The Acolyte 1x01

© Disney+
Die mit Spannung erwartete „Star-Wars“-Serie The Acolyte startet mit der Episode Lost/Found. Gegen Ende der Zeit der Hohen Republik in der Galaxis wird auf dem Planeten Ueda die Jedi-Meisterin Indara (Carrie-Anne Moss, „The Matrix-Filmreihe“) von einer geheimnisvollen Angreiferin herausgefordert. Obwohl sie dem Kampf zunächst aus dem Weg zu gehen versucht, kommt es schließlich doch zum Gefecht und mit einer List kann die Fremde Indara töten.
Auf einem Raumschiff der Handelsföderation erwacht die junge Osha (Amandla Stenberg, „Bodies Bodies Bodies“), die der Attentäterin bis aufs Haar gleicht, aus unruhigem Schlaf. Sie arbeitet dort verbotenerweise als Mechanikerin für Außenarbeiten am Schiff, was normalerweise ausschließlich Droiden vorbehalten ist.
Da kommen Jedi-Ritter Yord Fandar (Charlie Barnett, „Chicago Fire“) und seine Padawan Tasi Lowa (Thara Schöön, „Going to See the King“) an Bord des Schiffes und verhaften Osha, nachdem ein Zeuge sie zuvor als die Attentäterin identifiziert hat. Für den Verdacht spricht, dass die getötete Meisterin Indara sich seinerzeit für den Abbruch von Oshas Ausbildung aussprach. Osha wird auf einen Gefangenentransport überstellt, der sie nach Coruscant bringen soll.
Dort erfährt ihr ehemaliger Meister Sol (Lee Jung-jae, Squid Game) durch Meisterin Vernestra (Rebecca Henderson, „Inventing Anna“) von Oshas Verhaftung. Sol glaubt nicht an die Schuld seiner einstigen Padawan, doch Vernestra verdeutlicht ihm die politischen Konsequenzen, falls sich der Verdacht einer mörderischen Ex-Jedi bestätigen sollte.
Auf dem Gefangenentransporter, auf dem gewaltbereite Häftlinge mittels eines bewusstseinskontrollierenden Parasiten ruhiggestellt werden, plant eine Gruppe von Inhaftierten die Flucht. Osha zeigt sich jedoch wenig an einer Teilnahme interessiert. Als das Gefangenenschiff kurz darauf aus dem Hyperraum gerissen wird und den Insassen die Flucht gelingt, lassen sie Osha folglich zurück. Mittels des Einsatzes der Macht kann sie sich aus ihrer Zelle befreien. Die letzte Rettungskapsel nimmt der unter parasitärem Einfluss stehende Häftling, nachdem Osha auch ihn befreit hat.
Osha stürzt mit dem angeschlagenen Wrack auf dem Eisplaneten Carlac ab, wovon die Jedi durch die nur wenig später gefassten Flüchtigen erfahren. Sol bittet Vernestra darum, den Planeten anfliegen und nach der Vermissten suchen zu dürfen, was ihm schließlich gestattet wird. Dabei begleiten sollen ihn Yord sowie seine Padawan-Schülerin Jecki Lon (Dafne Keen, His Dark Materials).
Auf Carlac hat Osha Visionen von ihrer Zwillingsschwester Mae. Diese kam vermeintlich beim von ihr selbst gelegten Brand ihrer Heimstätte auf dem Planeten Brendok zusammen mit den restlichen Familienangehörigen ums Leben.
Sol, Yord und Jecki können Osha schließlich ausfindig machen und davon überzeugen, mit ihnen zusammen nach Coruscant zu kommen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Osha ist davon überzeugt, dass ihre Schwester noch am Leben ist.
Flotter Start
So viel zu Lost/Found, die zur Serienpremiere der neuen Realserie aus den Welten von „Star Wars“ zusammen mit der zweiten Folge hierzulande am 5. Juni beim Streamingdienst Disney+ veröffentlicht wurde.
Als Showrunnerin verantwortlich zeichnet Leslye Headland, die auch bei den beiden Eröffnungsepisoden auf dem Regiestuhl Platz nahm. Headland kannte man bisher vor allem als eine der Ideengeberinnen der Dramedy-Serie „Russian Doll“ bei Netflix.
Bei ihrem Debüt in den Welten der Saga gibt die Showrunnerin ab der ersten Minute kräftig Gas und legt einen temporeichen Abflug in die berühmte weit, weit entfernte Galaxis hin. Ein erster Kritikpunkt ist die so wie bei verschiedenen vorherigen „Star-Wars“-Serien auch hier nur etwas über 30-minütige Episodenlaufzeit, was die Folge andererseits jedoch vor eventuellen Längen bewahrt.
Vorschussschelte
Die Fans von „Star Wars“ zu begeistern, ist ohnehin alles andere als eine leichte Aufgabe. Dies hat der Schöpfer der Saga, George Lucas selbst bereits nach seiner Prequeltrilogie von 1999 bis 2006 am eigenen Leib erfahren. Ferner konnten es nach der Übernahme von Lucasfilm durch Disney auch die Macher der Realserien, angefangen bei denen von The Mandalorian bis hin zu Ahsoka im vergangenen Jahr spüren. Von den Sequelfilmen auf der großen Leinwand wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst sprechen.
Ganz besonders hart hat es die neue Serie The Acolyte bereits im Vorfeld erwischt. Neben (äußerst unfairen!) Kritteleien der Ethnien eines Teils des Darsteller-Ensembles über die angeblich übertriebene Wokeness bis hin zur Unkenntnis der Saga-Chronologie seitens Macher und Schauspieler war da von recht vielem schon seit Zeiten die Rede, als es von der neuen Serie noch gar nichts zu sehen gab.
Natürlich, in einem seit mittlerweile 47 Jahre bestehenden Großfranchise ist es ein Ding der Quasi-Unmöglichkeit, es allen Fans recht zu machen. Und wie (fast) alles im Leben kommt immer auch die persönliche Geschmacksfrage ins Spiel. Auch der Rezensent ist mit der klassischen, das heißt mittleren Trilogie von „Star Wars“ aufgewachsen und diese liegt ihm ganz besonders am Herzen.
Jedoch, und das sei an dieser Stelle bereits vorweggenommen, hat ihm durchaus gefallen, was er da auf Disney+ zu sehen bekommen hat - mit Abstrichen.
Ungewohntes zeitliches Setting mit einem Schuss Mystery
Natürlich ist es nicht ganz einfach, sich in die Zeit vor „Star Wars: Episode I“ zu denken, zumal die gezeigten Umstände sich nicht sonderlich von denen im allerersten Prequel-Film unterscheiden und man den Eindruck gewinnen kann, dass die Galaxis der Saga in einem langewährenden Stillstand verharrte.
Die Geschichte selbst jedoch kommt gleich ab den ersten paar Minuten der Laufzeit in die Gänge. Allerdings muss man sich fragen, ob die wenige Minuten lange, knackig choreografierte Kampfsequenz zu Beginn bereits der einzige Auftritt von Carrie-Anne Moss bleiben wird, deren Mitwirkung im Vorfeld allzu ausgiebig beworben wurde.
Ansonsten jedoch wird uns der Beginn einer für die Sagawelten ungewohnt mysterienlastigen Geschichte präsentiert, in der Hauptdarstellerin Amandla Stenberg in den allermeisten Punkten nicht wie eine weitere Mary-Sue-Figur dasteht. Vielmehr weckt ihr im wahrsten Sinn des Wortes zwiegespaltener Auftritt Interesse an den weiteren Erkenntnissen, die über die beiden von ihr verkörperten Charaktere ans Licht kommen werden.
Natürlich wird es eine Weile dauern, ehe man sich mit ihr und den anderen, teilweise zugegebenermaßen recht generisch gestalteten Figuren in der Handlung angefreundet haben wird (oder auch nicht, da diverse Gesinnungswechsel ja durchaus immer möglich erscheinen).
An Ausstattung, Trickeffekten und auch den Darstellern von „The Acolyte“ gibt es in der Pilotfolge jedenfalls nichts zu mäkeln. Die letzten Jahre der Hohen Republik werden zudem nicht übertrieben düster gezeichnet, wenngleich man angesichts des spürbaren, ziemlich elitär gezeigten Einflusses der Jedi bereits den Anfang ihres Endes erahnen kann.
Fazit: Mögen oder nicht mögen
Bei alledem stehen wir ja noch in der ersten Folge. Diese macht nicht sonderlich viel verkehrt, wenngleich sie natürlich auch nicht restlos alles richtig macht.
Ist das nun echtes, lupenreines „Star Wars“? In Hinblick auf die Originalfilme aus den späten 70er und frühen 80er Jahre vielleicht weniger, doch insgesamt bewegen wir uns hier auf einer völlig anderen zeitlichen Ebene, sowohl chronologisch als auch in der Echtzeit. Natürlich verlangt so etwas dem eingefleischten Fan einige Akzeptanz ab. Wer schon zuletzt „Ahsoka“ nicht mochte, den dürfte auch „The Acolyte“ nicht in seinen Bann ziehen.
Das Ganze sieht sehr nach einer Geschichte aus, auf die man sich, ganz gleich ob als Neu- oder Altfan, einlassen wollen muss. Wem das gelingt, für den sieht es ganz danach aus, als sei die Macht in den nächsten Wochen mit ihm.
Wir von SERIENJUNKIES.DE® vergeben für den gelungenen Start vier von fünf gezückten Lichtschwertern.
Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur neuen „Star-Wars“-Serie „The Acolyte“:
Verfasser: Thorsten Walch am Mittwoch, 5. Juni 2024The Acolyte 1x01 Trailer
(The Acolyte 1x01)
Schauspieler in der Episode The Acolyte 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?