The 100 3x07

Mit Thirteen liefern die The 100-Macher eine schockierende Episode ab, die uns so tief in die Mythologie der Serie vordringen lassen wie selten zuvor. Und so traurig die Ereignisse auch sind, ist es nicht wunderbar festzustellen, dass man mehr als zwei Staffeln Zeit in eine Serie investiert hat, die immer stärker wird und bei der Autoren am Werk sind, die Mut und Weitsicht verbinden?
It is not vengance, it is justice!
Zunächst muss man etwas zusammenfassen, was in der Episode Thirteen alles passiert ist.
Murphy (Richard Harmon) wird weiterhin von Titus (Neil Sandilands) ausgequetscht, doch auch er kann die ganze Geschichte nicht erzählen. Die Wahrheit setzt sich nämlich auch für uns erst nach und nach zusammen aus dem, was die Grounder und die Himmelsmenschen der Skaicru wissen und dem, was A.L.I.E. (Erica Cerra) und ihre Erschafferin Becca uns selbst im Rückblick preisgibt.
Also der Reihe nach: 97 Jahre vor den Ereignissen der Stunde werden wir von Becca in ihrem Weltraumlabor begrüßt und begleiten sie durch eine furchtbare Erkenntnis: die von ihr erschaffene, künstliche Intelligenz A.L.I.E. hat sich selbstständig gemacht und will das Problem der Welt lösen. Und das besteht in zu vielen Menschen auf der Erdoberfläche. Aus dem All beobachten die Wissenschaftler die Zerstörung der Erde durch ihre eigene Kreation. Auf der Raumstation finden sich die beiden Zeichen, die zum Dreh- und Angelpunkt der Story geworden sind: der Schriftzug Polaris und das Unendlichkeitssymbol.
Becca will an der zweiten Generation ihrer Künstlichen Intelligenz festhalten, doch das Problem an der ersten war gravierend: Sie hat die Bedeutung menschlichen Lebens nicht verstanden, für sie waren Menschen nur eine weitere Größe in ausschweifenden Berechnungen. Mit dem Gegenwind des damaligen Commanders konfrontiert begibt Becca sich auf eigene Faust auf den Weg auf die Erde. Sie stürzt in die Ruinen, die später zu Polis werden sollen und wird zum ersten Commander für die Überlebenden.
In der Gegenwart erfahren Lexa (Alycia Debnam-Carey) und Clarke (Eliza Taylor) vom Angriff durch die Himmelsmenschen auf die Grounder. Hinter verschlossenen Türen stellt Titus sich zum ersten Mal gegen seine Commander. Lexa hält weiter an ihrer neuen Linie fest, keine übereilte Rache, kein aggressiver Gegenschlag. Sie will der Skaikru die Möglichkeit geben, sich selbst ihres neuen Anführers zu entledigen. Doch dazu gehört auch, dass alle Himmelsmenschen sich in ihrem eigenen Camp versammeln müssen. Lexa jedoch will zumindest eine bei sich behalten, Clarke. Das wiederrum stößt auf Ablehnung von Titus, von dem wir erfahren, dass er einst Lexas Lehrer war.
Seine Wut lässt dieser schnell mal an seinem Gefangenen Murphy aus. Er ist der erste, der erkennt, dass Polaris die Geschichten der beiden Gruppen verbindet. Er stückelt zusammen, dass eine der Bewohnerinnen von Polaris den Angriff der anderen zwölf Raumstationen überlebt hat, die Frau, die von den Groundern wie eine Göttin angebetet wird und bei der es sich um Becca handelt.
Clarke entscheidet sich dafür, Polis zu verlassen und es kommt zu einer emotionalen Abschiedsszene mit Lexa, in der Clarke ganz deutlich sagt, was das Problem ihrer Liebe ist: sie schulden ihren Völkern etwas und dadurch sind sie nicht frei in ihren Entscheidungen.
Eine Liebesnacht später will Clarke sich gerade auf den Weg machen, da findet sie den übel zugerichteten Murphy. Doch Titus hat andere Pläne für die letzten Sky People in Polis. Die Rache, die er an ihnen nehmen will, schießt in Form einer Patrone an ihrem Ziel vorbei und tötet die plötzlich hinzukommende Lexa. Mit ihrem letzten Atemzug stellt sie sicher, dass Titus nicht noch einmal versucht Clarke anzugreifen.
Was dann passiert, erklärt so einiges über die Zivilisation der Grounder. Der gerade noch schockierte Titus nimmt sich der ihm bestimmten Aufgabe an und entfernt etwas aus dem Nacken der gerade gestorbenen Kommandeurin.
Goodbye, Heda
Lexa hat es also erwischt. Wie Showrunner Jason Rothenberg kurz nach der Ausstrahlung der Episode erklärte, trug zu der Entscheidung, Lexa sterben zu lassen, vor allem der Umstand bei, dass Darstellerin Alycia Debnam-Carey Teil des Stammcasts der Serie Fear the Walking Dead ist. Doch auch storyintern ergibt die Entscheidung durchaus Sinn. Lexa und Clarke sind sich in den letzten Episoden immer näher gekommen, was schön anzusehen war. Doch in der postapokalyptischen Welt von The 100 ist mit einer lange andauernden Idyllephase für zwei Liebende oder gar eine, Powercouple als Doppelspitze nicht zu rechnen. Statt die beiden also durch einen erneuten Betrug oder eine Unstimmigkeit wieder zu entzweien, ist der Tod eines der beiden Liebenden eine starke Alternative.
Lexa hat darüber hinaus ihren Zweck als Anführerin der Grounder erfüllt indem sie sie auf einen neuen Weg gebracht hat. Sie hat sich dem Mantra widersetzt nachdem Gefühle Schwäche sind und die ist zu vermeiden. Sie hat in eine Gesellschaft, die nach dem Gesetz des Stärkeren lebt, den Gedanken der Vernunft und des sozialen Miteinanders eingeführt.
Doch sie hat sich durch ihre Liebe zur Anführerin der Himmelsmenschen (ja, sind wir ehrlich, weder Abby (Paige Turco) noch Pike (Michael Beach) haben ernst zu nehmenden Anspruch auf diesen Titel) angreifbar gemacht und selbst kompromittiert. Sie besteht darauf, ihre Verantwortung als Commander von ihren Gefühlen trennen zu können und das kann sie auch viel besser als andere es könnten. Aber ihre Entscheidung, Clarke bei sich behalten zu wollen, zeigt, dass sie der Entzauberung geweiht ist, sollte sie weiterleben und an der Macht bleiben. Als Figur hat sie ausgedient seitdem sie es gewagt hat, Gefühle zu zeigen und nach ihnen zu reagieren. Die von ihr verursachte, historische Kehrtwende in der Politik und Gesellschaft der Grounder war ihre Mission und nun ist es gut, dass sie geht anstatt über Gebühr ausgereizt zu werden. Auf diese Art ist schon manche Figur vom Fanliebling zum Ärgernis geworden und eine der Stärken der The 100-Autoren ist es, dass sie nie Angst hatten, auch geliebte Figuren zu töten wenn es für die Story wichtig ist.
Life is about more than just surviving!
Was für Murphy eine künstliche Intelligenz ist, sieht Titus als Geist des Commanders an.Der Unterschied zwischen denen, die die Zeit nach der Apokalypse auf der Erde verbracht haben und denen, die im All waren, wird in der Episode Thirteen deutlich. Das alles setzt sich aus dem zusammen, was wir schon lange wissen, aber nun haben wir den Schlüssel bekommen, das große Thema des Gegensatzes, der Unterschied zwischen Technik und Glauben.
Es ist ja nicht sonderlich neu, wir wissen schon die ganze Zeit, dass die Groundergesellschaft in Sachen Technik nicht an die Ark heranreichen und hierarchisch aufgebaut ist. Außerdem haben sie einen Hang zum Spirituellen. Auf der anderen Seite steht die ehemalige Ark-Zivilisation, die wie kaum eine andere auf die Vernunft setzt. Sie haben Menschen für geringfügige Vergehen getötet weil sie ohnehin zu viele für die begrenzten Ressourcen auf der Raumstation waren. Sie haben ihren Nachwuchs gedeckelt und auch auf der Erde bleiben sie sich in dieser Denkweise treu. Doch die Umstände haben sich verändert und die Vernunftbezogenheit zeigt sich nun eher im Gewand der Demokratie. Wo Lexa sich anmaßt, das Wohl ihres Volkes abzusichern, glauben Abby und Kane (Henry Ian Cusick) gegen alle Widerstände daran, dass eine Wahl den Anführer bestimmen sollte. Und dabei bleiben sie sogar wenn jemand wie Pike gewählt wird.
Diesen Gegensatz zwischen den Völkern kennen wir schon lange, doch erst die Story der zwei künstlichen Intelligenzen macht ihn in seiner vollen Wirkung greifbar. Becca ist mit A.L.I.E. 2 in Form eines Chips in ihrem Nacken auf die Erde gestürzt und wurde dort zur Gottheit. Aus der Technik der einen Gesellschaft wurde die Religion einer anderen.
Doch auch wenn wir nach Thirteen so viel mehr über diese Welt wissen, bleiben immer noch spannende Fragen bestehen. Wie spielt A.L.I.E. 1, das Hologramm, in die Sache rein und vor allem, wer wird die Commander-Würde von Lexa übernehmen?
Fazit
Es ist jedes Mal wieder erstaunlich, was aus der Serie geworden ist, die zu Beginn wie ein Teeniedrama wirkte, das sich eher mit The Vampire Diaries als mit Lost messen konnte. Mit der The 100-Episode Thirteen tauchen wir in eine Mythologie ein, die von langer Hand in der Story vorbereitet wurde und trotzdem überraschen kann.
Als die künstliche Intelligenz zum ersten Mal in der Story auftauchte, wirkte es zunächst so als wenn die Autoren ganz einfach recht sinnfrei nach dem Motto „Höher, Schneller, Absurder“ an die Sache gehen. Doch nun stellt sich heraus, dass die gesellschaftlichen Konflikte und tiefgründigen Fragestellungen, die immer wieder durchscheinen, kein Zufall sind. Hier denkt jemand weit voraus und liefert eine Geschichte ab, die nicht auf billige Showeffekte angewiesen ist. Nehmen wir nur das nun grundlegende Problem, dass A.L.I.E. 1 das Ziel ihrer Mission, in diesem Fall das Überleben der Menschheit zu sichern, über den Wert des menschlichen Lebens stellt. Dier ersten A.I.-Version fehlt jede Moral. Und das kennen wir doch schon in ähnlicher Form. Denn kaum anders haben die Ark-Bewohner reagiert als sie die zum Tode verurteilten Jugendlichen ihrem möglichen Verderben auf der Erde übergeben haben. Auf der anderen Seite haben wir die Grounder, deren Gesellschaft von A.L.I.E. 2 geformt wurde und die an das Überleben des Stärkeren glauben, aber zu einer Entwicklung durchaus fähig sind, wie sich nun zeigt.
Trailer zur nächsten Episode der US-Serie „The 100“, „Terms and Conditions“ (3x08):
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 4. März 2016The 100 3x07 Trailer
(The 100 3x07)
Schauspieler in der Episode The 100 3x07
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