The 100 2x04

The 100-Fans wissen es schon länger: Aus einem eher unbeachteten Geheimtipp ist spätestens zu Beginn der zweiten Staffel ein Must-see geworden, das nicht nur Science-Fiction-Fans begeistert. In der Episode Many Happy Returns zeigt sich, dass neben guten Schauspielern und interessanten Plots auch herausragende Bilder zu den Vorteilen gehören, die man genießen kann, wenn man der The CW-Serie eine Chance gibt.
Stärke
Zu Beginn schien die Serie The 100 wie ein Gedankenexperiment. Was passiert, wenn man Hundert mehr oder weniger straffällig gewordene Jugendliche als Vorhut auf einen möglicherweise unbewohnbaren Planeten schickt? Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die Serienautoren eine größere Vision für die Story hatten, oder zumindest in beeindruckender Weise das Ruder herumgerissen haben. Für die Himmelsmenschen, die Grounder, die Bergmenschen und die Reaper ist die Erde ein kalter Ort, an dem nur das Recht des Stärkeren zählt. In vielerlei Hinsicht haben sie unterschiedliche Voraussetzungen, um zu überleben, jeder kämpft mit seinen Waffen, seinen Vorteilen, seinen Möglichkeiten. Doch eines ist in allen Gruppen das höchste Gut: Stärke.
Anya (Dichen Lachman) weigert sich zu Beginn der Episode Many Happy Returns, mit Clarke (Eliza Taylor) zusammenarbeiten, weil sie ihr zu schwach ist. Sie sieht keine Notwendigkeit, sie als gleichberechtigt anzuerkennen, wenn sie sie auch beherrschen kann. Erst nach einem langen Kampf auf Leben und Tod erkennt Anya Clarke an.
Anya kämpft in erster Linie für sich und nutzt die Unterstützung ihrer Gruppe wenn notwendig oder wenn sie von Vorteil ist. Damit ist sie einer anderen starken Frau in der Serie The 100 ziemlich ähnlich, Raven (Lindsey Morgan). Erst jüngst hat sie eine gefährliche Operation überlebt und nun versucht Raven schon wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Bereits in der ersten Staffel haben wir gelernt, dass es für Raven von großer Wichtigkeit ist, Dinge alleine zu können. Wenn sie ihre eigenen Aufgaben nicht erfüllen kann, fühlt sie sich überflüssig. Auf Hilfe angewiesen zu sein, ist ein Desaster für unabhängige Figuren wie Anya und Raven.
Clarke ist aus einem anderen Holz geschnitzt, wenn sie auch viele Gemeinsamkeiten mit den beiden hat. Alle drei sind starke Charaktere, die ihren Willen durchsetzen können und das Ziel klar vor Augen haben. Doch anders als Anya und Raven nutzt Clarke die Fähigkeiten anderer. Sie versucht nicht alles, alleine zu schaffen, sie ist eher der Typ Anführerin, die eine Armee um sich aufbaut und andere einspannt. Sie sucht die Zusammenarbeit mit Anya, doch sie erkennt auch, dass es auf der Erde um die Stärke geht.
Alle drei Figuren werden in der Episode Many Happy Returns vor schwierige Aufgaben gestellt. Die einzige, die einen runden Anschluss mit vorläufigem Happy End bekommt ist Raven. Wir mussten mit ansehen, wie sie leidet, wie die Umstände für diese starke und dabei doch immer sympathische Figur immer schlimmer wurden. Erst musste sie erkennen, dass ihr Freund eine andere liebt, dann hat ihre Verletzung sie fast das Leben gekostet. Nun kämpft sie mit aller Macht dafür, ihre alte Rolle wieder einnehmen zu können.
Ihren alten Schwung hat sie verloren, sie kann nicht mehr so wie früher. Doch dank Wick (Steve Talley, „American Pie“, Pretty Little Liars) findet sie wieder neuen Mut. Wir kennen Wick nicht besonders gut, haben ihn bisher immer nur kurz gesehen. Doch als Finn-Ersatz für Raven funktioniert er dank Charme und guter Dialoge innerhalb weniger Minuten. Er bietet Raven die Stirn, zumindest beruflich gesehen und ist für sie da, wenn sie Unterstützung braucht. Doch er hilft ihr auf eine Art, die sie annehmen kann. Jeder Zuschauer, der Raven zu seinen Lieblingen zählt, hat nach der Episode Many Happy Returns wohl auch Wick in sein Herz geschlossen.
Das Traumduo
Auch Anya muss einsehen, dass sie nicht alles alleine bekämpfen kann. Zunächst geht in der Episode Many Happy Returns das Hin und Her aus der letzten Episode weiter. Clarke und Anya versuchen der Gefahr durch die Bergmenschen zu entkommen während sie gleichzeitig um die Oberhand kämpfen. Die Innensicht, die wir dabei bekommen, ist spärlich, den Erkenntnissen der letzten Episode wird nur wenig hinzugefügt. Dafür werden wir mit einer großartigen Schlussszene belohnt.
Clarke gewinnt den internen Machtkampf und schafft es als erste ins heimische Camp mit der Anderen als Gefangener. Doch sie bleibt ihrer Gemeinschaftstaktik treu, sie lässt Anya ziehen mit der Bitte um künftige Zusammenarbeit. Damit stößt sie sogar auf Erfolg. Anya hat gelernt, Clarke ernst zu nehmen, ihre Stärke zu respektieren und damit hat Clarke sich die Zusammenarbeit verdient.
Doch dem idyllischen Anfang einer neuen Allianz kommen die Kämpfer der Raumstation in die Quere. Clarke versichert Anya, dass ihre Leute alles tun werden, um die Bergmenschen zu besiegen und nur wenige Minuten später schießen genau diese potentiellen Unterstützer auf Anya und Clarke. Sicher, sie sind Eindringlinge, es ist nicht einzuschätzen, was sie wollen. Doch das Timing soll ganz deutlich zeigen, dass Clarke sich der Vernunft und dem Willen zur Zusammenarbeit auf Seiten ihrer Leute etwas zu sicher ist.
Sie ist die einzige, die die Koalition sucht, alle anderen verstehen unter Stärke in erster Linie dasselbe wie Anya und Raven, nämlich die Fähigkeit, für sich selbst zu sorgen und die eigenen Aufgaben zu erfüllen bevor sie an die Zusammenarbeit mit anderen denken.
Ist die Episode Many Happy Returns wirklich das Ende der Figur Anya? Das wäre mehr als schade, Anya ist nicht nur eine charismatische Erscheinung, sie ist auch die einzige auf Seiten der Grounder, die echtes Interesse wecken konnte. Fairerweise muss man dazu sagen, dass der einzige andere Grounder, den wir näher kennengelernt haben, Lincoln (Ricky Whittle) ist und der scheint erstens im Moment von den Bergmenschen aus dem Verkehr gezogen zu sein und ist zweitens in erster Linie ein Accessoire für Octavias Geschichte.
Es fühlt sich nicht so an, als wäre die Story der Figur Anya schon zu Ende erzählt, doch der Punkt, den sie mit ihrem Tod machen würden, wäre ebenfalls wichtig. Anya und Clarke haben es geschafft, ihre Differenzen zu überwinden und gemeinsamen Boden zu finden. Doch die Art, erst zu schießen und dann zu fragen, hat diese Allianz innerhalb weniger Minuten wieder begraben. Clarke steht alleine auf weiter Flur mit ihrer Vernunft und ihrer Weitsicht. Alle anderen kommen nicht gegen die eigenen Gefühle von Angst und Rache an.
Rollentausch
Das gilt seit einiger Zeit besonders für Finn (Thomas McDonell). Er war eine der Vernunftstimmen der ersten Staffel, doch er hat zu viel gelitten. Hätte der Finn der ersten Staffel ein Mädchen sterben lassen? Vermutlich nicht. Dazu kommt, dass die Entscheidung, weiterzuziehen ohne der in Not Geratenen zu helfen das absolute Gegenteil von dem ist, was Clarke getan hätte.
Dieses Mal ist es Finn, der etwas zu verlieren hat, er kämpft für die Rettung seiner großen Liebe Clarke und nichts - Mitgefühl, Verständnis oder Moral - kann ihn von diesem Ziel abhalten. Die vermittelnde Rolle, die er kurz nach der Landung der Teenager in der Gruppe übernommen hat, fällt nun Bellamy (Bob Morley) zu. Denn der hat im Moment nichts zu verlieren. Seine Schwester zieht seiner Meinung nach mit Lincoln durch die Wälder und die Gruppe der Hundert hat sich zerschlagen. Nun zeigt sich, dass beide Figuren nicht so verschieden sind unter ähnlichen Umständen. Der Unterschied zwischen ihnen ist, dass Finn die eigenen Gefühle in den Vordergrund stellt, während Bellamy das Wohl der Gruppe für wichtiger hält. Das bedeutet nicht immer, zum Wohl der Mehrheit zu entscheiden, auch die Rettung einer einzelnen Frau, wie in der Episode Many Happy Returns, ist für ihn wichtig. Er lässt sich nur nicht von seinen Gefühlen leiten, sondern von seiner Fähigkeit anzuführen. Doch fairerweise muss man sagen, dass er ja im Moment auch nicht die Notwendigkeit sieht, sich zwischen seinen Gefühlen und der Vernunft entscheiden zu müssen.
Interessant ist die Verschiebung in der Gruppe auf jeden Fall. Finn wird immer roher, brutaler während Bellamy seine vernünftige Seite herauskehrt und Murphy (Richard Harmon) sich langsam in die Loyalität zurückschleicht. Er lässt das Seil, an dem Bellamy hängt nicht los, auch als sein eigenes Leben in Gefahr ist. Vermutlich sind es diese Zeichen, die Bellamy dazu bringen, Murphy als Finns Mitstreiter loszuschicken und ihm sogar eine Waffe zu überreichen.
Die Verschiebung, die dieser kleine Gruppenausflug für die drei Figuren gebracht hat, ist vielversprechend für die Zukunft. Zumindest wenn die The 100-Autoren im Blick behalten, dass sie Finn und Bellamy nicht beliebig auf der Moralskala hin- und herschieben können.
Verrat am moralischen Kompass
Dass Jaha (Isaiah Washington) eine Sonderstellung unter den Himmelsmenschen hat, war schon in der ersten Staffel deutlich. Er ist ruhig, aber bestimmt, in seiner Gegenwart halten sich selbst Charaktere wie Kane (Henry Ian Cusick) unter Kontrolle. Er ist das moralische Zentrum der Gruppe, besonders nach seinem selbstlosen Opfer vor dem großen Abenteuer.
Nun ist er alleine auf der Erde und gerät in interessante Gesellschaft. Jahas Treffen mit Zoran (Finn Wolfhard) und dessen Eltern schenkt uns nicht nur einen tieferen Blick in die The 100-Welt und bestechende Bilder, sondern erzählt auch eine spannende Geschichte.
Die Eltern von Zoran verraten den fremden Besucher und verkaufen ihn an offenbar gefährliche Leute. Doch sie tun es für ihren Sohn, für die Zukunft ihrer Familie. Jaha hat seinen eigenen Sohn auf die Erde geschickt ohne zu wissen, ob er dort überleben würde. Er hat es getan, weil er das Wohl seiner Leute vor das Wohl seiner Familie gestellt hat. Er hat sich nicht erlaubt, seinen Sohn zu etwas Besonderem zu machen während er die Kinder anderer Eltern auf die Erde schickt. Er versteht die Entscheidung von Zorans Eltern und statt wütend zu werden, zeigt er sich einmal mehr von seiner messiasmässigen Seite. Seine Rückkehr zur Gruppe der Himmelsmenschen wird wohl eine große Sache werden.
Fazit
Die Episode Many Happy Returns verlegt den Fokus und zeigt dabei, dass die Serie The 100 auf vielen Ebenen außergewöhnlich gut ist. Die Story hat spannende Geheimnisse und große Gefahren zu bieten, wie die Vorgänge in Mount Weather.
Doch die Serienautoren müssen sich nicht auf der Action und den Cliffhangern ausruhen. Auch wenn sie die Charaktere und deren Interaktionen in den Mittelpunkt stellen, liefern sie eine großartige Episode ab. Many Happy Returns ist eine ruhigere Episode, die uns tiefer in die Serienwelt und die Emotionen der Figuren führt.
Promo zur Episode „Human Trials“ (2x05): Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 13. November 2014The 100 2x04 Trailer
(The 100 2x04)
Schauspieler in der Episode The 100 2x04
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