The 100 2x06

Nach welchen äußeren Maßstäben entscheidet sich die eigene Moral? Und wollen die The 100-Macher uns diese Frage überhaupt stellen oder handelt es sich in einigen Fällen lediglich um Überinterpretation durch schwaches Erzählen?
Rettungskommando
Zeit, um einen Masterplan zu schmieden hat man im Camp Jaha nicht. Also zieht eine wild zusammengewürfelte Gruppe los, die unterschiedliche Ziele verfolgt, wie sich schnell herausstellt. Die Aktion splittert sich in verschieden Plots auf, von denen einer in erster Linie irritierend bis nervig ist: das Finn-Problem.
Finn (Thomas McDonell) zeigt sich beleidigt als Clarke (Eliza Taylor) und Raven (Lindsey Morgan) ihn nicht ziehen lassen wollen, doch hat er dazu eigentlich ein Recht? Er hat unbewaffnete Menschen getötet und schon wenige Tage später darf er anstandslos mitziehen in einem Rettungstrupp, bekommt gar eine Waffe anvertraut. Also weniger Aufheben könnten die anderen angesichts des Massakers wohl kaum machen. Lediglich Clarke hat weiterhin ein Problem mit dem Verhalten ihres Freundes. Dass die beiden durch den giftigen Nebel gezwungen sind, ihre Differenzen ausgerechnet in dem Bunker konfrontieren zu müssen, in dem Finn den Grounder ermordet hat, ist vielleicht die einzige gute Idee in diesem Plot.
Doch Clarke zeigt zu schnell, dass sie nicht über Finn hinweg ist. Die endgültige Vergebung scheint nicht mehr lange auf sich warten zu lassen. Das zeigt ihre Reaktion auf die Uhr. Doch das ist eine vergebene Chance für einen ohnehin schon schwachen Plot. Die Veränderung, die der einst so friedliebende Finn durchgemacht hat, war nicht nachvollziehbar. Es waren weniger seine Aktionen als sein Verhalten drumherum. Das Massaker hätte von alldem noch am meisten glaubhaft verkauft werden können, er war hochnervös, nicht Herr seiner Sinne, sein einziges Ziel vor Augen war die Rettung seiner großen Liebe, da war kein Platz für Logik als die Grounder in Panik aus dem Gehege ausbrechen.
Doch jetzt bereits die Rehabilitation zu starten, ist zu früh. Dafür schien die Veränderung zu extrem. Die Szene, als Clarke und Finn sich kurz nach dem Massaker gesehen haben, war vielversprechend. Völlige Ignoranz der Lage mit einem seltsam entrückten Lächeln bei Finn stand gegen blankes Entsetzen bei Clarke. In der Episode Fog of War ist davon nicht mehr viel übrig. Nun scheint es vor allem darum zu gehen, wie sehr die Umstände auf den eigenen Charakter drücken. Kurz ist es bezaubernd, als Finn sich verzweifelt hinkniet und auf Clarkes Befremden erwidert, dass er sich selbst nicht mehr erkennt. Doch ihre Frage, was aus ihnen geworden sei, führt in eine enttäuschende Richtung. Statt sich dem nervösen Zusammenbruch zu widmen, wird plötzlich alles in einen Topf geschmissen. Als Raven dann auch noch zu Finn sagt, dass er sich zusammenreißen soll und sein Verhalten zu einer Narbe verniedlicht, darf man sich ziemlich sicher sein, dass jeder interessante Aspekt an diesem Plot gestorben ist.
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Moralischer Engpass
Mit einer echten, schwierigen Frage der Moral sehen sich hingegen Kane (Henry Ian Cusick) und Jaha (Isaiah Washington) konfrontiert. Lexas Trick, sich als Gefangene einzuschleichen, um die wahre Natur der beiden zu entlarven, und die Überraschung, als sie sich als Kommandeurin zu erkennen gibt, sind sehenswert. Dass wir die Gestalt des Anführers, von dem wir schon öfter gehört haben, auf diese Weise kennenlernen, ist ein schöner Trick.
Die Wahl, vor die Kane und Jaha sich gestellt sehen, führt beide an die eigenen Grenzen. Schade nur, dass es sich nach wie vor so anfühlt, als wenn es neue Grenzen sind. Wie ist Kane von einem intriganten Machtmenschen, der er auf dem Raumschiff war, zu jemandem geworden, der sich nun bereits zum zweiten Mal selbst aufopfern will? Ein bisschen amüsant ist dabei mittlerweile, wie grandios er dabei jedes Mal versagt.
Interessanter ist Jahas Entwicklung, auf der einen Seite bleibt er sich selbst treu, er sucht die Kommunikation zu Lexa (Alycia Debnam Carey), er geht auf die anderen zu und sucht nach einer verständigen Lösung. Doch im Moment der Verzweiflung trifft er eine schwierige Entscheidung. Hätte er Lexa umgebracht? Wir wissen es nicht, aber so wie wir ihn kennengelernt haben, dürfen wir es bezweifeln.
Wir haben erfahren, dass die Grounder Stärke zu schätzen wissen, doch Anführerin Lexa wendet sich plötzlich dem zu, der Selbstlosigkeit gezeigt hat. Woher kommt das? Anya (Dichen Lachman) hätte ganz sicher Jahas Reaktion bevorzugt und Kanes Opfer als verachtenswerte Schwäche empfunden.
Unterdessen verändert sich die Lage auch in Mount Weather. Wir erfahren, dass Cage (Johnny Whitworth, CSI: Miami), der Anführer des geheimen Sicherheitsteams der Sohn von Präsident Dante (Raymond Barry) ist. Mit dieser Offenbarung übernimmt er eine größere Rolle und zwar die des Bösen, was uns erlaubt, nun zu glauben, dass Dante auf der moralisch stabileren Seite steht. Er wendet sich gegen Cage und beschützt die Himmelskinder. In der Episode Fog of War schlägt sich jemand anders ebenfalls auf die Seite der Neuankömmlinge: Maya (Eve Harlow) offenbart Jasper (Devon Bostick) und Monty (Christopher Larkin) das große Geheimnis der Bergmenschen und gibt den beiden damit die Gelegenheit mit allen Informationen den besten Weg zu wählen. Fürs erste ist die Strategie, ihr Blut freiwillig zu geben, was sie vor den Käfigen bewahrt und Zeit schindet bis Clarke zur Rettung eilen kann.
Moral für jeden?
Dante will die Kinder nicht in Käfige wie Tiere stecken. Interessant, wenn man bedenkt, dass sie genau das mit den Groundern machen, die sie also zwangsläufig als Tiere ansehen. Das führt den Zuschauer zu interessanten Überlegungen über die Realität, in der eine solche Behandlung von Tieren von der breiten Masse zumindest stillschweigend akzeptiert wird. Zwar möchte niemand die Zustände sehen, unter denen das Steak oder die Eier produziert worden sind, doch aktiv dagegen etwas unternehmen, tut nur eine Minderheit und oft sind günstige Preise einfach phasenweise bestechender als die Moral. In gewisser Weise muss man sich eingestehen, dass man die Bergmenschen, die die eigenen Vorteile dankend und stillschweigend annehmen, vielleicht doch besser verstehen kann als man denkt.
Mit dem wichtigen Unterschied natürlich, dass die Grounder keine Tiere, sondern Menschen sind. Doch der Spruch von Dante zeigt, wie sie denken und gewährt uns einen tieferen Blick in die Wahrnehmung dieser Menschen. Die eigene Moral ist also durch die Äußerlichkeiten beeinflusst. Nur wer sich nach den eigenen Maßstäben wie ein Mensch verhält, wird als Mensch akzeptiert und bekommt die Vorteile zu spüren. Die anderen werden degradiert und ihnen wird die Würde entzogen.
Die Himmelsmenschen, besonders die Clique um Clarke sind uns als cleverer vorgestellt worden, doch so ganz geht auch diese Rechnung nicht auf. Das zeigt sich wieder am Beispiel Finn. Er hat mehr als ein Dutzend Grounder umgebracht, was aber kaum jemanden zu stören scheint. Zumindest hat er bisher keine echten Auswirkungen zu spüren bekommen, abgesehen von dem Vertrauensentzug seiner großen Liebe. Doch Abby (Paige Turco) und die anderen, die sich in Führungspositionen wähnen, sehen keinen Grund, ihm die Waffe wegzunehmen. Wenn einer der eigenen umgebracht wird, wie zum Beispiel einst Wells, finden alle das sehr viel bestrafenswerter.
Nur den Fremden kann man ohne schlechtes Gewissen umbringen. Auf die Spitze geführt, wird diese Taktik in der Episode Fog of War durch das erneute Aufeinandertreffen von Octavia (Marie Avgeropoulos) und Lincoln (Ricky Whittle). Die Reaper sind Angreifer und als solche ist es gerecht, sie aus Notwehr zu töten. Bis ein bekanntes Gesicht unter ihnen auftaucht, dann liegt der Fall plötzlich anders. Octavia und Bellamy (Bob Morley) ist nichts vorzuwerfen in dieser Hinsicht, sie versuchen zu überleben und sind gleichzeitig Menschen mit Gefühlen. Doch der Plot führt auf interessante Weise die Überlegungen über Moral und Gewissen weiter.
Fazit
Die Serie The 100 führt ihren Siegeszug auch mit der Episode Fog of War weiter. Hin und wieder finden sich Schwächen, die vor allem daran liegen, dass das Tempo der Story ziemlich schnell ist. Da bleibt oft keine Zeit, die Veränderung einzelner Figuren nuanciert nachzuzeichnen. Doch die interessanten Aspekte von Moral und Gewissen, die uns durch die endzeitliche Geschichte in ungewohntem Gewand vorgeführt werden, wissen zu bezaubern.
The 100: Promo zur Episode 2x07: Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 4. Dezember 2014The 100 2x06 Trailer
(The 100 2x06)
Schauspieler in der Episode The 100 2x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?