The 100 3x06

Manchmal ist es in der Serie The 100 als wenn wir immer weiter in die Story zoomen und dann immer mehr Details erkennen und dann verschwimmt plötzlich alles vor unseren Augen und wenn die Luft wieder klarer wird, dann erkennen wir plötzlich ein großes Ganzes. In der Episode Bitter Harvest passiert genau das. Und das führt am Ende zu mehreren Schockmomenten.
Let's call it hope!
Oh ja, da gab es diesen Kuss zwischen Abby (Lori Loughlin) und Kane (Henry Ian Cusick) und irgendwie wurde er mit der Hoffnung verbunden, dass alles besser wird. So weit, so seltsam. Und im Umfeld der Story bleibt dieser Kuss dann auch zurück wie die vage Erinnerung an eine Zeit, in der er wichtig ist, wer mit wem ins Bett steigt. In der Seriengegenwart von The 100 wirkt das im Moment wie ein Relikt oder ein flüchtiger Vorgeschmack auf eine weit entfernte Zukunft. Für Clarke (Eliza Taylor) und die anderen geht es auf der kurzen Strecke ums nackte Überleben und auf lange Sicht gesehen um den Aufbau eines neuen Systems. Jede Entscheidung, die gerade in Polis, Camp Jaha oder sonstwo getroffen wird, wiegt schwerer als gewöhnlich, denn sie dienen als Exempel für die Zukunft. Die Entscheidungsträger der Gegenwart müssen sich daran messen lassen, was für eine Ordnung des Zusammenlebens sie aus dem Boden stampfen.
Das ist insbesondere bei Clarke und Lexa (Alycia Debnam-Carey) spürbar, die versuchen gemeinsam einen neuen Weg zu beschreiten, fern der Traditionen ihrer Völker. Statt Rache und Machterhalt soll der Frieden im Mittelpunkt stehen. Diese neue Weise trifft bei ihren Untertanen auf wenig Gegenliebe, schließlich widerspricht das allem, was die apokalyptische Erde sie gelehrt hat. Und Lexa nimmt sich ein Beispiel an der realen Vorbildern aus der Vergangenheit. Mit harter Hand bringt sie den Frieden in ihr Land, sie zwangsbeglückt ihr Volk sozusagen. Am Ende soll ein besseres Leben für alle stehen, doch diejenigen, die davon profitieren sollen, wollen das gar nicht. Lexa, Clarke und mit ihnen viele von uns als Zuschauer, sehen mehr, weiter, haben bessere Informationen und maßen uns ein Urteil von außen an und das lautet: Auch wenn der Anfang hart sein wird, ist der Frieden der richtige Weg.
Die neue Zeit bricht nicht nur durch Lexa an, sondern auch im Camp Jaha werden die Weichen neu gestellt. Mit Pike (Michael Beach) ist ein Neuling an die Macht gekommen, der viele der Errungenschaften der letzten Monate wieder zunichte macht. Er bringt die Sky People zurück in den Krieg mit den Groundern und unterscheidet sich in der Logik nicht wesentlich von den Groundern, die gegen Lexa agieren. Es ist der Mangel an Urvertrauen in die Möglichkeit eines sozialen Zusammenlebens. Sie wählen die Sicherheit über die Freiheit, eine sehr aktuelle Debatte auch in unserer Welt.
Sie wollen die Absicherung und im Zweifel eliminieren sie andere, bevor die zur Gefahr werden können. Dass man sich damit oft mehr Feinde macht als man ursprünglich hatte, das ignoriert Pike gekonnt. Und in der Episode Bitter Harvest erfahren wir auch wieso. Denn er ist nicht nur einer derjenigen, die sich für die Sicherheit entscheiden. Das ist nur seine Maske, um die Massen auf seine Seite zu ziehen. Er ist einer, der sich für die eigene Überlegenheit einsetzt. Er will die Macht, die eigene und die für sein Volk über andere. In dieser The 100-Episode zeigt er sein wahres Gesicht und entscheidet sich endgültig für die dunkle Seite.
Er lässt Menschen töten, die keine Gefahr sind, die ihm einfach nur im Weg sind. Und nicht einmal das stimmt so ganz, denn wir und die Sky People wissen noch viel zu wenig über diese neue Erde, um zu behaupten, dass genau an dieser Stelle Ackerbau betrieben werden müsse. Doch nicht nur in Sachen Volksvertreibung und -mord orientiert er sich ebenfalls an realen Vorbildern. Er schwingt sich auch zum Big Brother auf, der dafür sorgt, dass seine eigenen Anhänger sich untereinander ausspionieren. Er nimmt also aus vielen Regimen, die die Weltgeschichte gesehen hat, das Schlimmste. Man kann nicht mehr auf seiner Seite stehen.
Und das macht es noch unerträglicher dem für gewöhnlich so verständigen Bellamy (Bob Morley) dabei zuzusehen, wie er weiter an der Seite des Wahnsinnigen bleibt. Er kann sich nicht einmal auf Geistesbeeinträchtigung durch eine kleine blaue Pille berufen. Er hat so viel durchgemacht und er ist sicher nicht ganz unbelastet dadurch gekommen. Aber es passt so gar nicht zu ihm aus Trauer über seine Freundin nun das Leben zahlloser anderer zu opfern. Zuschauen, wie die The 100-Autoren hier vielleicht gerade einen Fanliebling an die Wand fahren, wird zunehmend frustrierend.
13 Stämme und 13 Stationen
Während Kane die Revolution gegen Pike plant, muss Abby gegen Jaha (Isaiah Washington) und seine Sekte ins Feld ziehen. Innerhalb von drei Episoden ist das Ark-Dreamteam von der Führungsspitze in den Widerstand gerutscht. Doch auch diese Kategorien sind nicht so eindeutig wie sie scheinen. Für den Moment ist nur eines sicher: Wir haben Anführer, Pike und Jaha, die andere um sich sammeln und wir haben Leute wie Abby und Kane, die diesen Machtanspruch hinterfragen.
Jaha und A.L.I.E. (Erica Cerra) haben es geschafft, Raven (Lindsey Morgan) auf ihre Seite zu ziehen. Für jeden, der die Figur der Technikerin mag, ist das gar nicht so leicht zu ertragen. Einerseits ist es wirklich schön sie nach fast zwei deprimierenden Staffeln endlich wieder aufblühen zu sehen. Andererseits wissen wir ja bereits, dass der tiefe Fall unvermeidlich ist. Und dass sie dann auch noch damit leben muss, naiv an der Zerstörung der Welt mitgearbeitet zu haben. Gut, dass dank Abby immerhin Jasper (Devon Bostick), der zweite Pechvogel im Cast, noch einmal davonkommt.
Resistance, das klingt erst einmal gut. Sie glauben nicht alles, was ihnen vorgesetzt wird und denken selbst mit. Doch am Ende der Episode Bitter Harvest erkennen wir, dass Widerstand auch anders sein kann. Titus (Neil Sandilands), ein Berater Lexas, stellt sich als Mitglied einer Foltertruppe heraus, die Murphy (Richard Harmon) in ihren Fängen hat. Und damit tritt er gegen den gleichen Feind an wie Abby. Seine Motive sind vielleicht sogar der Unterstützung wert, aber seine Methoden sind grauenvoll und zu verurteilen.
Parallel dazu erfahren wir mehr über die The 100-Welt. Es soll 13 Ark-Stationen gegeben haben, eine fiel einem Angriff zum Opfer, es war Polaris. Damit es auch dem Unaufmerksamsten auffällt, sehen wir parallel dazu ein Überbleibsel der vermeintlichen Raumstation in Titus' Unterschlupf, auf der zwei Buchstaben abgekratzt sind, das A und das R. Was dann Polis ergibt, die Hauptstadt der Grounder.
Der erste Rückschluss ist also, dass die Grounder einst die 13. Station waren, beziehungsweise Lexa und die anderen Nachfahren der Menschen auf der abgeschossenen Station sind. Das würde auch ihre Unempfindlichkeit gegenüber der Strahlung erklären, die ja den Mountain Men nicht gegeben war, aber bei den Sky People, die ja noch länger im All waren als die 13. Station, noch ausgeprägter ist.
Fazit
Doch ob es ganz so einfach ist, wissen wir noch nicht, in jedem Fall wirft die Episode Bitter Harvest zahlreiche Fragen auf, deren Beantwortung man kaum erwarten kann. Mit fast jeder Szene, jeder Entscheidung, jeder Offenbarung, baut sich eine spannende Geschichte zusammen. Nur Bellamy bleibt leider als kleiner Schönheitsfehler in Erinnerung. Hoffentlich bekommen die The 100-Autoren bei der einst so gut geschriebenen Figur doch noch die Kurve.
Trailer zur nächsten Episode der US-Serie „The 100“, „Thirteen“ (3x07):
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 26. Februar 2016The 100 3x06 Trailer
(The 100 3x06)
Schauspieler in der Episode The 100 3x06
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