Renegade Nell 1x01

Renegade Nell 1x01

Mit dem Original „Renegade Nell“ bringt Disney+ eine britische Fantasyserie im Setting des 18. Jahrhunderts, die mit einem hübschen historischen Look sowie Humor, Action, Spannung und einer stark aufspielenden Louisa Harland in der Titelrolle auftrumpft. Mehr dazu in unserem Review zur Pilotfolge „Nenn mich nicht Nelly!“

Key-Art zur Disney+-Serie „Renegade Nell“
Key-Art zur Disney+-Serie „Renegade Nell“
© Disney+

Das passiert in der Pilotfolge der Fantasyserie „Renegade Nell“

England, London/Tottenham im Jahr 1705: Nell (Louisa Harland) ist in Renegade Nell die frischgebackene Witwe eines hochdekorierten Soldaten und etwas ganz Besonderes. Sie wird von einem magischen Wesen beschützt, das immer dann in Aktion tritt, wenn sie angegriffen wird. Ihre daraus erwachsenen übernatürlichen Kräfte nutzt die junge Frau, um sich gegen ein Komplott des bösen Friedensrichtersohns Thomas Blancheford (Jake Dunn) zu wehren, der kaltblütig ihren Vater ermordete. Als dieser auch noch seinen eigenen Vater erschießt, um an das Erbe zu gelangen, flieht Nell zunächst mit ihren Schwestern Roxy (Bo Bragason) und George (Florence Keen). Gemeinsam geraten die drei in ein Komplott epischen Ausmaßes und erleben manches Abenteuer - immer auf der Suche nach Gerechtigkeit.

Mit Spaß bei der Sache

Beginnen wird dieses Review mit der einen Sache, die man der Produktion negativ auslegen könnte, wenn es denn unbedingt wollte. Als Leitmotiv für die historische Fantasyserie dient nämlich auf den Kern heruntergebrochen eine „Robin-Hood“-artige Outlaw-Story. Ein mächtiger Adliger verleugnet seine Widersacherin, weil dieser nach einer bösen Tat seine Macht festigen möchte. Derartige Geschichten gibt es zuhauf, könnte man meinen. Ganz so einfach ist es aber dann doch nicht, weil sich Serienerfinderin Sally Wainwright (Gentleman Jack) einiges einfallen lassen hat, um ihr für den Streamingdienst Disney+ geschriebenes Original aufzupeppen.

Da wäre zunächst einmal die amüsante Verquickung alter englischen Sagen und Mythen im Gewand des frühen 18. Jahrhunderts mit Superheldenanklängen. Hinzu kommt das oben erwähnte Leitmotiv, eine kaltschnäuzige und überaus sympathische Heldin, ein richtig fieser Bösewicht sowie eine hübsche Prise Humor. Klingt nach einem bunt zusammengewürfelten Haufen, finden Sie? Stimmt, aber auf eine höchst unterhaltsame Weise, wie schon die Pilotepisode mit dem sinnigen Titel Nenn mich nicht Nelly! offenbart.

Schauwerte

Denn an Schauwerten mangelt es wahrlich nicht. Doch beginnen wir von vorne und halten fest, warum Nell über Superheldinnenfähigkeiten verfügt. Schuld daran ist ein kleines, elfenartiges Wesen namens Billy Blind (Nick Mohammed, das es sich in den dickschädeligen Kopf gesetzt hat, Nell - die eigentlich Nelly Jackson heißt - vor körperlichem Übel zu bewahren.

Warum und weshalb Billy die junge Frau erwählte, bleibt zunächst einmal offen, es ist jedoch davon auszugehen, dass der schmuddelige, beflügelte Däumling seine ganz eigenen Pläne hat. Bis wir ihn kennenlernen, vergeht allerdings eine knappe halbe Stunde. Zuvor erfahren wir in einer schnittigen Postkutschenraubszene, was die Protagonistin draufhat.

Nach dem Tod ihres Soldatengatten reitet Nell Richtung Heimat ausgerechnet durch den Wald, in dem der charmante Räuber Charles Devereux (Frank Dillane) gerade sein Unwesen treibt. Er wähnt Nell als eine Art Zubrot zur Kutsche, deren Insassen er gerade um sein Hab und Gut bringt, doch weit gefehlt. Als er die Frau schlägt, fährt ein Glühwürmchen-artiges Licht in sie, dass sie unmittelbar unbesiegbar werden lässt. Nach einer unterhaltsam gedrehten Prügelei, in der auch Charles sein sprichwörtliches Fett abbekommt, wissen wir, dass Nell etwas Besonderes ist.

Denn während des teilweise mit Wire-Fu-Elementen inszenierten Kampfes zeigt sich, dass die junge Frau nicht nur einen Schlag wie ein ebenfalls sprichwörtlicher Gaul hat, sondern auch spielend Pistolenkugeln ausweicht, aus dem Stand auf das Kutschendach springen kann und so weiter. Mit anderen Worten haben die Gauner nicht die geringste Chance, was von der soeben geretteten Reisegemeinschaft erstaunt beklatscht wird. Schon hier wird klar, dass „Renegade Nell“ in erster Line Spaß machen soll. Das Cold Open ist mit einer gesunden Portion Action, Süffisanz, Überzogenheit und reichlich Humor ausgestattet, so dass man auf erfreulich unaufdringliche Art in die Geschehnisse hereingezogen wird.

Die Geschichte

Dieser gute Ersteindruck setzt sich über die restlichen rund 45 Minuten der Pilotfolge fort und wird mit einer dramatischen Wendung aufgewertet, die schon früh in der Serie zum Tragen kommt. Kaum in Tottenham angekommen, lernen wir nicht nur die sympathische Schankwirtfamilie Nells kennen, sondern auch den fiesen Thomas Blancheford, der leider, wie eingangs erwähnt, nun mal ausgerechnet der Sohn des hiesigen Friedensrichters ist... Er ist jedoch nicht nur ein reicher Taugenichts, sondern auch rücksichtslos und brutal seinen Untergegebenen gegenüber. So erschießt er beispielsweise grundlos das Pferd eines Dorfbewohners und hat ein lüsternes Auge auf die minderjährige Schwester Nells geworfen. Als sein Vater ihm für seine neuesten Untaten den Unterhalt streicht, wendet sich Thomas dem offenbar schwarzmagisch begabten Robert Hennessey, Earl of Poynton (Adrian Lester) zu.

Er verspricht dem missratenen Sprössling Ruhm und Reichtum im Austausch für seine Seele, was prompt dazu führt, dass Blancheford seinen eigentlichen gutherzigen Vater erschießt und die Tat Nell anlastet. Zuvor hatte er aber bereits schon ihren Vater kaltblütig ermordet, womit eine starke Protagonisten-Antagonisten-Bindung zwischen den Figuren etabliert ist.

Schauspieler

Das alles ist flott und ohne Längen erzählt und wird von der stark aufspielenden, sympathischen Hauptdarstellerin Louisa Harland bestens getragen. Nell ist optisch eher maskulin angelegt. Sie ist zwar hübsch, aber keine feingeistige Schönheit, trägt Männerkleidung, ist kampferprobt, gut bewaffnet und weiß mit der Pistole umzugehen. Für so eine Rolle bedarf es einer körperlich präsenten Darstellerin und tatsächlich nimmt man Harland denn auch jeden Schlag und jeden Move ab, der in die Kampfchoreografien eingebaut ist. Dennoch ist Nell dank der tollen schauspielerischen Leistung kein Mannsweib, sondern einfach eine Frau, die sich nichts gefallen lässt und das (vermeintliche?) Glück hat, von einem magischen Wesen beschützt zu werden.

Einen ausnehmend positiven Eindruck hinterlässt auch Jake Dunn als Thomas Blancheford, der seiner Figur von Beginn an eine beinahe erschreckende Herzenskälte verleiht, die die Figur geradezu als Bösewicht prädestiniert. Thomas ist borniert, gierig, faul, überheblich und durch und durch unsympathisch, Attitüden, die Dunn in Gestik und Mimik ansprechend zum Ausdruck bringt.

Als jüngere Schwestern Nells treten die 20-jährige Bo Bragason als Roxy und die 13-jährige Florence Keen als George auf, die ihre Jobs ebenfalls gut meistern.

Der routinierte Adrian Lester („Hustle“) übernimmt die Rolle des Teufels in Menschengestalt, des Verführers, der die Macht an sich reißen will und dafür auf schwarze Magie zurückgreift. Er und Thomas Blancheford dürften in dem bereits im Vorfeld von „Renegade Nell“ angekündigten Komplott gegen die Queen eine wichtige Rolle spielen, wobei Nell den Verschwörern hoffentlich mächtig einheizt.

Fazit

Die Pilotfolge von „Renegade Nell“ hinterlässt einen rundum gelungenen Eindruck. Die Geschichte ist unterhaltsam, die Figuren machen Spaß, Action gibt es reichlich, der Look ist hübsch schmuddelig und zur großen Freude martert uns Sally Wainwright nicht mit einer zwanghaft modernisierten Sprache. Dennoch ist die Erzählweise durchaus nicht altbacken, sondern fühlt sich ganz im Gegenteil erstaunlich frisch und ansprechend an. Nell ist eine glaubwürdige Superheldin, die nicht mal eben einfach so übermächtig ist. Sie bewegt sich in einer scheinbar normalen Welt, in der das Magische im Verborgenen, außerhalb des Sichtfeldes der allermeisten Menschen existiert und für überraschende Wendungen sorgt.

Eingebettet in einen „Robin-Hood“-artigen Plot, verknüpft mit einer übernatürlichen Spionagegeschichte dürften wir hier einen Hit vor uns haben, wenn es die Serienmacher nicht im Verlauf der Staffel noch verbocken.

Wir vergeben vier von fünf Punkten.

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Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 2. April 2024

Renegade Nell 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Renegade Nell 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Nenn mich nicht Nelly!
Titel der Episode im Original
Don't Call Me Nelly
Länge der Episode im Original
55 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Freitag, 29. März 2024 (Disney+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 29. März 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 29. März 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 29. März 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 29. März 2024

Schauspieler in der Episode Renegade Nell 1x01

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