The 100 2x11

Wieso sind in der Regel die Älteren in der Verantwortung? Diese Frage stellen die The 100-Autoren sich in der Episode Coup de Grace und geben unterschiedliche Antworten für die feindlichen Lager. Ein Gnadenstoß (deutsch für „Coup de Grace“) ist die Story bei weitem nicht, sondern eher der Anfang einer vielversprechenden Geschichte.
Take me to my son!
In beiden feindlichen Lagern stehen sich schon seit längerem zwei Generationen mit Führungsanspruch gegenüber. Es sind zwei Parallelentwürfe ähnlicher Situationen. Durch die unterschiedlichen Charaktere und Ausgangssituationen stehen beide Storys wie zwei Paradeexempel für richtiges und falsches Handeln nebeneinander und warten nur darauf, vom Zuschauer verglichen zu werden. Die Episode Coup de Grace ist eine Fundgrube für interessante Schlussfolgerungen und damit wieder einmal ein Höhepunkt der The 100-Erzählweise, die stets zwischen Tiefgründigkeit und Oberflächlichkeit pendelt.
Im Mount Weather haben wir den altehrwürdigen Präsident Dante Wallace (Raymond J. Barry) und seinen Heißspundsohn Cage (Johnny Whitworth). Von Dante wissen wir, dass er sich gerne den schönen Seiten des Lebens zuwendet - der Musik, der Kunst, der Literatur. Er hat das Beste aus dem Leben im Berg herausgeholt, er versucht stets, alle zufrieden zu stellen. Zu Anfang schien er so nett zu sein, dass man fast einen Psychopathen dahinter vermuten konnte. Doch die Episode Coup de Grace räumt den letzten Zweifel aus: Er ist ein elitärer Gutmensch. Er will den Seinen das Beste bieten, und seine Lügen muss er nach seinem eigenen Moralsystem rechtfertigen können. Jasper (Devon Bostick) und die anderen Himmelsmenschen erkennt er als Seinesgleichen an. Und er ist nicht bereit, ihnen zu schaden.
Doch die Sache mit den Groundern steht auf einem anderen Blatt. Um das eigene Überleben zu sichern, müssen die Bergmenschen die Grounder ausbeuten und wie wir in der Episode Coup de Grace erfahren, tun sie das schon seit Generationen. Es ist also nichts, was Dante entschieden hätte. Er hält die Traditionen der alten Maler hoch, und gleichzeitig weigert er sich auch, andere althergebrachte Gepflogenheiten zu hinterfragen. Sicher haben die Bergmenschen über die Generationen Rechtfertigungen für sich gefunden. In dem Review zur Episode Fog of War kam bereits der Gedanke auf, dass die Grounder für die Bergmenschen den Status von Nutztieren haben.
Cage und seine Verbündeten wurden uns bisher als die Bösen präsentiert, vor allem weil sie mit unseren Helden angeeckt sind. Doch sie haben auch eine Strategie: Sie wollen die Himmelsmenschen nutzen, um endlich selbst auf der Erdoberfläche leben zu können. Sie wollen eine große unmenschliche Tat begehen, um sich den Traum zu erfüllen, aber auch, um die unendliche Ausbeutung eines Volkes zu beenden. In Cages Reaktion sieht man, dass er es moralisch verwerflicher findet, Generationen von Groundern leiden zu lassen, anstatt einmal die überschaubare Masse der Himmelsmenschen zu opfern.
Die junge Generation kommt und hinterfragt die alten Traditionen, einen einfachen Ausweg gibt es nicht. Es kommt nur darauf an, was man weniger falsch findet.
Weil die alte Garde, in Mount Weather nur durch Dante vertreten, die moralische Überhand für sich gepachtet hat, geht Cage in der Episode Coup de Grace in den Konfrontationsmodus. Es zeigt sich, dass er im Geheimen gut vorgearbeitet hat. Die Truppen sind auf seiner Seite, und das ist in der Geschichte oft der Ausschlag dafür gewesen, welche Seite sich durchsetzt.
Just another day on the ground.
Im Camp Jaha hört sich die Geschichte alt gegen jung anders an. Der Grund, dass in der Regel die Älteren in der Verantwortung stehen, ist ganz einfach in deren größerem Erfahrungsschatz begründet. Doch diese Regel haben die Himmelsmenschen selbst ausgehebelt, als sie die junge Generation als erstes auf die Erde geschickt hat. Auch wenn Clarke (Eliza Taylor) jünger ist, sie hat auf der Erde, im Umgang mit Groundern und Bergmenschen mehr Erfahrungen als Abby (Paige Turco) und Kane (Henry Ian Cusick).
Aus diesem Blickwinkel hat Clarke einen größeren Führungsanspruch als Cage. Und das erklärt auch, wieso sie sich ohne Truppen durchsetzen kann. Sie hat diejenigen auf ihrer Seite, die lange auf der Erde sind: die Jugendlichen. Damit ist sie unter ihren eigenen Leuten zwar nicht in der Mehrheit, aber sie hat die entscheidenden Leute in ihrem Lager. Dazu kommt, dass sie die Unterstützung der Grounder-Alliierten hat.
Mit eigenen Wertungen halten die The 100-Autoren sich auf angenehme Weise zurück. Die klaren Kategorien sind aufgelöst. Clarke muss nicht richtig liegen, Abby ist kein Gegenspieler, sie ist ebenso besorgte Mutter und Anführerin. Selbst Cage hat echte Argumente für sein Handeln. Die Serienmacher überlassen es uns selbst, auf wessen Seite wir uns stellen, sie bereiten den Boden für jede Entscheidung, niemand hat den absolut richtigen Weg, niemand ist grundböse und als Identifikationsfigur inakzeptabel.
Es ist eine Gewissensfrage: Bleibt man dem alten Übel treu, das aber auch viele Vorteile hat oder stellt man sich auf die Seite der Revolutionäre und liefert sich der Gefahr aus, dass die Situation ausartet, aber auch besser werden kann.
What did you expect to find here?
Mitten in diesem Kampf der Generationen finden sich Jasper, Bellamy (Bob Morley), Maya (Eve Harlow) und Monty (Christopher Larkin) wieder. Maya ist ein Kind der Dante-Ära, das merkt man nun immer mehr. Sie mag das Schöne, die Bilder, die Musik, doch sie glaubt auch an das Gute. Daran, dass ein Individuum wichtiger sein kann als ein Prinzip. Sie hilft Jasper, weil sie ihn mag, aber auch weil sie mit Dante und seinen Moralvorstellungen aufgewachsen ist. Sie will nicht alle Grounder befreien, sie will Bellamy helfen.
Für sie ist es ein Risiko, nicht nur weil ihr Bestrafung droht, wenn sie auffliegen. Den Gang mit Bellamy durch Mount Weather erlebt man aus ihrer Sicht als Spaziergang mit einer scharfen Bombe, die jederzeit hochgehen kann. Sie will die Himmelsmenschen unterstützen, aber sie will wohl auch nicht, dass ihr freundlicher Lehrer aus nichtigem Grund von Bellamy erledigt wird.
Maya ist neben Dante die Vertreterin des Volkes für uns. Wir sehen durch sie, dass die Bergmenschen keine seelenlosen Mörder sind. Sie bringt uns und Bellamy an Orte, die von einer Zivilisation erzählen, die uns sehr vertraut vorkommt.
Fazit
Die The 100-Autoren suchen sich ganz klar Vorbilder in der Geschichte und spielen sie in einer apokalyptischen Welt durch. Wenn die Charakterzeichnung dabei funktioniert, kann das eine bestechende Mischung sein. In der Episode Coup de Grace funktioniert es bestens.
Promo zur Episode „Rubicon“ (2x12) der Serie „The 100“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 5. Februar 2015The 100 2x11 Trailer
(The 100 2x11)
Schauspieler in der Episode The 100 2x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?