The Bastard Executioner 1x01

The Bastard Executioner 1x01

Wales im 14. Jahrhundert: Ein Ritter lässt die Waffe hinter sich und beginnt ein Leben als glücklich verheirateter Bauer. Doch das Schwert lässt ihn in der Serie The Bastard Executioner nicht los - nach der Ermordung seiner Frau hat er keine andere Wahl und beginnt als Henker am Hof.

„The Bastard Executioner“ / (c) FX
„The Bastard Executioner“ / (c) FX

Kurt Sutter hat eine neue Serie gemacht und für viele Sons of Anarchy-Fans ist das eine wunderbare Nachricht, zumindest bis jetzt. Die anderthalbstündige Pilotepisode der Serie The Bastard Executioner bleibt nämlich hinter den Erwartungen zurück.

Worum geht es in der Pilotepisode?

Die Prämisse ist aufgrund ihrer Klischeehaftigkeit schnell erklärt: Kämpfer will neues Leben in Idylle anfangen, findet liebende Frau, gründet Familie, doch erkennt, dass große Ungerechtigkeit vor sich geht, will sich wehren und verliert dadurch auf bestialische Weise seine Familie. Zieht los, sich an den Oberen zu rächen und landet mitten in verhassten Institutionen, ohne Möglichkeit, sich unmittelbar zu wehren, gezwungen, eine Lüge zu leben, die jedoch, wir wissen es jetzt schon, sich nicht besonders lange halten wird.

Die ersten Minuten der Pilotepisode der Serie The Bastard Executioner verbringen wir mit den letzten Minuten von Wilkin Brattle (Lee Jones) in den Diensten seiner Majestät. Nach einer verlorenen Schlacht begutachtet er seine toten Kameraden, wobei aus einem ein Monster entsteigt. Naja, so weit, so seltsam, doch dann wird es wieder vorhersehbar, denn die Szene ist ein Traum, die der mittlerweile glücklich verheiratete, werdende Vater Wilkin hat.

Unterdessen versucht man, sich in der Burg des Barons den Babywunsch erst noch zu erfüllen, aber es klappt nicht, was den Baron Ventris (Brian F. O'Byrne, The Last Ship) zu miesen Sprüchen gegen seine Frau bringt. Der erste Bösewicht der Episode ist damit bereits gefunden. Also weiter im Text. Wir treffen Katey Sagal mit einem seltsam erzwungenen Akzent, wie sie Annora of the Alders, die Heilerin, gibt.

Währenddessen macht das glückliche Paar sich auf einen Wasserholspaziergang, trifft eine Bekannte mit Schaf und zieht weiter, bis die anderen Männer aus dem Dorf sie einholen, die sich dann gegen die Führung auflehnen wollen, um dem sicheren Hungertod zu entkommen. Ohne Wilkin können sie es nicht schaffen, also muss er mit, auch wenn seine geliebte Frau ihm noch so viele böse Blicke zuwirft. Wem versucht sie etwas vorzumachen, sie liebt ihn doch dafür, dass er dieser tragische Held ist, der kein Unrecht geschehen lassen kann. Gut, dass sie wieder auf die Heilerin treffen, die sie ablenkt mit allerlei Kräutern und Fragen zur Schwangerschaft.

Bei dieser Gelegenheit bemerkt man auch den Typ, der als Dark Mute geführt wird, der Heilerin überall hin folgt und von Serienschöpfer Kurt Sutter selbst gespielt wird. Er tritt per Schrift in Kontakt mit seiner Begleiterin und er schreibt, genau, auf Deutsch. Kein Problem für das US-Publikum, solange Annora alles, was er schreibt, umgehend auf Englisch übersetzt vorliest - für niemanden außer das Publikum.

Die Baronesse Lady Love (Flora Spencer-Longhurst) geht im Meer schwimmen und ängstigt so ihre treue Dienerin Isabel (Sarah White). Offenbar macht sie das öfter, um sich daran zu erinnern, wer sie ist. Ihr Mann hält seinem Getreuen Milus (Stephen Moyer, True Blood) unterdessen Vorträge, die mehr als langweilig sind, und wird von einem Diener unterbrochen, dessen attraktiver Darsteller einfach zu gepflegt ist, um in dieser Situation auch nur ansatzweise glaubwürdig zu wirken. Gut, dass wir direkt an einen wahren Charismatiker weitergereicht werden und die Drei treffen auf Father Ruskin, dargestellt von Timothy V. Murphy. Doch wo ist die Ausstrahlung dieses Mannes, der in Sons of Anarchy als Galen O'Shay beeindrucken konnte?

Schnell das furchtbare CGI von der Burg im Hintergrund des Dorfes ignorieren und dann sind wir auch schon wieder bei Wilkin und seinen Mannen, die sich bereit machen, gegen die Ungerechtigkeit ins Feld zu ziehen. Furchtbare Dinge werden bald die übertriebene Idylle zerstören, das ist klar, aber wieso kann das nicht einfach schneller und schmerzloser ohne kitschige Musik gehen?

Der erste Angriff verläuft erfolgreich für die Bauern, doch jemand ist entkommen. Außerdem lösen die Toten einen weiteren Erinnerungsanfall für Wilkin an seine letzte Schlacht in den königlichen Reihen aus. Er, als einziger Überlebender, hört die Unterhaltung zwischen dem Baron und Milus, wie sie hinterlistig lachend die Geschichte nach ihrem Gutdünken und ohne Rücksicht auf Opfer schreiben.

Parallel dazu geschieht in der Burg etwas: Der Henker nimmt seinen Abschied, weil er sich zu schlecht bezahlt fühlt, er herrscht seine Frau und seinen Sohn an, wir wissen, dass er es nicht mehr lange machen wird. Der Baron erfährt vom Überlebenden, dass es Probleme in der Grafschaft gibt. Mithilfe der gebildeten und mitfühlenden Baronesse findet er heraus, wer sich gegen ihn erhebt.

Die siegreichen Rebellen sitzen zusammen und reden darüber, dass sie kaum etwas über Wilkin wissen, der einfach in ihrem Dorf auftauchte. In derselben Nacht stürmt der Baron mit seinen Männern das Dorf, befragt die Frauen und richtet schließlich ein Massaker an, dem nur die hochschwangere Petra durch die Gnade eines der Soldaten entkommt.

Doch weit kommt sie nicht, denn nur wenige Meter weiter stirbt sie durch die Hände eines besonders grausamen Mannes mit einem Messer von hohem Wiedererkennungswert und mit religiösem Bewusstsein.

In der Wildnis zeigt der Henker, dass er ganz einfach kein guter Mann ist - ein gewalttätiger Ehemann und Vater, ein Mann ganz anders als Wilkin, der zeitgleich feststellen muss, dass er verwitwet ist, so wie es alle anderen Männer seines Dorfes sind. Er holt sofort sein altes Schwert und zieht wortlos auf einen Rachefeldzug, begleitet von seinen Nachbarn. Doch, bevor sie loslegen können, treffen sie auf Annora mit ihrem stillen Begleiter, die ihm hieroglyphische Vorhersagen mitgibt.

Der Baron lässt sich von seiner Frau massieren, als er von der Nachricht dieses Angriffsplans überrascht wird. Unterwegs treffen sie auf den Henker, nehmen ihn mit und lassen dessen Familie alleine Richtung Burg weiterziehen.

Schnell treffen die Kontrahenten aufeinander. Unterwegs hat sich die Armee Wilkins verdreifacht und so besiegen sie ihren Unterdrücker in einer grausamen Schlacht.

Während Wilkin bewusstlos ist, schneidet Annora ihm die Haare ab und brennt ihm ein Kreuz in die Wange. Dafür wird sie von den anderen kurz gefesselt, der wieder erwachte Wilkin lässt sie jedoch wieder frei und sie sagt ihm, dass er als tot gelten muss, um zu leben - und dieses Geschenk bekommt er von dem Henker. Er gehorcht und zieht mit seinen Getreuen zur Burg, um die Leiche des Barons zu überbringen. Vor den Toren wiederholen sie ihren Plan, rein, raus und weiterziehen. Wem bis dahin noch nicht klar war, dass es zum Scheitern verurteilt ist, der sollte es dann wohl bemerken.

Kurz drohen die beiden aufzufliegen, doch Milus und Love - die beiden entscheidenden Köpfe in dem Moment - sind dafür, sich über den Zweifel zu erheben und dem Mann zu glauben. Vor allem, da seine angebliche Ehefrau ihn deckt. Milus baut sich als potentieller Gegenspieler auf, der seine Feinde lieber im Auge hat.

Doch, statt ein fahrender Henker zu werden, begrüßen die beiden ihn noch einmal separat in der Burg und am Ende ist klar: Hier muss er wohl erst einmal ein bisschen bleiben. Love hat eine Vision von einem Neugeborenen, als sie eine Wunde anfasst.

Schließlich, als wir am Ende einer sehr langen Pilotepisode angekommen sind, erfahren wir dann doch noch etwas Unvorhergesehenes: Der Name des Dark Mute ist Ludwig, sein Gesicht ist entstellt und er hat das Messer, mit dem Petra umgebracht worden ist.

Wilkin begeht seine erste Hinrichtung, natürlich unter furchtbaren Gewissensbissen und mit Visionen von Petra (Elen Rhys) und der Frau, die wir zunächst für die junge Version der Heilerin halten sollen, nicht zuletzt, da sie Petra wegführt.

Kurt Sutter goes The Punisher

Vieles an der Pilotepisode der Serie The Bastard Executioner irritiert und die schlechte Computergrafik sowie Katey Sagals seltsamer Akzent sind dabei noch das, was man am besten ignorieren kann. Schlimmer ist, dass die ganze Geschichte überraschend klischeehaft daherkommt und sich im Laufe der anderthalb Stunden nicht absetzen kann. Die grobe Story klingt wie ein beliebiger Actionfilm aus einer beliebigen Zeit: Ein Kämpfer versucht, ein ehrenhaftes, ruhiges Leben zu führen, doch während er das versucht, wird seine Familie ermordet, er selbst muss sich tot stellen, um seine Rache nehmen zu können.

Ach, wenn „The Bastard Executioner“ doch wenigstens mit charismatischen Darstellern und eindrucksvollen Bildern punkten könnte. Aber auch hier bisher Fehlanzeige. Kurt Sutters Version des 13. Jahrhunderts wirkt seltsam verzerrt. Vieles sieht aus wie direkt vom Mittelaltermarkt in einer Kleinstadt abgekauft, in anderen Details gibt er sich große Mühe, einen realistischen Touch entgegen aktueller Schönheitsideale reinzubringen. Viele der Figuren haben zum Beispiel schlechte Zähne. Na gut, in einer Zeit, in der sich kaum ein Schauspieler mit seiner echten, ungebleichten Zahnfarbe vor die Linse traut, ist das ja immerhin ein bisschen erfrischend.

Doch darüber hinaus gibt es nicht viel zu holen, die Figuren verhalten sich je nach ihrer Zugehörigkeit zu einer moralischen Seite wie Abziehbilder. Wer hier böse ist, dem sieht man das schon von weitem an, wer gut ist, der zeigt das auch. Dass Annora ein Geheimnis hat, kann kaum anders sein und dass sie gute Chancen darauf hat, als Mörderin entlarvt zu werden, kann man schon erahnen, als Petra verwirrt, aber bekannt mit ihrem Angreifer spricht.

Hat sie die unschuldige werdende Mutter umgebracht, um den ehemaligen Ritter auf seinen ihm vorbestimmten Pfad zu setzen? Und hat auch die mitfühlende Baronin ein Geheimnis, das sie mit dem einfachen Volk verbindet und das ihr und vermutlich auch anderen noch gefährlich werden könnte? Die Pilotepisode gibt uns keinen Anlass dazu, an Überraschungen zu glauben und das ist keine gute Voraussetzung, um wiederzukommen.

Es passieren so viele Sachen, die vorhersehbar sind. Zum Beispiel die große Schlacht zwischen Wilkin und seinen Männern und dem Baron und seiner Armee. Was anderes soll passieren, als dass der ehemalige Ritter voller Rachegefühle siegt? Spannung ist etwas anderes, es kann also nur darum gehen, möglichst detailreich und grausam die Verstümmelungen und Ermordungen darzustellen, wenn eine Kampfszene mehrere Minuten dauert.

Reicht das aus? Wir sehen, wie eine Frau beim Gebet umgebracht wird, wie ein Mann den toten Fötus hochhebt, der von deren Mördern aus der Leiche seiner Mutter geschnitten wurde. Ja, das ist grausam, aber es ist auch mit übertrieben expliziter Barbarei zu punkten. Aber der Zeitpunkt dafür ist unpassend, es gibt schon zu viel davon, die meisten Grenzen sind schon niedergetrampelt und Kurt Sutter findet in der Pilotepisode nicht die richtige Formel, uns auf emotionale Art abzuholen, wie er es in Sons of Anarchy konnte. Denn die Anfänge von „The Bastard Executioner“ sind besonders enttäuschend für all jene, die sich durch Jax, Gemma und Co in Kurt Sutters Art verliebt haben.

Sons of Anarchy brought me here.

Manches an der neuen Serie erinnert an ihren Vorgänger. Ein junger Mann, dessen einziges Ziel ein ruhiges und glückliches Leben für seine Familie ist, steht im Mittelpunkt. Jax (Charlie Hunnam) und Wilkin haben selbst äußerlich Ähnlichkeit. Eine Frau mit großer, aber unbestimmter Macht drängt sich in sein Leben und manipuliert seine Entscheidungen nach ihrem Willen. Seine Chance auf Liebe und Idylle wird grausam vernichtet.

Obwohl er moralisch auf der richtigeren Seite steht, bringen ihn die Umstände immer wieder dazu, grausame Taten zu begehen, bis er schließlich die Fäden erkennt, die ihn zur Marionette machen. Moment, der letzte Teil des Satzes ist in „The Bastard Executioner“ noch gar nicht passiert, aber es wird wohl nicht sehr viel anders laufen. Ist die ganze Serie eine Fortsetzung der letzten „Sons of Anarchy“-Staffel? Der Gedanke ist nicht ganz abwegig, auch deshalb, weil die Macher offenbar davon ausgehen, dass wir eine größere emotionale Bindung zu den Figuren haben, als es wirklich der Fall ist.

Taras Schicksal konnte uns mitnehmen, weil wir ihr mehrere Staffeln lang dabei zugesehen haben, wie sie alles versucht hat, um gemeinsam mit Jax glücklich zu sein. Sie wollte sich integrieren, sie wollte weglaufen, sie wollte neu anfangen. Dass Petra hinweggerafft wird (bezeichnenderweise von Katey Sagals Figur), ist kaum der Rede wert. Nicht einmal der billige Trick, sie erst laufen zu lassen und dann doch zu erwischen, kann einen Funken Spannung hervorbringen.

Wir kennen diese Figuren nicht und trotzdem lässt er all das geschehen, auf das er in seiner letzten Serie sechs Staffeln hingearbeitet hat. Auch in der Bildsprache gibt es einige Parallelen zwischen den beiden Serien, zum Beispiel die Szene, in der Petra und eine namenlose Frau sich in die Arme nehmen und den in die Schlacht ziehenden Männern traurig, aber tapfer nachblicken. Viel anders haben Tara und Gemma das zuweilen auch nicht gemacht. Nur, dass wir sie da bereits lange kannten und sie meistens Bobby mit im Arm hatten. Dieses Mal sind es nur zwei Figuren, die bald ohnehin weg sein werden, die tun, was man halt so tut, wenn jemand auf der Mattscheibe in den Krieg zieht.

Fazit

Ist also das einzige Problem, dass wir die neuen Figuren noch nicht kennen? Wenn es mal nur das wäre... Doch auch andere typische Sutter-Kunstgriffe wollen sich einfach nicht richtig einfügen. Es geht immer um die ganz großen Dramen und auch dieses Mal setzt er nicht tief an. In einem Deadline-Interview hat er seine Überlegungen erklärt: „Es ist der seltsame Teil der Geschichte, in der die römisch-katholische Kirche dominant war und jeden in den Rachen gerammt wurde, bis zu dem Punkt, an dem es keine Religion, sondern vielmehr eine Armee war. (...) Doch der größte Teil der Bevölkerung war gerade mal eine halbe Generation davon entfernt, an Hexen, Feen, Kobolde und all den Kram mit heidnischer Herkunft zu glauben. Ich liebe diese Zeit, in der es ein Erwachen der Spiritualität und verfeinerten Dinge gibt, doch ein Großteil der Menschen rückwärtig gerichtet waren.

Das klingt gut und wäre dem Serienmacher auch durchaus zuzutrauen, aber mit The Bastard Executioner ist ihm bisher nicht gelungen, was er beschrieben hat. Dass es um Religion gehen soll, wird als Schockeffekt verwurstet, indem er eine Betende erschlagen lässt, die Figur der Heilerin kommt bisher nicht über das Klischee hinaus. Als mögliche Vertreterin einer untergehenden Zeit des Aberglaubens hat sie sich bisher nicht in Stellung gebracht.

Doch vielleicht ist das Kind ja noch nicht in den Brunnen gefallen und die nächsten Episoden werden zeigen, was von den Schwächen des Auftakts der Pilotkrankheit geschuldet ist und welche sich weiter durchziehen. Genau solche Worte wie im zitierten Interview geben nämlich auch Anlass zur Hoffnung, dass sich die Enttäuschung in solide Unterhaltung verwandelt.

Trailer zur Serie „The Bastard Executioner“:

Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 16. September 2015

The Bastard Executioner 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Bastard Executioner 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Tödliche Geister
Titel der Episode im Original
Pilot (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 15. September 2015 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 8. März 2020
Regisseur
Paris Barclay

Schauspieler in der Episode The Bastard Executioner 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?