The Alienist 1x01

The Alienist 1x01

Nein, mit Außerirdischen hat das neue TNT-Drama The Alienist nichts zu tun, stattdessen geht es um einen Kriminalpsychologen im Jahr 1896. Der Kabelsender hat viel Geld und Talent in die Serie investiert. Im Ersteindruck enttäuscht sie jedoch ein wenig.

Luke Evans, Dakota Fanning und Daniel Brühl in „The Alienist“ (c) TNT
Luke Evans, Dakota Fanning und Daniel Brühl in „The Alienist“ (c) TNT
© uke Evans, Dakota Fanning und Daniel Brühl in „The Alienist“ (c) TNT

Spätestens seit Filmen wie „Inglourious Basterds“, „Rush“ und „The First Avenger: Civil War“ ist Daniel Brühl einer der international renommiertesten Schauspieler Deutschlands. Und da auch er zu wissen scheint, dass die wirklich interessanten Projekte momentan im Fernsehen stattfinden, nahm er mit dem TNT-Drama The Alienist nun seine erste große Serienrolle an. Doch wie hätte er sich diese Chance auch entgehen lassen können? Immerhin waren mit dem Regisseur Cary Fukunaga (True Detective) und dem Drehbuchautor Eric Roth („Forrest Gump“) bereits früh zwei ziemlich große Namen involviert.

Am Ende waren Fukunaga und Roth allerdings nur als Produzenten am Werk. Regie übernahm in der Pilotepisode The Boy on the Bridge, die am 22. Januar auf Sendung ging, der Belgier Jakob Verbruggen, der zuvor Serien wie House of Cards, Black Mirror und The Fall inszenieren durfte. Das Script übernahm indes der Iraner Hossein Amini („Drive“). Zumindest einen Hauch des anfänglichen Prestiges musste The Alienist damit wieder einbüßen. Dafür konnten mit Luke Evans („Die Schöne und das Biest“) und dem ehemaligen Kinderstar Dakota Fanning („Mann unter Feuer“) aber wenigstens noch zwei bekannte Darsteller verpflichtet werden. Doch am Ende sind Namen sowieso nur Schall und Rauch, denn was zählt, ist die Geschichte.

A very disturbed mind

The Alienist spielt im Jahr 1896 in New York. Im Zentrum steht der eigenwillige Kriminalpsychologe Dr. Laszlo Kreizler (Brühl), der gemeinsam mit dem charmanten Zeitungsillustrator John Moore (Evans) und der selbstbewussten Polizeisekretärin Sara Howard (Fanning) einem schrecklichen Verbrechen auf Grund gehen will. Ein kleiner Junge, der seinen Körper in der berüchtigten Paresis Hall an pädophile Freier verkaufen musste, wird ermordet auf einer Brücke entdeckt. Wie ein Engel liegt er da in seinem weißen Kleid - und schnell wird deutlich, dass hier ein teuflisches Monster zugeschlagen hat.

Diverse Körperteile wurden abgetrennt und selbst die Augen sind nicht mehr an ihrem Platz. Mit äußerst makaberem Genuss inszeniert Verbruggen diesen ersten Tatort der Krimiserie. Zuschauer mit schwachem Magen sollten vorgewarnt sein: Leere Augenhöhlen sieht der Regisseur hier als willkommene Gelegenheit für einen Zoom ins Schwarze und eine Überblendung zur nächsten Szene. Von solchen fragwürdigen Spielereien abgesehen ist die visuelle Gestaltung von The Alienist allerdings ein großes Fest. Bis zu fünf Millionen Dollar soll die Serie pro Episode kosten und diesen protzigen Produktionswert sieht man besonders in den lebendigen Außenkulissen. Verbruggen ist es so gelungen, ein beeindruckendes Bild der Zeit zu malen. Und sogar die CGI-Effekte wirken dabei stimmig.

Eines muss man „The Alienist“ lassen: Schick ist die Serie allemal...
Eines muss man „The Alienist“ lassen: Schick ist die Serie allemal... - © TNT

Trotz alledem kann The Alienist hinsichtlich der Atmosphäre längst nicht mit einem Giganten wie True Detective mithalten. Der Vergleich mag zwar ohnehin ein wenig unfair erscheinen, liegt durch die Involvierung Fukunagas aber auf der Hand. Denkbar ist allerdings auch, dass die fehlende Spannung - zumindest in der Auftaktepisode - auf Drehbuchmängel zurückzuführen ist. Weder durch die Dialoge noch durch die Charakterzeichnung kann der Autor Amini, der das Ganze auf Grundlage eines gleichnamigen Romanes des Historikers Caleb Carr schrieb, großartig punkten. Der Fall selbst mag sich vom Mittelmaß zwar dadurch unterscheiden, dass das Opfer ausnahmsweise männlich statt weiblich ist, doch dafür dringen zahlreiche andere Krimiklischees durch.

Zum Kopfschütteln lädt vor allem das Ende der Episode ein. Dr. Kreizler, der hinter der Tat längst einen Serienmörder vermutet, dem er - wie sollte es auch anders sein? - schon einmal in seiner Vergangenheit begegnet ist, stellt hier die mehr als zweifelhafte Hypothese auf, dass er den Killer nur dann finden könne, wenn er anfängt, genauso zu denken wie er. Selbst wenn das hieße, zum schlimmsten Pädophilen auf der Welt zu werden. Vielleicht liegt es ja nur daran, dass ich selbst Psychologie studiert habe, allerdings hätte ich bei einer Serie mit einer so interessanten Prämisse wie dieser deutlich mehr erwartet. Selbst die Netflix-Serie Mindhunter, die ebenfalls mehr Begeisterung für die Psychopathen selbst als für die wissenschaftlichen Aspekte dahinter aufbringen konnte, bot in dieser Hinsicht mehr.

Fazit

Alles in allem scheint im Fall von The Alienist die bedenkliche und doch weit verbreitete Maxime „Style over substance“ zu stehen. Inszenatorisch und auch schauspielerisch ist die Serie einwandfrei, wenn nicht sogar herausragend. Das viele Geld, das TNT in die Umsetzung dieses lange angekündigten Prestigeprojekts investiert hat, wurde keineswegs verschwendet, jedoch hätte es an manchen Stellen vielleicht anders verteilt werden sollen. Die größte Schwäche stellt sicherlich das Drehbuch dar, das auf drei Ebenen - Handlung, Charakterzeichnung und Dialog - enttäuscht. Möglicherweise rührt diese Enttäuschung allerdings auch von dem unbequemen Gefühl, dass bei einer derart interessanten Prämisse und mit solch namhaften Beteiligten deutlich mehr drin gewesen wäre - übrigens ähnlich wie letztes Jahr beim FX-Drama Taboo.

Fans von düsteren Krimiserien wie True Detective oder Mindhunter werden an The Alienist wahrscheinlich trotzdem ihre Freude haben. Und auch Fans von period pieces sollten dem TNT-Format auf alle Fälle eine Chance geben - selbst wenn bei diesem speziellen Setting, also New York um die Jahrhundertwende, The Knick vielleicht die bessere Wahl wäre. Wenn schon nicht mit spannenden Einblicken in die Anfänge der Kriminalpsychologie, dann besticht die Serie doch wenigstens mit zeitgeschichtlichen Referenzen. So spielen beispielsweise auch historische Persönlichkeiten wie der spätere US-Präsident Theodore Roosevelt (Brian Geraghty) eine Rolle. Wer trotz der genannten Schwachpunkte noch immer Lust auf die Serie hat, der kann sie ab dem 19. April hierzulande bei Netflix sehen.

Verfasser: Bjarne Bock am Mittwoch, 24. Januar 2018

The Alienist 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Alienist 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Junge auf der Brücke
Titel der Episode im Original
The Boy on the Bridge
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 22. Januar 2018 (TNT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 19. April 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 19. April 2018
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 19. April 2018
Regisseur
Jakob Verbruggen

Schauspieler in der Episode The Alienist 1x01

Darsteller
Rolle
Daniel Brühl
Luke Evans
Brian Geraghty
Douglas Smith
Matthew Shear
Q'orianka Kilcher
Dakota Fanning

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