The 100 2x08

Finn (Thomas McDonell) ist eine schwierige Figur. Seit der ersten Staffel haben wir gesehen, wie Clarke (Eliza Taylor) und Raven (Lindsey Morgan) ihn geradezu verehren, unter den Teenies gilt er als Sympathieträger und auch wir konnten ihm lange nichts Gegenteiliges unterstellen. Doch irgendwie haben die The 100-Autoren die Chance verpasst, ihn erst einmal richtig zu charakterisieren, bevor sie ihn einfach zum beliebten Typen abstempeln. In der Episode Spacewalker findet sich langsam alles zusammen und bereitet den richtigen Rahmen für einen überraschend emotionalen Abschied.
Der unbekannte Sympathieträger
In Mitteilungen des Senders wurde Finn als jemand beschrieben, der sich im Konfliktfall generell nach einer friedlichen Lösung sehnt und das Herz am richtigen Fleck, aber auch immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Im Nachhinein fühlt es sich an, als wenn wir ihm so nah nie gekommen wären. Clarke und Raven, zwei respektierte Charaktere, haben ihn verehrt. Letztere selbst, nachdem sie von ihm betrogen wurde.
Wir hatten also gar keine andere Wahl, als daran zu glauben, dass er einer der besonders Guten ist, auch wenn wir selbst wenig davon mitbekommen haben. Meistens hat er sich über seine Beziehungen ins Zentrum der Aufmerksamkeit gespielt. Er hat den Frauen in seinem Leben kleine Kunstwerke geschenkt, war zu mitfühlend, um Raven nach ihrer Ankunft direkt vor den Kopf zu stoßen, hat aber keinen Zweifel daran gelassen, dass sein Herz von jetzt an Clarke gehört. Finn war ein amüsantes Kuriosum: ein männlicher Charakter, der eigentlich nur dafür da war, den starken Frauenfiguren einen romantischen Aufhänger zu liefern, ohne dabei selbst zu sehr ins Rampenlicht zu rücken.
Doch, als sich herauskristallisierte, dass The 100 weit mehr als schnöde Teenieromanzen zu erzählen hat, wurde er schnell überflüssig. Mit dieser Einsicht haben die Serienmacher ihm offenbar in den zunächst sehr ärgerlichen Plot um das Grounder-Massaker geschickt. Er hat etwas Schlimmes getan, alle anderen halten dennoch weiter daran fest, dass er ein guter Junge ist, dem man vergeben kann. Wir wissen immer noch nicht, wieso eigentlich und am Ende hofft man bei jeder Episode einfach nur noch, dass möglichst wenig Finn-Drama vorkommt und sie ihn am besten still und unauffällig abhängen.
Der Abschied
Zumindest bis zu der Episode Spacewalker. Eigentlich hätte der erste Rückblick gereicht: Man weiß direkt, als man sie dort gemeinsam sieht, dass Finns Verbrechen aus Liebe zu Raven geschehen ist - wahrscheinlich hat er sich auf eine Art für sie geopfert. Genau so kommt es schließlich auch: den Diebstahl, für den er inhaftiert worden ist, hat er für Raven begangen, damit sie den ersehnten Ausflug ins All bekommt. Das fühlt sich zunächst mehr als billig an, um uns auf Finns Seite zurückzuholen - zeigen sie uns doch, was für ein selbstloser Typ er schon auf dem Raumschiff war.
Dann schmeißen die The 100-Macher noch die Szene hinterher, in der Finn einen Grounder-Angreifer auffordert, wegzurennen, weil er ihn nicht erschießen wolle. Das ist er also, der echte Finn - im Gegensatz zu dem Moment des Massakers, das nur ein Fehler, ein Ausrutscher war. Klar, dass von Clarke über Bellamy (Bob Morley) und Abby (Paige Turco) bis hin zu Murphy (Richard Harmon) alle ihm vergeben wollen. Er ist einfach ein Herzchen.
Doch ganz so oberflächlich bleibt die Story dann doch nicht. Erst im Moment seines Todes schenken uns die The 100-Autoren eine echte Charakterisierung des Jungen, den wir schon seit der Pilotepisode kennen. Mit den Rückblicken liefern sie uns das Werkzeug, um die Punkte zu verbinden. Finn tut alles für diejenigen, die er liebt - sogar über das normale Maß hinaus. Er ermöglicht Raven einen Ausflug ins All und geht anschließend für sie ins Gefängnis. Auf der Suche nach seiner geliebten Clarke tötet er ein halbes Dorf und vergisst das alles in dem Moment, in dem er sie sieht. Man könnte ihm ein Helfersyndrom unterstellen, besonders, weil wir ja wissen, dass Raven von ihrer Mutter vernachlässigt worden ist und es Finn war, der seine Essensrationen mit ihr geteilt hatte. Er will den Frauen helfen, die er in Gefahr glaubt, doch er sucht sich dabei gerade starke Frauen aus.
Am Ende opfert er sich wieder für die anderen, wird aber von der Frau, der er helfen wollte, gerettet - oder zumindest vor dem Foltertod bewahrt. Finn war jemand, der gebraucht werden wollte, der verantwortungslos handelte, wenn er damit seinen Liebsten einen Dienst erweisen konnte. Dass er bis zum Ende vor allem über seine Beziehungen identifiziert wird, ist auch ein interessanter Punkt. Finn übernimmt damit eine Rolle, die eigentlich klassischen Frauenfiguren vorgesehen ist: kein eigenes Leben abseits der Beziehung, Tendenz zum Helfersyndrom, dabei aber an starken Partnern orientiert und alles andere als dumm. Sympathisch sind diese Figuren ja auch immer, meist beliebter bei den anderen Charakteren als bei den Zuschauern, denn ein bisschen langweilig sind sie ja schließlich auch.
Durch die Abrundung dieser Charakterisierung machen die The 100-Autoren es uns in der Tat am Ende wirklich schwer, mit anzusehen, wie Clarke ihren Freund ersticht, um ihn vor einem langen, qualvollen Tod zu bewahren. Finn ist kein schlechter Mensch, aber er ist einfach falsch in dieser Welt, in der Stärke alles bedeutet. Darum sind Leute wie Clarke dort in Machtpositionen, doch davon hat Finn ja am Ende immerhin auch noch etwas.
Clarkes Entscheidung
Denn - wenn wir ehrlich sind - im Grunde geht es nur am Rande um Finn. Die ganze Sache ist vor allem als Probe für Clarke aufgebaut worden. Als Erstes macht sie etwas, womit sie schon einmal einen Menschen in Gefahr gebracht hat. Sie verteilt heikle Informationen ungefiltert in der gesamten Gemeinschaft. Diplomatie geht anders. Statt sich erst einmal mit ihrer Mutter zu besprechen, schreit sie Alexas Ultimatum in die Masse, was natürlich zu einem Tumult führt. Hat sie denn aus der Wells-Murphy-Sache überhaupt nichts gelernt? Clarke ist für freien Informationszugang, aber nicht für totale Ehrlichkeit und daran, dass die Entscheidung der Masse immer zu akzeptieren ist, glaubt sie auch nicht, denn später schleicht sie sich mit Finn und den anderen aus der Gefahrenzone.
Der Versuch, ihn zu retten und vor allem die Gnadentötung vor den Augen aller Grounder und ihrer eigenen Leute wird noch Folgen für Clarke haben - nach außen, aber wohl auch psychisch. In jedem Fall hat sie mal wieder bewiesen, dass sie die Nerven behält, wenn es darauf ankommt. Das könnte vor allem Jasper (Devon Bostick) und den anderen in Mount Weather zugutekommen.
Interessant an der Szene in der Landestation ist vor allem der Konflikt zwischen Murphy und Raven, den man durch Ravens Schuldgefühle Finn gegenüber erklären kann. Dass Raven sich damit unsympathisch macht, lenkt aber das Augenmerk auch darauf, dass Murphy es geschafft hat, sich weitgehend zu rehabilitieren.
Fazit
Die Episode Spacewalker bringt einen längst überfälligen Abschied und füllt ihn dann wider Erwarten mit jeder Menge Emotionen, welche sogar so weit gehen, dass bei dem einen oder anderen eine kleine Träne fließen könnte. Für ein Halbstaffelfinale ist es mehr als gelungen - und das nicht nur, weil es einem unseligen Handlungsstrang endlich ein Ende bereitet.
„The 100“ - Promo zur Episode 2x09: Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 18. Dezember 2014The 100 2x08 Trailer
(The 100 2x08)
Schauspieler in der Episode The 100 2x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?