The 100 2x09

The 100 2x09

Clarke wird von den Erinnerungen an die jüngsten Ereignisse verfolgt, während sie versucht, die Allianz mit den Groundern weiter voranzutreiben. Die Episode Remember Me vermischt großartige Plots mit billigen Erzähltricks.

Es sieht nicht gut aus für Clarke (Eliza Taylor) in der Serie „The 100“ / (c) The CW
Es sieht nicht gut aus für Clarke (Eliza Taylor) in der Serie „The 100“ / (c) The CW
© (c) The CW

Manchmal sind die Menschen aus dem Himmel aber auch seltsam. In der Episode Remember Me stellen sie sich an, als ob das Konzept der Todesstrafe für sie komplett absurd wäre. Dabei haben sie noch vor wenigen Wochen selbst Menschen ins All geschossen, weil sie unbequeme Informationen öffentlich machen wollten, wie Clarkes Vater, oder ein zweites Kind hatten, wie Bellamys Mutter.

Liebe ist Schwäche. Okay, ciao.

Clarke (Eliza Taylor) hat ihrer großen Liebe ein Messer in die Brust gerammt, um ihn vor Folter zu bewahren. Das verfolgt sie nun. Alle Zeichen stehen auf Trauer. Doch bevor wie da einsteigen, muss darauf hingewiesen werden, dass die Episode Remember Me auf unterschiedliche Arten zu den amüsanteren Episoden gehört. Ob das Absicht ist, darf jedoch bezweifelt werden.

Zunächst einmal ist der überraschende Gegenstand der Unterhaltung die trauernde Raven (Lindsey Morgan). Sie hat den Menschen verloren, der ihr am nächsten stand, zu seinen Richtern kommt sie bis an die Zähne bewaffnet. Doch ihre Durchsuchung vor den Toren des Dorfes ist ungefähr zwei Messer und einen Schlagring zu lang, um sie noch mit ernstem Gesicht anzuschauen.

Klischees und eher billige Ideen sind keine Neuheit in der Serie The 100, aber auf wenigen Minuten am Ende der Episode Remember Me versammeln sich so viele davon, dass es schon wieder amüsant ist. Finns Geist führt Clarke auf die Spur des wahren Attentäters. Dafür, dass Lexa ( Alycia Debnam Carey) bisher ziemlich clever rüberkam, stellt sie sich in diesem Rätsel ziemlich dumm an. Vielleicht sind aber während der Apokalypse auch einfach alle Sherlock Holmes-Bücher zerstört worden, so dass sie ihre Fähigkeiten nicht schulen und demnach nicht wissen konnte, dass das Gift mit großer Wahrscheinlichkeit schon im Becher war.

Auch die arme Raven wird noch einmal zum Ziel der Lächerlichkeit als die The 100-Autoren ihr die Worte auch noch in den Mund legen, die man ihr auch ansehen könnte: „Das wäre Finn gewesen.“ Von Anfang an war ziemlich klar, dass Raven intelligent genug ist, um nach dem ersten Schock zu erkennen, dass Clarke Finn (Thomas McDonell) einen guten Dienst erwiesen hat. Die Folterung von Gustus (Aleks Paunovic) ist eine gute und ohnehin schon ziemlich billige Gelegenheit, das zu erkennen. Halten die The 100-Autoren es für notwendig, uns die wichtigen Erkenntnisse auf dem Silbertablett zu servieren? Schade, denn bisher war das Faszinierende an der Überraschungsserie der Raum, den die Macher für Interpretationen lassen.

Der letzte im Bunde, der in der Episode Remember Me zum Lachen animieren kann, ist Bellamy (Bob Morley). Mit tödlichem Ernst teilt er dem neuen Freund seiner Schwester mit, dass er das Rätsel um den wahren Täter Gustus lösen konnte, weil ihm das Konzept, alles für den Schutz einer Frau zu tun, bekannt vorkommt. Natürlich sagt er das nicht, ohne einen bedeutsamen Blick auf seine Schwester zu werfen, während seine Augen zu sagen scheinen: Wenn du ihr etwas tust, bringe ich dich um. In der überraschenden Dramatik ist diese Szene vor allem niedlich.

Schließlich vertreibt Clarke den Geist ihres Freundes mit der ebenfalls melodramatischen Ansage, dass Liebe Schwäche sei, was er wohl einsehen muss und von dannen zieht. Nun muss man sich fragen, wieso er überhaupt da war. Das geheime Innenleben einer Figur zu zeigen, ist immer schwierig. Doch Selbstgespräche oder einfach zu durchschauende Halluzinationen sind immer ein ziemlich billiger Weg. Da sind wir besseres von der Serie The 100 gewöhnt. Schade, dass Finn einen solchen Abschied bekommen hat. Aber in dem schwer verunstalteten Charakter Finn ist alles besser, als weiter zusehen zu müssen, wie die Autoren ihn in kompletter Planlosigkeit weiter herumschubsen.

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Interessanter als Clarkes Verarbeitung ist die Annäherung der beiden Gruppen aus Himmelsmenschen und Groundern. Clarke hat ohne Ankündigung die Führung der ersteren übernommen. Für uns kommt das wenig überraschend, aber dass Abby (Paige Turco) und Kane (Henry Ian Cusick) sich so einfach ins Abseits stellen lassen, ist schon seltsam.

Die Allianz ist eine schwierige Sache und die Annäherung, wie sie in der Episode Remember Me dargestellt wird, spiegelt das wieder, was überall passiert, wenn Fremde aufeinander treffen. Am Beispiel Lincoln (Ricky Whittle) zeigt sich, wie man Ängste schürt. Er wird von seinen Leuten als Verräter beschimpft und geschnitten. In ihren Augen hat er sich mit dem Feind verbrüdert, er hat ihm Informationen gegeben und sich mit einer der ihren eingelassen. Mittlerweile kleidet er sich sogar wie einer der Himmelsmenschen. Einerseits ist das logistisch nachzuvollziehen, nach dem Entzug hat er vermutlich keinen Zugang zu Grounderkleidung. Aber dennoch scheint er sich ziemlich umfassend und schnell in die neue Gruppe eingegliedert zu haben. Er schminkt sich nicht mehr, verzichtet auf zahlreiche Accessoires, die er früher an sich hatte. Er weckt damit alte Ängste vor dem Fremden: Seine Leute haben Angst, vom Fremden überrannt und ihrer Identität beraubt zu werden, wie es Lincoln ihrer Ansicht nach geschehen ist.

Doch diejenigen, die mehr Überblick und vor allem Weitblick haben, wissen, dass die beiden Gruppen zusammenarbeiten sollten, wenn sie in Frieden miteinander leben wollen. Im Fall der Grounder und Himmelsmenschen sind die Voraussetzungen für eine Allianz im Moment so vielversprechend wie selten. Ein gemeinsamer Feind, in diesem Fall die Bergmenschen, verbindet zwei Parteien so eng wie kaum etwas anderes.

Clarke und Kane entpuppen sich als begabte Politiker auf. Sie drücken die richtigen Knöpfe, um sich bei den Fremden anzubiedern. Die beiden haben verstanden, wie wichtig es ist, dem Gegenüber das Gefühl der Fremdheit zu nehmen. Clarke erreicht das über die Verwendung der Sprache und der Rituale der Grounder, zum Beispiel als sie das Feuer entfacht, dass den Mörder und seine Opfer verbrennen soll. Kane versucht den Groundern die eigenen Traditionen nahezubringen, indem er ihnen ein Geschenk darreicht. Lexa versteht die Intention und besteht darauf, es mit Clarke zu teilen. Auch Alexa hat ein Händchen für Politik. Sie weiß um die Macht der großen Gesten, der emotionalen Bilder. Hätten die Gruppen Fotoapparate würde das Bild von Clarke und der Fackel wohl in die Geschichtsbücher eingehen.

Die Himmelsmenschen sehen sich in der Position des physisch Unterlegenen, sie müssen die Grounder von einer Zusammenarbeit überzeugen und daher ist es schon folgerichtig, dass sich Clarke und Kane derart anbiedern. Doch sie sehen in ihnen auch die kulturell und intellektuell Unterlegenen. Die Grounder sind die in der momentanen Darstellung die Unzivilisierten, die an ihren archaischen Ritualen festhalten, während die Himmelsmenschen mit dem Ziel im Blick die Vernunft über die Emotionen stellen.

Doch in der Episode Remember Me nähert sich zumindest Clarke der Denkweise der anderen an. Lexa mahnt sie zum Weitermachen, sie selbst würde lieber trauern. Und am Ende geht es - wie immer mit den Groundern - um Stärke. Dass sie Finn am Ende fortschickt zeigt, dass Clarke eine groß angelegte Veränderung durchmacht. Immer wieder gerät sie mit den Prinzipen der Grounder aneinander, erst mit Anya (Dichen Lachman), zwischendurch immer wieder mit Indra (Adina Porter), nun mit der als gemäßigt geltenden Lexa. Bisher hat sie immer wieder ihre Sichtweise verteidigt, hat darauf bestanden und damit unter anderem bei Anya Erfolg gehabt. Doch dass sie Finns Geist mit dem Hinweis auf Schwäche fortschickt, könnte einen Wendepunkt markieren. In der Welt, in der sie sich nun durchsetzen muss, verschwimmen die alten Überzeugungen und Clarke muss sich neu orientieren. Wenn die The 100-Autoren diesen Zwiespalt ernst nehmen, könnte das interessant werden.

All clear, Gentlemen.

Unterdessen stellt sich heraus, dass die Bergmenschen ebenfalls eine Position einnehmen, die man mit der aktuellen Politik in Verbindung bringen kann. Sie sind Big Brother, die alles überwachende Instanz, die ohne Wissen der anderen überall Einblick hat. Sie wissen, dass etwas zwischen den Groundern und den Himmelsmenschen in der Entwicklung ist. Einen überraschenden Angriff kann die Allianz sich also schon einmal abschminken. Die Episode Remember Me zeigt auf simple Weise, wie wichtig Informationen sind und wie viel dadurch in einem Konflikt gewonnen werden kann. Doch das ist eine Geschichte für eine andere Episode, denn dieses Mal geht es vor allem um die Verschwörung aus dem Inneren.

Endlich nehmen Monty (Christopher Larkin), Jasper (Devon Bostick) und die anderen ihr Schicksal in die eigenen Hände. Es ist Monty, der den Ton angibt und das könnte zwei Dinge bedeuten: Die einstige Nebenfigur schwingt sich zum eigenständigen Charakter auf, oder die Serienmacher bauen hier jemanden zum Märtyrer auf, den wir ein bisschen kennen, aber nicht allzu sehr vermissen würden.

Während Jasper sich in der ersten Staffel zum Gruppenliebling aufgeschwungen hat, blieb Monty der Außenseiter. Nun ist er derjenige, der die anderen retten könnte. Endlich bekommt er seinen verdienten Heldenauftritt, auch wenn leider niemand da ist, es zu sehen. Cooler als der Moment des Erfolgs ist, wie lässig er sich zunächst aus einer beängstigenden Situation zieht. Doch das Glück ist für den Moment nicht auf seiner Seite.

Fazit

Die Episode Remember Me vereint das Beste und das Schlechteste, was die Serie The 100 zu bieten hat. Die Verwicklungen aus Politik und den individuellen Geschichten der Figuren bringen immer wieder großartige Plots hervor, bei denen genügend Raum zur eigenen Deutung und Meinungsbildung bleibt. Doch oft erreichen die Serienautoren das nur mit Hilfe ziemlich billiger Tricks und Mittel.

Promo zur Episode „Survival of the Fittest“ der Serie „The 100“ (2x10):

Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 22. Januar 2015

The 100 2x09 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 9
(The 100 2x09)
Deutscher Titel der Episode
Abschied
Titel der Episode im Original
Remember Me
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 21. Januar 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 28. Oktober 2015
Autor
Dorothy Fortenberry
Regisseur
Omar Madha

Schauspieler in der Episode The 100 2x09

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