The 100 2x05

Die Serie The 100 hat seit der Pilotepisode eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Meist ging es dabei mehr oder weniger steil bergauf. Auch die Episode Human Trials trägt ihren Teil zu der spannenden Story bei, doch eines fällt mittlerweile als ärgerliches Problem auf: Die Serienautoren erwarten, dass wir ziemlich große und oft abrupte Schritte in Sachen Charakterentwicklung hinnehmen. Nicht nur für die Figur Finn könnte das schnell zum Problem auswachsen.
Wichtige Entscheidungen
In der Episode Human Trials stehen viele Figuren vor wichtigen Entscheidungen, was wiederum zu großen Veränderungen in der Story führt. Doch was als gute Idee beginnt, stellt sich bald als Falle heraus. Denn zu viele Plots lassen den einzelnen Figuren nur wenig Zeit, sich den großen Fragen und Anforderungen zu stellen. Das schlägt sich oft in holprigen und vor allem von der Notwendigkeit der Geschichte getriebenen Entscheidungen nieder. Die Figuren vergessen ihre Vergangenheit und große Teile ihres Charakters, um Entscheidungen zu treffen und Wendungen herbeizuführen, die vor allem für den Fortgang der Geschichte wichtig sind. In Einzelfällen ist es grenzwertig, ob die charakterlichen Veränderungen noch mit den Erfahrungen der Figuren zu rechtfertigen sind.
Da hätten wir zum Beispiel Abby (Paige Turco), die sich neuerdings als Kanzlerin völlig anders gebart als vorher. Sie ist wohl einfach die geborene Oppositionsführerin, die die Mächtigen an ihre moralische Verantwortung erinnert. Nun ist sie selbst die höchste Instanz im Camp, und das verändert sie zu sehr. Eiskalt lässt sie Finn (Thomas McDonell) und Murphy (Richard Harmon) fallen, die ja eigentlich nur ihretwegen unterwegs sind und ihre Tochter suchen wollen. Das passt nicht zu der Abby, die wir kennengelernt haben. Vor allem nicht, weil Clarke (Eliza Taylor) und Bellamy (Bob Morley) sich für die Suche anbieten und damit keine weiteren Ressourcen notwendig wären. Dass sie sich freut, ihre Tochter wiederzusehen, ist verständlich, doch die beiden haben eine so wechselhafte Geschichte, dass ihre Übermütterlichkeit im Moment kaum Sinn ergibt. Clarke hat Recht, wenn sie sagt, dass Finn die Beziehung zu den Groundern gefährdet, was wiederum die Pläne zur Zusammenarbeit gegen die Bergmenschen zunichtemacht.
Die beiden haben eine wechselvolle Geschichte, in der Abby immer wieder vor die Entscheidung gestellt wurde, ob sie ein Problem als Mutter oder als Anführerin angehen soll. Sie hat sich als jemand gezeigt, der nach Möglichkeit Hilfe bei Einzelschicksalen - besonders natürlich dem ihrer Tochter - anbietet, aber nur so lange es nicht gegen das Wohl der Allgemeinheit geht. Jetzt handelt sie irrational und biestig, das passt nicht zu dem Führungsstil, den sie bisher an den Tag gelegt hat.
Eine andere diskussionswürdige Entscheidung trifft Jasper (Devon Bostick) in der Episode Human Trials. Doch seine Gedankengänge sind nachvollziehbarer, auch wenn es seltsam ist, dass sowohl er als auch Monty (Christopher Larkin) die offensichtliche Täuschung nicht erkennen.
Zunächst sieht er sich in zwei Gesprächen in seinem Mut herausgefordert und muss einknicken. Monty hält ihm vor, nicht genug um Clarke zu kämpfen, und Präsident Wallace (Raymond Barry) bietet ihm die Möglichkeit, seine Freundin zu suchen. Doch Jasper fühlt sich wohl in Mount Weather, will eigentlich nicht raus in die feindliche Umwelt und verschließt daher auch gekonnt die Augen vor allem, was seltsam ist im Berg.
Als Japser schließlich vor die Wahl gestellt wird, Maya (Eve Harlow) zu retten oder nicht, nimmt er dies als Möglichkeit, seinen Mut zu beweisen. Das ist auch die einzige Erklärung, wieso er nicht erkennt, dass es sich bei der ganzen Situation offensichtlich um einen Trick handelt. Er und Monty hätten schon aufhorchen müssen, als es ihnen erlaubt wurde, mit ins Krankenzimmer zu kommen. Himmelsmensch oder Bergmensch - bisher gab es immer gut bewachte Grenzen zwischen den Bereichen. Und es gibt keinen Grund, aus dem die beiden bei der Behandlung anwesend sein müssten. Außer natürlich dem, dass der Druck auf Jasper höher ist, wenn er die leidende Maya direkt vor sich sieht. Bisher haben sie den Bluttausch vor allem an Groundern praktiziert, nun nehmen sie sich nach unserem Wissen zum ersten Mal einen Himmelsmenschen vor.
Langsam wird also deutlicher, welchen Plan die Bergmenschen - zumindest die Mediziner - mit der Fürsorge für Jasper und die anderen Himmelsmenschen verfolgen. Das führt auch dazu, dass Präsident Wallace immer mehr in die Ecke getrieben wird, seine eigenen Motive zu enthüllen. Er zeigt sich im Moment als jemand, dem eine große Entscheidung bevorsteht: die Entscheidung, wie er mit den Himmelsmenschen weiter umgehen soll. Das ist einerseits sehr interessant und vielversprechend, andererseits wirkt es seltsam. Wir haben ihn als jemanden erlebt, der Geheimnisse hat und sich seines Weges bewusst ist. Wenn er also keinen großen Plan vor Jasper und Co. versteckt, wieso verhält er sich dann so mysteriös?
Probleme mit dem Charakter der Anführer gibt es auch im Lager der Himmelsmenschen. Während Abby sich zu einer hartherzigen Anführerin entwickelt, für die Vernunft nicht mehr viel zählt, geht Kane (Henry Ian Cusick) den entgegengesetzten Weg. Er entscheidet sich dazu, dem gefangenen Grounder zu vertrauen, um den Grundstein für eine Zusammenarbeit zu legen. Da hat er eine Lektion verpasst, die selbst Clarke mittlerweile begriffen hat: Auf der Erde geht es um Stärke, nicht um Vernunft. Während seine Entscheidung angesichts seiner Vergangenheit nur wenig Sinn ergibt, ist es dafür umso folgerichtiger, dass er sofort einen Schlag versetzt bekommt und in Gefangenschaft gerät. Doch wieso können die The 100-Autoren uns seine seltsame Entscheidung nicht etwas näher bringen? Das würde zumindest den Eindruck entkräften, dass hier nur ein einfacher Weg gesucht wurde, um Kane und Jaha (Isaiah Washington) zusammenzubringen.
Rollentausch
So wie Abby und Kane auf gewisse Art ihre Charaktere untereinander getauscht haben, tun das auch Finn und Murphy. Vieles an dem Massaker an den Groundern wirkt aufgesetzt. Im Moment erscheint es, als ob sein Charakter in der zweiten Staffel komplett neu angelegt worden ist. Nur zwischendurch erwähnt Bellamy, dass Finn sich verändert habe, seit er Clarke verloren hat. Doch das Massaker an den Groundern kann damit nicht erklärt werden. Er hat viel erlebt, aber sie alle haben viel durchgemacht. Die Autoren haben seinen Blutrausch nur geringfügig vorbereitet, die Dramatik der Szene ist nicht verdient und fühlt sich daher aufgesetzt an. Dabei hilft auch Murphy nicht, der sich plötzlich und ohne Grund wie ein Finn der ersten Staffel verhält. Er wurde von den Groundern gefoltert, von seinen eigenen Leuten unschuldig verurteilt und ausgesetzt. In den letzten Episoden hat er sich der Gruppe wieder angenähert, schien wieder bereit, Teil der Gemeinschaft zu werden. Doch dass er jetzt als Stimme der Vernunft auftritt, ist doch etwas zu viel. Auch diese Veränderung fühlt sich zu abrupt an.
Clarke muss das tödliche Chaos mitansehen, das Finn im Dorf der Grounder angerichtet hat. Doch da seine Wendung sich bisher zu aufgesetzt anfühlt, ist es auch schwierig, sich in diesem bevorstehenden Konflikt zu engagieren. Bellamy stellt es so dar, dass Finn sich seit Clarkes Verlust so verändert hat, doch eine große, tragische Liebesgeschichte passt nicht in die The 100-Story, zumindest nicht an dieser Stelle.
In Sachen Grounder gibt es weitere schlechte Neuigkeiten, Anya (Dichen Lachman) ist tot, wir erfahren es von Clarke in einem Nebensatz, in dem nicht einmal der Name der Anführerin fällt. Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung. Denn durch den Plot um die herangezüchteten Supersoldaten auf Drogen gewinnt die Figur Lincoln (Ricky Whittle) endlich an Spannung. Fast schon ironisch wirkt, dass er sich in dem Moment, in dem er unter Drogen gesetzt und gehirnmanipuliert wird, zum ersten Mal wie ein echter, eigenständiger Charakter anfühlt.
Fazit
Vieles an der Episode Human Trials wirkt zu aufgesetzt. Dennoch bleibt die Story nach wie vor spannend. Das Problem, über die die The 100-Autoren stolpern, ist die Masse an Plots, die unter einen Hut gebracht werden müssen. Da bleibt nicht viel Zeit, einzelne Charakterveränderungen lange vorzubereiten. Umso schöner, dass es trotz der Zeitnot noch Gelegenheit für emotionale Szenen gibt wie die, in der Abby aus Verzweiflung Raven (Lindsey Morgan) schlägt und ihr den wichtigsten Satz der Episode sagt, nämlich dass Clarke kein Kind mehr sei, seit ihre eigene Mutter sie zum Sterben auf die Erde geschickt hat.
The 100 bleibt weiterhin eine starke Serie, die jedoch hin und wieder über den eigenen hohen Anspruch stolpert.
The 100: Promo zur Episode 2x07: Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 20. November 2014The 100 2x05 Trailer
(The 100 2x05)
Schauspieler in der Episode The 100 2x05
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