden hat, dass der Name „Raymond Reddington“ hineinspielen muss und ganz oben steht, und auch, dass neben Harold Cooper auch Donald Ressler involviert ist. Gute Fortschritte für Hudson an seiner Front, auch wenn er mit seinen Annahmen natürlich nur ein kleines Puzzlestück in der Hand hält, welches er vorerst falsch deutet. Aber mit den Namen liegt er richtig und kann unserem Team entsprechend gefährlich werden. Jetzt noch mit Blair Foster treffen und ihren Blickwinkel erfahren, dann wird es eng für Cooper und sein Team.
Raymond Reddington
Anfangs sind wir vielleicht noch davon überzeugt, dass Red bloß einen weiteren Blacklister an Cooper weitergibt. Aber wie sich bereits in den letzten Episoden andeutete, wird Raymond sich entweder demnächst zur Ruhe setzen oder blickt einem baldigen Tod entgegen. Reich genug ist er ohnehin und legt nicht mehr viel Wert auf weitere Errungenschaften. Im Gegenteil, es scheint ihm eine Freude zu sein, alles abzugeben, was er über die Jahre hinweg erlangt hat. Entsprechend ist auch der aktuelle Fall angesiedelt, der seine eigene Unternehmung besiegeln soll. Ja, er liefert hier quasi sein Imperium ab, welches stets unter dem Radar der Behörden operiert hat und sehr profitabel war.
Mir kam es bereits verdächtig vor, als Dembe zum Schutz von Red abbestellt wurde. Denn der „Eindringling“ war Weecha (Diany Rodriguez) und die „anstrengende Nacht“ hatte andere Gründe. Red wollte bloß nicht, dass Dembe erkennt, wer hinter dem Fall der Woche steckt. Denn ich bin mir sicher, dass Dembe viele, wenn nicht alle im feierlichen Raum erkannt hätte und über weite Teile von Reds Operationen Bescheid wusste, auch wenn er die nie mit Cooper geteilt hat. Sein Beitritt zum FBI wird hier auch behandelt und hat sicher noch einen ganz eigenen Deal parat gehabt, der Dembe davon entbindet, die Operationen seines ehemaligen Auftraggebers preiszugeben. Vor ein paar Wochen wurde er auch noch in eine Falle gelockt, durch alte Kontakte, die auf Red zurückgehen. Und jetzt ist er nicht Teil der Ermittlungen, weil er erkennen könnte, wem die Taskforce aktuell nachjagt. Angefangen mit Mr. Kavanaugh. Geschickt eingefädelt.

Mit den fortschreitenden Ermittlungen, die stets keine Hintermänner liefern, aber für Cooper trotzdem einen enormen Erfolg darstellen, wird weiterhin die Handschrift von Red geliefert. Schließlich wissen wir, dass er zahlreiche, weltweite Operationen durchführt und die Angst von einer Person wie Mr. Kavanaugh ist dahingehend auch nicht unbegründet. Also spätestens, als das Ausmaß von „Morgana Logistics“ bekannt wurde, war mir klar, dass Red hier seine eigene Methode zur Geldgewinnung preisgibt und opfert. Dieser Twist hat mich nicht überrascht, ebenso wenig wie mich überrascht hat, dass er „seine Leute“ aus dem Ermittlungssturm nimmt und die anstehende Party eben diesen Personen gegönnt wird, die ihn unterstützt haben und wie er einen schönen Lebensabend verbringen sollen.
Fall der Woche
Wie realistisch ist es aber, dass jemand einen derart großen Schmuggelring mit Scheinfirmen und echten Dokumenten samt Steuererklärungen, etc. aufbauen kann? Die ca. 30 Personen, die sich am Ende auf Reds Party befinden, erscheinen doch etwas wenig für diese großangelegte Operation. Bauchschmerzen bekommt man auch, wenn zahllose Identitäten (jede Firma benötigt Mitarbeiter auf dem Papier) aus dem Nichts geschaffen wurden und bis ins letzte Detail durchgeplant sind. Man bräuchte schon eine regelrechte Armee von Angestellten, die sich ausschließlich damit beschäftigen, den zahlreichen Scheinfirmen Leben einzuhauchen. Und dann wird auch noch erwähnt, dass die Fotos der vermeintlichen Mitarbeiter mit Hilfe modernster Technik generiert wurden, was mit Blick auf die Laufzeit von Reds Imperium ebenfalls fraglich erscheint.

Für die Serie ist es willkommen, wenn wir endlich erfahren, wie Raymond jahrelang operiert und sein Vermögen generiert hat. Auf den ersten Blick passt das alles zusammen, haben wir doch immer wieder kleine Einblicke erhalten und mitbekommen, dass er beispielsweise an verschiedenen Häfen Leute hat, die sich um diverse Waren kümmern. Aber nehmen wir nur einmal das Beispiel mit den Bordeaux-Weinen. Irgendjemand muss diese Weine vor Ort kaufen oder bestellen und die Mengen sind enorm. Klar, wenn unsereins sich ein paar Flaschen Grand Cru bestellt, bin ich Endverbraucher. Aber wenn ich das als Händler mache und ein Geschäft damit betreibe, muss ich schon angeben, woher meine Gewinne kommen und diese versteuern. Denn dann interessiert sich das Finanzamt für die Waren, die ich einkaufe und verkaufe und auch die, die ich auf Lager habe (Stichwort: Inventur). Jeder Wirtschaftsprüfer könnte da aufmerksam werden und nachbohren, wenn beispielsweise größere Mengen Wein „verschwinden“, weil sie illegal exportiert werden.
Betrachten wir die Größe von Reds Netzwerk, dann erscheint es mir doch sehr unwahrscheinlich, dass nie jemand mitbekommen haben soll, was da passiert und womit wirklich gehandelt wird. Schließlich demonstriert uns Coopers Team, dass eine einzige Stichprobe dazu führen kann, dass sich jemand eine Scheinfirma genauer anschaut und bei weiteren Nachforschungen auch über die „Morgana Logistics Corporation“ stolpern könnte. Und etwas weitergedacht, können Donald und Siya die Drahtzieher deshalb nicht überführen, weil sie im Vorfeld von Red gewarnt beziehungsweise zu seiner Party eingeladen wurden. Hätte er das nicht gemacht, wäre nicht nur Mr. Kavanaugh verhaftet worden und dann hätte sich schon jemand gefunden, der unseren Concierge of Crime ans Messer liefert.
Arthur Hudson
Mich hat ein wenig gewundert, dass Arthur diese Woche nicht schon Blair Foster kontaktiert. Aber was noch nicht ist, kann ja noch kommen. Sein Kontakt beim FBI erweist sich jedenfalls als hilfreich und fördert eine Kleinigkeit zu Tage, der Hudson zu Mike Shaeffer folgen kann. Beim Treffen mit Shaeffer muss Hudson zwar bluffen, aber er kann einen Namen erfahren, der ihm bei seinen Ermittlungen weiterhilft.
Für uns bedeutet das ein paar Informationen darüber, wie Dembe zum FBI gelangt ist. Cooper musste da schon an einigen Strippen ziehen und sicher gewaltige Überzeugungsarbeit leisten, um Dembe in die eigenen Reihen aufzunehmen. Schließlich ging es da nicht nur um einen Immunitätsdeal, sondern um einen Beitritt zur Taskforce. Das ist ein gewaltiger Unterschied zu Red, der weiterhin als Krimineller gehandelt wird, zumal Dembe als Reds rechte Hand fungiert hat.

Mir gefällt auf jeden Fall, dass dieser Deal mit Dembe nun angesprochen und ein wenig ausgeführt wird. Hudson erfährt außerdem mehr über „Taskforce 836“ und ahnt nun (ungefähr jedenfalls), was es damit auf sich hat und wer dazu gehört. Das macht ihn gefährlich für unser Team und lässt die Spannung auf die nächsten Episoden steigen. Aber gleichzeitig finde ich Hudson auch sympathisch, denn es wurde bereits etabliert, dass er eine Nase für krumme Angelegenheiten hat und diese aufdeckt, ohne sich dabei korrumpieren zu lassen (was sich von unserer Taskforce nicht sagen lässt, da ist mit Ausnahme von Siya keiner mehr „sauber“). Und sein Bluff mit Shaeffer? Sehr schön durchgeführt, unterstreicht das doch, wie hartnäckig Hudson vorgeht, um zur Wahrheit zu gelangen. Da möchte ich schon fast sehen, dass er am Ende Erfolg hat, auch wenn das recht unwahrscheinlich ist.
Fazit
Wieder eine gute bis sehr gute Episode, die uns das Ende von The Blacklist näherbringt. Die Überraschung vom Fall der Woche ließ sich zwar mit Leichtigkeit ausmachen und bei näherer Überlegung lässt sich jede Menge Kritik finden, aber es passt alles zu Reds aktuellem Werdegang. Außerdem ist Arthur Hudson in der Lage, neue Informationen über unser Team zu finden, was mit Spannung auf die weiteren Entwicklungen warten lässt. Von mir gibt es diese Woche vier von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 10. Juni 2023(The Blacklist 10x17)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 10x17
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